Reisen

Jagdschloss Antonin: Palast-Hopping 2014, dritte Station, zweiter Tag

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So Sie im Polnischen auf der Durchreise sind, lassen Sie sich den Palac Mysliwski in Antonin nicht entgehen. Bei Licht und Abstand betrachtet reicht jedoch eine Übernachtung mit einem Dinner und Abendaufenthalt unter den Hirschen. Da erlebt man eine vorzügliche Atmosphäre. Tags ist es im Jagdschloss etwas unintim. Da sitzt man nichtsahnend mit dem iPad auf dem Sofa neben dem großen Kachelofen, und dann fällt eine Busladung von Rentnern ein, die durch das hölzerne Jagdschloss um einen herum laufen. Ok, wir sind die Deko, gehören als Übernachtungsgäste zum Haus und verkörpern mit dem Apfel-Tablet, sprich iPad, im historischen Ambiente die neue Zeit. Für echte und semiprofessionelle Fotografen rücke ich gern an die Seite, für Snapshots nicht. So sind wir halt auf einigen Fotos, was die, die uns mit ihren Taschenkameras fotografieren, nicht einmal stört. Schnell wie sie gekommen sind, stürmen sie alle noch auf die erste Galerie und sind ebensoschnell wieder weg. Das wiederholt sich den Tag über noch mit einzelnen Ausflüglern, die reinkommen, schauen und wieder weg sind. Man muss wissen, das Jagdschloss Antonin ist offenbar so etwas wie ein nationales Kulturgut, wohl des Chopins wegen. Entsprechend ist hier nicht die Retorten-Patina der im letzten Jahrzehnt restaurierten polnischen Herrenhäuser, sondern etwas ältere Patina, auch aus sozialistischer Zeit. Die Küche ist gut, die Angestellten des Cafés bzw. Restaurants mindestens tagsüber nicht um Umsatz bemüht. Hier arbeiten keine englisch sprechenden Studenten, sondern wohl Staatsangestellte. Für einen Kaffee muss man sich melden, und das Frühstück sieht an zwei verschiedenen Tagen eben unterschiedlich aus, je nachdem wer Dienst hat. Sollten Sie Antonin ansteuern wollen, meiden sie das Wochenende mit den Nachmittags-Ausflüglern, sondern genießen hier einen ruhigen Abend an einem Wochentag.

Schwimmen im Schlick

Schwimmen hat für Miz Kitty und mich im Moment eine recht große Bedeutung. So hatte Miz Kitty von Anfang an geplant, im kleinen See, der unmittelbar auf der anderen Straßenseite des Jagdschlosses liegt, zu schwimmen. Die Google-Satellitenansicht verspricht dort einen Sandstrand. Warum wir dort mit dem Auto hinfahren sind, weiß ich freilich nicht, vermutlich überschätze ich die Entfernung. Mehrere Déjà-Vu-Ost-Ferienbungalows gibt es hier, das Déjà-Vu freilich nur für Ost-Kinder, nicht für mich.

Einen Zloty bezahlen wir für den Zugang zum Sandstrand. Dort gibt es einen reichlich überdimensionierten und im Geviert angeordneten Steg. Inmitten dieses Karrés ist ein Schwimmerbereich. Freilich, wichtig für die Menschen hier, gehört Schwimmen zu können hier nicht zur Grundkompetenz. Einige wenige sind im Wasser innerhalb dieses Steg-Gevierts, einige Tretboote auf dem See, jedoch kein Schwimmer. Egal, wir sind ja Mittelstreckenschwimmer. Also neben dem Steg ins Wasser und geschwommen. Wir schwimmen ein paar Züge. Zwei Herren in einem Bademeisterboot gestikulieren uns, wir sollen zurückschwimmen. Sie rudern auf uns zu. Wir erklären, wir seien Mittelstreckenschwimmer und würden einmal um den See schwimmen. Ich weiß nicht, ob sie uns verstehen, jedenfalls reden sie von einem »Special Paper«, das man brauche, um dort zu schwimmen. Ich sage: Ok, wir kommen später zu Ihnen und regeln das. Das ist dann anscheinend in Ordnung und wir schwimmen weiter.
Der Rest der Geschichte. Es lässt sich schwimmen in diesem algengrün-schwebstoffhaltigen See, das Wasser ist jedoch nur 1,20 bis 1,50 Meter tief, und unten ist es schön schlammig. Man kann recht schwerelos über den weichen, schlammigen Grund laufen, so wie es Rekonvaleszenten in diversen Kurmaßnahmen machen. Aber, man muss diese Kombination aus grünlichem Wasser und schlammigem Grund mögen.

Miz Kitty und mir waren es zu viel Schlamm und zu viele Algen. Die Innenseiten der Badebekleidung waren nachher ordentlich grün. Fazit: 100 mal eklig rufen, zum Steg zurück, ins Schloss, Dusche.

Was Miz Kitty dazu schreibt, lesen Sie hier.

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Jagdschloss Antonin: Palast-Hopping 2014, dritte Station

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Ziemlich vor genau 10 Jahren, im Sommer 2004, habe ich schon einmal in Antonin, im Palac Mysliwski Ksiazat Radziwillow, dem Jagdschloss der Fürsten Radziwiłł, übernachtet. Damals hatte ich den Tipp durch einen privaten Kontakt in Polen bekommen und war recht angetan, hier eine preiswerte Unterkunft in schönem, kulturellen und historischen Ambiente zu bekommen. Deswegen wollte ich das Jagdschloss im letzten Jahr unbedingt Miz Kitty zeigen. Es war jedoch im Bau. Also dieses Jahr noch einmal nach Antonin. jetzt klappt es bestimmt, denn wir haben vorgebucht.

Nun sitzen wir unter neben dem mit reichlich Hirschköpfen bestückten großen Kachelofen, der das zentrale Element dieses Holzhauses ist. Erbaut wurde das Jagdschloss von 1822 bis 1824 nach einem Entwurf von Schinkel. Es ist einer der avantgardistischen Entwürfe Schinkels, die tatsächlich realisiert wurden. Ein oktogonaler Holzbau. In der Mitte dieser riesige Kachelofen, dazu ringsum und zwei Galerien. Zimmer und Treppenhaus befinden sich in vier gegenüberliegenden, mit dem Oktogon verbundenen, blockhausartigen Anbauten. Chopin hielt sich hier im Jahre 1829 auf. Deshalb ist hier heute vieles Chopin, angefangen mit der wirklich eindrucksvollen Metallskulptur vor dem Haus. Einige Fotos habe ich gemacht, und weitere werden Sie im Internet finden.

