Gesellschaft

D-AIZL – Squawking 7700

image

Himmelfahrtstag I.

Im letzten Beitrag schrieb ich schon, dass ich es am sogenannten Herrentag ganz langsam angehen ließ. Gegen Mittag las ich in meine Twitter-Timeline und erlebte so einen Luftnotfall live mit. Ein nur wenige Minuten alter Tweet von →@airlivenet meldete, das Flugzeug des Lufthansa-Flugs LH 1802, ein Airbus A320-214, Kennzeichen D-AIZL, hätte Emergency, →Transponder-Code 7700, gesendet.

Was ist denn das? Wenn man das so liest, kommt kein gutes Gefühl auf und man denkt zwangsläufig, was dort jetzt in der Luft wohl gerade passiert. Ich öffnete meine →flightradar24-App am iPad, suchte das Flugzeug und fand es auch schnell. Es flog auf der (in der App blau vorgezeichneten) Route von München (MUC) nach Madrid (MAD). Nur ganz kurze Zeit später meldete @airlivenet via Twitter, D-AIZL würde im Toulouse landen.

Also wieder auf flightradar24 nachgeschaut, und ich sehe gerade noch, wie der Flieger von seiner blauen Linie abweicht und im Winkel Richtung Toulouse abbiegt. Nach Hin- und Herwechseln zwischen den Apps fand ich das Flugzeug nicht mehr. Schon ein komisches Gefühl, wenn man zufällig erfährt, dass dort jetzt im Moment ein Linienflugzeug Emergency 7700 sendet, auch wenn man bis vor 10 Minuten noch nicht einmal wusste, dass es einen Flug LH1802 gibt und man persönlich nichts damit zu tun hat. Was ist da los? Hat da einer einen Herzkasper gekriegt das Flugzeug fliegt den schnellst zu erreichenden Flughafen an. Oder hat das Flugzeug ein technisches Problem und in Toulouse ist höchste Alarmstimmung, der komplette Flughafen gesperrt, die Flughafenfeuerwehr in Bereitschaft und man bereitet alles vor, um ein Problemflugzeug sicher herunterzubringen, so ähnlich wie man es aus dem Kino kennt.

Bevor ich diesen Gedanken zu Ende denken konnte, meldete @airlivenet via Twitter schon, LH 1802 sei in Toulouse gelandet. Also kein dramatisches, technisches Problem. Aufatmen. Trotzdem natürlich der Gedanke daran, welcher Stress dort oben in den letzten zwanzig Minuten gewesen sein muss. Bei den Fluggästen und beim Begleitpersonal. Kurze Zeit später tickerte es dann über die Timeline, es ein medizinischer Notfall gewesen. Also nichts wirklich schlimmes. Für den einen, den es betrifft, natürlich schon. Aber kein Gefühl von Lebensbedrohung für Cabin Crew und Fluggäste. Es gibt ja immer wieder Herzanfälle und Zusammenbrüche, manchmal auch Todesfälle – so eben auch im Flugzeug. Statistisch normal bei den Menschenmassen, die dort in der Luft unterwegs sind. Miterleben möchte ich es als Fluggast allerdings nicht.

 

Gesellschaft

Faltradtour

20140530-121459-44099097.jpg

Himmelfahrtstag II.

Nun, am Himmelfahrtstag mit Bollerwagen, Spazierstock, Klingel, Schnaps und anderen besoffenen Männern über Land zu ziehen ist nicht meins. Dann doch lieber lange schlafen, Badewanne und am Abend zu einer Geburtstagsparty in den Berliner Speckgürtel, nach Eichwalde.

Seit den heißen Tagen am letzten Wochenende hatte ich mir vorgenommen, die knappen 30 km dorthin mit dem Fahrrad zur fahren, während Miz Kitty parallel mit Bahn oder Auto fahren könnte. Denn erstens sind diese Entfernungen per Fahrrad zurückzulegen nicht ihrs, und zweitens hatte sie gestern noch eine Soljanka für die Grill- und Gartenparty vorbereitet, also einen Topf dabei, der sich auf dem Gepäckträger nicht gut transportieren lässt. Ich hingegen wollte meinen Plan umsetzen und hatte mich schon die ganze Woche auf den Radtrip nach Eichwalde gefreut. Vor den Schlösserhopping- und Autourlaub-Zeiten bin ich nämlich ziemlich viel Rad gefahren, manchmal im Urlaub 70 bis 100 km, jeden Tag, versteht sich und mit Gepäck natürlich. Früher™. Hach.

Zwei Fahrräder besitze ich im Moment. Beide eher aus Budgetgründen gekauft, als dass ich richtig schön und zügig damit fahren könnte. Ein Herren-Tourenrad, das doch eher ein Stadtrad ist und nicht wirklich für längere Touren geeignet ist. Dafür jedoch mit allem dran, was man so braucht. Aber eben schwer und etwas schwergängig, eher etwas für Gelegenheits-Kurzstreckler oder für Menschen ohne Wahrnehmung dafür, wie sich ein leichtes, gut übersetztes Rad fährt. Eigentlich brauche ich es nicht mehr, Verkaufen lohnt jedoch nicht und es gibt ein gutes Gästerad ab.

