Gesellschaft

Ironblogger-Treffen

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Am Montag hatten wir das erste feucht-fröhliches Treffen der →Ironblogger Berlin in diesem Jahr. Jeder, der es nicht schafft, einen Blogpost pro Woche zu schreiben, zahlt 5 Euro in die Kasse ein. Alle paar Monate treffen wir uns dann face-to-face und das Bier oder natürlich auch andere Getränke werden aus der Kasse bezahlt. Eine schöne Idee, die sich inzwischen in mehreren Städten durchgesetzt hat. Man lernt andere Blogger persönlich kennen und deren interessante Blogs. Mehr zu den Regeln und die Links zu den einzelnen Chapters gibt es auf der →Ironblogger-Website. Mit meinem Blog @netznotizen gehöre ich zu den Berliner Ironbloggern. Zwei Vorteile bringt mir die Mitgliedschaft dort: Einerseits ist es schön, andere Blogger face-to-face kennen zu lernen, die man bisher nur gelesen hat oder neue Blogger, die man noch gar nicht kennt, kennen zu lernen. Andererseits hilft es mir, die @netznotizen auch in Zeiten, in denen ich viel zu tun und eigentlich keine Energie zum Schreiben habe, regelmäßig weiter zu pflegen.

Jedem, der den Anspruch hat, regelmäßig zu bloggen, andere Blogger kennen lernen möchte und ein wenig Druck braucht, dann tatsächlich regelmäßig zu schreiben, kann ich nur empfehlen, sich den Ironbloggern anzuschließen. Inzwischen gelingt es mir gut, in den @netznotizen mindestens einen Blogpost in der Woche zu schreiben. So musste ich am Montag nichts in die Kasse einzahlen. Diese war jedoch recht gut gefüllt ist, und wir sind – naja, einige zumindest – etwas abgestürzt. Aber, schön war’s. Wie schon zuvor trafen wir uns wieder im →Hops & Barley in Friedrichshain. Für die Organisation der Berliner Ironblogger hier einen herzlichen Dank an Nicole, die unter →antischokke.de bloggt.

Gesellschaft

Cat Content

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Add Kitty — Wenn uns nichts mehr einfällt, gibt’s Cat Content per App.

Die Stammleser haben sich vielleicht bei meinem letzten Beitrag über den Buchkalender über das Bild mit der Katze gewundert. In diesem Haushalt gibt es ja eine Katzenallergie und daher vermutlich so schell keine durchblutete Katze. Nun, ganz einfach zu erklären: Das ist ein per App zum Cat Content aufgebrezeltes Bild. Add Kitty heißt die App für iPhone oder iPad, mit der schnell passender Cat Content erzeugt werden kann. Es gibt sie gratis im →iOS-Store.

Normalerweise mag ich ja nutzlose Fun-Apps nicht. Add Kitty ist eine Ausnahme. Man lädt einfach ein Foto und kann darauf eines oder mehrere von zahlreichen Kätzchen platzieren. Die Kätzchen sind schon freigestellt und können natürlich per Fingerschnips vergrößert und positioniert werden. Damit der Cat Content dort ist, wo man ihn hin haben möchte. Die meisten Kätzchen gefallen gefallen mir nicht so richtig. Es sind jedoch einige dabei, die ganz gut freigestellt sind und die man auch angeschnitten oder in Teilen gut platzieren kann. Cat Content leicht gemacht, für umme. Zur Blog- und Twitter-Bespaßung reicht es allemal.

