Schreibgeräte & Kontor

Tischaufsteller

20130825-210718.jpg

Kleine Tischaufsteller braucht man nicht nur als Tischkarten für die Familienfeier oder als Namensschilder im Seminar. Vorlagen dafür gibt es viele und genauso unterschiedlich sehen die oft auf die Schnelle hergestellten Aufsteller auch aus – von gut und standfest bis klapprig bei jedem kleinsten Luftzug. Ich zeige hier einmal, wie man aus einem einfachen DIN-A4-Blatt einen Tischaufsteller falten kann, der ziemlich stabil ist.

Auf diese Art gefaltete Aufsteller verwende ich auch manchmal, wenn ich anderen im Büro etwas aufschreibe und auf den Schreibtisch stelle, als Alternative zum einfachen Notizzettel. Ein A4-Blatt aus dem Drucker gezogen, gefaltet, Gruß oder Anliegen drauf geschrieben, zusammengesteckt und hingestellt. Vielleicht noch ein Mars, Snickers oder Twix ins gefaltete Dreieck legen. Fertig. Das erzeugt mit Sicherheit mehr Aufmerksamkeit, als wenn ich einfach nur ein Blatt beschreibe und einen Schokoriegel drauflege. Bewährt haben sich diese kleinen Tischaufsteller auch, um z.B. Computer-Tastatur-Kürzel oder Programmierbefehle drauf zu schreiben. Und mit etwas Geschick kann man das Blatt auch bedrucken, so dass nach Falten und Zusammenstecken ein schöner bedruckter und etwas professioneller aussehender Aufsteller entsteht.

20130825-173840.jpg

Die Anleitung:
1. Ausgangspunkt ist ein ganz normales DIN-A4-Blatt, z.B. schnell aus dem Drucker gezogen.
2. Einmal längs gefaltet, entsteht ein hochformatiger Streifen.
3. Dieser wird halbiert. Es ergeben sich zwei postkartengroße Schenkel, die an der schmalen Seite zusammenhängen.
4. Beide Schenkel werden jeweils halbiert (wie abgebildet).
5. Enden ineinander stecken (wie abgebildet).
6. Jetzt noch einmal auffalten und den Text auf die Flächen schreiben, die sichtbar sind, wenn der Aufsteller steht. Erneut Zusammenstecken. Fertig.

Es reicht vollkommen aus, die Enden wie abgebildet ineinander zu stecken. Das ist stabil genug und der Aufsteller fällt nicht auseinander. Wer trotzdem den Tischaufsteller »für die Ewigkeit haltbar« bauen möchte, kann die ineinander geschobenen Enden mit einem Heftgerät zusammentackern.

Schreibgeräte & Kontor

Pelikan 140 – Ein Arbeitspferd

20130805-164318.jpgEin Sammler alter Schreibgeräte muss man nicht sein, um einmal mit einem grün-gestreiften Pelikan-Füllfederhalter in Berührung gekommen zu sein. Die Älteren besaßen oft selbst einen dieser Füller, wegen der feinen Längsstreifen oft mit »Stresemann« bezeichnet. Wir Jüngeren kannten den Grüngestreiften von unseren Eltern oder Großeltern, und wer mit Heiko und Markant aufgewachsen ist, besitzt vielleicht einen neuen Stresemann, denn seit den 80er Jahren hat Pelikan die grüngestreifte Serie neu aufgelegt und ausgebaut.

Pelikan 400 hieß der klassische Stresemann und war in den 50er Jahren der alten Bundesrepublik ein kleines Statussymbol. 1950 eingeführt, war er nicht unerschwinglich, aber ganz gut teuer für Durchschnittsverdiener. 25 DM kostete das gute Stück im Jahr 1952, bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von damals 3852 DM. Wer weniger ausgeben wollte oder schlichtweg weniger zur Verfügung hatte, für den gab es eine preisgünstigere Variante, den Pelikan 140, ab 1954 auch im grüngestreiften Stresemann-Look für 15 DM, jedoch ebenfalls mit Goldfeder. Charakteristisch die andere Kappenform. Rund, und im Vergleich zum 400er nur aus Kunststoff, das Endstück ebenfalls deutlich runder. Dazu jedoch der gleiche, typische Clip mit dem stilisierten Schnabel eines Pelikans. Wer es gut machen konnte, viel zu schreiben hatte, oder auf Schreibgeräte Wert legte, kaufte den passenden Druckbleistift 350 oder den Kugelschreiber 355 dazu, ebenfalls in grüner Stresemann-Optik.

