Gesellschaft

Say Ello…

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Hello

Ziemlich viele Dinge habe ich im Moment in der Pipeline, die ich hier nach und nach in den netznotizen veröffentlichen werde. Da ist zunächst die Fotostrecke von Breslau, die ich Ihnen versprochen hatte. Dann gibt es noch eine Vorstellung des ersten deutschsprachigen →Gemeinschaftsblogs rund um das Thema Schwimmen. Außerdem habe ich hier bisher noch nicht erwähnt, dass wir vor unserem Urlaub in Polen zweimal in Dresden waren. Der erste Anlass war das →Schriftenfest, zu dem sich in diesem Jahr wieder die Anhänger der schwarzen Kunst trafen. Der andere Anlass war das →Dresdner Elbeschwimmen, über das ich im Schwimmblog bereits schrieb. Während des Schriftenfests habe ich einige Fotos gemacht, die ganz gut den Ablauf vom Textentwurf bis hin zum fertigen Schriftsatz mit Bleilettern dokumentieren, so wie es vor 50 und mehr Jahren in jeder Druckerei erfolgte. Eine Fotostrecke darf ich Ihnen schon einmal versprechen…

Ello

Ein Ereignis in dieser Woche war das Release einer neuen Social Media Plattform. →Ello. Der Name kommt von »hello« und man hat das stimmlose »h« einfach weggelassen. Nun gibt es ja schon eine Reihe Social Media Networks, in denen man Inhalte veröffentlichen und sich gegenseitig ein Like oder ein Fav spendieren kann. Facebook, Twitter, Foursquare, Google+ und Yelp gehören für jeden Blogger bereits zum Standard-Repertoire in Sachen digitaler Vernetzung. Dazu gibt es dann noch eine ganze Reihe kleiner Vernetzungsportale, wie zum Beispiel das von mir selbst betriebene →Stories and Places.

Datenschutz mit Ello. Man fragt sich natürlich, was der benefit von Ello ist. Braucht die Welt noch ein weiteres Social Media Network? Ello startet gerade zu dem Zeitpunkt, als viele Twitterer abgenervt davon sind, dass Twitter Meldungen von Nutzern einstreut, denen sie gar nicht folgen. Zu Werbezwecken. Facebook macht das genauso. Dort heißt das »empfohlener Beitrag«. Freilich, diese eingestreute Werbung ist keine blink-blink Banner Werbung, wie man sie aus frühen Internet-Zeiten kennt, sondern es handelt sich um eingestreute Informationen, die oft nicht erkennen lassen, dass sie mit Kommerzhintergrund dort platziert sind. Firmen und Auftraggeber zahlen dafür, dass bestimmte Inhalte eingeschleust und platziert werden.

Bei Ello ist das anders. Ello hat den →Anspruch, werbefrei zu sein und legt Wert auf den Datenschutz der Nutzerdaten. Das kam in der letzten Woche zur richtigen Zeit, und es entstand ein kleiner Hype. Jeder möchte natürlich Early Adopter sein. Faktisch ist noch nicht so viel vorhanden bei Ello. Die Plattform funktioniert im Beta-Stadium. Man kann Beiträge schreiben und auch Bilder posten. Texte sind nicht wie bei Twitter auf eine bestimmte Zeichenanzahl begrenzt. Eine direkte Kommunikation zwischen den Nutzern ist im jetzigen Beta-Stadium zwar möglich, aber noch etwas beschwerlich. Bisher können sich Nutzer keine Nachrichten über das Portal schreiben, jedoch bekommt man eine E-Mail, wenn man von jemandem direkt angeschrieben wurde. Likes und Favs zu verteilen, geht bisher auch noch nicht. Ich persönlich kann auf diese Dinge jedoch gerne verzichten. Für mich rockt das minimalistische Design. Die Texte werden in einer Schreibmaschinenschrift auf weißen Grund dargestellt. Eine sehr schöne, puristische Idee. Ich hoffe, es bleibt so.