Bevor wir Antonin erreichten, machten wir wie im letzten Jahr noch einen Abstecher nach Kalisz, in den ehemals westlichsten Einflussbereich des russischen Zaren. Letztes Jahr waren wir auch an einem Montag in dieser Stadt und ich kaufte einen Weißwein-Römer in einem Antiquitätengeschäft. Mindestens das könnten wir noch einmal aufsuchen, gab es doch dort ganz ansprechende Dinge. Wie im letzten Jahr regnete es wieder, nur das Geschäft war geschlossen. Zufällig entdeckten wir einen Stoffladen und haben uns beide mit Stoffen eingedeckt. Miz Kitty, weil sie ihre Kleider ja selbst näht und ich, weil ich Material für diverse Etuis, Mappen und Kleinkram brauche. Die Preise waren recht akzeptabel.

Danach ging es zum Palac Mysliwski nach Antonin, über Landstraßen und zum Teil auch über unbefestigte Straßen, für die wir uns bewusst entschieden, um nicht unkommod im Feierabendverkehr auf den größeren Straßen mitschwimmen zu müssen.

So Sie in der Nähe sind, ein Aufenthalt im Palac Mysliwski lohnt sich. Das Zweibettzimmer ist schnell in ein Doppelzimmer umgebaut, zudem erscheinen die Betten noch relativ neu zu sein. Es lohnt sich also, hier einen Stop zu machen. Nach einem bodenständigen polnischen Frühstück mit Grundsicht-Filterkaffee (kein Kommentar dazu) sitzen wir gerade unten auf dem Sofa unter den Hirschen und wurden gerade von einer Busladung beiger polnischer Rentner umrundet. Nun, so tun, als ob man zur Deko dazu gehören würde und warten, bis sie weg sind  ;)

Gleich werden wir uns im Garten verlustieren und nachher zum See fahren, um etwas zu schwimmen.

Fotos

Freilich, es gibt wieder eine Fotostrecke – und wie immer schreibt Miz Kitty in ebenfalls über den Aufenthalt im Jagdschloss.

Schloss_Antonin_Sammlung_DunckerSchloss Antonin, Alexander Duncker (1813-1897) — Link zur Originaldatei

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Antonin

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Kalisz, Stadtansicht

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Pałac Śródka: Palast-Hopping 2014, zweite Station

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Die zweite Station unseres Palast-Hoppings führte uns zum Pałac Śródka. Der Ort Śródka ist das ehemalige Schrodke oder Szrodke, Kreis Birnbaum, Provinz Posen. Wir sind also immer noch in der Umgebung von Posnan (Posen) unterwegs, jedoch vom Pałacyk Kosińskich, unserer ersten Etappe, gute 100 Kilometer entfernt.

Vor der Fahrt nach Śródka war noch ein kurzer Zwischenstop am Geldautomat angesagt, denn der Pałacyk Kosińskich ist zwar digital bei Facebook angekommen, jedoch ist dort keine Kreditkartenzahlung möglich. Kein Problem, wir fahren zum »Bancomat« in den nächsten Ort, nach Środa Wielkopolska und ich hole Zloty-Scheine. Bitte, Środa nicht mit Śródka verwechseln. Hier gibt es die Atmosphäre einer polnischen Kleinstadt am Samstagnachmittag, mit einem Markt, wo es zahlreiche Dinge für wenig Geld gibt, die wir allesamt nicht brauchen, z.B. Deo und Duschgel im Mehrfachpack und Kleidungsstücke zum Budget-Preis.

Miz Kitty gab den Impuls, im Pałac Śródka zu übernachten. Einmal wollte sie im Himmelbett schlafen. Das war eine gute Idee, denn dieses Bett ist nicht nur von seinen Abmessungen her gigantisch. Fürstlich liegt man dort. Der Pałac, das ehemalige Gut Szrodke – früher schrieb man oft Rittergut, auch wenn vielleicht keine Ritter zugegen waren – hat seinen Ursprung im Mittelalter und geriet 1763 in das Eigentum der Adels-Familie Seydlitz-Kurzbach, die es bis 1945 besaß. Im Internet findet man zum Ort »Schrodke« oder »Szrodke« den Rittergutsbesitzer Gustav von Seidlitz im »Handbuch für Posen«, Ausgabe 1908. Ebenso findet sich im Netz ein Karl Konstantin von Seydlitz-Kurzbach auf Schrodke. Nach Vernachlässigung in sozialistischer Phase ist der Palast seit 14 Jahren in privatem Eigentum und wurde restauriert. Das Gebäude an sich besteht aus ziemlich vielen historisierenden Elementen, zum Beispiel diesen für mich grob und unpassend anmutenden Zinnen. Gut, so etwas ist eine Frage des Geschmacks, das muss man mögen. Ich hätte es schon vor 200 Jahren nicht gemocht. Wäre der Palast weiß, würde es vielleicht ganz passabel aussehen. Im Innenbereich ist freilich alles Retorte. Man versucht, einen alten Stil zu imitieren, was nicht überall gelingt.

Wir sind hier mit wenigen anderen Gästen, die praktisch gar nicht in Erscheinung treten. Die Suite ist schön, das Himmelbett beflügelt und der Badewannen-Whirlpool ist angenehm, zumindest nachdem auf insistierende Nachfrage die Heizung im Keller repariert wurde. – Nun, vielleicht wurde sie auch nur erst richtig eingeschaltet. Mit nacktbusigen Szenen, vermutlich vom Zirkel der malenden Arbeiter oder ähnlich qualifizierter Maler gefertigt, mit einem auf eine indirekt beleuchtete Deckenwölbung gemalten blauen Himmel und mit jeder Menge Marmor, Glasbausteinen und der Whirlpool-Badewanne wirkt das Badezimmer etwas wie die Kombination von Gewollt-Toskana und Raumschiff-Enterprise. Nun, wenn er denn funktioniert, der Whirlpool. – Tut er eben nicht richtig, da beim zweiten Mal wieder nur lauwarm.

Der Hotel- und Restaurant-Betrieb ist hier nicht richtig in Fahrt. Es gibt einen netten jungen Mann, Typ Hipsterversion von Harry Potter. Er spricht britisches Englisch, ist sehr zuvorkommend und hier wohl der Junge für alles. Jedenfalls ist er nicht nur Rezeptionist, sondern servierte uns auch auf der Terrasse das Abendessen.

Bei unserer Ankunft fragte er, ob wir im abends im Restaurant essen wollten. Ja, gerne, nur waren wir wohl die einzigen, für die der Koch warten musste. Das Essen brachte Harry Potter dann mit Verzögerung nacheinander, obwohl wir beide das gleiche bestellt hatten. Als Miz Kitty ihn nach einem Dessert fragte, ja, gibt es nicht mehr, der Koch sei gegangen. Es war gerade viertel nach neun.

