Palast-Stop im Herbst

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Palac Ptaszynka w Rybokartach.

Manchmal überkommt es mich, und ich habe das Bedürfnis, ans Meer zu fahren. Einmal auf’s Wasser schauen, soweit der Horizont reicht. Für uns Berliner ist die Ostsee quasi das Synonym zu Meer. Diese ist nur gute 200 km von der Hauptstadt entfernt und in einem Sonntagsausflug bequem zu erreichen. So eine Tour haben wir am letzten Wochenende gemacht. Dieses Mal sollte es an die polnische Ostseeküste gehen. Weil wir beide etwas gesundheitlich angeschlagen waren, haben wir gleich eine Übernachtung eingeplant, um nicht an einem Tag hin- und zurückfahren zu müssen. Dass es wieder in Richtung Polen ging, hat mehrere Gründe. Nicht nur, dass ich dieses Land mag, dass es schön ist, zu sehen was sich hier entwickelt, sondern es gibt noch einen ganz banalen Grund. Noch ist hier vieles preiswerter als in Deutschland. Das müssen wir nutzen.

Also los zur polnischen Ostseeküste. Vor guten zehn Jahren war ich ein paar Mal in Reval in Hinterpommern. Vor dem zweiten Weltkrieg war dieser Ort schon ein Ostsee-Badeort. Badeort im Sinne von Kurort und nicht im Sinne von im Wasser planschen. Heute ist es ein typisch polnischer Ferienort. Einer der Ostseeorte, in denen im Sommer viele polnische Urlauber pulkartig aufeinanderhocken. Jetzt im Herbst ist dort jedoch nicht viel los. Wir könnten am Strand spazieren gehen und zum Beispiel zur Kirchenruine in Trzęsacz (Hoff) fahren. Die Übernachtung wollten wir jedoch nicht direkt in Rewal buchen, sondern vielleicht etwas gediegener unterkommen. Also die Booking-App geöffnet und geschaut, welche Orte in der Nähe bzw. im Umkreis von ca. 20 km sind und wo es eine interessante Unterkunft gibt. Schnell finde ich den Palac Ptaszynka w Rybokartach, das ehemalige Schloss Ribbekardt, Kreis Greifenberg in Pommern. Eine schöne Ergänzung zu unserem Palast-Hopping im Sommer. Dazu das Doppelzimmer für 180 Zloty und eine gute Bewertung bei Booking.com. In wenigen Minuten ist die Unterkunftssuche für den Ostseetrip beendet. Viel verkehrt machen kann man für diesen Preis nicht. An der deutschen Ostseeküste bekommt man dafür ein Zimmer in der Jugendherberge, wenn überhaupt. Schnell erreichen wir das Gutshaus via Autbahn und polnische Landstraßen und werden vom Schlosshund begrüßt. Neben der freundlichen Besitzerin mit ihren Töchtern sind wir allein dort. Freilich, das Zimmer ist kein Luxus, jedoch fehlt es an nichts – abgesehen vom WiFi, dass bei meiner Unterkunftssuche für eine Nacht aber bewusst kein Kriterium war. Einige Zeit machen wir es uns erst einmal vor der Heizung gemütlich und genießen den melancholischen Herbstblick auf auf den kleinen See hinter dem Palast. Dann schauen wir uns kurz draußen um und gehen runter zum See.

Es ist Nebensaison und die Restaurants in diesen Schloss-Unterkünften sind geschlossen. Also fahren wir im Dunkeln über die polnischen Landstraßen Richtung Meer. Nach Rewal. Gourmet-Restaurants finden sich hier nicht. Wir bekommen im California jedoch ganz guten Fisch. Das California ist ein Restaurant mit Tanzfläche, im Sommer wohl eher eine Disco. Jetzt im Herbst vergnügen sich ein paar Best-Ager und Jüngere und tanzen Disco-Fox nach polnischen Schlagern. Sehr amüsant. Schade, dass Miz Kitty sich noch etwas auskurieren muss. Sonst hätte sie ran müssen zum Disco-Fox. Der Rhytmus ist eher mein Ding als ihrs. Im California hängen übrigens eine ganze Reihe Schwarz-Weiß-Fotos, die dieses Haus, das ehemalige Kurhaus des Ostsee-Badeortes, vor dem zweiten Weltkrieg zeigen.

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Herbstausblick aus dem Palac.

 

2 Gedanken zu „Palast-Stop im Herbst“

  1. Ich liebäugle ja ab und an auch mal mit einem Abstecher an die polnische Ostseeküste und lese daher Berichte über Ihre Ausflüge dorthin mit Interesse. Schwierig wird es halt, wenn man der polnischen Sprache nicht mächtig ist und die Webseiten von Unterkünften nur auf polnisch verfasst sind. Da bin ich dann gleich wieder verschreckt und verschüchtert. Aber wer weiß, irgendwann wag ich mich dann doch mal hinüber ins Nachbarland. Jedenfalls „Dankeschön“ für’s Berichten!

  2. Das freut mich sehr. Ein Abstecher lohnt sich auf jeden Fall, vor allem, wenn man nicht sooo weit weg wohnt. Die polnische Sprache ist nicht so ein großes Problem. Geht es nur um die Informationen, ist Google Translate hilfreich. Dann stellt sich natürlich die Frage, ob das reicht, oder ob man auch möchte, dass dort zumindest irgendjemand deutsch oder englisch spricht. Das lässt sich leicht klären, indem man anruft. Normalerweise wird zumindest etwas Deutsch oder Englisch gesprochen. Manchmal ist auch das Fehlanzeige. Da ist dann freilich die Frage, ob das die richtige Unterkunft ist.
    Ich würde jedoch eher nicht im Sommer oder zu polnischen Ferienzeiten dorthin fahren. Dann sind die Ostsee-Orte ziemlich überfüllt, anders als in Deutschland. 2003 (zugegeben, ist schon etwas her) habe ich eine Radtour von Ahlbek/Usedom bis nach Masuren gemacht, immer an der Ostsee entlang. Gerade die pommerschen Ostseeorte waren regelrecht crowded, und die verlassenen Ferien-Anlagen sahen vor zwei Wochen immer noch so aus, als ob es da im Sommer wieder hoch hergeht. Um jetzt nicht für einen Apfel und ein Ei in so einem Spa-Pool-Ostseeort-Hotel unterzukommen, das im Herbst leer, aber im Sommer die Unterkunft für die Besserverdienenden im Remmidemmi-Ort ist, hatte ich jetzt bewusst mit Abstand zur Ostsee gesucht, dort wo es für dieses Publikum in der Regel auch im Sommer zu weit weg zur Ostsee ist und man daher auch auf anderes Publikum eingerichtet ist.

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