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Ideen ordnen, Texte schreiben

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Manuscript. Ein Outliner für Mac und iPad.

Vor mehr als 25 Jahren habe ich meine Seminararbeiten und meine Diplomarbeit mit Hilfe von Karteikarten geschrieben. Auf jede Karte hatte ich irgendetwas aufgeschrieben, was mir thematisch wichtig erschien, real manchmal mehr, manchmal minder wichtig. Die Karten hing ich an einer ca. fünf Meter langen weißen Wand meiner Studentenwohnung auf, ordnete sie hin und her und clusterte sie. Ab und zu wurde eine entsorgt, dann wieder eine doppelt ausgefüllt und an verschiedenen Positionen aufgehängt. In der Gesamtschau ergab sich nach einigem Hin- und Herordnen fast immer eine Gliederung, die meinen Arbeiten gut tat. Anschließend nahm ich die Karten nach und nach von der Wand ab und schrieb den Text. Oft schrieb ich mehr und weiteres. Was jedoch auf den Karten stand, musste mindestens drin sein in meiner Arbeit, fand ich. Der rote Faden und Essentials eben. Diese flexible Anordnung von unterschiedlichsten Informationen und Inhalten an der weißen Wand, das begeisterte mich damals sehr und tat mir gut. Alles auf einen Blick zu haben, näher ran zu gehen, in Detailaspekte zu springen und für noch mehr Details in die Tiefe, die dritte Dimension, indem übereinander platzierte Karten kurzzeitig abgehängt und gesichtet wurden, das war es, was mir an meinem System so gefiel.

Karteikarten sind heute überflüssig für diese etwas komplexeren Informations-Arrangements, die einen wohl strukturierten Text mit guter, funktionaler Gliederung zum Ergebnis haben sollen. Die Vorzüge eines →Mindmaps kennt inzwischen jedes Schulkind, und es gibt eine Reihe von Computerprogrammen, die dieses Sammeln und Strukturieren von Inhalten erleichtern. Mit derlei Software gelingen Diplomarbeit, – pardon, Master-Arbeit – Roman oder Drehbuch schneller, konsistenter und besser.

Zwei Hauptvertreter dieser Computerprogramme sind die →Mindmapper und die →Outliner. Basis der Mindmapper ist in der Regel das klassische Mindmap, wobei die Äste und Zweige freilich per Drag and Drop schnell umgeordnet werden können. Besteht das Ziel des klassischen Mindmaps in Themensammlung und Themenstrukturierung, so können mit den Computerprogrammen oft auch lange Texte an die Zweige geheftet werden und man kann mit dem Mindmapper praktisch einen kompletten Rohtext erstellen. Der Unterschied zu den Outlinern ist fließend. Oft werden sie mit einem elektronischen Zettelkasten verglichen, mit dessen Zetteln ein längerer Text konzipiert werden kann. Vielleicht so ähnlich wie meine Karteikarten auf der weißen Wand. Wikipedia übersetzt das Wort Outliner mit dem Begriff Gliederungseditor.

In der Regel geben diese Outliner eine hierarchische Baumstruktur vor, ähnlich der Ordnerstruktur eines Computers. Man kann in Kapitel und Unterkapitel strukturieren und sich zu allen Kapiteln eine kurze Zusammenfassung mit den wichtigsten Eckpunkten anlegen, die unbedingt enthalten sein sollen. Dazu können manchmal noch digitale Karteikarten für kapitelübergreifende Dinge angelegt werden, z.B. zur Beschreibung der Charaktere eines Romans. Mit diesen Werkzeugen schreibt man schneller und konsistenter den Text eines Buchs, Romans oder einer wissenschaftlichen Arbeit. Die Abgrenzung von Outliner und Textverarbeitungs-Software ist nicht eindeutig. Fast alle großen Textverarbeitungsprogramme bieten auch Outliner-Funktionalitäten.

Ein Outliner, mit dem ich gerne arbeite und mit dem ich auch längere Texte bzw. Bücher ganz gut schreiben kann, ist →Manuscript.
Manuscript gibt es als iPad- bzw. iPhone-App und als Computerprogramm für Mac-OS. Da ich oft außer Haus am iPad (mit separater Tastatur) schreibe, machmal jedoch die Texte am Mac-Book weiter bearbeiten möchte, nutze ich gerne die Möglichkeit, die Manuscript-Dateien via Dropbox zu synchronisieren. So kann ich die neueste Version immer auf das Gerät ziehen, mit dem ich gerade arbeiten möchte – Mac-Book oder iPad.

Genau betrachtet sind die Funktionen von Manuscript gar nicht so üppig. Manche Textverarbeitung mag zwischen ihren hunderten von Funktionen mehr Outliner-Funktiononalität haben als Manuscript. Was für mich hingegen an Manuscript rockt, ist, dass ich die Gliederung der Kapitel in einer linken Spalte eingeben kann, mit Stichpunkten und Zusammenfassung für jedes Kapitel. Links steht dann quasi der Masterplan des Kapitels, den ich rechts »nur noch« in einem Text in Form gießen muss. Dieses System hilft mir, mich nicht zu verlieren und anderes zu schreiben, als meine Gliederung und mein Konzept vorsieht. Schön finde ich zudem, dass die App nicht wie eine Textverarbeitung zu Formatierungs-Spielereien während des Schreibens verleitet.

Manuscript für iPad gibt es für 5,99 € und Manuscript für Mac-OS für 17,99 € in den Apple-Stores. Zusammen ist das in etwa der Preis eines kleinen Essens für eine Person. Sicher, irgendwo gibt es bestimmt ein Gratis-Programm und eine Gratis-App mit den gleichen und noch mehr Funktionen. Man könnte eine Mahlzeit mehr auswärts essen. Nun, ich gehöre nicht zu den Gratis- und Schäppchen-Jägern, die ausschließlich Gratis-Apps nutzen. Ich zahle den Preis gerne.

Manuscript ist sicher kein Outliner zum Entwurf komplexer Gliederungen. Das mache ich mit der hervorragenden App →iThoughts, bevor ich mit Manuscript beginne. Manuscript ist für das Verfassen von Texten entwickelt. Es gibt keine Möglichkeit, Bilder zu integrieren. Wer also ein Fachbuch mit vielen Abbildungen schreiben möchte und die Datei später inklusive Bilder in Html exportieren will, der sucht sich besser eine gute Textverarbeitung. Wer hingeben einen Roman oder ein klassisches Textbuch schreiben will, für den ist Manuscript ideal.

Sommerzeit ist Schreibzeit. Auch in diesem Sommerurlaub schreibe ich einige fachliche Kleinigkeiten und Manuscript ist für mich das gute Werkzeug, das mein Schreiben etwas beschleunigt.

Vielleicht schreiben Sie auch in diesem Sommer, schreiben ebenfalls mit iPad oder Mac-Book, brauchen etwas Struktur und sind kein Null-Euro-Schnäppchenjäger. Dann ist Manuscript (und auch iThoughts) einen Versuch wert.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Erinnern mich da ein paar der Screens vielleicht etwas an Scrivener? Wer’s gern schlichter mag: FoldingText bietet noch einen fließenderen Übergang zwischen Outline und finalem Text, ist aber auch etwas teurer als Manuscript. Man sollte sich aber schon mit dem Thema Markdown beschäftigt haben (und es mögen), um sich mit FoldingText anfreunden zu können.

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