Wir saßen also allein auf der Terrasse hinter dem Palast bei wunderschönem Licht und Mondschein. Küche und Restaurantbetrieb – sofern es den denn wirklich gibt und er nicht nur aus Harry Potter und einer weiteren, temporären Kraft besteht – hatten längst geschlossen. Gut, dann geh‘ ich eben hoch und hole aus der Minibar Getränke. Diese ist leer und nicht am Stromnetz. Schon merkwürdig, jedoch kein wirkliches Problem. Bier und Wasser hatten wir zufällig auf dem Hinweg im Supermarkt gekauft.

Da außer uns niemand in Sicht-, Hör- und Reichweite war, tanzten wir Wiener Walzer und Tango bei Mondlicht auf der Terrasse, wofür iPhone und Youtube die passenden Musikstücke lieferten. Walzer bis zum Schwindeligwerden.

Jetzt, am frühen Nachmittag: Terrasse (freilich, ohne dass jemand nervt, ob er etwas bringen soll. Nein, hier möchte keiner Umsatz machen. Vielleicht gibt es noch ’ne Tüte Chips in meinem Kofferraum).

Gleich: Zum See fahren, schwimmen.

Danach: Terrasse, Abendessen, Himmelbett.

Ach ja, auch dieser Palast hat eine eigene Facebook-Seite und dem Hipster-Harry-Potter kann man wirklich nicht böse sein für all die kleinen Unzulänglichkeiten des Hauses. Er ist ein sehr netter Mensch, ist sehr bemüht und hat durchaus Gastgeber-Qualitäten, wenn er auch wahrscheinlich nicht aus dieser Branche kommt. Student managt im Sommer ein Hotel mit historischem Ambiente – so wirkt es hier, und vermutlich ist es so.

Und sonst: Da steht ein Pferd auf dem Flur. Nein, kein Pferd, es sind zwei Esel, und sie stehen nicht auf dem Flur, sondern laufen auf dem Weg rund um dem Palast vergnüglich rum und sind ganz zutraulich. Gelegentlich trotten auch zwei Schafe umher. Es scheint so, als wäre dieser Mini-Zoo ein Hobby der Eigentümer.

Entspannen und das Leben genießen können wir hier gut, auch wenn manches unperfekt und ziemlich skurril ist. Freilich, in der Gewissheit, nach zwei Tagen weiter zu ziehen.

Miz Kitty hat auch über unseren Aufenthalt im Palac Srodka geschrieben. Hier, in ihrem Blog.

Fotos

Einige Fotos habe ich gemacht und eine kleine Fotostrecke zusammengestellt:

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Lithographie von Alexander Duncker (siehe hier)

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Auf der Terrasse im Mondschein Wiener Walzer tanzen. So muss das sein.

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Reisen

Pałacyk Kosińskich: Palast-Hopping 2014, erste Station

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Den Pałacyk Kosińskich w Połażejewie fand ich im Internet und er erschien mir ein recht schönes Haus zu sein. Also starten Miz Kitty und ich das Palast-Hopping hier. Das Übernachten und Wohnen in alten Herrenhäusern und Schlössern ist ja immer so ein kleines Va-banque-Spiel. Freilich, richtig verlieren kann man dabei nicht, nur wenn es nicht so ist, wie man es gerne hätte, z.B. weil das WiFi nicht funktioniert oder weil gerade eine Hochzeit gefeiert wird und Remmidemmi im Palast ist, dann kann sich auch eine noble Herberge als Fehlgriff herausstellen.

Nun, der Pałacyk Kosińskich war eine sehr gute Wahl und hat uns nicht enttäuscht. Neben einer Familie aus Franken, die auf der Durchreise Richtung Masuren hier Station machte, waren Miz Kitty und ich allein im Haus. Da wir das Deluxe-Zimmer gebucht hatten, logierten wir mit Zugang zum großen Balkon über dem Eingangsportal. Hier ließen wir es uns einen Tag gut gehen. Der Pałacyk hat kein eigenes Restaurant, weswegen wir direkt gefragt wurden, ob wir speisen möchten. Am ersten Abend wurde uns schön zubereiteter Fisch serviert und gestern Abend wurde im Garten gegrillt. Fein. Über einer Feuerstelle konnten die Bratwüste auf lange Stöcke aufgesteckt gegrillt werden oder auf den daneben stehenden Gartengrill gelegt werden. Insgesamt waren die Gastgeber recht bemüht und alles perfekt, zu einem guten Preis. Auf dem großen Balkon Texte schreiben, lesen, dösen, dazu zwischenzeitlich in die Badewanne, dann wieder Sonnenliege, das war für uns Entspannung pur. Eigentlich wollten wir zum See fahren, um zu schwimmen. Verschoben. Das können wir jeden Tag noch machen. Irgendwo, wo es nicht so kommod ist. So wurden dann unsere Texte über das Elbschwimmen für das neue Gemeinschafts-Schwimmblog Freistilstaffel schnell fertig.

Zur Geschichte des Hauses konnten wir bisher relativ wenig herausfinden. Im Netz findet man einiges, auch bei Wikipedia, jedoch nur in polnischer Sprache. Klar ist wohl, dass das Haus 1864 von einem Witold Kosiński erbaut wurde und später einem Kazimierz Boening gehörte. Letzterer wurde im Widerstand gegen die Deutschen 1939 von der Gestapo erschossen. Wie so viele – fast alle – Herrenhäuser im Polnischen brannte der Pałacyk Kosińskich wohl 1945 aus. Er sollte in den 80er Jahren wieder rekonstruiert werden, was dann jedoch erst in 2007 durch die neuen Eigentümer erfolgte. Einige Bilder von 2007 haben wir im Gästebuch gesehen. Der Pałacyk sah regelrecht ruinös aus, mit fehlenden Decken, etc. Hergerichtet wurde er von einem Unternehmer-Ehepaar aus Danzig und ist heute ganz geschmackvoll im alten Stil eingerichtet. Zwar Retorte und auf alt getrimmt, aber eben nicht störend, sondern angenehm.

Vor dem Pałacyk stand während unseres Aufenthaltes ein Oldtimer. Ich nehme an, er steht immer dort, da er auf Bildern oft zu sehen ist, so auch auf der Facebook-Seite der Eigentümerin. Ach ja, der Pałacyk Kosińskich hat eine eigene Facebook-Seite. Sie können dort liken.

Falls Sie Richtung Warschau, Baltikum oder Weißrussland unterwegs sind und in der Nähe von Posnan (Posen) einen Tag Pause machen möchten, dann ist der Pałacyk Kosińskich vielleicht ein guter Tipp. Nehmen Sie das etwas teurere Zimmer mit dem Balkon über dem Eingang, trinken sie Champagner und genießen das Leben.