Vor etwa 5 Jahren wurde mir ein leichtes und vor allem schön zu fahrendes Mountainbike gestohlen. Ich hatte gebraucht es für den Apfel und das Ei bekommen und hatte ein »geiles Teil« ergattert, obwohl ich vorher nie Mountainbikes mochte. Schwups, nach ein paar Monaten war es geklaut. Damals war ich ziemlich viel mit dem Zug unterwegs und kaufte mir ein Faltrad – leider eben kein Birdy oder Brompton, sondern ein Budget-Dahon (wobei Budget natürlich relativ ist). Erst einmal wollte ich testen, ob man mit so einem gefalteten Kleinbereiften überhaupt weiter als bis zum Bahnhof fahren kann. Man kann, gut sogar. Wir wurden Freunde vom ersten Tag an, mein Dahon und ich. Ein schönes, leichtes Stück, meine graublaue Libelle, wie ich es immer nenne. Und vor allem im ICE erlaubt – als metallisches Reisegepäck.

Böse Zungen nennen das Faltrad freilich Klapprad, obwohl es außer dem Klappmechanismus so ziemlich garnichts mit diesen Klapprädern gemeinsam hat, die in den 70ern hip waren und das Attribut klapprig im wahrsten Sinne des Wortes verdienten.

Gestern am Spätnachmittag also die graublaue Libelle genommen und zügig ab nach Eichwalde. Cool. Glückshormone pur. Für’s kommode Wegfinden habe ich übrigens die App →Komoot verwendet, die ich in einem anderen Beitrag vorstelle.

PS:

Falls Ihr als Bahnfahrer am Zielort oder als Autofahrer am Urlaubsort mobiler sein wollt und die Anschaffung eines Faltrades überlegt: Aldi und Tschibo machen nur Klapprad-Spaß. Wahrscheinlich war das dann Euer letztes Faltrad und Ihr werdet nie erleben, wie gut sich ein richtig gutes fährt. Fangt auch nicht in der Dahon-Klasse an, sondern in der Klasse von Brompton und Birdy, vor allem wenn Ihr es im Dauereinsatz verwenden wollt. Damit gibt’s dann wirklichen Faltrad-Spaß pur. →Hier und →Hier könntet Ihr fündig werden und sicher auch Probefahren.

 

Gesellschaft · Tools & Technik

Kellerkind

20140523-004414-2654832.jpg

Fundstück.

Mein Kellerkind. Eines der guten Dinge, und wahrscheinlich so gefährlich und verboten, dass man es nicht einmal bei Manufaktum kaufen kann.

Einschraubfassung mit Steckdosen, so bezeichnet man den Gegenstand wohl korrekt. Gemeinhin ist er auch unter dem Begriff Kellerfasung bekannt. Glühlampe rausgeschraubt, Kellerfassung rein und die Glühlampe dort wieder hineingeschraubt. Und schon hat man zwei Steckdosen, ganz ohne feste Elektroinstallation.

So manches Elektrogerät und so manche Bohrmaschine haben diese Kellerkinder in den letzten Jahrzehnten schon zuverlässig mit Elektrizität versorgt, in Keller, Boden, Abstellraum. Selbst in →Elektro-Foren spricht man über ihre Nützlichkeit.

Dabei wird der gute westdeutsche Elektromeister die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn Sie in sein Ladengeschäft kommen und nach so einer Einschraubfassung verlangen. Lebensgefährlich, wird er sagen, und eine Vielzahl von Argumenten finden, warum dem so sei. Allererstens natürlich, weil diesen Steckdosen der Schutzkontakt fehlt, zweitens, weil die Lampenfassung, in der dann Ihre Kellerelektrifizierung eingeschraubt würde, durch das ach so hohe Gewicht von Stecker und Kabel mechanisch beschädigt werden könnte und Sie womöglich unbedacht die ganze Lampe aus der Wand reißen könnten, mit schlimmem Kurzschluss. Drittens könnten die Stecker und Kabel, die Sie in die Steckdosen der Einschraubfassung stecken, durch die Hitze der Glühlampe beschädigt werden, wenn Sie ihren 6-Quadratmeter-Keller mit der 1000-Watt-Lampe ausleuchten. Das Kabel könnte schmelzen, ein böser Kurzschluss entstehen, im schlimmsten Fall auch zum Schutzleiter, Sie hätten plötzlich die volle 230-Volt-Netzspannung am Metallgehäuse ihres Elektrogerätes und würden das Phänomen Stromschlag erlebnisorientiert kennenlernen. Viertens wird der korrekte westdeutsche Elektromeister sagen, seien weder Lampenfassung noch Schalter (der sich ja im Lampenstromkreis befindet) auf die derart hohen Ströme ausgelegt, die Ihre angestöpselten Elektrogeräte verursachen. Das könnte übel heiß werden an Kontaktstellen in Schalter und Lampenfassung, wenn Sie Ihren 2-kW-Heizofen dort zur winterlichen Kellerbewärmung anstöpseln, der Schalter nachher kaputt sein oder schlimmer, anfangen zu brennen. Und da Ihr Schalter ja vermutlich direkt in die Holzvertäfelung des Kellers eingebaut ist und sowieso alles in Ihrem Keller hochentflammbar ist, wird ein Hausbrand möglich werden.

Fünftens – denn fünf Argumente gegen das Kellerkind braucht man schon – möchte man Ihnen aus monetären Gründen eine gute, deutsche Schutzkontaktsteckdose gegen ebenso gutes Geld installieren. Feuchtraum-Ausführung, mit Klappdeckel, versteht sich. DIN, VDE, ISO und sonstwie geprüft.

Hören Sie also auf Ihren Elektromeister, und Sie haben ein Lebensrisiko weniger. Vermutlich werden Sie eher am multiresistenken Krankenhauskeim sterben, als einen Elektroschock bekommen. Dafür haben Sie in Keller, Boden, und Abstellraum dann eben keine Steckdose.