Damit ein Social Media Portal gut anläuft, ist es üblich, dass Early Adopter sich nur nach einer Einladung registrieren können und dann weitere Nutzer einladen. So auch bei Ello. Jeder bekommt »invitations«, mit denen die digitalen Freunde und Follower aus anderen Social Media Networks einladen werden können. Dieses Modell hat zur Folge, dass man sich gegenseitig einlädt und schnell ein Netz aus Nutzern entsteht, die sich schon kennen. Invitations wurden in den letzten Tagen reichlich verteilt, und mein erstes Zwischenfazit ist, dass es zwei Lager der angemeldeten Nutzer gibt. Die einen haben sich angemeldet, eingeloggt und schnell gesehen, dass bei Ello im Beta-Stadium einiges noch nicht funktioniert, es keine Apps für mobile Geräte gibt, haben drei bis vier Posts abgesendet und waren dann wieder weg. Die anderen, zu denen ich gehöre, scheinen die Idee von Datenschutz und Werbefreiheit, das Ello-Manifest, zu mögen, experimentieren gerne mit etwas Neuem oder sind vom minimalistischen Design angezogen.

Ich finde es gut, dass Texte nicht wie bei Twitter auf 140 Zeichen beschränkt sind und werde Ello für kurze Texte und Statusmeldungen nutzen, die für die netznotizen zu wenig Inhalt und Relevanz haben. Außerdem werde ich noch ein oder zwei Accounts einrichten, in denen ich Wissenswertes zu einem bestimmten Thema schreibe. Wie bei Twitter kann man Ello nämlich mit dem Benutzernamen hinter dem »ello.co« aufrufen und erhält alle Beiträge eines Nutzers nacheinander angezeigt. So wie hier, →meine Ello-Posts.

Versuch macht klug. Wenn Sie neugierig sind und Ihnen das Manifest von Ello gefällt, dann probieren Sie Ello einfach aus. Ein paar invitations habe ich noch. Senden Sie mir einfach Ihre E-Mail Adresse, mit der sie bei Ello registriert sein möchten. Sie sind dann immerhin noch »Late Early Adopter«.

Freilich sind wir alle gespannt, wie es nun weiter geht mit Ello und was jetzt technisch dort noch passiert, damit es ein vollwertiges Social Media Network wird. Mir ist zudem noch nicht klar, worin genau das Erlösmodell von Ello besteht, So wie ich es verstanden habe, ist geplant, gewisse Zusatzleistungen demnächst gegen Bezahlung anzubieten, um so das Portal zu finanzieren und außerdem Geld damit zu verdienen. Ob das so aufgeht, großes Fragezeichen.

Nicht erst durch Stories and Places ist mir klar, dass es letztendlich nur drei Möglichkeiten gibt, wie man aus einem Web-2.0- oder Social Media Internetangebot Erlöse erzielen kann.

Die erste Möglichkeit besteht darin, Werbung zu schalten, wobei ich darunter nicht nur banale Banner-Werbung oder Anzeigen verstehe, sondern auch das Platzieren von Inhalten, das Auftraggeber bezahlen. Viele Firmen möchten mit ihren Angeboten in den Social Media Networks präsent sein, am besten so, dass positiv darüber gesprochen wird, viral, nach dem Schneeballprinzip. Wie weit das von den Nutzern toleriert wird, ist nicht so einfach zu beantworten. Spätestens, wenn die Nutzer erkannt haben, dass sie nicht mehr nur die Beiträge ihrer digitalen Freunde lesen, sondern Inhalte, die mit Kommerzhintergrund eingestreut wurden, ist der Ärger schnell groß. Vielleicht ist Ello trotz Beta-Stadium deswegen so interessant. Platzieren von Inhalten, wofür Auftraggeber bezahlen, ist eben eine zweischneidige Sache. Das Erlösmodell funktioniert generell, kann jedoch schnell kippen.

Die zweite Möglichkeit, mit einem Social Media Networking Portal Erlöse zu erzielen, ist, die von den Nutzern veröffentlichten Inhalte gezielt auszuwerten und die Auswertungen oder sogar die Inhalte selbst für andere Internet-Angebote zu nutzen oder gar an fremde Dienstleister weiter zu verkaufen. Das Social Media Network wird so zur Datenkrake. Von den Nutzern wird das allerdings meist nur theoretisch als störend empfunden. Freilich, wer ist nicht pro Datenschutz? Genutzt werden die Annehmlichkeiten einer Gratis-Mitgliedschaft in einem Social Media Network jedoch weiterhin gerne.