Meine 400er-Füller habe ich wie viele andere Schreibgeräte, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben, gut in Schubladen gelagert, der abgebildete 140er jedoch liegt mit seinem 355er Kugelschreiber-Pendant auf dem Schreibtisch, meist in guter Griffweite. Ein Arbeitspferd par excellence. Mit weicher, elastischer 585er-Goldfeder gleitet er übers Papier und hat einen Tintenfluss, der manchen 500-Euro-Füller beschämt und nur teuer aussehen lässt. Die schnelle Unterschrift nach 6 Wochen Sommerpause. Kein Problem. Schreibt ein Großteil heutiger Hochpreis-Füller nach dieser Zeit gar nicht richtig an und muss erst mit viel Aufwand wieder durchgespült werden, hat mein 140er Arbeitspferd vom ersten Millimeter satten Tintenfluss, wie man es sich als Schnellschreiber wünscht und wie es für die schnelle Unterschrift unerlässlich ist. Ein regelrechtes Arbeitspferd mit tragender Rolle im Büro – genauso wie einst die westdeutsche Mittelschichts-Zielgruppe in den frühen 50ern, für die dieser Pelikan 140 angeboten wurde. Im Hemd trag ich ihn nicht, wenngleich er auch hier mit seinem Kugelschreiber-Pendant eine sehr gute Figur macht – so mal schlappe 10 Jahre älter als der Hemdträger.

20130805-164409.jpg

Berlin

Brunnenstraße 183

20130707-133013.jpgZU DEN FOTOS

Mehr oder weniger durch Zufall waren Miz Kitty und ich am Freitag im Haus Brunnenstraße 183, dieser von Hausbesetzern bis 2009 besetzten Ruine, deren Sanierung jetzt wohl beginnt, nach einigem Hin- und Herverkauf mit der im Kiez üblichen Wertsteigerung. Das Haus Nummer 183 hat ja eine interessante Geschichte, es war mehr als 20 Jahre besetzt und wurde 2009 mit großer Beachtung gräumt. Von unserer Wohnung am Zionskirchplatz sind es nur gute 300 Meter.

Wir hatten Freitag morgen außer Haus gefrühstückt, da kein Kaffee mehr da war und hatten uns danach den Neubau an der Brunnenstraße angesehen, der von hinten direkt an den Weinbergspark grenzt. Man muss wissen, im Moment sitzen wir öfter im Park und hatten uns letztens noch über diesen Neubau unterhalten. Zufällig ergab es sich, dass die Durchfahrt des auf der anderen Straßenseite der Brunnenstraße gelegenen Hauses Nummer 183 offen war. Das ehemals besetzte Haus. Nun, ich bin seit den Neunzigern hier unterwegs. Ich kenne viele Häuser und Innenhöfe hier im Kiez an der Grenze von Mitte und PrenzlBg. Einerseits, weil mich Abbruchhäuser und Sanierungsobjekte in den damals noch grauen Straßen der Nachwendezeit immer anzogen und andererseits, weil ich ziemlich lange eine geeignete Wohnung suchte. In vielen Häusern bin ich schon gewesen, nicht jedoch im Haus Brunnenstraße 183.

Als ich nun vorgestern sah, dass die Durchfahrt zur Nr. 183 offen stand und die zweite Durchfahrt ebenso – im hinteren Hof war ein Radlader zugange –, sagte ich zu Miz Kitty, ich müsste einmal dieses Grundstück erkunden. Sehr gerne, meinte sie. Sie hat nämlich Ende der 80er Jahre für einige Monate im heute sanierten Nebenhaus gewohnt. Zu der Zeit, als ich noch in Hannover lebte, sie im Weinbergspark für ihre Dramaturgie-Prüfung lernte, die DDR zwar schon kaputt, aber eben noch DDR war und die Vorstellung ziemlich absurd gewesen wäre, dass wir beide in 2013 hier in der Nachbarschaft wohnen und sommerabends im Weinbergspark Champagner trinken.