Nun, was Elektro angeht, bin ich etwas risikofreudiger. Respekt vor Stromschlägen und Leitungsbränden sollte man in jedem Fall haben. Es hilft jedoch, ein paar Grundregeln zu beachten. Dann wird das auch, mit dem Kellerkind. Elektrogeräte mit schmalem, zweipoligem Stecker stellen gar kein Problem dar. Sie sind schutzisoliert und benötigen keine Steckdose mit Schutzkontakt. Auch viele Bohrmaschinen haben heute oft nur einen Stecker mit zwei Kontakten, wenngleich der oft etwas größer und nicht als Flachstecker ausgeführt ist.

Geräte mit dreipoligem Schutzkontaktstecker – für dieses urdeutsche Wort gibt es auch die Abkürzung Schuko-Stecker – kann man sicher auch in die Einschraubfassung einstecken. Das hat jedoch zur Konsequenz, dass man im ungünstigsten Fall bei einem Gerätedefekt (z.B. ein durchgescheuertes Kabel) die 230-V-Netzspannung am Metallgehäuse hat. Nicht gut, wenn man das gerade anfasst. Hätte man eine richtig angeschlossene Steckdose mit Schutzkontakt, würde die Sicherung auslösen. Das passiert natürlich nicht, wenn das Gerät in die einfache zweipolige Steckdose der Einschraubfassung eingesteckt ist.
Andererseits, wenn man sich nicht mit uralten oder halbkaputten Geräten oder mit Flohmarktfunden umgibt und neue Geräte nicht überbeansprucht: Wie wahrscheinlich ist so ein Gerätedefekt, der zur Folge hat, das Gehäuse unter Netzspannung steht? Nicht sehr wahrscheinlich, ziemlich unwahrscheinlich sogar. Viele Elektrogeräte haben heute ein Kunststoffgehäuse, mindestens dort, wo man anfasst. Und wenn man an den Geräten selbst arbeitet, zieht man doch sowieso vorher den Stecker. Schon, damit man versehentlich nichts einschaltet und sich verletzt.

Zum guten Menschenverstand gehört auch, dass man nicht ein größeres Steckernetzteil oder den robusten Stecker einer Kabelverlängerung in eine Einschraubfassung zwei Meter über dem Boden steckt und das Kabel einfach runterhängen lässt, vielleicht noch mit schön in der Luft baumelnder Dreifachsteckdose. Das ist in der Tat zuviel mechanische Last für das Kellerkind.

Beachtet man diese Grundregeln, so ist das Kellerkind ein sehr nützliches Helferlein. Das Einstecken eines Flachsteckers mit 4 mm dicken Stiften sollte kein Problem sein. Je nach Modell braucht man bei einem Schuko-Stecker mit seinen etwas dickeren, 5 mm dicken Stiften etwas sanfte Gewalt oder andere Tricks (Adapterstecker aus dem Reisebedarf). Kein wirkliches Problem. Elektrifizierung gelungen.

Jetzt sind Sie neugierig, wo Sie so eine Kellerfassung her bekommen? Das Internet hilft weiter. Googlen Sie nach Einschraubfassung mit Steckdosen. Kaufen Sie jedoch bitte keine Porzellan-Ausführungen aus den 20er Jahren, sondern nur neue oder gut erhaltene Bakkelit- oder Kunststoff-Ausführungen.

Der obligatorische Haftungsausschluss-Hinweis:
Natürlich übernehme ich keine Haftung, wenn Sie den beschriebenen Gegenstand verwenden und damit zu Schaden kommen. Auch nicht, wenn Ihre Mitmieter jetzt den Treppenhaus- und Kellerstrom abzocken, weil dieser Text die auf einen Gedanken gebracht hat.

20140519-204845-74925430.jpg

 

Tools & Technik

Schlauphone-Reanimation

20140518-134211-49331019.jpg

Schocktherapie gegen Wackelkontakt.

Mein altes iPhone 3GS hatte vor längerer Zeit den Geist aufgegeben. Nachdem es vier Jahre gute Dienste tat, wurde das Finden des Telefonnetzes schleichend immer schlechter. Unter anderem hatte ich deswegen den Provider gewechselt, hatte das alte Schlauphone jedoch noch als komfortablen, zusätzlichen Wecker benutzt und zum Musikhören. Bis es irgendwann ganz ausstieg und das Display trotz angeschlossenem Ladekabel schwarz wie die Nacht blieb. So lag es nun Wochen, eher Monate, hier rum. In Ermangelung eines zweiten Weckers hatte ich es zwischenzeitlich noch einmal getestet. Fehlanzeige. Ein schwarzes, funktionsloses Glas-Plastik-Konglomerat, das war’s. Vorgestern habe ich es noch einmal genauer inspiziert und die Steckkontakte mit einer Lupe betrachtet. Ebenso Fehlanzeige. Alles visuell in Ordnung. Da dieses Gerät nun so gar kein Lebenszeichen mehr von sich gab, eine Reparatur sich sowieso nicht mehr lohnte und es auch von Apple nicht mehr unterstützt wird, hätte ich es eigentlich entsorgen können. Oder das Gerät im besten Youngtimer-Smartphone-Design als Briefbeschwerer verwenden, oder was man sonst mit so Dingen macht. Deshalb der letzte Versuch: Schocktherapie. Das Gerät dick in ein Küchenhandtuch eingepackt und einmal auf den Boden geschlagen. Das Handtuch, damit das Gehäuse nicht leidet und das Display nicht zerspringt. Und wenn, dann wäre es auch kein Verlust gewesen, Briefbeschwerer habe ich genug und funktionslose Handys sammle ich nicht. Kabel dran, und siehe da, die Anzeige meldet sich. Das Akku-Lade-Icon erscheint und es funktioniert. Wohl ein klassischer Wackelkontakt. Schön, jetzt habe ich wieder den zusätzlichen Wecker. Ihr wisst doch, doppelt hält besser.

