Der Tag im Bild

Digitales Skizzenbuch mit WordPress

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Bis vor kurzem war ich ja bekennender Nutzer von Skizzenbüchern und Notizbüchern. Ideen schnell aufschreiben, Skizzieren mit Stift und Papier, das ist meins. So entstanden in vielen Notiz- Büchern und Zettelsammlungen über die Jahre ziemlich viele ungeordnete Notizen. Natürlich mit dem Effekt: »Ich weiß, ich habe mir das notiert, aber weiß nicht mehr wo.« Nun, es aufgeschrieben haben, bedeutet nicht, es zu haben.

Von den Notizbüchern weg gebracht haben mich dann endgültig iPhone und iPad. Schnell ein Foto von einer Skizze oder einem Dokument gemacht, hat man alles in der Fotobibliothek zusammen. Freilich nur solange, bis das jeweilige iPhone oder iPad streikt, und sei es wegen zu winterlicher Temperatur. Dann bleibt nur Hoffen auf Regeneration und funktionierendes iCloud-Backup. Zudem wird die Fotobibliothek mit vielen tausend Fotos unhandlich groß.

Ich überlegte also nach einer Lösung, die dem Cloud-Computing etwas näher kommt, und fand mein »Digitales Skizzenbuch« ganz simpel in der Kombination aus WordPress und der iPad- bzw. iPhone-App zum Posten mit WordPress.

Mein digitales Notiz- und Skizzenbuch besteht in einer WordPress-Applikation, die auf dem Webserver installiert ist und via .htaccess und .htpasswd mit einem Passwort geschützt ist. Von außen kann man also nicht darauf zugreifen, ohne ID und Paswort zu kennen. Mit der kostenlosen WordPress-App kann ich jetzt schnell via iPad in dieses Blogsystem schreiben, Bilder hochladen, etc. Dazu habe ich ein einspaltiges Template installiert, das Bilder automatisch auf Seitenbreite skaliert.

Hab‘ ich etwas notiert oder skizziert geht’s so:

  • Skizze ins Licht legen, mit dem iPad abfotografieren, klick.
  • WordPress-App aufrufen, neuer Blog-Eintrag, prägnante Überschrift eingeben, das Foto hochladen, vielleicht noch einen kleinen Text dazu schreiben, Beitrag veröffentlichen. Fertig.
  • Ich kann noch eine Kategorie zuweisen zwecks besserer Strukturierung, Beiträge wieder löschen, mir schnell eigene Kommentare dazu schreiben, oder sie ändern, etc.

Ein schönes digitales Skizzenbuch ist so entstanden. Mein Webhosting-Dienstleister ist sehr zuverlässig bzgl. Backups, so dass von dieser Seite ein Datenverlust unwahrscheinlich ist. Der .htaccess / .htpasswd-Zugangsschutz ist zudem ein sehr sicherer. Ich muss also nicht befürchten, dass er gehackt wird. Absolut geheime Dinge, wie PIN-Codes notiere ich natürlich nicht dort, schon gar nie in Text-Form, denn natürlich kann jeder Praktikant im Rechenzentrum meines Webhosting-Dienstleisters meine Dateien ohne Passworteingabe einsehen, oder die Daten können unterwegs abgegriffen werden. Ok, viel Spaß mit meinen Aufzeichnungen.

Falls mein iPad jetzt unglücklicherweise aus dem 12. Stock des Hotels fallen sollte, um danach – nachdem es von einem Panzer überfahren wurde – einen totalen Datenverlust zu haben, geh‘ ich einfach an den Hotelcomputer und öffne mein digitales Notizbuch. Weltweit.

Nachahmung: gerne, empfehle ich. — Klick, hochgeladen, veröffentlicht, fertig.

Tools & Technik

iA Writer

Konzentration auf den Text

Schon in der Schule lernte ich das Prinzip Form Follows Function (FFF) kennen. Später habe ich in Anlehnung daran oft die Parole Design follows Content verkündet, was die strikte Trennung von Inhalt und Gestaltung voraussetzt. Für mich als Gestalter und Produzent von Printmedien oder Internetseiten bedeutet das, dass Gestaltung bzw. Layout so erfolgen, dass der Inhalt des Medienproduktes optimal transportiert wird – egal, ob es sich nun um Bücher, Flyer, Internetseiten oder Apps handelt. Der Content muss also erst einmal vorhanden sein, bevor gestaltet werden kann.