Wir betraten also das Grundstück und stellten fest, dass der hintere Eingang des Seitenflügels offen war. Vorher hatte ich bereits einige Fotos mit meinem iPad gemacht, das ich zum Frühstücken mitgenommen hatte. So eine Ruine vor der Sanierung, dazu offen begehbar, das ließen wir uns nicht entgehen. Auch die Miz hatte ihre Freude und Neugier. Also nichts wie rein. Ok, sagten wir uns, wenn Bauarbeiter da sind, die uns wieder rausschmeißen, gehen wir halt wieder. Die waren jedoch nur mit ihrem Radlader draußen zugange und so konnten wir uns im lange entwohnten Haus mit seinem ruinösen Zustand ausgiebig umsehen. Ich finde diese Stimmung in solchen Lost Places ja immer sehr schön und etwas kribbelnd. Man arbeitet sich langsam vor, ist neugierig und hat immer ganz ungewohnte und neue Erkenntnisse. Natürlich interessierten uns vor allem Bauweise, Grundrisse und Architektur, wohnen wir doch nicht weit in einem ähnlich alten Haus. Neu waren für uns die fachwerkartigen Innenwände, die früher wohl mit Steinen gefüllt waren. So eine ähnliche Wand scheint eine der Trennwände in unserer Wohnung zu sein, mit schräg verlaufendem Balken darin. Insgesamt ist es so, dass schon vieles entkernt wurde, da überhaupt keine Innentüren und Einbauten mehr vorhanden waren und von den bereits genannten Fachwerk-Innenwänden auch nur noch die Balken stehen. Das sieht man ganz gut auf den Fotos und ist möglicherweise schon bei der Räumung 2009 erfolgt.

Wir haben uns dann eine gute Stunde bis zum Dachboden hochgearbeitet und ich habe einige Fotos gemacht – leider nur mit dem alten iPad2, d.h. niedrig aufgelöst und etwas unscharf. Zwischenzeitlich gabs dann auch noch ein Stück DDR-Zeitung zu studieren, das an einem Balken klemmte. Von 1976, mit Anzeigen, in denen der Wartburg 311 für 6000 Mark angeboten wird, Privatdarlehen gesucht werden und Schulabgängern der Job des Textilreinigers in der Komplexannahmestelle angetragen wird. Miz Kitty hatten es übrigens die Buchendielen angetan, die zum Teil noch vorhanden sind. Unverwüstlich und mit dem Anstrich der dunkelroten Ochsenblut-Farbe aus alten Zeiten. Gut, könnten wir mit dem Eigentümer Kontakt aufnehmen und damit vielleicht unsere knarrenden Dielen aus DDR-Zeiten gegen einen Obolus ersetzen? Könnten wir nicht: Die, die noch da sind, sind zu kurz, die anderen sind längst abgebaut.

So wurde der Freitag zu einem richtigen Urlaubstag, mit dem besten und einmaligen Erlebniswert – 300 Meter von zu Haus. Klar, ich hätte einmal kurz nach Hause gehen können und die große Kamera holen. Das war mir dann doch etwas zu aufwendig, denn die Lost Places wiederholen sich auch irgendwann.

Wer sehen möchte, wie die Brunnenstraße 183 zur Zeit innen aussieht, schaut sich ▸hier meine FOTOS an. Weitere Infos zu diesem Haus, seiner Geschichte und den aktuellen Sanierungsplänen gibt es via Google ▸hier.

Ach ja, sehr gespannt bin ich natürlich, wie das Luxusobjekt in drei Jahren aussieht und wieviel TDE für den Quadratmeter gezahlt werden.

Der Tag im Bild

Rrängelstraße

kraenzelstrFehleinsatz Fraktur

In Görlitz wollte man vor ein paar Jahren Eupoäische Kulturhautptstadt werden. Nein, Essen ist es geworden, denn mit diesen Straßenschildern wird man keine Europäische Kulturhauptstadt. Peinlich, schwer lesbar und von der Wortsilhouette katastrophal zum Erfassen im Straßenverkehr. Hashtag: #gehtgarnicht.

Liegt es am Fehleinsatz Fraktur, dass die große Teile der Altstadt bewohnerlos sind? Haben die Wohnungs-Interessenten nicht zurück in Wohnungen gefunden, der Straßenschilder wegen? Die Japaner, diese höflich videographierenden Europabesucher, haben gerade die Antiqua-Buchstaben-Formen auswendig gelernt und Görlitz gegrüßt sie mit diesen auf alt getrimmten Fraktur-Straßenschildern – wie übrigens nicht der einzige Ort im Osten. Die frakturübliche »st«-Ligatur mit langem »s« ist dabei vermutlich im Aufbau-Ost irgendwo auf der Strecke geblieben.