Liebe Kinder und liebe Erwachsene: Macht dieses bitte nicht nach. Niemals. Ein Handy in ein Handhutch einwickeln und auf den Boden kloppen, das dürft Ihr nicht einmal, wenn Ihr richtig wütend seid. Das darf nur ich, sonst keiner.


Die ganze Aktion habe ich außerdem noch zum Anlass genommen, einer App, die ich vor guten drei Jahren im alten iOS-Layout entworfen habe, ein neues Design zu verpassen. Wenn ich beides so betrachte, das alte iPhone und das Interface-Design, dann kommt mir das alles wie vor ganz langer Zeit vor. In Smartphone-Lebensjahren ist es das ja auch.

Gesellschaft · Reisen

Ein wunderschönes Land

Deutschland

Kitty nimmt im Moment an einem Workshop im fernen Sizilien teil, und wie es oft ist bei Veranstaltungen mit kleinem, internationalem Teilnehmerkreis, sollte jeder eine Vorstellung seines Landes vorbereiten, inklusive landestypischer Dinge. Was ist also typisch für dieses Land? Was ist typisch deutsch? Diese Frage ließ mich in den letzten Tagen nicht los, denn es ist sicher mehr als preußische Pünktlichkeit, Ordnung und Disziplin. Und sicher auch mehr als das eigentümliche Pumpernickel-Schwarzbrot, Rostbratwürste, Gartenzwerge und Heidelberger Fachwerkhäuser.

Was zeichnet also dieses Land aus?

Persönlich gesehen und jenseits wissenschaftlicher Forschungen und Abzählbarkeiten, nicht unique, aber doch typisch:

Es ist ein wunderschönes Land.

Hier ist das Klima angenehm, und es ist weder bitterkalt noch pappheiß. Wobei, der Winter könnte etwas milder und kürzer sein. Spanischer Winter und deutscher Sommer, das wäre meine Idealkombination. Gesamt betrachtet, ist es jedoch klimatisch recht angenehm in Deutschland und weder im Sommer noch im Winter sind so extrem, dass die Vegetation uninspirierend karg bleibt. Sommerhitze und Winterkälte reduzieren die Kreativität und Inspiration der Menschen in diesem Land nicht – so wie es zum Beispiel in Sibirien oder in Teilen von Afrika leider der Fall ist.

Freundliche, gut ausgebildete Menschen leben in diesem Land, das sich immerhin gute 1500 km von Nord nach Süd zieht und damit gar nicht so klein ist. Menschen mit regional sehr abwechselnden Mentalitäten, so dass man manchmal den Eindruck hat, die größte Gemeinsamkeit sei die Sprache. Etwas typisch Deutsches zu finden, macht das nicht einfacher.

Dieses Land hat wunderschöne Landschaften. In der Vielfalt und Unterschiedlichkeit so schön wie wohl kaum ein anderes Land. Ähnlich unterschiedlich und abwechslungsreich sind sie wie die Mentalitäten der Menschen zwischen Schleswig-Holstein und Oberbayern.

Inspiration pur. Wenn sich Menschen irgendwo gut entwickeln können, dann ist es sicher in einem landschaftlich so aufgestellten Land wie Deutschland. Gut, Norditalien ist klimatisch und landschaftlich noch etwas besser. Sicher sind es Klima und Landschaft, die die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung nach vielen Rückschlägen, Kriegen, etc. in Deutschland immer wieder schnell in Gang brachten und damit ursächlich für den Stand dieses Landes in der Welt sind. Ein begnadeter Ort auf diesem Planeten.

Rechtssicherheit und eine geringe Kriminalität gibt es in diesem Land. Nicht immer, aber meistens – und immer mit dem Anspruch, dass es so sein sollte. Jedem Staatsbürger stehen die gleichen Rechte zu, die er nicht per Korruption oder Zugehörigkeit zu einem Netzwerk durchsetzen muss – oder es eben auch gar nicht könnte, weil irgendwem die Nase nicht passt. Gewiss, Filz und Bestechung gibt es auch hier in Randbereichen, es sind jedoch keine alltagsbestimmenden Faktoren, genauso wie es die ständige Angst, überfallen oder ermordet zu werden, hier nicht gibt. Viele Regelungen gibt es, mit denen Alltags-Lebensrisiken erfolgreich minimiert werden. Baubehörden achten beispielsweise darauf, dass keinem das Dach auf den Kopf fällt und nicht leichtfertig so gebaut wird, dass Häuser zusammenbrechen. All das gibt es ja andernorts.

Man kann das Leben in diesem Land ziemlich unbeschwert genießen. Es scheint also ein Paradies zu sein, dieses Deutschland. Dort, wo man wohnen möchte. – Das möchten tatsächlich viele, die aus Ländern kommen, in denen es nicht diese schönen Zustände gibt.

Trotzdem gibt es hier einen Teil der Menschen, deren Dauerthema es ist, zu verkünden, was alles im Rest der Welt besser funktioniert als gerade hier im eigenen Land. Alles wird dort als besser erklärt, praktischer, offener, freier, toleranter, unbürokratischer und weniger autoritär,… Vor allem in meiner Generation, der 40- bis 50-Jährigen immer noch ein recht verbreiteter Tenor, je linker, je öfter. Die jungen Leute scheinen da wieder etwas anders zu ticken. Ich fand diese Anti-Haltung immer suspekt. Zumindest ist sie jedoch ein Teil der typisch deutschen Vielfalt.