Mehr und anderes über unseren Aufenthalt im Pałacyk Kosińskich lesen Sie im Blog von Miz Kitty.

Fotos

Eine kleine Fotostrecke habe ich Ihnen zusammengestellt:

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Reisen

Palast-Hopping 2014

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Miz Kitty reist mit dem Grafen 2014

Palast-Hopping im Polnischen

Wie schon in den letzten zwei Jahren hoppen wir in diesem Sommer wieder zwischen Palästen und Herrenhäusern. Ein Jagdschloss ist dieses Mal garantiert auch dabei. Sie wissen schon, das, das letztes Jahr im Bau war. Wir sind wieder in Polen unterwegs. Warum? Weil uns das Land gefällt, die Menschen freundlich sind und wir hier etwas fürstlich in den Palästen wohnen und übernachten können, zu einem Preis, für den man in Deutschland gerade mal ein mittelmäßiges Hotelzimmer bekommt.

Dieses Jahr fällt die Reise etwas kürzer aus und alle Stationen haben wir vorgebucht. Jeden zweiten Tag ziehen wir weiter und haben dazwischen immer einen angenehme Zeit. Vorgestern ging es also per Autobahn Richtung Polen und unsere ersten beiden Stationen liegen in der Nähe von Posnan/Posen.

 

Design & Typo · Gesellschaft

Interrobang & Co.

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Zufällig kam ich vor kurzem mit dem einem Interrobang in Berührung. Bestimmt habe ich es schon einmal als Symbol gesehen, jedoch nicht aktiv wahrgenommen. Wie, Sie wissen nicht, was ein →Interrobang ist?! Ha, da war es gerade schon in meiner Frage. Es ist die Kombination von Fragezeichen und Ausrufezeichen. Damit wird einer Frage Ausdruckskraft verliehen. Freilich, diese seltene Kombination gibt es schon lange, u.a. in Comics. Etwas ungewohnter ist dagegen, das Ausrufezeichen und das Fragezeichen übereinander zu platzieren, so dass ein neues Satzzeichen entsteht, das Interrobang.

Dieses Zeichen erinnerte mich spontan an mein Hyphomma. Ich unterrichtete vor knapp 10 Jahren einen Kurs mit Azubis zum Mediengestalter. Im Rahmen der Prüfungsvorbereitung wiederholten wir Mikrotypografie und Makrotypografie rauf und runter, und ich hatte den Eindruck, dass in diesem Kurs richtig gute, intelligente Azubis waren, die in Schriftsatz und Typografie schon sehr fortgeschritten waren und sich zudem kein X für ein U vormachen ließen.

Noch einmal ging es um Satzzeichen, Divis, Viertelgeviertstrich, An- und Abführungszeichen, etc. Freilich, sie wussten gut damit umzugehen. Spontan kam mir die Idee, sie noch einmal zu testen. Ach ja, das Hyphomma sollten Sie auch richtig einsetzen können. Das muss der Setzer natürlich verwenden, auch wenn es nicht im Manuskript steht. Hyphomma? Wie, kennen Sie nicht? Schnell skizzierte ich das Zeichen an die Tafel und erklärte, dass es sich um die Kombination des normalen Bindestriches und eines Komma handelte. Quasi ein Semikolon, nur mit einem Bindestrich statt des Punktes über dem Komma. Daher auch der Name, zusammengesetzt aus →Hyphen und →Comma. Man würde es benutzen, wo das Komma eine zu kurze Pause symbolisiere, der Halbgeviertstrich jedoch eine zu lange. Alles hatte ich mir blitzschnell ausgedacht. Wie jetzt? Hyphomma? Hatten die Azubis nie gehört. Damit sie nun schnell erkennen sollten, dass das Hyphomma reine Fiktion und meine Erfindung war, schob ich schnell nach, das Hyphomma läge in einem höheren Unicode-Bereich, gleich hinter Klingonisch. Ok, Kurve gekriegt. Einige grinsten, gaben genauso unwirkliche Statements, wo man das Hyphomma denn noch benutzen müsse, die ich wiederum ergänzte. Fein, die haben verstanden, dass Hyphomma reine Fiktion ist, die lassen sich kein X für ein U vormachen. Gut so. Am nächsten Kurstermin bekam ich dann jedoch mit, dass einige sich Notizen über das Hyphomma und seine Verwendung im Schriftsatz gemacht hatten. Oh, ich musste also eine offizielle Ansage machen:

Hyphomma gibt es nicht.

Wirklich nicht? Vieleicht kennen Sie dieses Zeichen? Ich kann mir gut vorstellen, dass auch dieses Zeichen eines der 60.000 Unicode-Zeichen ist, wofür es auch immer stehen mag. Aber ich kann nicht alle Unicode-zeichen kennen, auch wenn es keine Klingonen-zeichen sind. Wenn es das Hyphomma gibt, lassen Sie es mich wissen und teilen mir mit, wie es richtig heißt und welche Unicode-Position es hat.

 

Gesellschaft · Tools & Technik

Gigaset elements

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Smart-Home Wohnungsüberwachung out of the box

Update:
Im Beitrag „Hier wache ich! – Gigaset elelements reloaded“, stelle ich vier weitere Komponenten des Gigset-Systems vor (Camera, Siren, Plug, Button).

Heute möchte ich das  Gigaset elements starter kit vorstellen. Gigaset ist ja bekannt als Telefonhersteller. Auch ich besaß mal ein Siemens Gigaset Schnurlos-Telefon als ich noch mehr telefonierte. Daher war mir gar nicht präsent, dass Gigaset schon lange ein eigenständiges Unternehmen ist, das mit Siemens nichts mehr zu tun hat. Gigaset steigt im Moment gerade in den Tablet-Markt ein und konzentriert sich mit der Marke Gigaset elements auf den Bereich intelligentes Wohnen, also auf Wohungsüberwachung und vielleicht bald auch Fernsteuerung von technischen Geräten innerhalb der Wohnung. Wer mehr über Gigaset wissen möchte: Infos über das Unternehmen gibt es auch bei Wikipedia.

Ich wurde gefragt, ob ich das Gigaset elements starter kit testen möchte und darüber schreiben möchte. Dafür enthielt ich ein Saftety starter kit kostenlos zur Verfügung gestellt. Passend zur Urlaubszeit kann ich mit dieser preiswerten Smart-Home-Lösung den Sommerurlaub beruhigter genießen, mit dem guten Gefühl, dass zu Hause alles in Ordnung ist.