Nun, ich bin öfter in dieser schönen Stadt und kann sie lesen, diese Straßenbezeichnungen. Die Landkarten-App des Smartphones werde ich daher nicht vergeblich nach der »Rrängelstraße« durchsuchen, sondern finde zielgerichtet in die »Kränzelstraße« zurück.

Gesellschaft

»Sie müssen noch mal etwas studieren«

Ein Service-Blogpost für alle, die überlegen, ein Studium zu beginnen

Seit Jahren unterrichte ich an einer Fachschule junge Menschen im Rahmen ihrer Ausbildung zum Mediengestalter und vermittle ihnen Einzelheiten der Produktion von Medien. Gerade haben wieder einige davon, wie nach jedem Halbjahr, ihre IHK-Abschlussprüfung bestanden. Zu dem ein oder anderen sage ich auch in diesem Sommer wieder: »Sie müssen noch mal etwas studieren«. Ich sage dieses immer, wenn ich denke, jemand hat das Zeug zu Höherem und lässt sich gerade in seiner persönlichen Situation zu sehr von Prioritäten leiten, die gerade opportun sind – der feste Arbeitsplatz im Ausbildungsbetrieb, an dem man weiter vor sich hin arbeiten kann, die vermeintliche Ortsgebundenheit, des Partners und der Familie wegen, etc.

BERUFSAUSBILDUNG VON EDEL BIS BLAUMANN

Duale Berufsausbildung heißt diese Art der Ausbildung, die auch die Mediengestalter absolvieren. Sie findet hauptsächlich in einem Betrieb statt und außerdem in einer beruflichen Schule. Früher sagte man Lehre dazu und der Auszubildende, sprich Azubi, hieß Lehrling.

Derlei Berufsausbildungen gibt es viele im gewerblichen und kaufmännischen Bereich, vom Bankkaufmann bis zum Zerspanungsmechaniker, letzterer allgemein als Dreher oder Fräser bekannt. In Deutschland sind diese (Lehr-)Berufe in einem Verzeichnis der Ausbildungsberufe aufgelistet. Formal ist nicht einmal ein Hauptschul-Abschluss erforderlich, um eine Berufsausbildung zu beginnen. Praktisch gibt es dagegen wohl keinen Azubi zum Bankkaufmann ohne Abitur, und auch bei den Mediengestalter-Azubis bilden die Abiturienten die größte Gruppe.

Schaut man sich die Liste der Ausbildungsberufe einmal näher an, so lässt sich schnell eine Einteilung finden in Edel-Ausbildungsberufe – Berufe für das Angestellten-Mittelfeld, heute wahrscheinlich nicht mehr überall mit white collar, aber doch ganz gut angesehen – und gewerbliche Blaumann-Berufe wie den bereits genannten Zerspanungsmechaniker oder z.B. den Klempner. Diese Blaumann-Berufe haben allgemein keinen hohen sozialen Status und werden oft in Industrie-Betrieben oder im Handwerk ausgebildet. Hier haben auch 16-jährige mit gutem Hauptschul- oder Realschul-Abschluss eine Chance, als Auszubildende unterzukommen.

In den Edel-Ausbildungsberufen sieht das anders aus. Dort verirrt sich keiner mit Hauptschul-Abschluss und nur ganzen selten 16- oder 17-jährige mit Realschulabschluss. Einerseits reichen die Kenntnisse, die man für den Erwerb des heutigen Realschul-Abschluss haben muss, wohl nicht, um in der Ausbildung gut dazustehen, andererseits ist man mit 16 oder 17 Jahren wohl noch zu jung für bestimmte Berufe, wenn es über ein Schülerpraktikum hinaus gehen soll. So sind die Azubis dieser Edel-Ausbildungsberufe – und dazu gehören neben den schon genannten Bankkaufleuten auch Mediengestalter – allesamt älter und haben höhere Vorbildung. Einschlägige Vorpraktika, Fachabitur oder allgemeines Abitur sind quasi notwendige Voraussetzung für einen Ausbildungsplatz. Eine Vorbildung, mit der man locker auch studieren könnte. Nun, die Azubis haben sich gegen ein Studium entschieden. Oder sie beginnen als Studienabbrecher, die die Erfahrung Studium schon hinter sich haben.