Die dritte Möglichkeit ist die simple Lösung, dass die Nutzer monatlich einen Beitrag zahlen. Das mag bei Xing noch funktionieren und vielleicht auch in Kombination mit praktisch nutzbaren Vorteilen wie Cloud-Diensten, etc. Gibt es diese »handfesten« Vorteile nicht, müssen solche Bezahl-Modelle gut überlegt sein. Auch wenn es nur der Preis eines Kaffees ist, im Privaten sind die Deutschen Schnäppchenjäger und zahlen keine drei Euro für etwas, das es nebenan kostenlos gibt. Unter anderem an dieser Hürde ist das →App.Net (ADN) gerade →gescheitert. App.Net sollte eine Alternative zu Twitter sein und ist es technisch sicher auch. Noch gut kann ich ich an den Hype um App.Net erinnern, als es vor zwei Jahren an den Start ging. Es sollte ein Social Media Network mit offenem Standard sein, die Mitgliedschaft kostet drei Dollar im Monat und damit kann man einer beliebigen Anzahl anderer AppNet-Nutzer virtuell folgen und deren Kurzbeiträge lesen – eben so wie bei Twitter. Damals war ich dabei, weil ich dachte »Das wird was. Drei Dollar im Monat sind nicht die Welt und einen zuverlässigen offenen Standard fand ich unterstützenswert.« Ein Teil meiner Twitter-Follower zog zu AppNet. Freilich nicht, um Twitter zu verlassen, dazu war bei App.Net noch zu wenig los. Es gab es dann kostenlose Lite-Mitgliedschaften, bei denen man jedoch nur 40 anderen Nutzern folgen konnte, was nicht viel ist. Schnell testeten alle App.Net lite. Nur wenige waren bereit, die 36 € pro Jahr zu zahlen. Warum auch, es gab ja Twitter. Gratis. Ideel nicht so »korrekt«, aber eben für lau. App.Net wurde zum Rohrkrepierer.

Diesen Fehler macht Ello – hoffentlich – nicht. Ello ist kostenlos. Und man kann so vielen Nutzern virtuell folgen, wie man möchte und Texte von beliebiger Länge schreiben. Bleibt zu hoffen, dass es klappt mit einem Erlösmodell. Wenn nämlich Möglichkeit eins und zwei ausfallen, weil es das selbst auferlegte →Ello-Manifest so vorsieht, dann bleibt nur die Bezahl-Lösung als Erlösmodell. – Oder eben die Abkehr vom Manifest. Schauen wir einmal…

Gesellschaft

Fundstücke mit Geschichte

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Schuhspanner aus dem Schuhhaus Dublon in Erfurt.

Die Sommerreise ist vorbei und neben Fotos habe ich in den letzten Tagen so allerlei sortiert und organisiert. Heute sind ein paar schwarze Halbschuhe dran. Sie müssen von der Natur böhmischer Wanderwege befreit werden und etwas in Form gebracht werden, um dann mit schwarzer Schuhcreme wieder blitzblank und stadtfein zu werden. Für das »in-Form-bringen« griff ich vorhin zielsicher in eine der Ecken dieser Wohnung, in der sich Dinge wie Schuhputzzeug sammeln und holte zwei alte Schuhspanner hervor.

Schuhhaus Dublon, Erfurt steht darauf. Seit der Studentenzeit sind diese beiden Schuhspanner schon in meinem Besitz und ziemlich lange habe ich sie nicht benutzt. Sie kommen aus dem Haushalt meiner Großeltern. Schon als kind hatte ich sie wahrgenommen, eben weil sie anders waren als die anderen Schuhspanner, die ihre Spannung mit einer Spiralfeder erzeugen. Die kommen von Tante A., erzählte meine Großmutter. Es bedurfte also keiner späteren Nachfrage mehr, warum dort »Erfurt« drauf steht, wo meine ganze Familie ja aus Westdeutschland kommt. Über Tante A. – die keine Verwandte, sondern eine Freundin war – hatte meine Großmutter mir nämlich viel erzählt. Die hatte ihren Mann F. in den Kriegsjahren im Luftschutzkeller in Stettin kennengelernt. A. war dort als Luftwaffenhelferin oder ähnliches eingesetzt. Ihr späterer Mann F. kam aus Erfurt, war Jurist, Offizier und nachher Oberregierungsrat. Von ihm kommen also meine Schuhspanner. Freilich, wer den Hang zu Luftschutzkeller-Romantik hat, kann sich vieles ausmalen, wie es damals gewesen sein muss, als es in Stettin zwischen der höheren Tochter und dem Offizier gefunkt hat… Tante A. habe ich noch kennen gelernt, ihr Mann ist schon vor meiner Geburt verstorben. Ein feiner, sensibler Mensch soll er gewesen sein.