Früher war diese Trennung von Inhalt und Gestaltung ziemlich einfach. Manuskripte wurden mit der Schreibmaschine geschrieben und waren fertig, vollständig, lektoriert, bevor sich überhaupt ein Schriftsetzer an die Satzmaschine setze. Mit Digitalisierung und zunehmenden Funktionen der Textverarbeitungs-Software bis zum Overkill, ergibt es sich jedoch heute leider immer wieder, dass in der Phase der Texterstellung schon formatiert wird. Im ungünstigsten Fall wird der Text dann so verfasst, dass er mit einer bestimmten Formatierung gut aussieht. Nein, das Hurenkind möchte der Schreiber nicht haben, deswegen wird der Text schon während des Schreibens geändert. Seien es auch nur simple Formatierungen wie Texteinzüge – vertane Zeit und konzentrationsablenkend ist es in dieser Phase auf jeden Fall. Genauso ablenkend wie die ständig präsenten Icons und Bildschirmdialog-Elemente von Textverarbeitung und Betriebssystem. Alles kontraproduktiv für einen guten Text.

Ein Tool muss her, mit dem man im Vollbildmodus schreiben kann. Text auf weißem Hintergrund, mehr nicht. Simpel, ohne Formatierungs-Schnickschnack. Für unabgelenkte Konzentration auf's Wesentliche: den Text zu schreiben.

Genau dieses Werkzeug gibt es. Die Software iA Writer, entwickelt von den Information Architects. Mich fasziniert dieser simplifizierte Editor. Der konsequente Einsatz eines Schreibmaschinen-Fonts überzeugt hier, wird dadurch doch permanent präsent, dass man (erst) in der Texterstellungsphase ist. Guten Gewissens kann ich diese Software weiterempfehlen.

Den iA Writer gibt es für MacOS und iOS. Die Nutzung mit einem iPad funktioniert mit einer Bluetooth-Tastatur sehr gut.

Prädikat: 5 Sterne – Empfehlung: unbedingt testen.

 

Schreibgeräte & Kontor

Fountain Pen Day

Hier mein Beitrag zum Fountain Pen Day. Mit einem guten alten Füller mit weicher Goldfeder (ohne den heute obligatorischen Iridium Point) in’s Notizbuch geschrieben.

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Der Tag des Füllfederhalters. Neben den allseits bekannten Feiertagen, die uns zumindest ab und zu mal einen Tag Erholung bringen, – egal, ob wir nun zu ihrem konkreten Anlass einen Bezug haben oder nicht – gibt es inzwischen allerlei Tage, die bestimmten Personen, Gegebenheiten und manchmal sogar Dingen gewidmet sind. So ein Tag ist heute. Der 2. November ist der Tag des Füllers, besser verständlich und korrekt als Füllfederhalter bezeichnet. Der englische Begriff ist Fountain Pen, und die Website zum Fountain Pen Day gibt es hier.

Ich oute mich jetzt mal als gelegentlicher Schreibgeräte-Sammler und teile Ihnen mit, dass es einige Fountain Pens in meinem Fundus gibt. Nicht hunderte, jedoch deutlich mehr als der Durchschnitts-Deutsche besitzt. Gesammelt wird nicht ständig und nicht akribisch, jedoch immer, wenn sich eine Occasion ergibt. Platzsparender und weniger nerdig als alte Fernseher zu sammeln ist es allemal. Dazu finden sich die stilbildenden Epochen des 20. Jahrhundets manchmal ganz gut in der Gestaltung der Schreibgeräte wieder, seien es nun Kugelschreiber, Bleistifte oder Füllfederhalter. Allesamt sind es gestaltete Produkte, deren rein technische Funktion heute meist zweitrangig ist, wird diese doch auch vom Schreibgerät zum Budget-Preis bestens erfüllt.