AUSBILDUNGSBERUF VERSUS STUDIUM

Die beruflichen Tätigkeiten in diesen Edel-Ausbildungsberufen sind zuweilen ziemlich ähnlich oder gleich mit denen von Akademikern aus dem gleichen Berufsfeld. So mag ein Mediengestalter täglich das gleiche tun wie ein diplomierter Grafik-Designer. Oder das Tagesgeschäft eines ausgebildeten Fotografen mag sehr ähnlich sein wie das eines diplomierten Foto-Designers. Und die Industrie-Kauffrau hat möglicherweise ein größeres und verantwortungsvolleres Aufgabenspektrum als der diplomierte Betriebswirt.

So stellt sich den Abiturienten – und auch deren Eltern – immer wieder die Frage, wie gut und gleichwertig es den nun mit diesen Alternativen Ausbildung in einem Edel-Ausbildungsberuf und Studium aussieht. Gleichberechtigte Alternativen sind es sicherlich. Dass sie gut und vor allem gleichwertig sind, daran habe ich jedoch begründete Zweifel.

ABITURIENTEN NACH DER BERUFSAUSBILDUNG

Immer wieder treffe ich hier in Berlin die inzwischen gestandenen Medien-Fachleute wieder, die einst während ihrer Ausbildung in einem meiner Kurse lernten.

Einige davon sind relativ erfolgreich geworden, waren damals jedoch schon regelrechte Macher-Typen und sind seit Abschluss ihrer Ausbildung selbständig. Andere sind gut verdienende Angestellte mit bürgerlicher Existenz, Familie und Immobilienkredit geworden, monetär gleichauf mit den Akademikern im gleichen Unternehmen, wenn nicht gar mehr verdienend – aufgrund der längeren Erfahrung im konkreten Job. Wieder andere haben sich persönlich wie beruflich nicht gefunden und dümpeln im erlernten Beruf über Jahre vor sich hin, von Job zu Hartz4 zu nächstem Job, etc. Künstlerschicksal, selbstgemacht. Der Rest hat nach der Berufsausbildung noch studiert. Entweder, weil das schon vorher geplant war und man die zumeist verkürzte Ausbildung als Durchlauferhitzung für ein Studium im gleichen Bereich genutzt hat. Oder, weil jemand, der vor der Berufsausbildung »was mit Medien machen« wollte, danach »nichts mehr mit Medien zu tun haben« wollte und deshalb ein Studium in einem völlig anderen Bereich begonnen hat. Alle versichern jedoch, in der Ausbildung hätten sie viele handwerkliche Fertigkeiten gelernt, die Kommilitonen sich oft mühsam erst im Studium aneignen müssten, bzw. diese einfach nicht hätten.

HORIZONTERWEITERUNG STUDIUM

Etwas studieren bedeutet ja, das eigene Wissen um etwas zu erweitern, von dem oft gar nicht klar ist, wozu man diese Kenntnisse jemals brauchen wird. Bildung in einer Fachdisziplin eben, im Gegensatz zur Ausbildung. Warum beschäftigen wir uns mit solchen Dingen? Klar, aus Gründen der Neugier, der Horizont-Erweiterung, des Mitdiskutieren-Könnens. Unmittelbare oder auch nur absehbare monetäre Verwertbatkeit? Fehlanzeige, und für einen selbst auch nicht erforderlich. Dafür die Kreation einer Menge ideeller Werte. Durchaus nutzbar, im Jetzt für einen selbst, in beruflichen Zusammenhängen mit etwas Glück später, meist nur implizit, manchmal Jahrzehnte später, manchmal auch nie.

Horizont-Erweiterung nennen wir landläufig diese Kreation und Erweiterung ideeller Werte einer Person. Das braucht Zeit, und zwar ziemlich viel. Dafür studiert jemand. Diese Zeit muss man sich nehmen und man muss sie Studierenden geben. Sofern es denn irgendwie geht, sollten wir uns diese Zeit gönnen und uns diese Möglichkeiten nicht entgehen lassen – und mit dem Abitur in der Tasche geht das auf jeden Fall.

AKADEMIKER ÜBERHOLEN

Gerade diese Edel-Ausbildungsberufe bedingen ja, dass jemand nach der Berufsausbildung mit Anfang oder Mitte zwanzig schon ziemlich verantwortungsvolle Aufgaben hat, oft mit höherem innerbetrieblichen Status als gleichaltrige studentische Praktikanten, die er vielleicht sogar selbst als Vorgesetzter anleiten muss. Wenn die persönliche Situation jetzt noch ein traditionelles Lebensmodell befördert – Partner, Kinder, Familie, früh aufgenommener Immobilienkredit –, dann arbeitet mancher weiter, und weiter, und weiter. Und klebt an diesem Job. Währenddessen können sich die studentischen Praktikanten schön in diesem und jenem Projekt erproben, auch mal im Schutzraum Studium auf die Nase fallen und angesagten gesellschaftlichen Strömungen ohne konkretes Ziel anhängen. Erfahrungen sammeln, Horizont-Erweiterung galore eben.