Jahrzehnte später kamen die Schuhspanner in meinen Besitz. Ich brauchte am Studienort welche, im Elternhaus lagen sie rum und ich fand diese Art wesentlich besser, als die mit den Spiralfedern. Selten benutzte ich sie, jedoch erinnert mich der Stempel Erfurt immer an Tante A.

Auch als ich studierte, lag Erfurt noch in der DDR und war für ein westdeutsches Kind ohne Familien-Anbindung in den Osten so weit weg wie Breslau oder Moskau. Die Schuhspanner waren eben zwei Gebrauchsgegenstände aus alter Zeit, als Deutschland noch größer war. Dinge, die sich nicht abnutzen, die man selten und doch immer mal wieder braucht und über die man nicht länger nachdenkt.

Vorhin habe ich sie wieder herausgeholt, fotografierte sie schnell und jetzt tun sie ihren Dienst in den Schuhen. Während ich fotografierte, erzählte ich Miz Kitty die Geschichte von A. und F., ihrem Kennenlernen im Stettiner Luftschutzkeller, und dass diese Schuhspanner aus Erfurt kommen. Das musst du unbedingt mal bloggen, diese alten Geschichten, meinte sie. Mach ich, jetzt und hier.

Freilich wollte ich wissen, was aus dem Schuhhaus Dublon geworden ist, dessen Stempel diese beiden Schuhspanner tragen. Hat es die DDR überlebt, vielleicht unter staatlicher Regie oder so? Hat es nicht. Das Schuhhaus gab es schon nicht mehr, als A. und F. sich in Stettin kennenlernten. Die Inhaber waren Juden. Sie wurden später in Auschwitz ermordet. Gelegen war das Schuhhaus Dublon in Erfurt am Anger 46. Der Arbeitskreis »Erfurter GeDenken 1933–1945« initiierte im Jahr 2012 das Aufstellen der achten Erfurter DenkNadel, siehe auch →Denknadeln für Holocaust-Opfer.

Hochinteressant und spannend, was banale Alltagsgegenstände wie diese Schuhspanner an Geschichte vereinen: Persönliche Geschichte, Weltgeschichte, traurige Geschichte. Ein klein wenig werden die Schuhspanner jetzt vom Fundstück zum Gedenkstück. – Und weil sie einfach gut und unkaputtbar sind, werde ich sie wohl noch lange verwenden.

Außerdem: Es gibt sie noch oder wieder, freilich ohne den geschichtlichen Hintergrund meines Paares. Sie wissen schon, dort wo es noch die guten Dinge gibt. Dort heißen sie →Schraubleisten und sind sogar recht preiswert.

Reisen

Palast-Hopping 2014: Die Rückreise – Adersbacher Felsen, Hancova-Bouda und 8 kg Persil

adersbachDer Tag der Rückreise sollte nach dem Flop mit der letzten Unterkunft noch für etwas Sightseeing genutzt werden. Neben wunderschönen, kleinen Bergstraßen mit genialen Landschaftsansichten besuchten wir die Adersbacher Felsen. Skurril, wie da plötzlich riesige Sandsteinfelsen aus dem Boden kommen. Noch skurriler die Formen, und wie sich einzelne Bäume regelrecht an den Felsen festklammern und darauf noch gedeihen. Miz Kitty erinnerten die Felsen an das Elbsandstein-Gebirge und die Schrammsteine. Einige Fotos habe ich gemacht, freilich nicht reisebuchtauglich, aber nach dem Motto »wenn man schon mal hier ist«. Eine kleine Fotostrecke habe ich zusammengestellt. Schauen Sie ▸ hier.

