Berlin · Gesellschaft

Eckkneipe

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Eckkneipen waren früher etwas typisch städtisches und vor allem deutsches. Gab es auf den Dörfern Krüge, oft mit Pferdeausspannen, Gaststätten und Erbgerichte oder später, für die früh motorisierte Mittelschicht,  Ausflugsgaststätten, so fand man in den größeren Städten die im proletarischen Umfeld entstandenen Eckkneipen fast an jeder Straßenkreuzung. Dort, wo Menschen sich nach der Arbeit trafen und aufgrund beengter Wohnverhältnisse der eigenen Kurzweil und Kommunikation wegen den geringen Arbeitslohn gleich umsetzten.

In meinen urbanen Stationen, Bielefeld (… doch, gibt es schon), Hannover und Hamburg gab es zwar schon jede Menge an Studenten- und linken Szenekneipen, aber sie waren noch da, diese Eckkneipen. Zu meiner Zeit in der Hamburger Schanze war Büdels Bierdeckel quasi nebenan und Hellas Biereck nicht weit. Nun, das Biereck ist längst weggentrifiziert, der Bierdeckel zog um, und ob es ihn heute noch gibt, weiß ich nicht. Meine Kneipen waren es nie, ich fand sie als Institution jedoch  interessant.

In Berlin gab diese Eckkneipen natürlich auch. Der ganze Prenzlauer Berg und Wedding war voll von diesen proletarischen Treffpunkten der späten  Industrialisierung. Vor vielen Jahrzehnten, vor Weltkrieg, Sozialismus und Wende.

Sozialismus, Gentrifizierung und Hipstertum haben jedoch ihre Spuren hinterlassen. Die klassische Eckkneipe, mit dem Eingang an der Hausecke, dem  rotbraunen, an einer Messingstange im Halbrund gleitenden Wollvorhang direkt hinter der Tür, der oft wie eine schwerlich durchdringbare Schleuse anmutet, jedoch die Berliner Kälte gut abhält, diese Eckkneipen mit einem langem Tresen und der moderne Therapien ersetzenden Wirtin, mit unlackierten Tischen, für diejenigen, die intimer ihre Molle trinken möchten, diese Berliner Treffpunkte gibt es nahezu nicht mehr in den angesagten Vierteln der Gentrifizierung. Warum auch, die Zeiten haben sich geändert und wir, die wir dort wohnen, sind andere Menschen mit veganen oder sonstwie anderen Interessen.

Eine Eckkneipe, deren Publikum gewiss auch nicht mehr viel mit der alten Eckkneipenkultur zu tun hat, deren Lage und Interieur mich jedoch immer sehr daran erinnern, ist das Hackbarth´s an der Ecke Auguststraße/Joachimstraße. Heute ist hier eine angenehme Raucherkneipe mit nicht allzu sehr hipsteresken, jedoch eben Berlin-Mitte-Publikum. Dafür ist das Interieur so, wie es schon vor 40, 60 oder 90 Jahren ausgesehen haben könnte. Nicht alt und gammlig, aber eben zeitlos Eckkneipe. Eine angenehme Mischung aus nicht allzu exaltiertem Publikum und traditioneller Eckkneipe. Mit ocker-braun gemalten Wänden, gelblichem Licht und natürlich dem beschriebenen Wollvorhang.

Ein nach innen, ins Haus gerichteter, gemütlicher Treffpunkt, der zumindest in der kalten Jahreszeit etwas Heimelichkeit ausstrahlt. So etwas typisch deutsches, befand meine italienische Freundin vor guten 25 Jahren und verwendete immer die Worte in una Kneipe, weil es eben diese Institution, in der man vorzugsweise abends gemütlich sitzt und trinkt, in Italien so nicht gäbe. Die italienische Bar sei nämlich etwas gaanz anderes. Nun, auch das mag sich im letzten Vierteljahrhundert geändert haben.

Berlin · Gesellschaft

Funkausstellung

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IFA15-Review:

Konsumenten-Messe.