Funfaktor: hoch

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Schreibgeräte & Kontor

Papier-Agenda

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Mit zunehmender Verbreitung von Mobile Devices werden bestimmte Dinge, an die man sich über Jahrzehnte gewöhnt hat, weniger. Holzmedien aller Couleur eben. Dazu gehört auch der klassische Buchkalender. Fast jeder von uns hatte ihn, den Terminkalender in Buchform, meist im DIN-A5-Format. Jahrelang besaß ich ihn auch, meist klassisch schwarz oder in dunklen Farben – und ich achtete jedes Jahr darauf, einen zu bekommen, bei dem Samstag und Sonntag auf zwei Blättern waren. Den Kalender benutzte ich dann zum Vormerken von Terminen, aber auch, um mir Notizen zu machen, quasi als Tagebuch. Bestimmte Daten wie Schulferien, Feiertage, etc. waren mit diesem Buch zudem schnell und sicher erkundet. Außer Haus mitgenommen habe ich die Agenda nur selten. Sie lag immer griffbereit in Reichweite des Schreibtisches. Ab und zu habe ich mir ein gutes Exemplar aus Leder gegönnt, aber manches Jahr gab es auch gute Werbegeschenke, ebenfalls aus Leder. Dazu meist noch ein paar Exemplare in der Qualität, in der man sie beim Bürodiscounter oder jetzt auch in den Postfilialen kaufen kann. Werbegeschenke von gewerblichen Dienstleistern waren das, oft mit typographisch lieblos geprägtem Werbeaufdruck in scheußlicher Goldfarbe. Jedoch allemal gut zum Weiterverschenken, denn Kinder von Nachbarn und Bekannten waren meist dankbare Abnehmer, konnten sie den Buchkalender mit der häßlichen Prägung doch als Malbuch benutzen oder damit Chef spielen, glücklich, etwas zu haben, was sonst nur Erwachsene haben. Früher gab es also Buchkalender galore.

Anders in diesem Jahr. Zwar gab es Jahresendgeschenke, aber kein Buchkalender war dabei. Vermutlich bin ich aus einigen Verteilern für Werbe- und Weihnachtsgeschenke gefallen, wo solche  Dinge wie ein Buchkalender noch verschenkt werden, die für einen Digital Resident leicht anachronistisch sind. Warum sollte man auch heute noch so etwas verschenken? Damit der Beschenkte im günstigsten Fall sagt »Gut gemeint« und den Kalender weiterverschenkt oder im ungünstigeren Fall der Rundablage zuführt, weil er längst mit synchronisierten digitalen Kalendern arbeitet und seit Jahren keinen Termin mehr handschriftlich eingetragen hat? Nun, die Buchagenda als Werbegeschenk kann schnell altbacken wirken. Firmen schenken also etwas anderes zum Jahresende. Und mir als Digital Resident wohl sowieso? Hat hier das Targeting endlich geklappt?

Nicht so ganz, ich vermisse es nämlich gerade, das Buch mit dem Kalendarium, das in Reichweite des Schreibtisches liegt. In dem ich nachschauen und etwas notieren kann, während ich telefoniere, ohne das Telefon vom Ohr zu nehmen. Freilich, ich könnte den Freisprech-Modus einschalten, während ich im digitalen Kalender des iPhones blättere. So, dass das Gespräch jeder mithört. Oder ich könnte den synchronisierten Kalender auf meinem iPad benutzen, dann könnte ich das Telefon am Ohr lassen. Klar, kann man alles machen. Die wahre Freude ist die schnelle Notiz im digitalen Kalender nicht. Mit der Hand habe ich sie sowieso schneller geschrieben.

Ende letzten Jahres dachte ich, ich kaufe mir für dieses Jahr wieder so eine Papier-Agenda, als ich in der vorweihnachtlichen Warteschlange der örtlichen Post stand, wo diese Buchkalender verkauft wurden. Ich habe mich schnell dagegen entschieden. „Ach, was willst Du damit? Staubfänger, braucht kein Mensch mehr und nimmt nur wieder etwas Luft zum Atmen.“, dachte ich. Nur konsequent, dass mir keiner damit als Werbegeschenk zum Jahreswechsel kam.

Ok, ich brauche sie jetzt doch noch, die Papier-Agenda. Ich gehe gleich kurz eine kaufen. Es ist fast Ende Januar, wahrscheinlich gibt es sie jetzt zum Sonderpreis.

 

Schreibgeräte & Kontor

Pelikan 100N

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Schreibgeräte und allerlei aus dem Kontor sollen in 2014 in diesem Blog nicht zu kurz kommen. Heute möchte ich einen Pelikan 100N vorstellen, der auf meinem Schreibtisch eines der Highlights ist. Viele Schreibgeräte und Stifte besitze ich hier, mehr als ich jemals verbrauchen und leerschreiben könnte. Ein regelrechter →Sammler bin ich jedoch nicht. Mir kommt es viel mehr darauf an, dass ich die Schreibgeräte ab und zu benutzen kann und dass ich mich an interessanten und schönen Formen, Technik und Historie erfreuen an. Und bei den alten Schreibgeräten, dass manchmal ein bißchen das Lebensgefühl ihrer Zeit überspringt.