Grundschema Konkurrenz

Also ein kleines Paradies. Ja, wenn einen nicht stört, dass Konkurrenz und Verteilungskampf Grundprinzipien in der deutschen Gesellschaft sind. Mich stört es nicht, ich konnte bisher ganz gut mithalten. Jedoch ist das Grundschema Konkurrenz – implizit – schon ein lebens- und alltagsbestimmend.

Deutschland hat eine im internationalen Vergleich recht hohe Bevölkerungsdichte. Relativ viele Menschen leben hier auf relativ kleiner Fläche. Nicht extrem gedrängt, jedoch sind es deutlich mehr Menschen als erforderlich sind, um die Fläche des Landes so zu besiedeln, dass Infrastruktur und Wirtschaft überall gut funktioniert. Man ist also nicht wirklich voneinander abhängig, d.h. die Gesellschaft braucht den Einzelnen nicht für die Weiterentwicklung des eigenen Landes – und auch nicht, um einen erreichten Status quo zu erhalten. Dieses ist typisch für solche Gesellschaften, die ich hier einfach einmal als crowded bezeichne. Und damit auch typisch deutsch.

In diesen crowded Populationen – und so auch in Deutschland – hat dieser Sachverhalt, dass eben zuviel Menschen da sind, immer eine Konkurrenz um vorhandene Ressourcen zur Folge. Stellen Sie sich vor, Sie sind Arbeitnehmer, Sie arbeiten in einem Team von zehn Spezialisten und machen ihren Job gut. Nur stehen eben dort draußen noch weitere Spezialisten, die Ihren Job genauso machen könnten. Wirklich angewiesen ist Ihr Arbeitgeber nicht auf Sie. Er kann beim nächsten kleinen Fehler sagen: Ok, der war ganz gut, aber ich hol‘ mir jetzt einen neuen, der wird nicht schlechter sein, und vielleicht ist er besser. Und schon wegen dieser Möglichkeit werden Sie alles tun, um bei Ihrem Arbeitgeber besser da zu stehen als die dort draußen. Zum Beispiel, indem Sie Qualifikationen, die nur Sie und nicht die anderen nicht haben, als für Ihren Job besonders bedeutend herausstellen. Indem Sie sich mit Ihrem Chef befreunden oder, indem Sie die dort draußen als Person oder wegen ihrer Fachlichkeit niederreden. Selbst, wenn Sie den festen und sicheren Job haben und die dort draußen nicht, Sie sind in ständiger Konkurrenz. Ganz anders sieht die Situation freilich aus, wenn Sie im Team von zehn Spezialisten die Arbeit von 12 machen, weil weit und breit keiner da ist, der den Job machen könnte. Sie und Ihr Arbeitgeber werden froh sein, jemand halbwegs geeignetes so zu schulen, dass er den Job machen kann und werden ihn unterstützen. Konkurrenz wird er keine für Sie sein, obwohl er, anders als im ersten Fall, sogar Ihr direkter Kollege ist.

So, jetzt wissen Sie, warum mancher Kanadier oder Skandinavier etwas gelassener ist als der Durchschnittsdeutsche. Schauen Sie einfach, wieviel Menschen dort leben, und welche Haltung man haben muss, um die Länder einigermaßen bewohnt in Schuss zu halten. Man ist dort viel mehr voneinander abhängig als in einer crowded Community, in der es immer latente Konkurrenz um Ressourcen, um Jobs, um Kunden, um Macht, um Lebensentwürfe, um Status und Status-Erhalt gibt – und darum, was jetzt als relevante Ressource, um die dann konkurriert wird, angesehen wird und was nicht. In diesen crowded Gesellschaften werden Kinder schon im Kleinkindalter unter dem Konkurrenz-Aspekt sozialisiert. Dieses Schema ist quasi bei uns allen so internalisiert, dass wir es selbst nicht merken. Nicht einzigartig in Deutschland – im Gegenteil, es gibt viele crowded Gesellschaften – aber eben typisch. Das, was man im Ausland als German Angst bezeichnet, hat sicher mit dem internalisierten ständigen Auf-der-Hut-sein zum Zwecke des Status-Erhalts zu tun.

Es sind immer noch andere da, die das Gleiche können. Ein anderer Anbieter, bei dem man das Gleiche kaufen kann. Geht man doch dahin. Man ist ja nicht auf den einen angewiesen – und kann ihn daher auch gleich links liegen lassen. Genauso ist man ist nicht auf einen Nachbarn angewiesen, man hat in den eng bebauten Vorort-Siedlungen eine ganze Menge Nachbarn. Warum soll man sich mit dem lokal am nächsten, mental weiter entfernten auseinandersetzen? Muss man nicht. Es gibt ja genug andere Nachbarn. In den Städten ist man gar nicht mehr drauf angewiesen und hat die Wahlfreiheit, sich Menschen auszusuchen die den gleichen Wertekanon und Lebensstil haben, wie man selbst. Man ist nicht auf den nächstgelegenen Bäcker angewiesen. Ein paar Schritte oder ein paar Kilometer weiter gibt es einen anderen. Überall und immer gibt es noch einen anderen, und man kann sich den besten aussuchen. Das hat man seit dem Kleinkindalter internalisiert.