Im Moment habe ich ganz gut Zeit, die ich zur Regenerierung nutzen muss. So habe ich am letzten Mittwoch früh erst einmal den ärztlichen Rat bekommen, mich nicht mehr über bestimmte Menschen aus Reinickendorf zu ärgern, sollen die doch andere mobben und denen das Leben schwer machen. Anschließend bin ich Richtung Funkturm gefahren, womit nicht der Berliner Fernsehturm, auch TV Tower genannt, gemeint ist, sondern das alte Stahlstrebengestell aus den 20er Jahren, eben „der“ Berliner Funkturm im Westen der Stadt. Jährlich findet hier die Internationale Funkausstellung, kurz IFA genannt, statt.

Am meisten Bedeutung hatte die IFA wohl als Kind für mich. Damals lebte ich in Westdeutschland und Berlin war so weit weg. Es gab nur öffentlich-rechtliches Fernsehen und ich erinnere mich ganz gut, dass die Sondersendungen von der IFA immer etwas ganz Besonderes waren. Soviel Technik zusammen, das war schon imposant für ein Provinzkind. Wie gerne wäre ich dort einmal hingefahren, aber in meiner Familie gab es so gar keine Kontakte nach Berlin – der Weg durch die Zone erschien unkommod bis gefährlich, etc. Also kannte ich die IFA nur aus dem Fernsehen. Später, nach der Wende, bin ich zwei Mal aus Hamburg zur IFA gefahren, aber die Medien hatten längst Einzug in meine berufliche Tätigkeit gehalten und die Technik dahinter hatte ihren Glanz für mich verloren. Vor fünf oder sechs Jahren war ich zu einer Veranstaltung auf der IFA eingeladen. Damals fand ich die Atmosphäre unangenehm, etwas prollig und mit viel zu vielen Besuchern, denen ins Gesicht geschrieben stand, dass sie allenfalls Konsumenten sind – so, wie diese großen, bildungsfernen Kinder, die keinen Satz richtig sprechen können, aber die IT-Checker sein wollen.

Am letzen Mittwoch wollte ich einfach nur einmal schauen, ob die Atmosphäre noch genauso ist. Zudem interessieren mich gerade bestimmte Trends bzgl. Smartphones und mobile computing (die ich natürlich genauso im Internet mitbekomme, jedoch mit IFA-Besuch dann doppelt). Kurz: Es war wie vor ein paar Jahren. Technik galore, nichts für mich innovativ Neues. Viel Technik-Gedöns, das sich ganz klar an die jüngere Unterschicht bzw. untere Mittelschicht richtet, an die Konsumenten-Milieus. An Menschen, die digitale Angebote konsumieren, aber eben kaum in der Lage sind, diese digitalen Angebote und Geräte als Kreateure zu nutzen, zum Erschaffen neuer digitaler Angebote – z.B. in Form von längeren Texte, Videos, eBooks, etc. Konsumenten-Kram auf einer Konsumenten-Messe, für die Zielgruppe, deren Kreations-Kompetenz nach dem Hochladen eines Fotos bei Facebook oder nach einem Zweisatz-Kommentar erschöpft ist. Dazu freilich zielgrppenadäquat angelegte Messestände, Präsentationen und Mitmach-Events.

Mein IFA15-Tag zusammengefasst:

  • Gadgets und Geräte galore. Ganze »Straßen« an Smartphones und Kaffeemaschinen waren aufgebaut. Ersetzen Sie jetzt Smartphone oder Kaffeemaschine durch irgendein Elektrogerät, Lockenstab oder Intimrasierer inklusive. Passt schon.
  • Viele blonde Hostessen, allesamt freundlich und zuvorkommend (zumindest mir als mittelaltem Mann in Geschäftskleidung gegenüber), allerdings ohne irgendeine Kenntnis der Dinge, Marken, Geräte, Angebote, Unternehmen, die sie gerade in ihrem Schüler- oder Studentenjob vertreten.
  • Wenig fachlich kompetente Ansprechpartner in allen Bereichen.
  • TV-Geräte von billig bis teuer mit den gleichen Falschfarbenbildern wie im MediaMarkt.
  • TV-Studios mit Livesendungen (hier die Koch-Tipps, nebenan die Näh-Tipps, dazwischen ein Smalltalk-Interview mit der jungen, blonden Schauspielerin, und Pittiplatsch und Schnatterinchen watscheln in Überlebensgröße durch die Gänge. Gähn. – Wobei, so langweilig wie diese TV-Live-Sendungen sind, sie sind gut für die persönliche Pause auf der IFA, gibt es hier doch einen Stuhl, auf dem man auch auch länger verweilen darf.
  • Kaffee und Smalltalk über das jeweilige Angebot des Messestandes. Mehrere Kaffee-Einladungen waren ganz sicher auf meine geschäftsmäßige Kleidung (Anzug) zurückzuführen, mit der man sich auf einer Publikumsmesse immer noch vom Mainstream – oder soll ich Mob sagen? – abhebt. Absoluter Tipp: Gehen Sie immer in Geschäftskleidung auf Messen, Sie werden ganz anders wahrgenommen und bekommen ganz sicher das ein oder andere mehr angeboten, vor allem wenn der Mainstream dort in Freizeitdress oder kariertem Hemd herumläuft.
  • Werbegeschenke, zielgruppenadäquat. Schlüsselbänder und Kugelschreiber, allesamt nicht sammelwürdig, jedoch mit zwei Ausnahmen: einen schönen Stoffbeutel von Bang & Olufsen und Taschenanhänger vom Handytaschen-Hersteller Golla habe ich mitgebracht.
  • Ein Publikum, das zur etablierten Konsumentenmesse passt: wenige Fachbesucher zwischen allerlei Menschen, Paaren, Familien, die vermuten lassen, dass sie sich diesen Tag gönnen und zur IFA gehen. Dazwischen 60plus-Paare, für die die IFA offensichtlich noch den Glanz vergangener Jahrzehnte hat, meist in der Konstellation: gut gekleideter beiger Checker erklärt seiner ebenso gut gekleideten Gattin, wie etwas funktioniert. Ersetzen Sie »etwas« durch Smartphone, Kühlschrank oder Waschmaschine. Außerdem Schulklassen mit jungen Technik-Nerds oder Unterschichts-Berufschülern, alle so, wie man sich digitale Konsumenten, die eben keine Kreateure sind, vorstellt.
  • Jede Menge Events, die auf diese Konsumenten-Zielgruppen zugeschnitten sind, also meist simpel sind. Nach dem Motto: wer die Seite, auf der ein bestimmtes Produkt im Katalog abgebildet ist, am schnellsten findet, gewinnt irgend ein kleines Gadget … Gähn.

Nächstes Jahr werde ich die IFA vielleicht wieder besuchen, sofern es etwas ganz Konkretes zu erkunden gibt oder ich von irgend jemand eingeladen werde. Ansonsten reicht die Atmospäre erst einmal für ein paar Jahre ;)

Berlin · Design & Typo

Magazine am Rosenthaler Platz

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Soda, Books & Magazines.

Gut gestaltete, außergewöhnliche Magazine mit ungewöhnlichem Inhalt ziehen mich immer wieder an. Diese Magazine und Bücher bekommt man nicht an jeder Ecke und auch hier in der Hauptstadt nur in ein paar Läden. Do you read me ist einer dieser inzwischen weithin bekannten Orte, wo es solch ausgefallene Bücher und Magazine mit meist internationaler Herkunft gibt. Manch Berlin-Besucher macht einen Stop bei Do you read me, wenn er wieder einmal in Berlin ist und wenn ich in der Auguststraße bin, komme ich um diesen kleinen Laden nicht drum herum. In Magazinen stöbern, das ist es. Berlin-Mitte-Inspiration pur.