Der Pelikan 100N ist das nur wenig geänderte Nachfolgemodell des Pelikan 100 und wurde von 1938 bis 1950 hergestellt – mit Unterbrechung und Stahlfederversionen in den Kriegsjahren. Mit dem Vorgänger Pelikan 100 startete das Unternehmen, das seinerzeit noch Günther Wagner hieß, im Jahr 1929 die Produktion von Füllfederhaltern und brachte gleich das erste Modell mit einer neuen Techologie heraus. Der Kolbenfüllfederhalter war entstanden. Bisher besaßen Füllfederhalter einen kleinen, schlauchartigen Gummisack, in den durch Zusammendrücken Tinte eingesaugt werden konnte, oder man musste den Füllfederhalter mit einer Pipette füllen. Die Idee, mit einem Kolben Tinte einzusaugen, mag es vorher schon gegeben haben, die praktische Realisierung gelang erst mit dem Pelikan 100 – und begründete damit den Siegeszug des Kolbenfüllfederhalters mit Differentialkolben-Mechanik als bis heute führende Füllfederhalter-Technologie. Die Differentialkolben-Mechanik besteht aus einem Zusammenspiel zweier gegenläufiger Gewinde mit unterschiedlicher Steigung. Minimal, nur wenige Millimeter, dreht man am Endstück, währenddessen der Kolben gegenläufig einen viel größeren Weg zurücklegt und die Tinte in den Füllfederhalter einsaugt.

Auf diese ausgeklügelte Technologie schienen die Deutschen gewartet zu haben. Schnell setzte sich das Prinzip des Kolbenfüllfederhalters durch und wurde vor allem in Deutschland schnell von anderen Herstellern übernommen. Der Pelikan 100 blieb jedoch das Original. Der Erfolg dieses Füllfederhalters ist sicher nicht nur durch die neue Mechanik, sondern auch in der modernen, schlichten Form mit dem sehr schön reduziert stilisierten Pelikanschnabel begründet. Das nur am Endstück und in Details veränderte Nachfolgemodell 100N wurde 1938 vorgestellt.

Mit einigen Internetquellen habe ich erkundet, dass es sich bei meinem Pelikan 100N um ein Nachkriegsmodell handelt. Es muss in den Jahren 1949 oder 1950 gefertigt worden sein, denn schon 1950 wurde es durch das bekannte, grün gestreifte Modell 400, den Stresemann ersetzt. Der hier abgebildete 100N ist also so alt wie die Bundesrepublik und steht mir auch im Alter von 65 noch klaglos und unspektakulär zu Diensten, genau wie mein um einige Jahre jüngeres →Arbeitspferd Pelikan 140. Kappe auf, zur Notiz und Unterschrift stets bereit. Tintenglas öffnen, Feder rein, Tinte einsaugen, Tintenglas schließen, weiterschreiben. Diven schreiben woanders.
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Für den Fall, dass auch Sie noch gutes, älteres Schreibgerät von Pelikan, Mont Blanc oder einer anderen renommierten Marke besitzen, sei es nun Flohmarktfund oder Nachlass: Motten Sie es aus, geben Sie es evtl. zur Reparatur und benutzen Sie es. Nicht immer, aber ab und zu für die persönliche Grußkarte und Korrespondenz. Schnell stellt sich mit einem Jahrzehnte alten Stück in der Hand ein anderes Schreibgefühl ein.

Einige Links zum Klobenfüller, zum 100N, zu Pelikan und zu Pelikan-Federn, mit denen man das Alter eines Füllfederhalters bestimmen kann:

Kolbenfüller mit Differenzialkolben-Mechanik

Geschichte der Firma Pelikan (als PDF)
http://www.pelikan.com/pulse/vfs-public/pdf/DE/Corporation/Press/Historie_d_412.pdf

Zum Pelikan 100N

Federn von Pelikan-Füllfederhaltern (u.a. zur Datierung)

Details für alle, die es genau wissen möchten, was in so einem alten Füllfederhalter ist

Tools & Technik

Tagesnummern

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Der wievielte Tag ist der 31. Mai?

Und der wievielte Tag im Jahr ist das, wenn es ein Schaltjahr ist? Bekannterweise gibt es viele Möglichkeiten, ein Datum und einen Tag zu notieren. Manchmal möchte man natürlich irgendwo auch ein Datum verstecken, ohne dass es allzu offensichtlich ist. Zum Beispiel bei Produktionsnummern, Versionsnummern, Dokumentnummern, etc.