Nach einer Stunde mit vielen anderen Touristen zwischen den Adersbacher Felsen ging es weiter in den Wintersportort Benecko, auf der tschechischen Seite des Riesengebirges. Miz Kitty war hier vor guten zehn Jahren einige Mal zum Skiurlaub und kennt aus dieser Zeit die Hančova Bouda. Ich wollte mir die Bouda einmal ansehen – vielleicht für spätere Erholung – und mindestens Kaffee trinken wollten wir hier. Wie Miz Kitty mir vorher schon erzählte, hebt sich dieses Lokal wohltuend von den anderen in Benecko ab. Das sollte ich eigentlich gar nicht schreiben, das ist Geheimtipp-Wissen. Statt Kaffee und Kuchen wurde es dann ein leckeres Schnitzel. Benannt ist die Hancova Bouda übrigens nach Bohumil Hanč, einem tschechischen Skilangläufer, der 26jährig im Jahr 1913 einen dramatischen Erfrierungtod starb.

hancova-boudaVon Benecko fuhren wir bei schönem Nachmittags- und Abendlicht an Liberec (Reichenbach) und Frýdlant vorbei, kurz durch Polen, und über Görlitz nach Berlin. Falls Sie verlassene Fabriken sehen möchten oder gar ruinöse Fabrikgrundstücke, zum Teil noch mit Architektur aus K.u.K-Zeiten kaufen möchten, rund um Liberec werden Sie fündig und haben die Auswahl. Wir müssen noch einmal klären, warum es hier so viele verfallene Fabriken gibt.

In Polen sind viele Supermärkte auch Sonntags bis 21 Uhr geöffnet. Ein letzter Stop also irgendwo im nirgendwo, an einem Supermarkt während der paar Kilometer, die wir durch Polen nach Görlitz fahren. Ziel: Zlotys ausgeben, vorrangig für Persil Color. Das hatte Miz Kitty geplant, von der Reise mitzubringen. Nach ihrer Aussage (mir fehlt da etwas der Überblick) ist es in Polen deutlich billiger als bei uns. Also, Urlaubsmitbringsel: zwei mal vier Kilo Persil. Auf der Packung steht, vier Kilogramm wären so ergiebig wie fünf. Schauen wir mal… In Zgorzelec, der früheren Oststadt von Görlitz wird noch einmal getankt. Etwas billiger ist das Benzin in Polen noch. Kurz vor der Tankstelle durchfahren wir eine Straßenunterführung mit einem Rundbogen. Déja-vu. Da bin ich schon mal durchgelaufen, sage ich zu Miz Mitty. Damals, als ich zweimal Halbmarathon in Görlitz gelaufen bin und die Strecke über Zgorzelec genau durch diese Brücke führte. Um Mitternacht sind wir in Berlin.

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Was Miz Mitty über Adersbach und die Hancova Bouda schreibt, lesen Sie hier.

 

Reisen

Waldbeeren im Eulengebirge

WaldbeerenDer vorletzte Reisetag war gedacht zum Entspannen auf der Terrasse mit dem schönen Ausblick in Janovičky und zum Spazieren in den Bergwäldern. Mit letzterem fingen wir am Samstagmittag an. Nur einige hundert Meter laufen bis zur polnischen Grenze und schauen, ob man dort mit dem Auto rüberfahren kann. Aus einigen hundert Metern wurden dann ca. 13 km. Zuerst regnete es zwar zeitweise in Strömen, aber Miz Kitty war in ihrem Element. Beeren pflücken, das ist es. Herrlich, über die Waldwege zu streifen und Waldhimbeeren, Brombeeren und seltener Walderdbeeren zu pflücken. Dazu über den Kammweg laufen, auf einem polnisch-tschechischen Grenzstein stehen und in die Landschaft fotografieren.

So wanderten wir gleich weiter als nur bis zur polnischen Grenze. Eine Wanderkarte hatten wir freilich nicht, nur die Karten-Apps von Google und Apple auf den Schlauphones. Kein wirkliches Problem, denn als wir losgingen, kamen uns nämlich vereinzelt Crossläufer mit Wettkampf-Nummern entgegen. Am Samstag Morgen fand hier gerade ein Crosslauf statt und Start und Ziel waren vor unserer Unterkunft. Die Laufstrecke war im Wald gut mit gelber Neonfarbe gekennzeichnet. Wir könnten ja einfach die Strecke der Crossläufer laufen. Getan, nur war die wohl eben nicht ein acht oder zehn Kilometer langer Rundkurs, sondern deutlich länger. Als uns das auffiel, waren wir schon ca. acht Kilometer gelaufen. Also bis in die nächste Zivilisation laufen, was nicht ein Ort war, sondern ein einzelnes Haus mit einer Fischzucht. Freundlicherweise rief man den Touristen dort ein Taxi, das dann auch schnell kam und uns im Höllentempo gute 9 km zur Unterkunft zurück brachte. Eine halbe Stunde Terrasse war dann noch drin, bevor es wieder kühl und regnerisch wurde.