Das Gigaset Elements safety starter kit ist eine ausbaufähige Haus- und Wohnungsüberwachung, die out of the box betriebsbereit ist und von jedem leicht installiert werden kann. Ist man unterwegs, so bekommt man z.B. ein Öffnen der Wohnungstür oder die Bewegung einer Person in der Wohnung aufs Smartphone gesendet. So weiß man immer, ob zu Hause alles ok ist. Smart-Home heißen diese Lösungen. Auch Apple hat mit dem neuen iOS8 eine Schnittstelle für die Steuerung von Hardwarekomponenten, z.B. Sensoren, Bewegungsmelder, etc. implementiert. Bei Apple-Schnittstelle heißt diese Schnittstelle und das zugehörige Framework Home Kit. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mit dieser Technologie bald überwachen kann, ob ich das Barfach in unserem Gaggenau-Kühlschrank wieder geschlossen habe, was ich manchmal ganz gerne vergesse. Oder schon mal die Heizung höher drehen und die Kaffeemaschine vorheizen, während ich noch auf dem Nachhauseweg bin.

Die Idee zur Wohnungsüberwachung und Meldung von Ereignissen via Internet aufs Handy ist, in digitalen Maßstäben gerechnet, relativ alt. Vor mehr als zehn Jahren, es muss so um 2003 gewesen sein, als Handys und Computer die breite Masse erreichten, suchte ein Bekannter, seines Zeichens auch IT-Nerd und Internet-Resident, eine Lösung zur Überwachung seines Sommerhauses. Schnell war uns klar, dass diese Überwachung am besten per WebCam erfolgen könne und wir haben etwas herumgesponnen. Eine WebCam und einen Bewegungsmelder, der diese Webcam steuern und einschalten sollte, wären erforderlich. Über einen im Sommerhaus ständig eingeschalteten Computer – für den IT-Nerd kein Problem – sollte ein bei Bewegung aufgenommenes Bild auf einen Webserver übertragen werden. Mit einer selbst programmierten Lösung (nicht schwer) sollte dann auf dem Webserver ein Cronjob gestartet werden, mit dem der Ordner, in dem die WebCam die Bilder speichert, zyklisch im Minutenabstand überwacht wird. Gibt es ein neues Bild – also wenn sich etwas im Sommerhaus bewegt hat und der Bewegungsmelder die WebCam eingeschaltet hat, wird eine E-Mail zu einem Handy gesendet werden. Wohl angemerkt, es handelte sich um ein frühes Internet-Handy mit WAP-Standard, weit weg von unseren heutigen Smartphones. Einen SMS-Dienst dazwischen zu schalten (E-Mail an SMS-Dienst, SMS an Handynummer) hatten wir auch diskutiert, damit man simultan, in Echtzeit, mitbekommt, wenn etwas im Sommerhaus nicht in Ordnung ist. Geworden ist aus diesem Plan freilich nichts. Mein Bekannter verkaufte sein Sommerhaus recht schnell, und es war keine Überwachungsanlage mehr erforderlich. Andernorts haben sich Nerds freilich solche Lösungen zusammengestrickt, was damals immer mal wieder ein Thema in den Computer-Zeitschriften war.

Die Technik dieser Smart-Home-Lösungen ist also recht einfach und nicht so super innovativ. Jedoch kommen diese Lösungen jetzt in der Fläche, der Masse der Smartphone-Nutzer, an und sind eben nicht nur für Programmierer und IT-Nerds handhabbar. So funktioniert das Gigaset safety starter kit problemlos out of the box. Mit einem Listenpreis von 199 € sogar recht preiswert.

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 Auspacken, anschließen, funktioniert.

Das Gigaset safety starter kit besteht aus einer Basisstation (base), einem Bewegungssensor (motion) und einem Tür-Sensor (door). Für den Test wurde es mir kostenfrei zur Verfügung gestellt. Zusätzlich erhielt ich noch einen Fenster-Sensor (window). Technisch funktioniert Gigaset elements so, dass die Basisstation per LAN-Kabel mit einem vorhandenen WLAN-Router, bzw. in unserer Wohnung mit der Fritz-Box, verbunden wird. Damit hat die Basisstation Kontakt zum Internet. Der Bewegungssensor (motion) wird vorzugsweise im Flur aufgestellt. Dieser Sensor reagiert dann auf Bewegungen einer Person im Flur der Wohnung. Der Tür-Sensor (door) wird an der Tür oberhalb der Türklinke der Wohnungstür angebracht und registriert jedes Öffnen der Tür. Der Sensor unterscheidet dabei zwischen dem normalen Öffnen der Wohnungstür, z.B. weil jemand rausgeht oder reinkommt, und einem erschütterungsstarken Türöffnen, z.B. wenn jemand einbricht und die Tür mit Gewalt zu öffnen versucht. Bei Gigaset elements heißt das Homecoming oder Alarm. Den Status eines Fensters oder auch einer Balkontür registriert der Fenster-Sensor (window) und unterscheidet dabei zwischen Fenster geschlossen, offen oder gekippt. Praktisch, man kann damit schnell klären, ob Fenster und Balkontür beim aufziehenden Sommergewitter weit offen sind und ggf. noch den Nachbarn anrufen, bevor es schlimm reinregnet.

Alle Sensoren enthalten jeweils eine kleine Batterie und sind per Funk mit der Basisstation verbunden. Wird jetzt die Wohnungstür geöffnet oder bewegt sich etwas im Flur, dann melden die Sensoren dieses an die Basisstation. Diese überträgt die Information via Internet wohl auf einen Server von Gigaset. Von dort wird, ebenso via Internet, zu dem in den Konfigurationseinstellungen festgelegten Smartphone eine Push-Mitteilung gesendet oder eine E-Mail an eine festgelegte E-Mail-Adresse gesendet. So bekommt man schnell und in Echtzeit mit, ob die Wohnungstür gerade geöffnet wurde (Homecoming) oder auch lautstark mit großer Erschütterung geöffnet wurde (Alarm), was auf Einbruch hindeutet. Ebenso erfährt man zuverlässig und in Echtzeit, ob sich eine Person im Flur oder in dem Zimmer bewegt, in dem der Bewegungssensor installiert ist. Der Motion-Sensor soll laut Gigaset nicht auf die Bewegung von Kleintieren wie Katzen reagieren. Zusätzlich kann man eine Telefonnummer eingeben, die man bei einem Alarm anrufen möchte. So muss man nicht nervös die Nummer des Nachbarn im digitalen Adressbuch suchen, falls man per Push-Nachricht einen Alarm aufs Smartphone gesendet bekommt.