Ich brauche diese Nummern gelegentlich und nehme seit vielen Jahren einfach die Tagesnummer im Jahr dafür. Der 31. Mai entspricht also der Nummer 152, im Schaltjahr ist es natürlich die 153. Will man das Jahr gleich mit kodieren, heißt es einfach 14152. Entspricht also 2014, der 152. Tag, also der 31. Mai 2014. Kompliziert sagen Sie? Naja, etwas nerdig schon, aber kurz und wirkungsvoll. Früher war die Bestimmung der Tagesnummer einfach, hatte jeder doch eine dicke Pultagenda, in der neben Sonnenaufgang allerlei Daten für jeden Tag aufgelistet waren. Auch die Tagesnummer und dazu sogar die verbleibenden Tage im Jahr. Diese Infos enthalten die Kalender unserer digitalen Gadgets und Schlauphones heute nur selten.

Damit ich nicht in einer alten Agenda schauen muss und zudem +1 für ein mögliches Schaltjahr draufrechnen muss, habe ich ein eBook mit den Tagesnummern im epub-Format erstellt. Mit Excel kann man so etwas ja schnell zusammenbauen und dann als epub speichern. Getan. Auf dem iPhone, Schlauphone oder Tablet habe ich die Tagesnummer jetzt immer offline im digitalen Buchregal dabei und schnell zur Hand. Ein kleines Helferlein, so simpel, dass ich eigentlich keinen Blogeintrag dazu machen sollte. Aber vielleicht braucht es gerade jemand von Ihnen. Dann dürfen Sie es gerne verwenden.

HIER geht’s zum Download.

Auf dem iPhone dann in iBooks oder der bevorzugten Reader-App öffnen.

Der Tag im Bild

Brunnenstraße

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Gerade sitze ich in der Konditorei →Du Bonheur an der Berliner Brunnenstraße, genauer gesagt im Teil der Brunnenstraße zwischen dem ehemaligen Modeinstitut der DDR (vormals Kaufhaus Jandorf) und der Berliner Mauer, also zwischen Kreuzung Invalidenstraße und Kreuzung Bernauer Straße. Ziemlich oft bin ich hier unterwegs. Zwar ist die U-Bahn Rosenthaler Platz näher zur Wohnung an der →Barnimkante, jedoch erscheint der Weg vom Rosenthaler Platz bergauf die Veteranenstraße empor mental beschwerlicher als die locker und schnellen Schrittes zu beschreitende Strecke von der U-Bahn Bernauer Straße zur Wohnung, ein Stück die Brunnenstraße entlang.

»Brunnenstraße«, das ist so ein Feld-, Wald- und Wiesen-Straßenname, den es eben neben der Feldstraße, Waldstraße und Wiesenstraße in fast jeder Gemeinde gibt. Umso erstaunlicher ist es, dass es in Berlin nur eine einzige Brunnenstraße gibt, wo doch viele Straßennamen durch Eingemeindungen doppelt vorkommen. Nein, es gibt sie nur einmal, die Brunnenstraße. Sie ist eine besondere Straße, die jeder Berliner kennt und von der es zu Mauerzeiten einen Ost-Teil und einen West-Teil gab. Die Mauer durchschnitt diese Verkehrsader direkt. So wird beim Wort »Brunnenstraße« heute noch schnell klar, ob jemand im Osten oder im Westen Berlins aufgewachsen ist – der viel zitierte Ossi-Wessi-Unterschied also. Spricht man beiläufig von der Brunnenstraße, so assoziieren die im Osten aufgewachsenen oft damit den Bereich zwischen Rosenthaler Platz und Bernauer Straße, während die zu Mauerzeiten im Westen aufgewachsenen meist die Gegend um den Gesundbrunnen meinen.

Nun, der West-Teil der Brunnenstraße ist nicht meins. Hochhausbebauung der sechziger und siebziger Jahre, heute mit Quartiersmanagement und der dazu passenden Bewohnerschaft. Kein Hauch von Gentrifizierung, zu der ich so eine Art Hassliebe haben, mag ich es doch heute etwas gediegener und trinke lieber Champagner als Faber Sekt, so es denn irgendwie geht. Den Ost-Teil der Brunnenstraße beobachte ich nun schon ziemlich lange. Ich kenne dieses kurze Stück zwischen Rosenthaler Platz und Bernauer Straße schon seit 1997, seitdem ich in Berlin bin. Ziemlich vergammelt war es hier vor 16 Jahren noch. Nicht verwunderlich, war das Stück zwischen Invalidenstraße und Bernauer doch eine Sackgasse, abgeschnitten durch die Mauer.

