Gesellschaft

Say Ello…

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Hello

Ziemlich viele Dinge habe ich im Moment in der Pipeline, die ich hier nach und nach in den netznotizen veröffentlichen werde. Da ist zunächst die Fotostrecke von Breslau, die ich Ihnen versprochen hatte. Dann gibt es noch eine Vorstellung des ersten deutschsprachigen →Gemeinschaftsblogs rund um das Thema Schwimmen. Außerdem habe ich hier bisher noch nicht erwähnt, dass wir vor unserem Urlaub in Polen zweimal in Dresden waren. Der erste Anlass war das →Schriftenfest, zu dem sich in diesem Jahr wieder die Anhänger der schwarzen Kunst trafen. Der andere Anlass war das →Dresdner Elbeschwimmen, über das ich im Schwimmblog bereits schrieb. Während des Schriftenfests habe ich einige Fotos gemacht, die ganz gut den Ablauf vom Textentwurf bis hin zum fertigen Schriftsatz mit Bleilettern dokumentieren, so wie es vor 50 und mehr Jahren in jeder Druckerei erfolgte. Eine Fotostrecke darf ich Ihnen schon einmal versprechen…

Ello

Ein Ereignis in dieser Woche war das Release einer neuen Social Media Plattform. →Ello. Der Name kommt von »hello« und man hat das stimmlose »h« einfach weggelassen. Nun gibt es ja schon eine Reihe Social Media Networks, in denen man Inhalte veröffentlichen und sich gegenseitig ein Like oder ein Fav spendieren kann. Facebook, Twitter, Foursquare, Google+ und Yelp gehören für jeden Blogger bereits zum Standard-Repertoire in Sachen digitaler Vernetzung. Dazu gibt es dann noch eine ganze Reihe kleiner Vernetzungsportale, wie zum Beispiel das von mir selbst betriebene →Stories and Places.

Datenschutz mit Ello. Man fragt sich natürlich, was der benefit von Ello ist. Braucht die Welt noch ein weiteres Social Media Network? Ello startet gerade zu dem Zeitpunkt, als viele Twitterer abgenervt davon sind, dass Twitter Meldungen von Nutzern einstreut, denen sie gar nicht folgen. Zu Werbezwecken. Facebook macht das genauso. Dort heißt das »empfohlener Beitrag«. Freilich, diese eingestreute Werbung ist keine blink-blink Banner Werbung, wie man sie aus frühen Internet-Zeiten kennt, sondern es handelt sich um eingestreute Informationen, die oft nicht erkennen lassen, dass sie mit Kommerzhintergrund dort platziert sind. Firmen und Auftraggeber zahlen dafür, dass bestimmte Inhalte eingeschleust und platziert werden.

Bei Ello ist das anders. Ello hat den →Anspruch, werbefrei zu sein und legt Wert auf den Datenschutz der Nutzerdaten. Das kam in der letzten Woche zur richtigen Zeit, und es entstand ein kleiner Hype. Jeder möchte natürlich Early Adopter sein. Faktisch ist noch nicht so viel vorhanden bei Ello. Die Plattform funktioniert im Beta-Stadium. Man kann Beiträge schreiben und auch Bilder posten. Texte sind nicht wie bei Twitter auf eine bestimmte Zeichenanzahl begrenzt. Eine direkte Kommunikation zwischen den Nutzern ist im jetzigen Beta-Stadium zwar möglich, aber noch etwas beschwerlich. Bisher können sich Nutzer keine Nachrichten über das Portal schreiben, jedoch bekommt man eine E-Mail, wenn man von jemandem direkt angeschrieben wurde. Likes und Favs zu verteilen, geht bisher auch noch nicht. Ich persönlich kann auf diese Dinge jedoch gerne verzichten. Für mich rockt das minimalistische Design. Die Texte werden in einer Schreibmaschinenschrift auf weißen Grund dargestellt. Eine sehr schöne, puristische Idee. Ich hoffe, es bleibt so.

Damit ein Social Media Portal gut anläuft, ist es üblich, dass Early Adopter sich nur nach einer Einladung registrieren können und dann weitere Nutzer einladen. So auch bei Ello. Jeder bekommt »invitations«, mit denen die digitalen Freunde und Follower aus anderen Social Media Networks einladen werden können. Dieses Modell hat zur Folge, dass man sich gegenseitig einlädt und schnell ein Netz aus Nutzern entsteht, die sich schon kennen. Invitations wurden in den letzten Tagen reichlich verteilt, und mein erstes Zwischenfazit ist, dass es zwei Lager der angemeldeten Nutzer gibt. Die einen haben sich angemeldet, eingeloggt und schnell gesehen, dass bei Ello im Beta-Stadium einiges noch nicht funktioniert, es keine Apps für mobile Geräte gibt, haben drei bis vier Posts abgesendet und waren dann wieder weg. Die anderen, zu denen ich gehöre, scheinen die Idee von Datenschutz und Werbefreiheit, das Ello-Manifest, zu mögen, experimentieren gerne mit etwas Neuem oder sind vom minimalistischen Design angezogen.

Ich finde es gut, dass Texte nicht wie bei Twitter auf 140 Zeichen beschränkt sind und werde Ello für kurze Texte und Statusmeldungen nutzen, die für die netznotizen zu wenig Inhalt und Relevanz haben. Außerdem werde ich noch ein oder zwei Accounts einrichten, in denen ich Wissenswertes zu einem bestimmten Thema schreibe. Wie bei Twitter kann man Ello nämlich mit dem Benutzernamen hinter dem »ello.co« aufrufen und erhält alle Beiträge eines Nutzers nacheinander angezeigt. So wie hier, →meine Ello-Posts.