Nun, diese Konkurrenz und dieser Verteilungskampf ist in Deutschland noch recht moderat. Kennen sollte man das Schema jedoch und wissen, dass diese Prinzipien hier bestimmend sind. So kann man sich schneller mit der deutschen Gesellschaft arrangieren und in ihr klarkommen. Generell bedeutet dieses Konkurrenz-Prizip nicht, dass es negativ ist. Durch das westdeutsche Erfolgsmodell der sozialen Marktwirtschaft sind die natürlichen Auswüchse, die ein Grundschema Konkurrenz in crowded Gesellschaften zwangsläufig haben kann, sehr gemindert – unter anderem durch die zahlreichen Massnahmen der sozialen Sicherung. Die meisten Deutschen – ich nehme mich da nicht aus – entwickeln sich unter diesen Umständen recht gut. Anders würde eine crowded Gesellschaft auch gar nicht funktionieren.

Das Grundschema Konkurrenz bedingt weiterhin, dass sich alle nach außen hin möglichst gut und hochstehend präsentieren möchten und müssen – damit es ja alle anderen mitbekommen, dass man zu den Gewinnern gehört und es möglichst gar nicht erst wagen, sich in Konkurrenz zu einem zu begeben, in welchem Lebensbereich auch immer. Mein toller Beruf, mein Einkommen, meine wohlgeratene Familie, meine Kinder, mein Haus, mein Auto, mein… Und übrigens, Felix konnte das schon bei der UX-Untersuchung. Die Ärztin war begeistert, und wir haben ihn jetzt zur Frühförderung für Hochbegabte angemeldet. Man muss eben gut dastehen, in so einer crowded Gesellschaft mit Konkurrenz-Schema. So auch in der deutschen – und ich habe den Eindruck dieses selbstdarstellerische Auf-die-Tonne hauen ist hier extremer als andernorts.

Früh wird von Eltern klargestellt, was wichtig für Leben und Lebenslauf ist. Generelles Interesse an anderen Menschen zu entwickeln wird nur insofern gefördert, dass man sich von denen etwas für sich selbst abschauen kann. Zum Zweck der eigenen Entwicklung also, nicht der Sache und nicht der anderen Menschen wegen. Ansonsten betonen jedoch alle Eltern und Erwachsenen, sie seien offen, tolerant und überhaupt aufgeschlossen allem gegenüber. Böse invertiert gesprochen also nicht ganz dicht.

So in etwa tickt sie, die deutsche Gesellschaft. Alles in allem lässt es sich hier jedoch gut leben und man kann hier ganz gut gedeihen, verglichen mit anderen Ländern.

Fazit: Typisch deutsch…

Nicht unique, aber eben typisch:

  • ein angenehmes Klima
  • sehr schöne, abwechslungsreiche Landschaften
  • inspirierte Menschen
  • kurze Entfernungen
  • viele, international bedeutende kulturelle Entwicklungen in Kunst, Musik und Literatur
  • hohe Bevölkerungsdichte, genügend Arbeitskräfte für alle Branche. Crowded.
  • alltagsbestimmende, implizite Grundschemata Konkurrenz, Abgrenzung, Selbstdarstellung
  • preußische Hinterlassenschaften: Ordnung, Pünktlichkeit, Disziplin, Gewissenhaftigkeit, Sorgfalt und Systematik. Tugenden, die gemeinhin als typisch deutsch anerkannt werden und deren Nützlichkeit außer Zweifel steht. Mit denen man jedoch auch ziemlich lange Weltkriege führen kann und Menschen effizient drangsalieren oder gar vernichten kann – passiert in Holocaust und in den Gefängnissen der Stasi.
  • deutscher Maschinenbau: Gewissenhaft gebaut, solide und unkaputtbar. Diesen vorzüglichen Ruf haben deutsche Maschinen international in fast allen Branchen. Seien es nun Heidelberger Druckmaschinen, Spezial-Fräsmaschinen oder Maschinen für die Automobilindustrie.
  • German Cars. Deutsche Autos. Man muss nichts darüber schreiben. Menschen anderer Länder sind stolz, sie sich zu leisten und zu fahren.
  • Made in Germany. Einst als Antwort auf das längst verschwundene »British made« eingeführt, gilt es immer noch weltweit als Qualitäts-Kennzeichnung – auch wenn das gekennzeichnete Produkt diesem Standard manchmal nicht gerecht wird.

Und freilich noch einiges mehr:

  • deutsches Bier
  • deutscher Wein
  • Bratwurst und Weißwurst
  • das Oktoberfest
  • die gemütliche Kneipe
  • Heidelberg, Rotenburg, Dinkelsbühl, Fachwerkhäuser
  • Graubrot und Schwarzbrot
  • Goethe und Schiller
  • Gartenzwege
Tools & Technik

Rahmenwerk

Nerd-Warnung vorweg

Die Stammleser der @netznotizen und die, die mich persönlich kennen, wissen es: Publishing war noch nie so einfach und preiswert wie heute. Smartphone, Mobile Computing und dem werten weltweiten Netz sei Dank. Stand bei mir Print-Publishing in den letzten 20 Jahren im Vordergrund, so schlägt das Herz heute für digitale Medien. Viel bequemer als Printmedien können sie auf Mobile Devices, Smartphone, Tablets und eReadern konsumiert werden. Einiges habe ich in Planung für den Sommer und die Zeit danach. Und dafür brauche ich eine gute Möglichkeit, Inhalte schnell und einfach in HTML formatieren und zu gestalten.