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Was Miz Mitty über unsere Wanderung schreibt, lesen Sie hier.

 

Reisen

Im Böhmischen

johannesberg-franz-birkeNach dem Zwischenstopp in Breslau wollten wir noch zwei Tage Richtung Riesengebirge fahren. Bei unserer doch etwas kurzfristigen Planung stellte sich schnell heraus, dass viele Unterküfte für dieses Wochenende belegt waren und wir an Schlössern und Palästen in Niederschlesien schon einiges kennen und wissen, in welcher Barock-Retorte oder in welchem Disneyland wir nicht übernachten mögen. Uns war nicht präsent gewesen, dass am letzten Freitag in Polen Feiertag (Mariä Himmelfahrt) war und viele für einen Wochenendtrip unterwegs waren.

Ich fand also im Internet ein Landgasthaus in Ost-Böhmen, im Eulengebirge, die ehemalige Sommerfrische »Gast- und Weinhaus Franz Birke« in Johannesberg bei Braunau in Böhmen. Braunau heißt heute Broumov, Johannesberg heißt Janovičky und die Restauration des Franz Birke trägt heute den Namen »Penzion Zamecek Janovicky«.

Nach reichlichem Ruinenporn unterwegs und einer Fahrt durch die schöne Landschaft des Eulengebirges kommen wir nach Böhmen. Zwischenzeitlich durchfahren wir einige vergammelte Orte im niederschlesischen Steinkohlenrevier rund um »Walmbrig«auf der polnischen Seite der Grenze zu Tschechien.

JanovickyDas Zamecek Janovicky ist an sich ein ganz passables Gebäude, dicht am Wald gelegen und mit einer Terrasse mit gigantischem Ausblick. Gut vorstellen kann ich mir die ehemalige Ausflugsgaststätte in der guten alten Zeit, unweit der »Reichsgrenze«, der Grenze der K.u.K-Monarchie zum deutschen Reich. Der Aufenthalt hier ist trotzdem ein Flop, was ganz klar an der schlampigen Bewirtschaftung liegt. Sauberkeit ist hier ein Fremdwort. So scheint nicht geläufig zu sein, dass man eine Tischdecke täglich wechselt. Ich kann in der Gaststube die Flecken der Gäste vor mir zählen. Im Treppenhaus, das zu allen Gästezimmern führt, wird schmutzige Wäsche gestapelt. Die Stühle auf der Terrasse mit diesem schönen Ausblick sind nach dem Regenschauer nass. Daran, sie anzukippen, denkt man hier nicht. Polsterauflagen gibt es; sie werden neben einem Teil des Frühstücksbuffets gelagert, was dem Personal kurze Wege sichert. Mit vielerlei Schmuddeligkeiten an den Wänden wirkt das architektonisch durchaus schöne Haus einfach nur abgeranzt. Dafür ist das »Deluxe-Doppelzimmer« mehr als günstig, entspricht freilich jedoch nicht der Beschreibung im Internet-Buchungsportal (booking.com). 26 Quadratmeter sind nun mal 26 Quadratmeter und nicht deutlich weniger und eine Minibar, die für das Deluxe-Doppelzimmer versprochen wird, sollte auch da sein, wenn es so im Netz beschrieben steht. Wir haben die Betreiberin darauf angesprochen und nach einigem nach einigem Drumherumreden ermöglichte der Hinweis, dass wir bloggen, dann, dass wir ein anderes Zimmer beziehen konnten. Jetzt ca. 26 Quadratmeter groß, passend zum Bild im Internet und mit Minibar. Letztere freilich nicht gefüllt, jedoch zum Kühlen der mitgebrachten Wasserflaschen nutzbar. Eine Nachttischlampe gibt es für zwei. Dank selbstleuchtendem iPad brauchen wir ja keine, jedoch brauchen wir die Steckdosen. Kurz, in diesem Haus stimmt vieles nicht und bei Franz Birke war es zu K.u.K-Zeiten bestimmt sauberer und kommoder. Das Abendessen und das lokale Bier waren dagegen sehr lecker, genau so, wie man es im Böhmischen erwartet.

Was Miz Mitty über den Aufenthalt in Janovicky schreibt, lesen Sie hier.

