Gesellschaft · Reisen

Nach Madeira, oder zu den Kanaren

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Mit dem Reisebuch anno 1928 – Hier als epub

Beim Wiener Schnitzel entstehen ja bekanntlich nicht nur gute Ideen, sondern auf dem Weg dahin gibt es manchmal auch einiges Inspirierendes. So fand ich letztens, als wir auf dem Weg ins Alt Wien waren, eine Kiste mit Büchern, die nette Menschen so vor die Tür stellen, damit die Bücher vielleicht noch einen Liebhaber finden. In dieser Kiste fand ich neben einigen eher uninteressanten Taschenbüchern einen Reiseführer von 1928. »Führer für Mittelmeerfahrten, nach Madeira und zu den Kanarischen Inseln« steht auf dem Buch.

Solche Bücher habe ich früher gesammelt, baue im Moment jedoch meinen Fundus immer mehr ab. Nun, das Herz siegte an diesem Abend. Ich nahm das Reisebuch mit. Sehr interessant, auch die Anzeigen im hinteren Teil des Buches. Madeira und die Kanaren mit ihren Hotels und Etablissements in längst vergangener Epoche. Als Flugreisen und Massentourismus noch unbekannte Worte waren und der Besuch dieser schönen Inseln fast nur Besserverdienenden und Wohlhabenden vorbehalten war.

Herausgegeben wurde das Reisebuch von der Woermann-Line und der Deutschen Ostafrika-Linie. Klar, nach Madeira und auf die Kanaren reiste man damals per Schiff. Und so gibt es in dem Buch ganz selbstverständlich einige Informationen zu den Hafenstädten, die zwar weitab von Mittelmeer und Kanaren sind, in denen man aber auf dem Weg dorthin Station machte. Rotterdam, Lissabon und auch Southampton, um nur die größeren zu nennen.

ZEITREISE 1928

Natürlich frage ich mich immer bei so alten und gut benutzen Büchern, wer sie besessen und benutzt hat, wer es war, der die handschriftlichen Anmerkungen einst gemacht hat. Wie war er unterwegs, und in welcher Mission? Ein wohlhabender Privatier, ein Kaufmann, der in der Ferne Geschäfte macht? Spekulationen, aus denen ich mir Geschichten zusammenspinnen kann. Zeitreise 1928. Dampfer fuhr man damals, und die großen Passagierdampfer hatten Personal und Unterhaltungsangebot, das heute manch‘ Kreuzfahrer relativiert (das brauchte man auch z.B. bei einer Atlantiküberquerung, damit die Fahrgäste genügend Kurzweil hatten, bei 10 Tagen nur Wasser).

Damit Sie mitkommen können auf diese Zeitreise ins jahr 1928, habe ich Ihnen ein eBook von diesem Reisebuch gemacht. Ein sogenanntes »fixed-layout-ebook«. Im epub Format, das sehr schön zum Lesen mit dem iPad geeignet ist. Probieren Sie es aus. Öffnen Sie das Reisebuch in iBooks, blättern Sie, lesen Sie, schauen Sie Anzeigen aus alter Zeit… Und falls Ihr Reader nicht mit fixed-layout-ebooks kann, dann gibt es noch ein PDF.

» zum eBook (fixed-layout-epub, optimiert für iPad)
» zum PDF

SATZ UND TYPO, ANNO 1928

Bei der Produktion des eBooks habe ich mich entschieden, direkt die Scans der Seiten zu verwenden. Damit sind die Seiten 1:1 wie im Original abgebildet, bis auf die letzte Pore im Papier. Typo, Schriftsatz, Lesbarkeit, alles anno 1928. Buchdruck, Bleisatz. Mit den Schriften, die man als Druckerei hatte, und Papier sparend. Sie werden mir zustimmen, dass heute jedes Buch und jedes klassische eBook im floated-layout-Stil besser lesbar ist. Bücher waren damals teuer. Es gab nicht soo viele und man hatte nicht soo viele davon. Man konnte langsamer lesen – und musste dieses ob der Typo oft sowieso – und las damit auch bewusster.

PS: Das eBook, in dem eine Reise nach Südamerika anno 1924 beschrieben ist, und das ich vor eniger Zeit schon vorgestellt hatte, gibt es hier im epub– oder hier im mobi-Format zum Download.