Das starter kit ist schnell ausgepackt und aufgebaut. Batterien für die Sensoren und ein LAN-Kabel zur Verbindung mit dem WLAN-Router oder der Fritz-Box sind im starter kit enthalten. Der Zusammenbau ist leicht wie Brot holen. An Werkzeug ist außer einem kleinen Kreuzschlitz-Schraubenzieher für die Kabelfixierung im Fuß der Basisstation nichts erforderlich. Möchte man den Bewegungssensor anbohren statt aufstellen, sind natürlich noch Bohrmaschine und Bohrer erforderlich. Schrauben und Dübel sind im kit enthalten. Wer nicht gerne bohrt, hann den motion-Sensor auf einen mitgelieferten Standfuß klemmen und einfach hinstellen. Dieser Sensor ist deutlich größer und schwerer als die anderen beiden (door und window) und sollte daher nicht angeklebt werden. Die anderen beiden werden mit doppelseitigem Klebematerial (ähnlich Teppichklebeband) einfach auf die Tür und auf den Fensterrahmen geklebt. Das ist praktisch und vor allem schnell gemacht. In Mietwohnungen muss man freilich aufpassen, dass Tür und Fensterrahmen nicht beschädigt werden, wenn man die Sensoren beim Auszug wieder abbauen muss. Dummerweise hatte ich den Window-Sensor zuerst an die Tür geklebt und musste ihn wieder ablösen. Das Klebematerial erfüllte seinen Zweck so gut, dass der Türlack beim Ablösen gleich mit abging. In meiner Wohnung kein Problem, der richtige Sensor klebt jetzt auf dieser Stelle, in der Mietwohnung kann so etwas natürlich im Auszugsstress einen Rattenschwanz, sprich neue Türlackierung, nach sich ziehen. Also, aufpassen! Vielleicht kan Gigaset hier auch noch einmal nachsteuern und Klebemateral beilegen, das sich gut entfernen lässt und trotzdem gut klebt.

Nach dem Zusammenstecken, Aufstellen und Ankleben von Basisstation und Sensoren muss die Gigaset-elements-App aus dem App-Store auf das Smartphone geladen werden. Das ist ebenfalls schnell erledigt. Etwas länger dauert die Registrierung. Hier wird ein supersicheres Passwort verlangt, das ein Sonderzeichen, ein Satzzeichen, einen Großbuchstaben und eine Zahl erfordert. Meine üblichen, zwar niemals gleichen, jedoch auf gleichem Schema basierenden Passwörter wurden erst einmal nicht akzeptiert. Nachdem diese Hürde genommen war, musste noch die Kennung der Basisstation eingegeben werden. Jeder Sensor muss einzeln angemeldet werden, und es muss natürlich konfiguriert werden, was bei einer normalen Türöffnung (Homecoming), einer Türöffnung mit großer Erschütterung (Alarm) und bei den Meldungen von Bewegungs- und Fenstersensor erfolgen soll. Ich habe alles durchgetestet, auch den Fall, dass jedes Mal auf mein Smartphone eine Push-Nachricht gesendet wird, wenn jemand über den Flur läuft. Das funktioniert vorzüglich, die Push-Nachrichten trafen alle in Echtzeit ein. Inzwischen habe ich die Einstellungen so geändert, dass ich nur bei Alarm des Door-Sensors eine Push-Nachricht bekomme. Alle Ereignisse werden trotzdem in der Gigaset-elements-App minutengenau aufgezeichnet und ich kann mir die Liste dort anschauen.

Ob der Alarm im Ernstfall funktioniert, habe ich freilich nicht geprüft. Ich möchte jetzt nicht bei mir selbst einbrechen oder die Wohnungstür so zuknallen, dass Türschloss und Tür danach kaputt sind. Aber, ich bin guter Hoffnung, dass der door-Sensor auch im Ernstfall so gut funktioniert, wie das System sonst technisch funktioniert.

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So sieht es dann auf dem iPhone aus. In der Mitte der Start-Bildschirm der App. Links die Push-Nachrichten. Rechts die detaillierte Liste der Ereignisse.

Alles in allem ist das Gigaset elements safety starter kit eine interessante Smart-Home-Lösung für Einsteiger. Wohnungsüberwachung zum Budget-Tarif. Damit kann man auch ganz beruhigt in der Oper sitzen und via Smartphone das Bewegungsverhalten des Babysitters überwachen. Rennt er ständig durch die Wohnung, ruft man doch vielleicht besser an, um in Erfahrung zu bringen, ob alles ok ist. Oder man kann mühelos Arbeitsbeginn, Arbeitsende und Bewegungsverhalten der eigenen Putzfrau oder Haushaltshilfe überwachen. Kommt sie pünktlich, geht sie pünklich, bewegt sie sich? Freilich, früher hat man das mit Vertrauen gelöst, aber früher konnte man auch weder Postpaket noch Flugzeug tracken. Und Herz-OPs gab’s auch nicht. Atombomben auch nicht und die NSA auch nicht.

Wer in den Bereich der Raum- und Wohnungsüberwachung einsteigen möchte und zudem noch eine gesunde Technikverliebtheit hat, der ist mit dem Gigaset elements safety starter kit sicher gut bedient. Man muss natürlich sehen, dass das System im Moment noch am Anfang steht. Bisher gibt es lediglich den door-Sensor, den motion-Bewegungssensor, den window- Sensor und eine Alarmsirene (siren).

Nun, Gigaset elements ist nicht Apple. Das merkt man nicht nur daran, dass es die Gigaset-elements-App auch für Android-Smartphones gibt, sondern das wird auch am Design der Sensoren deutlich. Bisher gibt es sie nur in glänzend weiß und an mancher Tür bzw. an manchem Fenster mögen sie wie kleine Fremdkörper wirken. Andere Farben (dunkel, metallisch) und eine dezentere Gestaltung würde Gigaset elements sicher noch attraktiver machen.

Ideal und sicher den Preis wert ist das Gigaset elements safety starter Kit für Singles und berufstätige Paare mit einem Faible für moderne Technik, Smartphones und mobile Computing, die in 1- bis 3-Zimmer-Altbauwohnungen leben. Dass unkonventionelle und vor allem jüngere Menschen im Fokus von Gigaset elements stehen, lässt sich unschwer an der inzwischen reichlich abgegriffenen Anrede per Du erkennen. Zudem wohnt diese Zielgruppe meist in Wohnungen, in denen keinerlei nennenswerte Haustechnik bzw. Komponenten zum Objektschutz vorhanden sind.