Wer von Ihnen hier mitliest und sich zwar gut mit der Verwendung von Internet, Bloggen, SocialMedia, etc. auskennt, jedoch noch nie ernsthaft einen Blick unter die Motorhaube von Internetseiten getan hat, könnte jetzt zum Beispiel gut ein Eis essen oder woanders weiterlesen. Es wird nämlich ziemlich nerdig im Folgenden, und bevor Sie die @netznotizen gleich aus dem Feed-Reader kicken, lesen Sie lieber temporär Themen von allgemeinem Interesse, z.B. warum Gefrierbeutel und Feuchttücher die größten Errungenschaften der modernen Zivilisation sind, oder über die globale und lokale Bedeutung des einzig relevanten Zitats von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (»Ich will da rein«). Über solche Dinge schreibe ich demnächt auch wieder, versprochen.

Persönliches Rahmenwerk

Eine individuelle Sammlung von CSS-Anweisungen und JavaScript-Funktionen. Braucht man nicht, gibt es doch galore im weltweiten Netz. Doch, brauche ich. Ziemlich intensiv habe ich mich in der letzten Woche mit HTML5 und CSS auseinander gesetzt, verschüttetes Wissen aufgefrischt und mir ein kleines individuelles Framework zusammengestrickt, so dass ich Texte und Bilder schnell nach meinen Erfordernissen formatieren kann. Zudem kann ich jetzt grafische Elemente einfach herzaubern, ohne immer wieder Ränder und Positionierungen neu zu definieren und die CSS-Anweisungen neu schreiben oder zusammenzukopieren zu müssen, die dann z.T. noch recht unterschiedliche Bezeichnungen haben, in die ich mich dann jedesmal wieder neu reindenken muss.

Also: Ich habe ein großes CSS-File erstellt, das so ziemlich alle Formatierungs- und Positionierungs-Situationen mit  zumindest von mir  leicht merkbaren Abkürzungen enthält. Mit fast allen denkbaren Rahmen-Effekten, Schatten und runden Ecken, bis das Quadrat zum Kreis wird. Sprechblasenartige Formen für Überschriften,  Rotationsmöglichkeiten, etc. inklusive. Diese Formatierungen kann ich schnell und einfach mit mehreren CSS-Klassen zuweisen. Ohne Google, Suchen, Rauskopieren und Anpassen. Definitiv ist jetzt das Erstellen Buttons und Formen mit Photoshop vorbei, anachronistisch ist es sowieso seit langem.

Einen Nachmittag habe ich mich mit zueinander passenden Farben beschäftigt, mehrere Farbpaletten zusammengestellt und diese als CSS-Klassen in die Stylesheet-Datei eingetragen. Damit werden zusammenpassende Farben jetzt per CSS-Klassen hergezaubert und die nervige Recherche nach Farben, die hinsichtlich Farbton, Sättigung und Helligkeit gut harmonieren, entfällt vielleicht noch nicht ganz, jedoch zunehmend. Für die Realisierung von Gestaltungsrastern mit möglichen vertikalen Teilungen bis 12fach gibt es Anweisungen zur Längen- und Ränder-Formatierung  in allen möglichen Vielfachen. Ergänzt wird meine Sammlung durch Standard-Elemente aus üblichen JavaScript-Frameworks, wie zum Beispiel den per Mausklick oder Fingertouch ausklappenden oder reduzierbaren Inhaltbereichen. Oder dem klassischen Akkordeon-Effekt oder Registerkarten, mit denen schnell verschiedene Inhalte aufgeklappt werden können.

Ich hab‘ es also jetzt, mein ultimatives Stylesheet. Die CSS-Datei hat inzwischen mehrere tausend Zeilen und ist gute 600 KB groß. Alle CSS-Klassen sind so angelegt, dass sie responsive Darstellung bei unterschiedlicher Displaygröße (Monitor, Tablet, Smartphone, Reader) ermöglichen. Ein paar CSS-Klassen gibt es zudem, die es via Media-Queries ermöglichen, dass Textbereiche oder andere Elemente bei Darstellung auf schmalen Smartphone-Displays sich aus dem Gestaltungsraster lösen und auf der ganzen Seitenbreite angezeigt werden. Im Grunde genommen habe ich für die zahlreichen CSS-Klassen eine kleine Meta-Sprache entwickelt, die genau meine Bedürfnisse erfüllt.

Zufrieden. Bin ich noch nicht ganz, denn einiges muss noch ergänzt werden. Im Groben steht das Personal Framework jedoch und ist sicher ein guter Schritt in Richtung effizienteres Arbeiten.

Wofür des Ganze? Nun, einige eBooks, Web-Apps, Apps per Phonegap und Internet-Projekte sind in Planung. Außerdem für HTML-Email-Useletter.

Entstauben – Dust me, Baby

Entfernen überflüssiger CSS-Anweisungen

Ganz sicher ist ein 600 KB großes Stylesheets zu groß für ein kleines, schlankes responsives HTML-Projekt, das ggf. auch bei schmaler Edge-Verbindung vom Smartphone sicher aufgerufen werden soll. 500o CSS-Anweisungen, von denen nur 30 gebraucht werden? Wie erfährt man jetzt, welche 30 das sind (außer man notiert sie sich manuell), und wie kann man die überflüssigen aus der CSS-Datei schnell herauslöschen?  Dazu gibt es ein Firefox-Plugin namens Dust-Me Selectors. Schnell reduziert sich die CSS-Datei auf wenige Zeilen und kann sogar direkt ins HTML kopiert werden, wenn man zum Beispiel ein Single-File-Konzept verfolgt für schnelle, schlanke Web-Apps. 