Anders als Kollwitzplatz und Kastanienallee war die Brunnenstraße auch 2005 noch, in dem Jahr, in dem ich am Zionskirchplatz die Wohnung bezog, eine ziemlich vergammelte Durchgangsstraße. Aus dem Wedding fuhr man leicht bergab mit dem Fernsehturm im Blick vom Schlicht-Wohngebiet der späten 60er in die Ost-Straße mit mehr oder minder rekonstruierten Altbauten, Hinterhöfen und hier und da mal Einzelhandel, nicht der feinsten Art. Rasant hat sich dieser Teil in den letzten Jahren gewandelt. Gentrifizierung. Mit Verknappung der Grundstücke in Mitte auch hier, an der Durchgangsstraße. Cafés ziehen ein, so wie diese Patisserie, in der ich gerade sitze und von der die Berliner Zeitung schreibt, sie hätte →Pariser Niveau. Vielleicht ganz treffend, diese Formulierung. Schön und gediegen ist es hier, das Glas Champagner nicht weit. Publikum mit Hipster- und Medien-Faktor, zu dem ich ja durchaus dazu gehöre. Ok, bei mir nur der Medien-Faktor, aber schon lange. Und für später zu Hause die Qual der Wahl: Birnen-Schokoladen-Tarte, Paris-Brest, Tarte Citron, Dulcey, Ribisel Tarte, Millefeuille, Mont Blanc, Nadja oder Eclair Chocolat? Ich nehme das Eclair Chocolat. Schön, er macht sich also, dieser Teil der Brunnenstraße, die mehr und ältere Geschichte hat, als von der Mauer durchschnitten zu sein.

Das Buch zur Straße

Es gibt ein Buch darüber, in dem man vieles über diese Straße lesen kann. Die einzelnen Kapitel gibt es auch direkt online zu lesen. Mich interessieren diese Einzelheiten, weil es um die unmittelbare Nachbarschaft geht. Allerlei interessantes lese ich dort. Z.B., dass der junge Moses Mendelssohn in 1743 als Jude nur durch das Rosenthaler Tor in die Stadt einreisen durfte. In etwa dort, wo heute der Rosenthaler Platz ist – die Stadtgrenze verlief ungefähr entlang der heutigen Torstraße, die es freilich erst viel später gab. Berlin-Historie abseits der Wilhelms und Friedrichs.

Einiges weiteres lässt sich noch im Internet über die Brunnenstraße finden, z.B. über das Kaufhaus Jandorf an der Kreuzung Brunnen-, Veteranen-, Invalidenstraße, in dem das spätere Modeinstitut der DDR (Haus der Mode) untergebracht war oder über das lange besetzte Haus Nummer 183, über das ich im letzen Sommer schon schrieb.

Hier eine kleine Link-Sammlung:

Wikipedia

Kauperts Straßenführer durch Berlin

Contemporary Art – Kunst und Galerien

Kaufhaus Jandorf (Warenhaus am Weinberg)

Modeinstitut der DDR (Haus der Mode)

Quartiersmanagement des West-Teils der Brunnenstraße im Wedding

Brunnenstraße 183

Das Buch zur Straße

 

 

Gesellschaft

Erzählt es Euren Kindern

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Gerade lese ich den Artikel »Sie sollen Bescheid wissen« im Internet-Portal der ›Zeit‹. Die Autorin Jeannette Otto schreibt über das Thema, wie wir die deutsch-deutsche Geschichte und das Leben in der DDR und in der alten BRD heute Jugendlichen, Kindern und Enkelkindern vermitteln.