 

Reisen

Breslau

BreslauEinen Tag in Breslau, das wird dieser Stadt freilich nicht gerecht. Es reicht nur, um etwas Atmosphäre dieser Stadt zu schnuppern. Das haben wir getan. Einige Fotos habe ich gemacht, wenngleich das Licht des trüben Tages nicht so besonders war. Dafür rockt Breslau umso mehr. Eine Fotostrecke werde ich in den kommenden Tagen zusammenstellen und noch etwas mehr über Breslau schreiben. Bald also mehr zur schlesischen Metropole. Miz Mitty hat eine Puddingform und einen klassischen Wasserkocher für den Gasherd gekauft. Sie sagt, bei Manufaktum würde man ein Vielfaches dafür bezahlen. Bald gibt’s dann vorzugsweise Pudding bei uns.

Mehr über unseren Aufenthalt in Breslau lesen Sie bei Miz Kitty.

 

Reisen

Schlesischer Ruinenporn: Palast-Hopping 2014

2BCD0304-8278-4272-B572-E147BC37E11FEigentlich ist unser Palast-Hopping 2014 nach dem Aufenthalt in Antonin schon vorbei. Das hatten wir bewusst so geplant, denn nach sechs Tagen im historischen und manchmal nur pseudohistorischen Ambiente ist uns dieses oft etwas über. Wir wissen ja nicht im Detail, was uns genau im nächsten Palast erwartet. Fazit ist im Moment, dass wir im ersten Palast (Pałacyk Kosińskich, der mit dem Oldtimer vor der Tür) gut und gerne hätten länger verweilen könnten. Für den Palac Śródka mit dem Hipster-Harry-Potter und für das Jagdschloss Antonin hätten jeweils ein Tag gereicht. Die nächste Station ist jetzt Breslau, wo wir einen guten Tag in der Stadt verbringen und im gut eingerichteten Sleep-Walker-Appartment übernachten, das an nichts fehlen lässt, außer vielleicht einer Badewanne. Dann geht es noch einmal 80 Kilometer weiter ins Böhmische, ins Eulengebirge.

Ruinen galore

Eines sehen wir auf unseren Fahrten in Schlesien immer wieder: Ruinen. Nicht nur vergammelte Häuser, Scheunen und Wirtschaften, sondern Ruinen von Schlössern, Herrenhäusern und auch evangelischer Kirchen. Ich mag diese lost places, regt sich dort doch meine Phantasie, wie es dort früher einmal ausgesehen haben mag. Eines wird zumindest klar: Die Russen haben 1945 ganze Arbeit geleistet. Sehr viele Schlösser sind ausgebrannt und verfallen. Als Ruine stehen sie jahrzehntelang, und keiner denkt sich etwas dabei. Einen Wikipedia-Eintrag mit der Liste zerstörter Schlösser in Europa gibt es. Viele Einträge gibt es dort zu Schlössern in Schlesien.

Wir stoppen an einigen Ruinen, steigen aus, fotografieren – und recherchieren nachher, wie diese Ruinen früher ausgesehen haben. Noch vor 15 Jahren hätte ich es nicht gewagt, so offen zu fotografieren, wird man oft schon von weitem beäugt. Aber heute, Polen ist in der EU, die Westgrenze anerkannt. Eigentumsansprüche gibt es nicht mehr. Warum sollte ich nicht fotografieren, wie Schlösser aussehen, die Russen ohne Not zerstört haben (das waren keine Festungen mit Kanonen oder Scharfschützen, die man beschießen musste) oder Polen vergammeln ließen? Das gibt es heute gratis, dass ich dort um die Ruine schleiche und fotografiere.

Was Miz Kitty über die Ruine und das Schloss von Wenig-Monau schreibt, lesen Sie hier, was sie zur Kirchenruine Schreibersdorf herausgefunden hat, dort.

Fotos

Einige Fotostrecken von diesen Ruinen habe ich gemacht. Freilich, nicht der guten Fotografie wegen, sondern zur persönlichen Erinnerung, und um Ihnen einen Eindruck zu verschaffen.