Die Technik eines Füllfederhalters ist näher betrachtet nicht so trivial, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Eine wohl dosierte Tintenmenge muss aus einem Tintenreservoir (Tintenpatrone oder per Kolbenzug befüllter Tintentank) so gleichmäßig aufs Papier gebracht werden, dass der Tintenfluss nicht abreißt, allerdings eben auch nicht zu viel Tinte auf’s Papier gelangt. Dafür muss ebenso wohl dosiert Luft in das Tintenreservoir gelangen – nicht zu viel, dann kleckst der Füller, aber auch nicht zu wenig, dann schreibt er nicht kontinuierlich.

Dieses feine ‚Tinte raus, Luft rein‘ wird vornehmlich durch den sogenannten Tintenleiter, dem verbindenden Element zwischen Tintenreservoir und Feder erledigt. Es handelt sich um das zumeist gerippte Bauteil, auf dem die Feder montiert ist. Nach mehr als 100 jähriger Erfahrung in der Schreibgeräteentwicklung ist man jedoch heute in der Lage, sehr günstig Tintenleiter zu bauen, die kontinuierlichen Tintenfluss garantieren – und zwar ab dem ersten Aufsetzen der Feder aufs Papier, denn sonst ist der erste Buchstabe einer schnellen Unterschrift nicht deutlich genug oder gar nicht vorhanden. Ein solcher Füller schreibt nicht gut an. Dank millionenfach bewährter Tintenleiter-Technik schreiben sie alle irgendwie, die heutigen Füllfederhalter, preislich ein- bis vierstellig. Wie gut man damit zurecht kommt, hängt freilich von persönlicher Vorliebe und Schreib-Erfahrung ab.

Nachdem in vergangenen Jahrzehnten der Kugelschreiber mehr schlecht als recht funktionierende Füllfederhalter nahezu verdrängt hatte, hat Schreiben mit dem Füller bei kultur- und statusaffinen Menschen eine Renaissance erlebt. Immer wieder und öfter gibt es sie: Diejenigen, die sich für Handschrift, Schreiben und Kalligrafie interessieren, wieder Zettel und Briefe mit der Hand schreiben, werden zunehmend mehr – auch wenn die Zettel und Briefe dann mit Smartphone oder iPad fotografiert werden um per Email verschickt zu werden.

Dieser Trend zum Handschriftlichen freut mich sehr. Ich möchte Sie anlässlich des Fountain Pen Day ermutigen, nach ihrem Füller zu sehen und ihn auszuprobieren. Wenn Sie keinen haben? Dann nehmen Sie einach ’nen Kugelschreiber.

Design & Typo

Kuba Museum

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Zitronenfalter falten ja bekanntlich keine Zitronen, und das Kuba-Museum hat nichts mit der karibischen Insel zu tun. Es ist in Braunschweig und ist ein Museum voller technisch gerüsteter Kleinmöbel eines ganz speziellen Genres, wie es der schwedische Möbel-Gigant jüngst wiederentdeckt hat. Retrospektiv sicher nicht stilprägend, sondern oft dem Gelsenkirchener Barock zuzurechnen. Dafür jedoch typisch für das westdeutsche Wirtschaftswunder. Die vielen verschiedenen Modelle bilden das in den 50ern erklärte Motto ‚Wohlstand für alle‘ nahezu perfekt ab.

Die 40plus-Generation kennt diese Techno-Möbel oft noch von Eltern und Großeltern. Ich fand sie als Schüler und Student schön, erinnerten Sie doch angenehm an die 50er, das Jahrzehnt vor meiner Geburt. Erst jetzt fällt mir in der enzyklopädischen Aneinanderreihung dieser Stücke im Kuba Museum die ästhetische Eingeschränktheit auf. Raumsparend, eng, visuell und mental begrenzt. Schön, dass wir uns heute mit anderen Dingen umgeben.

Und Sie fragen sich jetzt, um welche Möbel und Technik es sich handelt?