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Design & Typo

Guerrilla Yardwork

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Vor ein paar Tagen hatte ich einen größeren Brief aus Amerika im Briefkasten, genauer gesagt aus Portland. Etwas überrascht öffnete ich ihn und es war ein Buch drin. Guerrilla Yardwork von Peter Korchnak. Ein Belegexemplar, da ich zwei meiner Schriften für dieses Projekt zur Verfügung gestellt hatte, die F25 Executive, in der auch die Titelzeile gesetzt ist und außerdem die F25 Typewriter Condensed. Ich habe mich sehr darüber gefreut, sind solche Belegexemplare doch eher selten geworden und wenn ich sie bekomme – manchmal auch nur als PDF – dann in der Regel aus den USA.
Mehr über das Buch könnt Ihr hier lesen: guerrillayardwork.com

Tools & Technik

eBooks mit dem iPad erstellen

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Bücher aus Papier sind ja nicht mehr ein Synonym für Zukunft, sondern eher anachronistische Medien. Klar, es wird sie noch weiterhin geben, zumindest immer in den Bereichen, wo der haptische Effekt eine besondere Rolle spielt. Bei einem Standard-Taschenbuch, einer Broschüre oder einem Katalog kann man das sicher nicht sagen. Hier sind eBooks im Anmarsch, und zwar gewaltig. eBooks zu erstellen funktioniert relativ einfach mit InDesign, sofern man das InDesign-Dokument denn entsprechend eingerichtet und formatiert hat. Oder auch mit OpenOffice, Pages und Konsorten. Mit einer anschließenden Nachbearbeitung mit Sigil, damit man ein validiertes eBook im epub-Format erhält, das dann problemlos auf die einschlägigen Verkaufsplattformen hochgeladen werden kann. Eigentlich braucht man nur die Adobe Creative Suite und alle Tools fürs Produzieren von eBooks sind vorhanden. Business as usual, daily work.

APP-EMPFEHLUNG: CREATIVE BOOK BUILDER

Nicht missen möchte ich dazu die zahlreichen kleinen Tools und Apps, die mir ab und zu das Leben erleichtern und mit denen ich manchmal schon ganz ansprechende Ergebnisse mit dem iPad in der Badewanne erzielt habe. Eben ohne die Kanone für den Spatz, die Adobe Creative Suite, aufzufahren. Eine solche App ist der Creative Book Builder. Mit dieser App kann man bequem eBooks auf dem iPad erstellen. In der neuesten Version neben den üblichen epubs mit floating layout – die ein Anpassen von Schriftgröße etc. im eBook-Reader ermöglichen – auch sogenannte fixed-layout-eBooks. Für digitale nicht so versierte Nutzer mag die App mit ihrer Oberfläche etwas gewöhnungsbedürftig aussehen. Wer hingegen etwas iPad-erfahren ist und die eBook-typischen Bestandteile wie Bereiche, Kapitel, Übeschriften, Absätze, Listen, Bilder, Videos, etc. kennt, ist schnell drin in der Software und kann sich schrittweise seine Inhalte reinkopieren, Bilder importieren, etc. So entsteht schnell ein brauchbares eBook, manchmal auch Ergebnisse, die eine weit aufwendigere Herstellung vermuten lassen. Das erzeugte eBook kann dann auf dem eigenen iPad mit der iBooks-App geöffnet werden. Man kann es auch als eMail versenden oder es ggf. auf einen Webserver hochladen, um es dann mit anderen eBook-Readern zu nutzen.

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Neben den klassischen eBooks mit floating layout kann man fixed-layout-eBooks erzeugen, die ja gerade etwas hip sind. Diese haben festgelegte Seiten und sind – genau wie PDFs – nur bei einer Displaygröße richtig gut anzuschauen, ohne ständiges Fingerschnips-Vergrößern. Die mit dem Creative Book Builder erstellten fixed-layout-eBooks sind für die Anzeige mit dem iPad optimiert. Schaut man sie dagegen auf dem iPhone an, geht das nur per ständiger Vergrößerung, genau wie beim PDF.

WAS GEHT – UND WAS NICHT GEHT

Ganz sicher kann man mit dieser App schnell und unkompliziert aus Texten, Bildern, ggf. auch Videos ein eBook zusammenschrauben. Hat man die passenden Empfänger dafür, von denen man weiß, dass sie eBook-Reader, Tablet, Smartphone nutzen und die eBooks tatsächlich lesen, dann kann man damit natürlich etwas Eindruck schinden.

Ein schnell im Zug erstelltes fixed-layout-eBook für den iPad-affinen Kunden mag durchaus mehr Eindruck erzeugen als die Präsentationspappen und Powerpoint-Präsentation im Gepäck. Und die amerikanischen Freunde lassen sich vielleicht mit einem Fotobuch im fixed-layout-Format genauso – oder vielleicht mehr – beeindrucken, als wenn man ihnen ein gebundenes Fotobuch schickt.