Freilich, ich kaufe diese Magazine recht selten. Meist reicht es mir, sie ausgiebig im Laden durchzublättern. Es ist ihr dieses Stöbern, dieses einmal in der Hand halten, dieses Entdecken neuer Ideen, das mich reizt. Zudem inspiriert mich das Layout und die Buchgestaltung oft. Gut, davon verdient kein Buchhändler. Nur leider habe ich begrenzt Platz und auch nicht immer so locker 20 Euro oder 30 Euro für ein Magazin oder Buch übrig. Es ist eher das Durchblättern, kombiniert mit Speed-Reading im Buchladen, das ich so mag.

Hier zuhause nehmen die Magazine nur Zentimeter für Zentimeter Raum und Luft weg. Und die Inspiration ist längs in meimem Kopf, wenn ich sie einmal gesehen und in der Hand gehalten habe Magazine, in denen ich länger lesen möchte, kaufe ich – sofern das geht – gerne digital. Dann habe ich sie immer auf dem iPad dabei und kann sie lesen, wann ich möchte. Zum Beispiel irgendwo im Grünen, dort, wo es kein Internet gibt. Gedruckte Magazine würden derweil zu Hause im Regal liegen. Es sind also diese Magazin- und Buchläden, die mich mehr triggern, als die Magazine selbst zu besitzen.

Am Rosenthaler Platz, am Beginn des Weinbergwegs, gibt es jetzt den neuen Soda Book & Magazine Store, in dem man allerlei internationale und interessante Design-, Kunst-, Lifestyle-Magazine und -Bücher kaufen kann. Oft komme ich nicht umhin, hinein zu schauen und etwas zu stöbern. Und ich habe auch schon einiges gekauft.

Betont übersichtlich ist der Laden, mit einem begrenzten, aber wie ich finde gutem Angebot. Falls Sie auch internationale Magazine und Bücher aus dem Kunst-, Design-, und Lifestyle Bereich mögen, dann lohnt es sich bestimmt, einmal bei Soda am Rosenthaler Platz, am Anfang des Weinbergwegs vorbei zu schauen.

Berlin

Da läuft ein Schwein…

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… aus dem Kochbuchladen.

Wie Sie am Straßenbelag erkennen, handelt es sich um eine Straße im ehemaligen Berliner Ostteil. Inzwischen gentrifiziert kommt die Straßensanierung wohl nicht richtig mit, oder wer weiß, vielleicht gibt es für diese Mischung aus uneben verlegten Uralt-Gehwegplatten und Kopfsteinpflaster inzwischen Denkmalschutz? Es ist die Zehdenicker Straße in der Nähe vom Rosenthaler Platz. Schon von weitem blitzte mir vor ein paar Tagen dieses Schwein entgegen. Wüsste ich nicht, dass in diesem Haus das einzige Kochbuch-Antiquariat ist, das ich in Berlin kenne (und vermutlich ist es wirklich das einzige in der Hauptstadt), dann hätte ich mich ob des aus der Ferne ziemlich echt anmutenden Schweinchens in der Berliner Wohnstraße ziemlich gewundert. So war es jedoch klar, das Schwein gehört zu dem Buchladen.

Hier gibt es nicht nur antiquarische Kochbücher, sondern auch allerlei alten Schnickschnack rund ums Kochen und die Ernährung, eben auch dieses gefälschte Getier, das in seiner ersten Verwendung vielleicht einmal die Geschäftsräume eines Fleischers zierte.
Ein gutes Fotomotiv ist es allemal, vor allem ion Kombination mit dem alten Straßenpflaster.