Freeware  Der Link zum Testen und Runterladen

Nein, den gibt es nicht. Nachmachen, heißt die Devise. Zumindest für alle, die nicht nur Gelegenheits-HTML-Kreateure sind und Inhalte etwas anspruchsvoller formatieren möchten. Überlegen Sie, was Sie genau für Ihre Projekte brauchen und erstellen Sie sich eine CSS- und eine JavaScript-Sammlung. Dazu dann eine Dummy-HTML-Datei in der alle Formate enthalten sind, für die schnelle Übersicht. Alle Klassen und IDs benennen Sie so, dass es für Sie gut mnemonisch ist und schnell im HTML-Code geschrieben ist.

Nerdig genug?

Herzlichen Glückwunsch. Sie sind kein Programmierer und haben diesen Beitrag trotzdem bis zum Ende gelesen. War es denn jetzt nerdig genug?

 

 

Design & Typo · Gesellschaft

Plagt dich Kummer oder Ärger…

Vor einigen Wochen war ich nach langer Zeit wieder in Ostwestfalen. In Bielefeld, meiner Geburtsstadt. Natürlich kommen bei so einem Besuch viele Kindheitserinnerungen auf und manchmal gehören dazu ganz subtile Kleinigkeiten. So sprang mir während unserer Kneipentour mit den Bielefelder Flaneuren ein Bierdeckel ins Gedächtnis, den es im Haushalt meiner Großeltern gab und von dem ich schon als Kind fasziniert war. Es ist ein Bierdeckel der →Brauerei Dittmann aus Langenberg, in der Nähe von Gütersloh.

»Plagt dich Kummer oder Ärger, trinke Dittmanns Langenberger« heißt der flotte Spruch auf den Deckel. Flott, naja Sie wissen schon, in den 50ern und 60ern wurde einfarbig gedruckt und der Durchschnittsbürger verstand sowieso kein Englisch. Da musste man sich als Werber etwas einfallen lassen um in Erinnerung zu bleiben. Gerne griff man in dieser Nierentischära auf Slogans mit Ohrwurmqualität zurück, mit Reim und Witz. Diese Ohrwurmqualität hat der Spruch auf dem Deckel sicherlich. Richtig getoppt wird er jedoch durch die Illustration, durch dieses rundliche Gesicht eines in die Jahre gekommenen Mannes, der griesgrämig schaut, offensichtlich geplagt von Kummer und Ärger. Und zack, dreht man den Deckel um 180°, so wird aus dem trüben Gesicht plötzlich ein freundlich lächelndes.

Diese Illustration, die ganz einfach durch Spiegeln bzw. um 180° drehen von grimmig zu freundlich wechselt, faszinierte mich schon als Kind und fasziniert mich heute immer noch. Leider kann ich den Gestalter nicht ermitteln. So ein Gesicht zu zeichnen, dass nur durch einfache Spiegelung bzw. Drehung um 180° den Ausdruck von böse nach heiter wechselt, ist nämlich nicht so trivial, wie es vielleicht erscheint. Hier ist es gut gelungen. Ich habe eine kleine Animation erzeugt (ein animiertes GIF-Bild), alle 5 Sekunden mit dem Wechsel zwischen grimmig und heiter.

Nicht nur grafisch ist der Deckel ein Zeitzeugnis längst vergangener Jahrzehnte. Mit simplerer Technik, anderen Werten und anderem Tempo. Die Welt der fünfziger und sechziger Jahre. Als der Lohn noch in der Tüte ausgezahlt wurde und es in den Städten noch richtige Eckkneipen gab. Als mancher am Zahltag erst einmal einen über den Durst trank und Wirt und Wirtin noch Therapeutenfunktion hatten. Eine Welt, in der Rauchen zum guten Ton gehörte und man barocke Körper und Gesichter den hageren vorzog, die »ja nichts zuzusetzen haben«, wie es allgemein hieß. Schauen Sie sich Ludwig Erhardt an, der auch körperlich recht gut das westdeutsche Wirtschaftswunder repräsentierte.

Als moderner Mensch 3.0, der sich gesund ernährt, ausreichend bewegt, auf Idealgewicht und BMI achtet und niemals zu Suchtmitteln zwecks Stimmungsverbesserung greift, muss Ihnen dieser Bierdeckel zweifelsohne wie aus einer Dinosaurier-Zeit erscheinen und zudem nicht politisch korrekt, mit der Aufforderung, Kummer und Ärger ganz einfach mit Bier zu begegnen. Stimmt, nach gentrifizierten-3.0-Lebensmaßstäben wäre der Deckel ein Fall für den Werberat. Früher hat das jedoch niemanden interessiert. Die Brauerei gibt es schon seit 1974 nicht mehr.

Ach ja, den →Deppen-Apostroph gab es damals schon, und es gibt es heute immer noch. Typographisch über Jahrzehnte nichts dazugelernt.

Design & Typo · Gesellschaft

Wiedergeburt

als Lampe

Nun, so geht es denn. Nicht jedem läuft die hübsche Maria Magdalena hinterher, während er bereits auf Höhenflügen ist. Der hier – Sie kennen ihn aus Film und Fernsehen – ist auch längst wiederauferstanden. Als Lampe im Park, gesehen im Rosengarten des Berliner Weinbergsparks. So leuchtet er denn wohl erst einmal eine Weile vor sich hin.

Ach, Blödsinn, gibt’s doch alles nicht, sagen Sie? Ok, dann hat da vielleicht ein Lampendesigner einfach zu viel Star Wars geschaut.