Für eBooks mit langen Texten und vielen Inhalten kann man den Creative Book Builder auch verwenden, ich würde es jedoch nicht tun. Aber bitte, wer bearbeitet so umfangreiches Material mit dem iPad? Ebenso würde ich die App nicht empfehlen, wenn von vornherein klar ist, dass das damit erzeugte eBook zum Verkauf auf die üblichen Verkaufsplattformen gestellt werden muss. Dazu muss die Datei nämlich validiert werden, damit sichergestellt ist, dass die Daten hundertprozentig im ePub-Standard gespeichert sind. Zumindest in der Vorversion des Creative Book Builder habe ich einmal ein epub erzeugt, das zwar auf allen Readern, auf denen ich es gestestet habe (es waren einige, dabei alle verbreiteten) fehlerfrei angezeigt wurde, vom Validator jedoch noch als fehlerhaft befunden wurde. Ich konnte das zwar schnell am Desktop-Computer mit Sigil korrigieren, denn ich kenne mich mit HTML/CSS ganz gut aus. Für den Normalanwender, der von HTML, Sigil und Co keine Ahnung hat, ist es jedoch ziemlich ungünstig, wenn er nach der einfachen eBook-Erstellung doch noch professionelle Unterstützung braucht. Mag sein, dass die neue Version jetzt 100% valide eBooks erzeugt. Probiert es einfach selbst. den Creative Book Builder bekommt ihr zum Preis eines guten Latte Macchiato im App-Store.

FÜR SCHULKINDER

Entwickelt wurde diese App übrigens, damit Schüler ihre eigenen eBooks erzeugen können. Das klappt sicher auch z.B. in der Oberstufe des Gymnasiums. Aber wie es so ist, Kinderschokolade wird ja auch nicht nur an Kinder verkauft und für diese gemacht. Ein Handbuch zur App gibt es hier und ein Video hier.

Nachtrag:
Wenn es nur um fixed-layout-eBooks geht, probiert auch die sehr einfache App Book Creator aus. Die hat zwar nur minimale Funktionen, jedoch lassen sich damit mit etwas Gestaltungsgeschick ebenfalls ganz schnell ansprechende eBooks erzeugen

Design & Typo · Gesellschaft

Buchmesse & Autorenrunde

Gestern war ich mit Miz Kitty auf der Buchmesse in Leipzig. Vor einiger Zeit hatte Leander Wattig, der das Portal wasmitbuechern.de betreibt und die pub’n’pub-Veranstaltungen in Frankfurt (und manchmal auch in Berlin) organisiert, zur Leipziger Autorenrunde eingeladen. Ziel dieser Veranstaltung war ein Zusammenkommen von hauptsächlich Autoren und anderen, die am Veröffentlichen von Büchern beteiligt sind. Da Miz Kitty ja schon lange bloggt, kreative Freiberufler berät (dabei auch Hörbuch-Sprecher und Slam-Poetristen), selbst noch das ein oder andere Manuskript hat, und ich mich mit eBook-Produktion und eBook-Anwendungen befasse, sind wir nach Leipzig gefahren. Zusätzlich wollten wir natürlich über die Buchmesse schauen.

Die Leipziger Autorenrunde war für uns beide ziemlich inspirierend. Vor allem, weil hier nicht wie üblich Vorträge präsentiert wurden, sondern die Form der Rundtisch-Gespräche gewählt wurde. An 10 runden Tischen mit jeweils ca. 12 Plätzen gab es jeweils einen Experten oder eine Expertin, der/die ein Thema kurz vorstellte. Danach kam die kleine Runde schnell ins Gespräch. Diese Idee der Roundtable-Gespräche war es wohl, warum die Veranstaltung so rockte. Ich habe einige interessante Impulse mitgenommen, eine Sache wirkt unmittelbar auf’s eigene Stories-&-Places-Projekt. Außerdem ist es doch immer schön, wenn man anderen selbst mit kleinen Infos weiterhelfen kann. Danke für dieses Event, das hoffentlich im nächsten Jahr wiederholt wird.

Insgesamt bestätigte mich Buchmesse und Autorenrunde darin, dass sich in der Verlagswelt in der nächsten Jahren viel Grundlegendes ändern wird, mehr als sich viele im Moment eingestehen wollen. Der billigste eBook-Reader kostet zur Zeit 59 Euro. Da ist es abzusehen, wann er Taschenbuchpreis erreicht hat. Und notfalls (wenn wir denn ganz kopflos vorhandenes Equipment vergessen haben) kaufen wir dann am Bahnhofskiosk oder im Urlaubsort diesen dann 19,90-Euro-eReader, ziehen schnell unsere eBooks und eMagazines aus der Cloud darauf und lesen los, ohne Bücher mitzuschleppen… Darüber in einem späteren Blog-Beitrag hier mehr.