Elements im Aufbau – ein ausbaufähiges System

Was Gigaset elements genau zum Ausbau dieses Systems plant, kann man nur erahnen. Wünschen würde ich mir neben der bereits erwähnten Kamera, die es sicher bald geben wird, einen Wassersensor, der einfach in Küche oder Badezimmer auf dem Fußboden platziert wird und eine Meldung an die Basisstation sendet, wenn Wasser auf dem Fußboden steht. Ein Rohrbruch, die defekte Waschmaschine oder die überlaufende Badewanne würden damit nicht zum Alptraum. Ein Rauchmelder und ein Sensor zur Stromüberwachung wäre zudem schön. Lästige Gedanken, ob man im Chaos der Abreise in den Urlaub nun Elektroherd, Bügeleisen oder die Kaffeemaschine ausgeschaltet hat, wären mit so einem Sensor zur Stromüberwachung Vergangenheit. Man schaut einfach am Smartphone den Stromverbrauch an und erkennt schnell, ob ein Stromfresser, der dann meist noch brandgefährlich ist, eingeschaltet ist. Technisch sind diese zusätzlichen Sensoren sicher unproblematisch zu realisieren und an den Elektrizitätszähler anzudocken.

Soziales – Privatheit – Datenschutz

Technische Überwachungs-Lösungen haben immer auch eine soziale Komponente. Damit können nämlich Menschen überwacht werden. Der door-Sensor und der motion-Bewegungssensor zeichnen jede Bewegung und jedes Öffnen der Wohnungstür auf, die man in der der Smartphone-App minutiös aufgelistet sind. Schon mit dem Gigaset elements saftey starter kit kann ich sehen, ob die Putzfrau pünktlich kommt und pünktlich wieder geht. Zudem kann ich erkennen, wie oft sie sich durch den Flur bewegt und daraus selbstverständlich auf ihre Arbeitsqualität rückschließen. Das gleiche kann man mit einem Babysitter tun. Dass heute eine solche Überwachung von Dienstleistern, die während der eigenen Abwesenheit in der Wohnung sind, nur mit deren Zustimmung erfolgen darf, ist weithin bekannt.

Problematischer wird das bei Mitbewohnern und Familienmitgliedern. Möchte man zum Beispiel wissen wirklich wissen, wie oft sich Kinder oder Lebenspartner in der Wohnung bewegen, wie oft sie zur Wohnungstür rein und raus gehen und vor allem auf die Minute genau wann? Ich möchte es nicht wissen. Ich möchte vor allem auch nicht, dass man es von mir minutiös genau weiß. Und ich finde es auch nicht gut, Kinder so fernzuüberwachen, auch wenn das für berufstätige Eltern sehr praktisch sein mag. Dieser Aspekt der Privatheit erscheint mir zu wenig fokussiert. Weder auf der Gigaset elements Internetseite noch im Manual des safety starter kits wird dieses Thema erwähnt. Einen Hinweis dazu fände ich angebracht, denn ich selbst möchte weder Putzfrau, Haushaltshilfe oder Babysitter in einer Wohnung mit Gigaset elements sein – und wenn ich selbst so jemand beschäftigen würde, würde ich die Basistation vorher ausschalten, oder demjenigen zeigen, wie man sie auschaltet. Soviel Correctness muss sein. Diesen Tipp könnte Gigaset doch ins Manual schreiben, oder einfach diese Thematik aufgreifen, die es ja nun mal gibt.

Daten auf fremden Servern

Genausowenig wie zu Privatheit und Datenschutz gibt das Manual Infos darüber her, auf welchen Servern die Gigaset elements die Daten im Internet speichert, um sie von dort wieder ans Smartphone zu senden. Ganz klar, es sind sensible Daten, und Gigaset müsste hier alles offen legen. Z.B., welche Daten die App genau überträgt? Wo stehen die Server und wie sind sie gesichert? Gegen Hacker und gegen Datendiebstahl von Mitarbeitern? Eines ist nämlich klar: Die Wohnung, in der die Gigaset elements Basisstation steht, kann schnell geortet werden. Einerseits wäre das über die Geolocation des Smartphones möglich, sofern die App Geo-Daten überträgt (was man nicht weiß), andererseits wäre es über die IP des Routers möglich, an dem die Basisstation hängt (ok, vielleicht muss der Provider helfen) und drittens ganz einfach über die E-Mail-Adresse des Besitzers der Basisstation (meine ist per Google schnell mit meiner Wohnadresse zu verknüpfen). Geraten die Daten über Personenbewegungen in der Wohnung und über das Türöffnen in falsche Hände, kann das fatale Folgen haben. Da weiß dann jemand genau, wann man nicht zu Hause ist. Und vielleicht hat er dazu die Möglichkeit, den Accout zu deaktivieren, so dass keine Push-Nachricht mehr gesendet wird, wenn sich die Wohnungstür öffnet. Weitere Szenarios dürfen Sie gerne durchspielen…

Schade, dass das kein Thema bei Gigaset elements ist. Wer einen Dienst aufbaut, der sehr private Daten – das Bewegungsprofil innerhalb der eigenen Wohnung – via Internet verarbeitet, muss transparent seine doppelt und dreifachen Sicherungsmechanismen offenlegen. Das erfolgt nicht. Statt dessen gibt es nicht im Manual, sondern in einem Beipackzettel-artigen Dokument in kleiner Schrift den Hinweis auf Open Source Software, die Gigaset elements verwendet. Vertrauenserweckend? Freilich, Gigaset elements hat seinen Sitz in Düsseldorf und nicht in Honduras. Daher gehe ich einfach mal davon aus, dass Datenübertragungen sicher sind, nicht von irgendjemand abgegriffen werden können, und gespeicherte Daten dort auch niemand stiehlt.

Jetzt freue mich auf den Urlaub und hoffe, dass mich das Gigaset elements saftey starter kit in den nächsten Wochen in Ruhe lässt – oder mir das grüne Smilie zeigt, wenn ich die App starte. Dann ist nämlich alles in Ordnung zu Hause. Und für diese Gewissheit setze ich Gigaset elements ein.

Fazit

Eine interessante Smart-Home Einsteiger-Lösung zu recht moderatem Preis. Für alle, die etwas technikverliebt sind, eine gesunde Schmerzgrenze bzgl. der Speicherung privater Daten im Internet haben und in einer nicht so großen Etagenwohnung oder in einem kleinen Einfamilienhaus wohnen. Genau das scheint die Zielgruppe von Gigaset elements zu sein.

Sterne

Dreikommafünf von fünf möglichen.

 

 

Tools & Technik

Ideen ordnen, Texte schreiben

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Manuscript. Ein Outliner für Mac und iPad.