Also, Nierentische sind es nicht, wenngleich diese oft und gern dazu kombiniert wurden. Besuchen Sie einfach die Internetseiten des Kuba-Museums und lassen sie die Exponate auf sich wirken. Nicht erschrecken über die Selfmade-Homepage. Es wird dort nicht an Infos und Bildmaterial gespart. Wie bei vielen Sammlern sind Masse und Vollständigkeit im Kuba-Museum zwei wichtige Kategorien.

www.kuba-museum.de

Gesellschaft · Reisen

Reise nach Südamerika – 1924

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Südamerika-Fahrt – anno 1924. Heute möchte ich Ihnen einen besonderen Reisebericht vorstellen. Neben vielen alten Büchern befindet sich in meinem Fundus ein Sammelband der Zeitschrift Der Ansporn – Zeitschrift für Vorwärtsstrebende. Der Ansporn war ein monatlich erscheinendes Magazin, in dem wirtschaftliche und berufliche Fragestellungen kurzweilig mit praktischen Tipps thematisiert wurden. Dazu gab es noch Reportagen über große Unternehmen, Persönlichkeiten und sonstige Ereignisse. Im Grunde ähnliche Themen und Stories, wie man sie heute in den Karriere-Portalen und -Blogs findet, nur eben Jahrgang 1930. In einem Heft dieses Jahres ist ein Reisebericht enthalten. Mit einem für 1500 Passagiere gebauten Dampfer geht es von Hamburg über die Kanalhäfen, Spanien und Portugal über den Atlantik. Santos, Rio de Janeiro, Montevideo, bis Buenos Aires. Reisen in der guten alten Zeit – so mit tagelang nur Wasser sehen, Animations-Programm anno 1924, etc. Wie schnörkellos ist dagegen heute ein Flug nach Rio und wie vergleichsweise uncommod.

Den Reisebericht habe ich in ein eBook im epub-Format gewandelt. Sie finden ihn

hier

und können ihn bequem auf jedem eReader, Tablet oder Smartphone lesen.

BTW: Wussten Sie schon, welchen Ursprung der englische Begriff posh hat? Hier können Sie es nachlesen.

Gesellschaft · Reisen

Hamburg

Hamburg – wird mal Zeit etwas über Hamburg zu schreiben.

Ich habe diese Stadt ja geliebt in den Jahren, in denen ich dort gewohnt habe. Nach dem Provinzwohnen einschließlich Hannover war das meine erste richtige Stadt. Dieses leicht bläuliche Licht, die Elbe, der Hafen, St. Pauli, die Außenalster, Strandperle, Elbfähren, Fischmarkt. Alles wunderschön und kein Vergleich mit der Ästhetik von Hannover, Braunschweig und dem Ex-West-Berlin. Dazu auffallend gut gekleidete Leute. Smart, etwas steif, jedoch sehr höflich und zuvorkommend – also scheinbar genau passend zu meinem eher schüchternen Naturell.

Seit meiner Hamburg-Zeit trage ich keine braunen oder erdfarbigen Kleidungsstücke mehr. Blau, grau, schwarz, das sind die Grundfarben. Braune Schuhe, braunes Jacket, braune Hose sind mir seit Hamburg genauso sympatisch wie redselig-grölende Rheinländer oder poltrig dialektsprechende Bayern, deren Sprache man nicht versteht. Hamburg, das ist Ästhetik, Understatement, hanseatische Höflichkeit und Zurückhaltung – genauso aber Weltläufigkeit und große Abwesenheit von Provinzialismus. Dazu die erste Hausgemeinschaft im Schanzenviertel, die mich liebevoll adoptierte, trinkfeste Rentnergeburtstage zusammen feiterte – hilfsbereit, nicht aufdringlich.

Hamburg. Da wollte ich bleiben – und war trotzdem nicht glücklich. Was war los?

Eigentlich war doch alles fein. Die besten Freunde gefunden, ansprechende Jobs. Nur die Liebe klappte nicht. Ich fand kein passendes Pendant. Drei Jahre mehr oder weniger Durststrecke. Dass es an diesem Ort liegen könnte, in dem die Partnerfindung schwerer als sonstwo ist, dieser Gedanke ist mir erst seit kurzem gekommen. Und Überraschung: seit dem ich das erzähle, bestätigen es mir immer mehr Leute. Aus eigener Erfahrung. Es ging und geht mehreren so. Allesamt haben sie nach Umzug ruckzuck die Liebe gefunden – wo sich in Hamburg nichts tat. Genau wie bei mir, damals durch Zufall für ein Projekt nach Berlin gekommen, temporäres Wohnen erforderlich.

