Gesellschaft, Reisen

Hamburg

Hamburg – wird mal Zeit etwas über Hamburg zu schreiben.

Ich habe diese Stadt ja geliebt in den Jahren, in denen ich dort gewohnt habe. Nach dem Provinzwohnen einschließlich Hannover war das meine erste richtige Stadt. Dieses leicht bläuliche Licht, die Elbe, der Hafen, St. Pauli, die Außenalster, Strandperle, Elbfähren, Fischmarkt. Alles wunderschön und kein Vergleich mit der Ästhetik von Hannover, Braunschweig und dem Ex-West-Berlin. Dazu auffallend gut gekleidete Leute. Smart, etwas steif, jedoch sehr höflich und zuvorkommend – also scheinbar genau passend zu meinem eher schüchternen Naturell.

Seit meiner Hamburg-Zeit trage ich keine braunen oder erdfarbigen Kleidungsstücke mehr. Blau, grau, schwarz, das sind die Grundfarben. Braune Schuhe, braunes Jacket, braune Hose sind mir seit Hamburg genauso sympatisch wie redselig-grölende Rheinländer oder poltrig dialektsprechende Bayern, deren Sprache man nicht versteht. Hamburg, das ist Ästhetik, Understatement, hanseatische Höflichkeit und Zurückhaltung – genauso aber Weltläufigkeit und große Abwesenheit von Provinzialismus. Dazu die erste Hausgemeinschaft im Schanzenviertel, die mich liebevoll adoptierte, trinkfeste Rentnergeburtstage zusammen feiterte – hilfsbereit, nicht aufdringlich.

Hamburg. Da wollte ich bleiben – und war trotzdem nicht glücklich. Was war los?

Eigentlich war doch alles fein. Die besten Freunde gefunden, ansprechende Jobs. Nur die Liebe klappte nicht. Ich fand kein passendes Pendant. Drei Jahre mehr oder weniger Durststrecke. Dass es an diesem Ort liegen könnte, in dem die Partnerfindung schwerer als sonstwo ist, dieser Gedanke ist mir erst seit kurzem gekommen. Und Überraschung: seit dem ich das erzähle, bestätigen es mir immer mehr Leute. Aus eigener Erfahrung. Es ging und geht mehreren so. Allesamt haben sie nach Umzug ruckzuck die Liebe gefunden – wo sich in Hamburg nichts tat. Genau wie bei mir, damals durch Zufall für ein Projekt nach Berlin gekommen, temporäres Wohnen erforderlich.

Nein, ich wollte doch nicht Hamburg und meine Hamburger Freunde zurücklassen und in dieses Berlin aus bröckelndem Ostteil und verfilztem Westteil ziehen, letzterer mit einer Ästhetik von bestenfalls Braunschweig oder Kassel. Dann alles Schlag auf Schlag. ‚Näherkommen‘ in der WG, Partnerschaft, gute Jobs, Partnerschaft Nummer 2, jetzt Langzeit. Und vor kurzem neue große Liebe – nach kürzerer Single-Zeit als gute Lebensberater sie empfehlen würden. Berlin ist ein guter Ort. Partnerfindung – klappt hier! Also auch Glücklichsein.

Inzwischen glaub ich’s wirklich, die drei Jahre Durststrecke in Hamburg, das lag am Ort. Das schreibt inzwischen auch die Bildzeitung. In Berlin ist es wohl die Energie dieses Ortes mit seinen Bewohnen – schnell, impulsiv, kreativ, unkonventionell, manchmal etwas dreist-ruppig und nicht auf Perfektion und Ästhetik getrimmt. Vielleicht ist es diese Mischung, die mich auftauen ließ.

Und vom Stadtbild nähern wir uns hier in Berlin immer mehr an Hamburg. Berlin hat in den letzten 20 Jahren einige Quantensprünge gemacht. Dazu ziehen im Moment (immer noch) sehr viel Kreative jeder Couleur nach Berlin – um hier zu leben und zu arbeiten oder, sofern besser situiert, hier ihre Dependace zu haben. Vielleicht der ähnlichen Mischung wegen, die mich hier gut gedeihen lässt.

Hamburg. Da wohnen meine besten Freunde und es ist eine sehr schöne Stadt. Mehr nicht.

Ein Appell:

Wenn Ihr unfreiwillig Single seid, zieht nach Berlin. Hier klappt’s.

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