Und mit dreißig und mit vierzig? Wie sieht es dann aus bei denjenigen, die in ihrem Ausbildungsberuf immer noch arbeiten und immer noch vergleichsweise gutes Geld verdienen. Da wird es dann schon mal deutlich, dass die inzwischen im Beruf stehenden Akademiker – nach brotloser Studien-, Erprobungs-, Horizont-Erweiterungs-Phase – nachgezogen, überholt haben. Inzwischen monetär gleichauf oder oft besser gestellt, gehen sie oft an Dinge anders heran, haben andere und manchmal mehr Visionen. Oft sind sie vernetzter und ganzheitlicher aufgestellt. Da werden plötzlich diese Puzzlestücke aus dem Studium zusammengebracht, von denen zuerst keiner wusste, welchen Sinn sie haben, und fließen implizit in Berufsalltag und berufliches Handeln ein.

Immer wieder stelle ich bei den Menschen im mittleren, also meinem, Lebensalter fest, die eben nicht diese Erprobungs-, Studien-, Horizont-Erweiterungs-Phase erlebt haben, dass sie Dinge anders wahrnehmen, anders bewerten, manchmal eine andere Herangehensweise haben. Mehr quadratisch, praktisch, gut. Nur eben manchmal auch erschreckend praktisch, mit weniger Reflexion, weniger Kenntnis allgemeiner, gesellschaftlicher, vernetzter Zusammenhänge. Manchmal auch mit weniger Flexibilität, Kreativität, Inspiration. Sehr gute Worker eben, die ihre konkreten Jobs perfekt und zuverlässig erledigen, dafür gutes Geld verdienen und sich so einiges leisten können. Nur eben manchmal nicht so inspiriert und inspirierend, wie sie es vielleicht hätten werden können, mit mehr Zeit für die Horizont-Erweiterung. Der Tellerrand könnte eben etwas näher sein. Schade.

CUT – ANFANGEN – BESSER SPÄT ALS NIE

Mit Mitte bzw. Ende zwanzig oder Anfang dreißig ist es längst nicht zu spät, ein Studium zu beginnen.

Also, was hindert Euch, wenn Ihr mit Abitur schon ein paar Jahre im Edel-Ausbildungsberuf vor euch hinarbeitet, den Cut zu machen? Nächste Lebensphase, mit weniger Geld, dafür mehr Erkenntnisgewinn, mehr für Euch selbst. Vielleicht auch mehr Spaß?

Was hindert Euch, wenn Ihr jetzt gerade eine Berufsausbildung in einem dieser Edel-Ausbildungsberufe abschließt? Ihr habt sowieso gerade einen Cut, und wahrscheinlich auch ein Abitur. Wollt Ihr die nächsten Jahre so weiterarbeiten? Quadratisch, praktisch, kompetent, an eurem Arbeitsplatz vielleicht angesehen. Neugier habt Ihr dort auch, und Neues werdet Ihr auch kennenlernen. Genau das, was Ihr für euren Job braucht, zu viel mehr werdet Ihr vor lauter Arbeit nicht kommen. Wie soll das dann bei Euch aussehen mit vierzig?

Kurz: »IHR MÜSST NOCH ETWAS STUDIEREN.«

Die Planlosigkeit nach dem Abitur hatten wir alle. Erst einmal eine Ausbildung in einem guten Beruf zu absolvieren ist sicher nicht falsch, lernt man dort doch viele praktische Fertigkeiten, die man oft auch im Privatleben gebrauchen kann und die einem die Tür zu manch gutem Nebenjob öffnen. Als Durchlauferhitzung für ein Studium hat eine Berufsausbildung sicher noch keinem geschadet. Nur, das sollte dann auch so durchgezogen werden, mit einer Ausbildungsverkürzung, gleich zu Beginn festgelegt (Anm.: mit der Vorbildung Abitur können bis zu 12 Monate verkürzt werden).
Ansonsten gilt: Mit Abitur studiert man und bleibt nicht im Lehrberuf kleben.