Und ganz am Rande sorgt dieser Schweinchendummy gerade dafür, das ich Ihnen den Tipp gebe, einmal die Bibliotheca Culinaria in der Zehdenicker Straße zu besuchen, wenn alte Kochbücher Ihr Thema sind oder Sie ganz konkret ein lange vergriffenes Kochbuch suchen. Mein Thema ist dieses nicht, weswegen ich noch nie in diesem Souteraingeschäft war. Allerdings schaue ich mir immer die Auslage auf den Tischen vor demhaus an, da Buchgestaltung im Wandel der Zeit ja eines meiner Themen ist. Dazu entdeckt man so manche historisch interessante Einzelheit, zum Beispiel die Ernährungstipps vergangener Tage.

Berlin · Gesellschaft

Lauf der Sympathie

 

Vor einigen Jahren bin ich ziemlich viel gelaufen. Nicht übermäßig, aber doch regelmäßig habe ich im Grunewald trainiert und in den Sommermonaten an dem ein oder anderen Volkslauf oder Halbmarathon teilgenommen. Leider ist das vorbei. Irgendwie bin ich aus dem Laufen rausgekommen, alles hat eben so seine Zeit. 

Nach mehreren Jahren habe ich am letzten Sonntag nun wieder am Lauf der Sympathie teilgenommen. Dieser Volkslauf findet jedes Jahr in der zweiten Märzhälfte statt. 10 km geht es von Falkensee, kurz hinter der Berliner Stadtgrenze, nach Berlin-Spandau. Früher sagte ich immer Anlaufen dazu, so wie die Segler Ansegeln sagen, wenn sie das erste Mal nach der Winterpause ihre Boote zu Wasser lassen. Freilich, 10 km sind für mich im Moment doch recht anstrengend, aber es hat Spaß gemacht, und interessanter als den Sonntagmorgen in Bett und Badewanne zu verbringen war es zudem. Dafür gibt es ja noch andere Sonntage. Wie bei jedem Volkslauf bekam jeder eine Medaille, mit der zwar keiner so richtig weiß, was er damit tun soll, die alle jedoch trotzdem immer gerne nehmen. Für’s Foto, zum Hinhängen, den Kindern geben oder als Schlüsselanhänger. 

Interessant ist am Lauf der Sympathie sicher die Geschichte. Wenige Monate nach der deutsch-deutschen Grenzöffnung beschließen ein West- und ein Ost-Sportverein einen gemeinsamen, grenzüberschreitenden Volkslauf zu organisieren. Damals noch von der DDR (Falkensee) nach West-Berlin (Spandau). Das war 1990. Ein Jahr später gab es die DDR schon nicht mehr. Der Lauf der Sympathie wurde über die Jahre jedoch ein regelrechter Renner. In diesem Jahr war es bereits der 26. Lauf der Sympathie, inzwischen ein etabliertes Laufereignis in der Berliner Laufszene. Ich denke, ich bin bei Nummer 27 im nächsten Jahr wieder dabei. 

Gesellschaft

90plus für 45plus

Schmale Tische machen kirre.

Die optimale Bestager-Tischbreite: Gerade sitze ich mit Miz Kitty beim besten Sushi-Imbiss am Berliner Zionskirchplatz. Es gibt an diesem Platz nur einen einzigen Sushi-Imbiss. Der ist jedoch so gut, dass er sich tatsächlich mit anderen messen könnte und sehr wahrscheinlich der Beste wäre. Allerdings ist es freilich eher ein Imbiss als ein Restaurant. 24 Plätze gibt es hier in einem nicht allzu großen Raum. Schmale 2er-Tische, allesamt an einer Seite an eine Wand grenzend, aus hellem Holz, mit simplen, aus drei Brettern schön geformten, kastenartigen Hockern davor und meist als Ensemble für vier Personen zusammen gestellt. Die Tische sind ziemlich schmal, zwei mal 24 cm und dann noch ca. 7 cm mehr, das habe ich gerade mit meinem iPad abgemessen. 55 cm also. 