Versuch macht klug. Wenn Sie neugierig sind und Ihnen das Manifest von Ello gefällt, dann probieren Sie Ello einfach aus. Ein paar invitations habe ich noch. Senden Sie mir einfach Ihre E-Mail Adresse, mit der sie bei Ello registriert sein möchten. Sie sind dann immerhin noch »Late Early Adopter«.

Freilich sind wir alle gespannt, wie es nun weiter geht mit Ello und was jetzt technisch dort noch passiert, damit es ein vollwertiges Social Media Network wird. Mir ist zudem noch nicht klar, worin genau das Erlösmodell von Ello besteht, So wie ich es verstanden habe, ist geplant, gewisse Zusatzleistungen demnächst gegen Bezahlung anzubieten, um so das Portal zu finanzieren und außerdem Geld damit zu verdienen. Ob das so aufgeht, großes Fragezeichen.

Nicht erst durch Stories and Places ist mir klar, dass es letztendlich nur drei Möglichkeiten gibt, wie man aus einem Web-2.0- oder Social Media Internetangebot Erlöse erzielen kann.

Die erste Möglichkeit besteht darin, Werbung zu schalten, wobei ich darunter nicht nur banale Banner-Werbung oder Anzeigen verstehe, sondern auch das Platzieren von Inhalten, das Auftraggeber bezahlen. Viele Firmen möchten mit ihren Angeboten in den Social Media Networks präsent sein, am besten so, dass positiv darüber gesprochen wird, viral, nach dem Schneeballprinzip. Wie weit das von den Nutzern toleriert wird, ist nicht so einfach zu beantworten. Spätestens, wenn die Nutzer erkannt haben, dass sie nicht mehr nur die Beiträge ihrer digitalen Freunde lesen, sondern Inhalte, die mit Kommerzhintergrund eingestreut wurden, ist der Ärger schnell groß. Vielleicht ist Ello trotz Beta-Stadium deswegen so interessant. Platzieren von Inhalten, wofür Auftraggeber bezahlen, ist eben eine zweischneidige Sache. Das Erlösmodell funktioniert generell, kann jedoch schnell kippen.

Die zweite Möglichkeit, mit einem Social Media Networking Portal Erlöse zu erzielen, ist, die von den Nutzern veröffentlichten Inhalte gezielt auszuwerten und die Auswertungen oder sogar die Inhalte selbst für andere Internet-Angebote zu nutzen oder gar an fremde Dienstleister weiter zu verkaufen. Das Social Media Network wird so zur Datenkrake. Von den Nutzern wird das allerdings meist nur theoretisch als störend empfunden. Freilich, wer ist nicht pro Datenschutz? Genutzt werden die Annehmlichkeiten einer Gratis-Mitgliedschaft in einem Social Media Network jedoch weiterhin gerne.

Die dritte Möglichkeit ist die simple Lösung, dass die Nutzer monatlich einen Beitrag zahlen. Das mag bei Xing noch funktionieren und vielleicht auch in Kombination mit praktisch nutzbaren Vorteilen wie Cloud-Diensten, etc. Gibt es diese »handfesten« Vorteile nicht, müssen solche Bezahl-Modelle gut überlegt sein. Auch wenn es nur der Preis eines Kaffees ist, im Privaten sind die Deutschen Schnäppchenjäger und zahlen keine drei Euro für etwas, das es nebenan kostenlos gibt. Unter anderem an dieser Hürde ist das →App.Net (ADN) gerade →gescheitert. App.Net sollte eine Alternative zu Twitter sein und ist es technisch sicher auch. Noch gut kann ich ich an den Hype um App.Net erinnern, als es vor zwei Jahren an den Start ging. Es sollte ein Social Media Network mit offenem Standard sein, die Mitgliedschaft kostet drei Dollar im Monat und damit kann man einer beliebigen Anzahl anderer AppNet-Nutzer virtuell folgen und deren Kurzbeiträge lesen – eben so wie bei Twitter. Damals war ich dabei, weil ich dachte »Das wird was. Drei Dollar im Monat sind nicht die Welt und einen zuverlässigen offenen Standard fand ich unterstützenswert.« Ein Teil meiner Twitter-Follower zog zu AppNet. Freilich nicht, um Twitter zu verlassen, dazu war bei App.Net noch zu wenig los. Es gab es dann kostenlose Lite-Mitgliedschaften, bei denen man jedoch nur 40 anderen Nutzern folgen konnte, was nicht viel ist. Schnell testeten alle App.Net lite. Nur wenige waren bereit, die 36 € pro Jahr zu zahlen. Warum auch, es gab ja Twitter. Gratis. Ideel nicht so »korrekt«, aber eben für lau. App.Net wurde zum Rohrkrepierer.

Diesen Fehler macht Ello – hoffentlich – nicht. Ello ist kostenlos. Und man kann so vielen Nutzern virtuell folgen, wie man möchte und Texte von beliebiger Länge schreiben. Bleibt zu hoffen, dass es klappt mit einem Erlösmodell. Wenn nämlich Möglichkeit eins und zwei ausfallen, weil es das selbst auferlegte →Ello-Manifest so vorsieht, dann bleibt nur die Bezahl-Lösung als Erlösmodell. – Oder eben die Abkehr vom Manifest. Schauen wir einmal…

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