Vor mehr als 25 Jahren habe ich meine Seminararbeiten und meine Diplomarbeit mit Hilfe von Karteikarten geschrieben. Auf jede Karte hatte ich irgendetwas aufgeschrieben, was mir thematisch wichtig erschien, real manchmal mehr, manchmal minder wichtig. Die Karten hing ich an einer ca. fünf Meter langen weißen Wand meiner Studentenwohnung auf, ordnete sie hin und her und clusterte sie. Ab und zu wurde eine entsorgt, dann wieder eine doppelt ausgefüllt und an verschiedenen Positionen aufgehängt. In der Gesamtschau ergab sich nach einigem Hin- und Herordnen fast immer eine Gliederung, die meinen Arbeiten gut tat. Anschließend nahm ich die Karten nach und nach von der Wand ab und schrieb den Text. Oft schrieb ich mehr und weiteres. Was jedoch auf den Karten stand, musste mindestens drin sein in meiner Arbeit, fand ich. Der rote Faden und Essentials eben. Diese flexible Anordnung von unterschiedlichsten Informationen und Inhalten an der weißen Wand, das begeisterte mich damals sehr und tat mir gut. Alles auf einen Blick zu haben, näher ran zu gehen, in Detailaspekte zu springen und für noch mehr Details in die Tiefe, die dritte Dimension, indem übereinander platzierte Karten kurzzeitig abgehängt und gesichtet wurden, das war es, was mir an meinem System so gefiel.

Karteikarten sind heute überflüssig für diese etwas komplexeren Informations-Arrangements, die einen wohl strukturierten Text mit guter, funktionaler Gliederung zum Ergebnis haben sollen. Die Vorzüge eines →Mindmaps kennt inzwischen jedes Schulkind, und es gibt eine Reihe von Computerprogrammen, die dieses Sammeln und Strukturieren von Inhalten erleichtern. Mit derlei Software gelingen Diplomarbeit, – pardon, Master-Arbeit – Roman oder Drehbuch schneller, konsistenter und besser.

Zwei Hauptvertreter dieser Computerprogramme sind die →Mindmapper und die →Outliner. Basis der Mindmapper ist in der Regel das klassische Mindmap, wobei die Äste und Zweige freilich per Drag and Drop schnell umgeordnet werden können. Besteht das Ziel des klassischen Mindmaps in Themensammlung und Themenstrukturierung, so können mit den Computerprogrammen oft auch lange Texte an die Zweige geheftet werden und man kann mit dem Mindmapper praktisch einen kompletten Rohtext erstellen. Der Unterschied zu den Outlinern ist fließend. Oft werden sie mit einem elektronischen Zettelkasten verglichen, mit dessen Zetteln ein längerer Text konzipiert werden kann. Vielleicht so ähnlich wie meine Karteikarten auf der weißen Wand. Wikipedia übersetzt das Wort Outliner mit dem Begriff Gliederungseditor.

In der Regel geben diese Outliner eine hierarchische Baumstruktur vor, ähnlich der Ordnerstruktur eines Computers. Man kann in Kapitel und Unterkapitel strukturieren und sich zu allen Kapiteln eine kurze Zusammenfassung mit den wichtigsten Eckpunkten anlegen, die unbedingt enthalten sein sollen. Dazu können manchmal noch digitale Karteikarten für kapitelübergreifende Dinge angelegt werden, z.B. zur Beschreibung der Charaktere eines Romans. Mit diesen Werkzeugen schreibt man schneller und konsistenter den Text eines Buchs, Romans oder einer wissenschaftlichen Arbeit. Die Abgrenzung von Outliner und Textverarbeitungs-Software ist nicht eindeutig. Fast alle großen Textverarbeitungsprogramme bieten auch Outliner-Funktionalitäten.

Ein Outliner, mit dem ich gerne arbeite und mit dem ich auch längere Texte bzw. Bücher ganz gut schreiben kann, ist →Manuscript.
Manuscript gibt es als iPad- bzw. iPhone-App und als Computerprogramm für Mac-OS. Da ich oft außer Haus am iPad (mit separater Tastatur) schreibe, machmal jedoch die Texte am Mac-Book weiter bearbeiten möchte, nutze ich gerne die Möglichkeit, die Manuscript-Dateien via Dropbox zu synchronisieren. So kann ich die neueste Version immer auf das Gerät ziehen, mit dem ich gerade arbeiten möchte – Mac-Book oder iPad.

Genau betrachtet sind die Funktionen von Manuscript gar nicht so üppig. Manche Textverarbeitung mag zwischen ihren hunderten von Funktionen mehr Outliner-Funktiononalität haben als Manuscript. Was für mich hingegen an Manuscript rockt, ist, dass ich die Gliederung der Kapitel in einer linken Spalte eingeben kann, mit Stichpunkten und Zusammenfassung für jedes Kapitel. Links steht dann quasi der Masterplan des Kapitels, den ich rechts »nur noch« in einem Text in Form gießen muss. Dieses System hilft mir, mich nicht zu verlieren und anderes zu schreiben, als meine Gliederung und mein Konzept vorsieht. Schön finde ich zudem, dass die App nicht wie eine Textverarbeitung zu Formatierungs-Spielereien während des Schreibens verleitet.

Manuscript für iPad gibt es für 5,99 € und Manuscript für Mac-OS für 17,99 € in den Apple-Stores. Zusammen ist das in etwa der Preis eines kleinen Essens für eine Person. Sicher, irgendwo gibt es bestimmt ein Gratis-Programm und eine Gratis-App mit den gleichen und noch mehr Funktionen. Man könnte eine Mahlzeit mehr auswärts essen. Nun, ich gehöre nicht zu den Gratis- und Schäppchen-Jägern, die ausschließlich Gratis-Apps nutzen. Ich zahle den Preis gerne.

Manuscript ist sicher kein Outliner zum Entwurf komplexer Gliederungen. Das mache ich mit der hervorragenden App →iThoughts, bevor ich mit Manuscript beginne. Manuscript ist für das Verfassen von Texten entwickelt. Es gibt keine Möglichkeit, Bilder zu integrieren. Wer also ein Fachbuch mit vielen Abbildungen schreiben möchte und die Datei später inklusive Bilder in Html exportieren will, der sucht sich besser eine gute Textverarbeitung. Wer hingeben einen Roman oder ein klassisches Textbuch schreiben will, für den ist Manuscript ideal.

Sommerzeit ist Schreibzeit. Auch in diesem Sommerurlaub schreibe ich einige fachliche Kleinigkeiten und Manuscript ist für mich das gute Werkzeug, das mein Schreiben etwas beschleunigt.

Vielleicht schreiben Sie auch in diesem Sommer, schreiben ebenfalls mit iPad oder Mac-Book, brauchen etwas Struktur und sind kein Null-Euro-Schnäppchenjäger. Dann ist Manuscript (und auch iThoughts) einen Versuch wert.