Diese Frage beschäftigt mich schon seit längerem, unter anderem, weil ich junge Menschen, die »etwas mit Medien machen« möchten, ausbilde. Die jüngeren von ihnen, Jahrgang 1995 oder später, wissen außer ein paar auswendig gelernten Daten meist nichts oder nur wenig über die deutsche Teilung und das Leben in der DDR oder in der alten BRD bzw. im alten West-Berlin. Woher auch? Es scheint nicht wichtig zu sein in ihrer Lebenswelt. Die etwas älteren, oft deutlich über 20 und meist in einer Berufsausbildung, haben sich je nach familiärer Prägung ihr eigenes Urteil über die DDR gebildet. Selbst haben Sie diese Zeit jedoch nicht bewußt erlebt, meist sind sie sogar erst nach der Wende geboren. Manchmal ist das Interesse an der Ost-West-Geschichte nicht groß, weil als für die eigene Person unbedeutend empfunden. Haben die jungen Menschen jedoch ausgeprägten DDR-Bezug, so ist der Tenor ziemlich einheitlich: »Früher war alles besser war, keiner war arbeitslos und alles war sozialer«. Typische Bewertungen, wie man sie hier in Berlin immer wieder hört, meist in den Ost-Bezirken. Mehr oder weniger unreflektiert werden sie von der 45plus-Elterngeneration übernommen.

Auch im ausgangs genannten Text ist von dieser geschönten Elternperspektive des Lebens im Sozialismus die Rede. Die Autorin schreibt, Forscher hätten herausgefunden, »dass das Image der DDR bei Schülern immer negativer werde, je länger sie den SED-Staat im Unterricht behandelten.« Die zentrale Frage wird aufgeworfen, was wir nun selbst unseren Kindern vom Leben in der DDR – oder je nach Herkunft auch von der alten BRD – vermitteln sollten? Und vor allem wie?

Stasi-Gefängnis, verkürzte Wirklichkeit

Mich beunruhigt diese herausgehobene Thematisierung der Zeit der Deutschen Teilung im Schulunterricht etwas. Eine typische Stellvertreter-Überbewertung. In den heutigen Lehrplänen heißt der Themenkomplex oft »Zeit der SED-Diktatur«. Nun, die deutliche Wertung ist aus dem Begriff herauszulesen. Der bundesdeutsche Schüler soll zu der Einsicht kommen, dass er im guten und vor allem richtigen System lebt – und das geht mit plakativen Formulierungen und der Fokussierung auf beeindruckende Einzelaspekte wie die Stasi natürlich gut. Reihenweise werden Schulklassen zu Exkursionen ins Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen oder ins Dokumentationszentrum Berliner Mauer an der Bernauer Straße gekarrt, ein Gespräch mit ausgesuchten Zeitzeugen inklusive. Die DDR wird nahezu auf einen Spitzelstaat reduziert, der seine Leute einsperrt und die alte BRD auf das Wirtschaftswunder mit dem Erfolgsmodell der sozialen Marktwirtschaft. Verkürzte Wirklichkeiten.

Ist das die zeithistorische Alphabetisierung der Kinder? Eher nicht. Und genauso wenig sind es die latenten Sticheleien von Lehrern, die schon zu DDR-Zeiten unterrichteten, gegen das heute westdeutsch geprägte Bildungssystem. So oder so, ein schwieriges Terrain. Wie soll man dieses polare Thema Kindern und Jugendlichen vermitteln, in dem wir allesamt – Lehrer und die über den »zeithistorischen Analphabetismus« klagenden Historiker ebenso – persönlich noch viel zu verstrickt sind und zeitlich wie mental nicht genügend Abstand haben?

Sehr interessant finde ich übrigens, welche Lehrkräfte mit ihren Klassen Dauergäste im Hohenschönhausener Stasi-Gefängnis sind und mit welchen Eindrücken, Infos und Ideen die Schüler zurückkommen. Einige kenne ich persönlich. Freilich sind sie kein repräsentativer Querschnitt, aber ich lehne mich einmal weit aus dem Fenster und behaupte, es sind oft die im tiefen Westdeutschland aufgewachsenen Lehrkräfte, ohne persönlichen oder familiären Bezug zur DDR, oder es sind Ost-West-Übergesiedelte mit schlimmsten Erfahrungen. Beide sind oft nicht die geeigneten Personen für eine zeithistorische Alphabetisierung, die Schüler zum Tiefergraben, mehr Erforschen, Vergleichen und sich ein Urteil bilden anspornt.

Geschichts-Scheiben, individuell und wahr

Die alte BRD und die DDR, das war die Zeit, in der die heute 50jährigen aufgewachsen sind. Wir, die jetzt maßgeblich die Geschicke der Welt bestimmen. Jeder auf seine Art und mit seinen individuellen Erfahrungen, immer noch fast ohne Abstand zu dieser Zeit. Die Schule gibt sich nun den Anstrich, objektiv zu sein, und das erwartet man das auch von dieser Institution. Anhand gesicherter Erkenntnisse und  objektiv ausgewählter subjektiver Versatzstücke sollen Schüler zu einem eigenen Urteil kommen. Und genau in dieser Auswahl liegt das Problem. Sehr vieles über das Leben in der alten BRD und der DDR ist nämlich richtig.