Nein, ich wollte doch nicht Hamburg und meine Hamburger Freunde zurücklassen und in dieses Berlin aus bröckelndem Ostteil und verfilztem Westteil ziehen, letzterer mit einer Ästhetik von bestenfalls Braunschweig oder Kassel. Dann alles Schlag auf Schlag. ‚Näherkommen‘ in der WG, Partnerschaft, gute Jobs, Partnerschaft Nummer 2, jetzt Langzeit. Und vor kurzem neue große Liebe – nach kürzerer Single-Zeit als gute Lebensberater sie empfehlen würden. Berlin ist ein guter Ort. Partnerfindung – klappt hier! Also auch Glücklichsein.

Inzwischen glaub ich’s wirklich, die drei Jahre Durststrecke in Hamburg, das lag am Ort. Das schreibt inzwischen auch die Bildzeitung. In Berlin ist es wohl die Energie dieses Ortes mit seinen Bewohnen – schnell, impulsiv, kreativ, unkonventionell, manchmal etwas dreist-ruppig und nicht auf Perfektion und Ästhetik getrimmt. Vielleicht ist es diese Mischung, die mich auftauen ließ.

Und vom Stadtbild nähern wir uns hier in Berlin immer mehr an Hamburg. Berlin hat in den letzten 20 Jahren einige Quantensprünge gemacht. Dazu ziehen im Moment (immer noch) sehr viel Kreative jeder Couleur nach Berlin – um hier zu leben und zu arbeiten oder, sofern besser situiert, hier ihre Dependace zu haben. Vielleicht der ähnlichen Mischung wegen, die mich hier gut gedeihen lässt.

Hamburg. Da wohnen meine besten Freunde und es ist eine sehr schöne Stadt. Mehr nicht.

Ein Appell:

Wenn Ihr unfreiwillig Single seid, zieht nach Berlin. Hier klappt’s.

Design & Typo · Schreibgeräte & Kontor

Bauzeichnung der Vor-Normschrift-Zeit

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Nicht vorenthalten möchte ich Ihnen zwei Dokumente aus der Jahren 1903 und 1904. Für Deckblätter, technische Zeichnungen und Pläne aller Art wurde in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg oft die Rundschrift eingesetzt. Das ist ziemlich typisch für diese Zeit. Handschriftlich erstellte, serifenlose Buchstaben wie später in der Normschrift sind zu dieser Zeit noch selten in technischen und administrativen Dokumenten zu finden. Beide Dokumente sind hoch aufgelöste Scans und können in separatem Browserfenster geöffnet werden.

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Rundschrift-Dokument

Design & Typo · Schreibgeräte & Kontor · Tools & Technik

Rundschrift im Computer

Diverse Computer-Fonts tragen dazu bei, dass uns die typische Anmutung der Rundschrift nicht fremd wird. Im wesentlichen ist es die Schrift Linoscipt, die vom Schriftenhersteller Linotype vertrieben ist. Als Designer ist immerhin kein geringerer als Morris Fuller Benton verzeichnet, der mehr als 200 Schriften entworfen hat, darunter so bekannte wie Franklin Gothic oder New Century Schoolbook. Der Entwurf, der der Linoscript zugrunde liegt, war für ihn sicher periphere Nebensache.

Ein Klon der Linoscript war unter dem Namen Linus bereits bei frühen Corel-Draw-Versionen dabei (die es zeitweilig mindestens in der Vorversion zu jedem gekauften Scanner gratis dazu gab). Das mag der Grund sein, weswegen die Schrift immer mal wieder verwendet wird, oft nicht wirklich passend. Man kann sie verwenden, wenn man historisierende oder pseudo-historische Anmutung erreichen möchte. Ich meide sie meist, zum zeitlosen Klassiker taugt sie nicht, und sonst ist sie doch etwas visuell verbraucht.

Mein Hauswein trägt sie auf seinem Etikett, die Bretonische Gastronomie nebenan trägt sie auf dem Schild. Ok, kann man machen, muss man aber nicht.

Sollten sie Bedarf haben, am pseudo-historischen Design à la Rundschrift, hier gibt’s die Computerfonts dazu:

Wenn Sie dann noch das passende Etikett drumrum zu gestalten müssen, ist der von mir realisierte Bicolor-Borderfont sicher eine gute Wahl. Vorlage für den zweifarbigen Bordüren-Font war übrigens eine gründerzeitliche Hochzeits-Einladungskarte, mit einer Rundschrift.