AUSNAHMEN BRECHEN JEDE REGEL

Viele Menschen habe ich kennengelernt, die ganz sicher die Intelligenz haben, jedoch nicht die Möglichkeit zum Studium hatten und trotzdem ein sehr hohes Maß an Differenziertheit und Inspiriertheit haben. So wie ich es manchem Akademiker wünschen würde. In der 50plus-Generation war es in weiten Teilen üblich, nur die Realschule zu besuchen, wenn man eben nicht einen bildungshöheren familiären Hintergrund hatte. 2013 ist jedoch nun weder Nachkriegs-Deutschland, noch sind es die 70er oder 80er. Heute gibt es kaum jemand, der trotz Intelligenz und Abitur aus finanziell-familiären Gründen nur eine Ausbildung machen darf und nicht studieren darf. Sollte es so sein, prüfen Sie, ob es nicht ein vorgeschobener Grund ist.

Fühlen Sie sich also bitte als Nicht-Akademiker nicht angegriffen. Es wird gute Gründe gegeben haben, warum Sie nicht zum Studieren gekommen sind, und die nicht-akademischen Berufe sind wirtschafts- und gesellschaftstragend. Trotzdem sollten wir zukünftige Generationen getreu dem Motto »Die Kinder sollen es mal besser haben.« so gut wie möglich rüsten. Und dazu bietet ein Studium einfach mehr als die Berufsausbildung in einem Lehrberuf, auch wenn es ein Edel-Ausbildungsberuf ist.

AN DIE UNI VERSCHOBEN

Genau, ich habe den Unis jetzt vielleicht einige Probleme zugeschoben, wenn Sie Ihren Abiturienten-Nachwuchs zum Studium bewegen und ich die Abiturienten motiviere, ein Studium aufzunehmen. Dort gibt es dann möglicherweise ein paar Studierende mehr, die – wie Hochschullehrer immer so schön sagen – »nicht studierfähig« sind. Mit Abitur in der Tasche und wenig dahinter. Ja, das ist vielleicht so. Aber, Versuch macht klug, das erste Studienfach muss nicht das richtige sein. Fächerwechsel war in Zeiten mit einem eher bildungs- als ausbildungs-orientiertem Anspruch üblich und ist heute noch genauso hilfreich und empfehlenswert. Und wer wirklich nicht studierfähig ist, schleppt das Problem auch in der Berufsausbildung mit. Manchmal hilft es auch, nach zwei oder vier Semestern erst einmal eine Durchlauferhitzung im Lehrberuf zu absolvieren, mit dem Erwerb von quadratisch, praktisch, guten Fertigkeiten und einem Kennenlernen der Arbeitswelt. Um danach dann mit einem Studium noch einmal durchzustarten.

Tools & Technik

Web-Apps leicht gemacht

Touch App Creator

Web-Apps sind ja bekanntlich nichts anderes als Internetseiten, die speziell für Smartphones optimiert sind. Oft lassen sie sich ohne Browserleiste im Vollbild-Modus öffnen und haben das Look and Feel nativer Apps. Dazu können sie vom Homescreen des iPhone via Icon gestartet werden, hat man sie dort einmal abgelegt.

So eine Pseudo-App lässt sich relativ einfach mit HTML und Javascript erzeugen. In der Anfangszeit der iPhones und Smartphones ein gab es ähnlich wie um native Apps einen ziemlichen Hype um diese Web-Apps. Inzwischen hat man Frameworks wie jquery mobile oder Sencha touch, mit denen man Web-Apps ziemlich schnell generieren kann. In 2013 also keine Herausforderung mehr, business as usual.

Neben der Arbeit mit so Schwergewichten wie Dreamweaver mit integriertem jquery mobile Framework entdecke ich immer wieder das ein oder andere Tool, das zwar nur einen Bruchteil der Funktionen abdeckt, jedoch für kleine und kleinste Projekte die sehr schnelle Lösung ist. Und wenn es dann noch auf dem iPad funktioniert, umso besser. So habe ich vor kurzem den CreativeBookBuilder von Tiger Ng vorgestellt, eine iPad App, mit der sich sehr schnell eBooks im epub-Format erstellen lassen.

Fast genauso cool und hilfreich wie der CreativeBookBuilder ist der TouchAppCreator, ebenfalls von Tiger Ng und auch eine iPad-App. Damit kann man auf sehr einfache Art Web-Apps erstellen. Schnörkellos, im jquery-mobile-Einheitsdesign, dafür aber mit dem Look-and-feel einer Handy-App, inklusive Homescreen-Icon und Vollbildmodus. Ein Beispiel für ein Ergebnis des TouchAppCreators ist unsere Web-App barnimkante.com. Natürlich sind auch noch Untermenüs mit Slider-Effekt bis in tiefste Ebenen möglich.