Für die einen ist der Mauerbau mit schlimmer familiärer Trennung verbunden, für die anderen mit einem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufatmen, weil nicht ständig Fachkräfte in die BRD abwanderten und Ruhe einkehrte in die Gesellschaft der DDR. Für die einen bestand die DDR aus Spießrutenlaufen, Aufenthalt im Frauengefängnis, Freikauf in die BRD und Erfolg im westdeutschen Kapitalismus. Für die anderen aus unbeschwertem Aufwachsen im Haus am See in der Ost-Berliner Nomenklatura-Familie. Und für die einen bestand die alte BRD aus Wirtschaftswunder und Aufsteigerbiographie durch die Bildungsexpansion der 60er und schnellem Führungsposten. Für die anderen bestand sie noch 1970 aus latenter Stigmatisierung als Kind einer Arme-Leute-Familie, mit vom Lehrer initiierten Besuch des Gesundheitsamtes, zwecks Prüfung, ob die Familie asozial ist und allerlei Benachteiligung bis in die 80er. Alles, was wir und unsere Familien erlebt haben in den letzten 50 Jahren und was uns noch beschäftigt, manchmal mehr, als uns lieb ist. Geschichts-Scheiben, jede individuell und wahr. Alles Teile des Ganzen.

Wo ist jetzt der zeithistorische Kanon für den Geschichtsunterricht der Kinder und Enkel? – Es gibt ihn nicht, er lässt sich schwer definieren. Die Exkursion zum Stasi-Knast Hohenschönhausen, Mauer, Selbstschussanlagen, die BRD als Wirtschaftswunderland mit Wohlstand für alle und Sozialamt, es sind verkürzte Wirklichkeiten.

Erzählen Sie Ihren Kindern Ihre Geschichten,

aber machen Sie keine Zeitzeugen-Wissenschaft daraus. Jedes aufgeweckte Kind interessiert sich dafür, was die Eltern frühervom gemacht haben. Und in diesen Erzählungen (und Weglassungen) wird für Kinder sehr schnell klar, wer die Guten sind und wer die Bösen sind. Was für die Eltern wichtig war, und was eben unwichtig. Wenn Kinder danach fragen, haben sie ein Recht auf eine ehrliche, altersgerecht-ungeschönte Antwort. Die sollten wir ihnen geben – und sie nicht Lehrkräften, bewusst ausgewählten Zeitzeugen, Geschichtsbüchern und Gedenkstätten überlassen. Unsere Erlebnisse sind immer ein Teil der Geschichte und Identität unserer Kinder.

Warnung – Ausgesuchte Geschichts-Scheiben

Problematisch finde ich nach wie vor die organisierten Befragungen von Zeitzeugen im schulischen Kontext, mit denen ganz bestimmte Sichtweisen vermittelt werden sollen – die Schüler im optimalen Fall nachher reflektieren und übernehmen. Zum Beispiel die Erkenntnis, wie schlimm der DDR-Stasi-Spitzelstaat war oder wie schlimm es Zwangsarbeiter im NS-Deutschland hatten. Beides stimmt ja für sich genommen, verkürzt leider nur die Wirklichkeit zu sehr auf einzelne Aspekte. Der Grad zur Infiltration mit gerade angesagten und sogenannten politisch korrekten Bewertungen ist dann nur schmal.

So, und jetzt dürfen Mutti und Vati »vom Krieg erzählen« — ungeniert und ohne political correctness. Tun Sie es!

 

Design & Typo · Gesellschaft · Schreibgeräte & Kontor

Vorsätze 2014

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Es gibt sie noch, die guten Vorsätze.

Auch für 2014 gibt es sie noch, die schönen und die schlichten Vorsätze. Wenn wir dann jedoch immer mehr »in eBooks machen« bleibt nicht viel an →Vorsätzen. Ok, die schönen Vorsätze wird es noch etwas länger geben. Und wenn dann 2020 alle auf eBooks und Apps umgestellt haben, gibt’s bestimmt animierte Zwischentitel und schön gestaltete eBook-Vakatseiten – sozusagen als Vorsatz-Ersatz.

Ihre Vorsätze für 2014 sehen aber bestimmt gaaanz anders aus?