Schön, da kommt man sich näher. Nur, Miz Kitty und ich, wir sind ein Ehepaar, wir sind uns schon nahe. Heute sitzt sie, wie es sich für ein Ehe- und Liebespaar gehört, wie immer mir gegenüber. Wir wollen uns schließlich in die Augen schauen. Dann rückt sie auf den Platz diagonal von mir gegenüber. Sie sähe mich nur unscharf, sagt sie, das mache etwas kirre, dieser Tisch sei einfach zu schmal und die Brille ist in der Wohnung. Das kann ich gut verstehen. Ich kenne es, ich sehe nämlich vieles nahe inzwischen unscharf. Wtf, schmale Tische, die einen kirre machen aufgrund zu früh einsetzender Altersweitsichtigkeit. 


Wir haben etwas überlegt und gerechnet: 90 bis 100 cm ist wohl die optimale Tischbreite für Menschen ab 45. Dann sieht man sein Gegenüber bei normalem Altersabbau noch ohne Brille schön scharf. Also aufgepasst, Ihr Möbeldesigner für hochwertiges Best-Ager-Equipment und Ihr Dating-Café-Betreiber für die zweite Lebenshälfte. So müssen Eure Tische sein.  


Ich selbst bin ja bin konsequenter Lesebrillenverweigerer. Zumindest möchte ich diesen Moment noch etwas hinauszögern. Dafür gibt es doch die Bedienungshilfen des Apple-iOS. Zum Beispiel die extra große Schrift inklusive der netten Bemerkungen wie: „Diese Schrift ist ja wirklich für Blinde.“ Damit haben die Mitmenschen doch gute Möglichkeiten, ein Gespräch anzufangen, ohne übers Wetter reden zu müssen. Falls ich etwas gar nicht mehr scharf erkennen kann, hilft weiterhin die Smartphone-/iPhone-Kamera. Abfotografieren und mit Fingerschnips vergrößern schafft mir eine scharfe Detailsicht. Oder die Kamera einschalten, vorher vergrößern, mit der einen Hand festhalten und mit der anderen machen – und gleichzeitig die Vergrößerung am iPhone-Display betrachten. Mein Tipp für den Fall, dass Sie auch von natürlicher Weitsichtigkeit und nachlassender Sehkraft betroffen sind.


Ok, wenn ich dann über 50 bin, gönne ich mir irgendwann auch eine Lesebrille. Alternativ-rund oder ein – vermutlich eher – ein rahmenloses Modell mit halben Gläsern zum Drüberschauen und der Anmutung von „Ich-bin-ja-Designer-und-besserverdienend“. Aber bis dahin ist es noch lange hin. Vorher gibt es vielleicht heimlich eine Billigversion im Flughafenshop oder Drogeriediscounter.


Ach ja, und jetzt möchten Sie wissen, wie der beste Sushi-Imbiss am Platz heißt? Es ist Hangi Sushi. Gerne gehen wir hier hin, Sushi oder eine scharfe Suppe essen und für mich dazu ein Weizen. Lecker und freundlich ist es hier. Testen Sie es gern. 

 

Berlin · Gesellschaft

Wo Sie nicht burgern sollten – White Trash

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Aus der Reihe »Wo Sie nicht hingehen sollten«

Bevor Sie ins White Trash gehen, lassen Sie sich das letztere der beiden Worte am besten noch einmal auf der Zunge zergehen. Früher war diese Location an der Schönhauser Allee und wurde ziemlich gehyped. Freilich, die Burger waren sicher besser als bei Burger King und McDonald’s, richtig wohl gefühlt habe ich mich die paar Mal, die ich im White Trash war, jedoch nie. Immerhin war es damals akzeptabel, als es noch nicht so viel Burger-Lokale in Berlin gab.