 

20130609-150410.jpg

Klar, umfangreichere Web-Apps erstellt man nicht am iPad mit einer App für 3,59€. Geht es dagegen darum, mal eben ganz schnell eine abgeschlossene Mini-Site bzw. eine smartphone-optimierte Web-App ins Netz zu bringen, dann ist der TouchAppCreator ein gutes Tool dafür. Klick, klick, Seiten anlegen, Content einfügen, Bilder dazu, Vorschau, fertig. Dann noch FTP-Server-Zugangsdaten eingeben und hochladen,… im Netz, weltweit verfügbar. Die längste Zeit für das Auswählen und Zusammenkopieren des Contents gebraucht.

Die Site bzw. Web-App lässt sich natürlich nicht nur per Smartphone aufrufen, sondern auch am Desktop-PC oder Tablet. Das Look and feel ist dort auch akzeptabel, nun mit der Navigation links. Ok, für eine Desktop-Site ist die Anmutung vielleicht etwas ungewohnt und zu wenig individuell. Die Funktionalität ist hier jedoch ebenso gut wie auf dem Smartphone oder Tablet.

Hop oder Top?

Top natürlich. Mit dem TouchAppCreator lassen sich mit dem iPad in der Badewanne oder im Biergarten mal eben schnell kleinere Websites bzw. Web-Apps erstellen. Und meine »Nie war Publishing so einfach«-Standardfloskel ist sicher wieder einmal bestätigt.

Grenzen

Eine iPad-App für 3,59€ hat natürlich ihre Grenzen, so auch der TouchAppCreator. Das Design der erzeugten Sites bzw. Web-Apps sieht definitiv immer gleich aus. Jquery-mobile-like eben, mit den Wahlmöglichkeiten der Standardfarben für Header, Menu und Footer: blau, schwarz, gelb, grau, Hintergrund immer hellgrau, das war's.

Und natürlich ist es genauso, wie beim CreativeBookBuilder: man kommt zwar um jegliches Schreiben von HTML-Code herum, ohne Vorkenntnisse über Webdesign und Website-Erstellung geht's jedoch nicht. Da wird der TouchAppCreator mit seinen Funktionen ziemlich schwer durchschaubar sein. Besitzt man jedoch Vorkenntnisse, kommt schnell zum brauchbaren Ergebnis. Minimale Änderungen am Stylesheet oder den Austausch der Worte »back to parent« durch »zurück zum Hauptmenü« im HTML-Code sind dann auch kein Problem. Damit wird das Ergebnis dann auch richtig rund.

Leider werden die mit dem TouchAppCreator erzeugten Web-Apps im Smartphone nicht im Cache gespeichert, um auch wie native Apps offline zur Verfügung zu stehen. Technisch wäre das ja möglich, und man kann es sich mit etwas Aufwand per Manifest-Datei nachbauen – schließlich ist das Aufrufen von nicht gecachten Web-Apps ja im Ausland mit unnötigen Roaming-Kosten verbunden. Diesem Mangel wird durch die kostenlose TouchAppViewer-App abgeholfen.

 

20130609-150434.jpg

Der TouchAppViewer ist eine native Container-App, mit der die Web-Apps, die mit dem TouchAppCreator erstellt wurden, offline gespeichert werden können. Damit kann z.B. die barnimkante.com-Web-App lokal auf dem Smartphone gespeichert werden. Den kostenlosen TouchAppViewer aus dem App-Store oder Google-Store laden, Public-Link barnimkante.com hinzufügen, fertig. Jetzt ist alles offline verfügbar.

Fazit

Empfehlenswert. Für die schnell am iPad erstellte Mini-Site bzw. Web-App, und auf jeden Fall, wenn man ein Faible für Mobile Publishing, Tablets und Smartphones hat. Probieren Sie's aus.

 

Der Tag im Bild

Erdbeer Pawlowa

20130613-084445.jpg

Aus der Reihe »Mein schönster Geburtstagskuchen«

Die Miz hat ihn für mich gebacken. Später gab es dann dann noch Tapas beim Spanier in Mitte und Schampus in der Bar des Hotel de Rome. So lässt’s sich ganz gut älter werden…