1. Die evangelische Kirche in Pisarzowice. Früher Schreibersdorf, Kreis Groß Wartenberg. Die Kirchenruine liegt in dem Gebiet, das 1920 durch den Versailler Vertrag an das neu gegründete Polen fiel. In unmittelbarer Nähe verlief die deutsch-polnische Grenze. Die Gemeinde verblieb in Deutschland, die erst 1909 erbaute Kirche lag jetzt in Polen. Als evangelische Kirche verfiel sie im katholischen Polen und wurde zur Ruine. Mehr über die Kirchenruine hier)und hier

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Nummer 2 bis 5 befinden sich alle im ehemaligen Kreis Schweidnitz, Niederschlesien.

2. Das Schloss Wenig-Mohnau, später Berghof-Mohnau, polnisch Maniow Maly. Weiteres auch hier

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3. Das Schloss Groß-Mohnau, polnisch Maniow Wielki. Näheres auch hier.

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4. Das Schloss Borganie, später Bergen genannt, polnisch Borzygniew. Weiteres auch hier.

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5. Schloss Penkendorf, polnisch Pankow.

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Reisen

Schildberg / Ostrzeszów: Palast-Hopping 2014. Auf dem Weg nach Breslau

schildbergDa in Antonin vor allem der Kaffee eine homöopathische Verdünnung hat, machten wir im nächsten Ort Ostrzeszów Station. Die Kleinstadt ist seit 1920 wieder polnisch und liegt genau wie Antonin in dem Gebiet, das nach dem Versailler Vertrag an das neu gegründete Polen fiel. In der dortigen Bastei gibt es im hof eine Fotoausstellung mit alten Postkarten-Ansichten. Interessant. Eine ►Fotostrecke habe ich zusammengestellt, ergänzt mit einigen eigenen Fotos.

Die Atmosphäre eines anderen Landes ist ja immer besonders in den Orten interessant, die abseits von Touristenströmen liegen. So ein Ort erscheint Ostrzeszów zu sein. Etwas verschlafen in der polnischen Provinz, dafür mit wechselvoller Geschichte. Etwas Polen pur. Eine Atmosphäre, die Vorurteile ein wenig bestätigt. Hochinteressante Milieustudien kann man hier anstellen. Auffallend viele Schuhgeschäfte gibt es hier. Warum, das konnten wir nicht erkunden. Ich fotografiere und ein alter Mann spricht mich auf deutsch an, ob ich die Stadt interessant finde, ob ich etwas suche. Wir sind auf der Durchreise nach Breslau, erzähle ich ihm. Er sagt, in der Stadt sei mehr los, wenn Markt sei und spricht vom nahegelegenen Ort Mikstat, durch den wir auf dem Weg nach Antonin gefahren sind. In Mikstat werden am Rochustag die Tiere gesegnet, da der heilige Rochus, der Schutzpatron der Tiere, im 16. Jahrhundert die Stadt vor der Pest bewahrt hat.

Nahe Ostrzeszów gibt es einen kleinen See im Ort Kobyla Góra, siehe auch kobyla-gora.pl. Der See ist nicht sehr groß, aber doch geschätzte 800 Meter. Das wäre noch mal schön, etwas zu schwimmen, bevor wir in Breslau sind, denken wir. Wir finden einen Sandstrand mit Tretbootverleih vor, eine gute Handvoll Menschen, die sich dort erholen, verlassene Urlaubsrelikte aus sozialistischer Zeit, z.B. einen geschmiedeten Rettungsturm. Daneben moderne Trailerhomes, aufgereiht als Ferienhäuser, eine verlassene Bistro-Station und daneben eine neue, disneylandartig-moderne Restauration im Blockhausstil. Verlassen sieht das ganze Ensemble aus, ein Gefühl von Entspannung gepaart mit Depression stellt sich hier ein. Die Frau vom Tretboot- und Kajakverleih sitzt wartend vor ihrer Bretterhütte, Paddel und Schwimmwesten aufgereiht. Wo sind die Leute hin? Es ist August, und in Polen sind Sommerferien. Früher waren solche Orte regelrecht crowded. Fahren sie jetzt auch alle ins Ausland? Freilich, die Wasserqualität behagt uns nicht. Das Wasser ist genauso grünlich wie am Tag zuvor in Antonin. Der See hat einen Zufluss, in dem sich vor einer Staustufe etwas Müll, Plastikflaschen, etc. sammeln. Ok, da sollen andere schwimmen. Wir fahren weiter.

Mehr und anderes zu unserer Fahrt nach Breslau im Blog von Miz Kitty.