Vor einiger Zeit ist das White Trash von der Schönhauser Allee an den Flutgraben gezogen, an das Ende der Schlesischen Straße, in ein Ex-Autohaus. Im Sommer werden die Burger auch in einem ziemlich gammeligen Außenbereich serviert, so wie es dort im hintersten Kreuzberg an der Grenze zu Treptow im Moment zum allgemeinen Standard gehört. Nicht mein Stil, aber für junges Szene-Publikum und Provinzler, die den Kreuzberg-Hype mögen, vielleicht ganz erträglich. Wenn der Laden sonst stimmen würde, wäre das alles im grünen Bereich. Leider stimmt es dort ganz und gar nicht. Wer nur Burger essen möchte, zahlt erst einmal einen Euro Eintritt für die DJ-Beschallung in der Musikkneipe im White Trash, auch wenn man dort gar nicht hinein möchte. Zu späterer Stunde sind dann fünf Euro fällig, für eine Lifeband-Beschallung. Das wäre irgendwie auch noch ok.

Ärgerlich ist es dagegen, dass ein simpler halber Liter Bier fünf Euro kostet, was bei dem Standard des Lokals sicher überteuert ist. Ein kleines Bier gibt es erst gar nicht. Ärgerlicher ist es, dass die Burger nach dem Umzug sehr viel schlechter geworden sind. So war es zumindest am letzten Samstag Abend. So gar nichts besonderes hat dieses White Trash also zu bieten. Lokal und Angebot muten eher wie Touristennepp mit Klappstühlen, überhöhten Preisen und unterdurchschnittlicher Qualität an. Alles das ist an sich ein Grund, das White Trash zu meiden. Bessere Burger gibt es in Berlin an vielen anderen Orten.

Noch ärgerlicher wurde unser Besuch am Samstag jedoch zum Ende hin. Wir waren in einer größeren Gruppe dort. Ein Blog’n’Burger-Treffen. Normalerweise wird in solch großen Gruppen einzeln gezahlt. Nicht jedoch im White Trash. Dort empfindet man das als zu aufwändig und stellt nur eine komplette Rechnung für die gesamte Gruppe. Wir sammelten also im Glas. Der Organisator des Blog’n’Burger, Chris, der mit dem White Trash die Reservierung vereinbart hatte, zählte noch einmal nach. Die Summe war einige 100 € groß und im Glas war zudem noch einiges an Trinkgeld. Das Personal bekam das Geld und alles ist fein – dachten wir zumindest.

Kurze Zeit später kam jemand vom White Trash an den Tisch und sagte, es wären 10 % Trinkgeld vereinbart gewesen. Er forderte diese 10 % auch nachdrücklich ein. Sie wären »vertraglich vereinbart« gewesen. Freilich, so etwas geht rechtlich gar nicht. Natürlich erfüllten wir diesen frech-dreisten Anspruch auch nicht. Nach einigem Hin und Her hieß es patzig, wir könnten dort nie wieder reservieren. Gut, dass muss die Blog’n’Burger-Crew im White Trash mit seinen Klappstühlen, der Burger-Qualität und seinen Bierpreisen auch sicher nicht mehr. Frech ist es ja ohnehin schon, in eine Reservierungsbestätigung zu schreiben, man erwarte 10 % Trinkgeld. In solche Lokale muss man doch nicht gehen.

Alles in allem ist es sicherlich eine gute Empfehllung, nicht im White Trash einzukehren.

Sterne: null von fünf möglichen.

Berlin

Novemberausblick

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Wie immer ist der November der Herbstmonat mit der großen Tristesse. Die Tage werden merklich kürzer, und es wird manchmal nur wenig hell. Kahl, trist, farblos, unbunt – vieles könnte jetzt heller und wärmer sein. In fünf Wochen ist Weihnachten, was uns in diesem Jahr wieder keiner rechtzeitig gesagt hat. Die Stollen sind hier bereits gebacken und eingelagert und morgen kommt das Kekskommando für die Weihnachtsplätzchen. In einer guten Woche wird dann noch ein großer Tisch geliefert. Viele Dinge laufen gerade parallel.
Für alle, mich auf Twitter nicht regelmäßig lesen, habe ich die November-Skyline, die man hier aus Büro und Wohnung sieht, als Foto eingestellt. Novemberfarben. Noch ist kein Schnee, und das ist gut so. Ich mag keinen Schnee in dieser Stadt.

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