Ach ja, zudem waren gestern auf der Buchmesse noch jede Menge Cosplayer unterwegs, von deren Outfit und Auftritt Kitty sehr angetan war. Wäre sie doch wohl selbst Cosplayer geworden, hätte es diesen Trend damals schon gegeben. Schön anzuschauen. Vielleicht bloggt Kitty ja einige Fotos, die sie gemacht hat.

Gesellschaft

Digital — Danke, und schnell weg…

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Im Moment arbeite ich immer öfter mit iPad und iPhone und setze so nach und nach konsequent mein papierloses Büro um. Deshalb habe ich mir inzwischen auch die APP zur Speicherung von Online-Tickets der Deutschen Bahn auf dem iPhone installiert. Ein sehr praktisches Tool, muss ich Fahrkarten dann doch nicht ausdrucken.

Nun sitze ich gerade im Zug von Leipzig nach Berlin. Der Zugbegleiter naht, schiebt die Tür des Zugabteils auf und fragt mit dem bahntypischen Standardspruch »Hier noch jemand zugestiegen?«. Ich hatte ihn kommen sehen und halte ihm meine Bahncard und das iPhone griffbereit hin. Auf dem Display des iPhone leuchtet hell das QR-Code-ähnliche Muster und wartet darauf gescannt zu werden. So als hätte ich ihm irgendwelches giftiges Teufelszeug gezeigt, sagt der Mittfünfziger blitzschnell »Danke«, klappt die Tür des Zugabteils genauso blitzschnell wieder zu und verschwindet auf Nimmerwiedersehen…

Design & Typo

Responsive Colors

FARBEN, DIE IMMER GUT AUSSEHEN

Fast ein Vierteljahrhundert beschäftige ich mich mit der Gestaltung von Printmedien. Seit ich mit Desktop Publishing zu tun habe, war eines immer besonders wichtig: Farbe und deren möglichst korrekte Ausgabe im Druck.

Anfangs habe ich noch die Dinge mit frühen QuarkXpress-Versionen oder CorelDraw zusammengemurkelt, jedes Bild im CMYK gescannt und das Layout dann nach einigen farblichen Hin-und-her-Anpassungen und Ausdrucken auf den Tintenstrahldruckern der ersten Generation so lange angepasst, bis der Tintenstrahler – für -strahler hatten wir übrigens ein vulgäreres Wort mir P – die richtige Farbe aufs Papier brachte. Dieser Ausdruck ging dann als farbverbindlich und möglichst zu erreichen in eine »meiner« Druckereien. D.h. zu den Dienstleistern, die mit meinen Daten klar kamen und sich bemühten, die Farbigkeit des Musters zu erreichen. Vielleicht haben sie sich nicht einmal besonders bemüht, sondern hatten einfach gute Drucker, die ihre Maschinen kannten und einzustellen wussten.

Mit der Zeit setzte es sich allgemein durch, dass jede Druckerei ein Layout-PDF farblich möglichst gleich druckt. ICC-Profile zogen flächendeckend in jede Software und sogar in jede Datei ein. Kalibrierte oder zumindest was Farbausgabe betrifft, bessere Monitore stehen heute in fast jedem Grafikbüro. Die Druckereien verordneten sich den Prozessstandard Offsetdruck (PSO), der inzwischen auch im hintersten Winkel der Republik angekommen ist. Wir können nun Printmedien gestalten, mit der Sicherheit, dass sich unser Layout farblich 1:1 reproduzieren lässt, nahezu egal in welcher Druckerei. Drucksachen farbig zu gestalten und zu drucken, so dass das Ergebnis auf verschiedenen Papieren und in verschiedenen Druckhäusern gleich aussieht, ist unspektakulär schnödes Daily Business.

ALLES FIXE IDEEN

Bei Drucksachen haben wir’s gern eineindeutig. Seitenzahl, Seitengröße, Schriftart, Text, Bildplatzierung, und auch die Farbe. Die Exaktheit in Papier, die man digital im PDF konservieren kann. Da weiß man, was man hat; und wie’s genau auszusehen hat. Mit Einzug des Internets und ersten scheußlichen Frontpage-Versuchen übertrugen sich diese fixen Ideen aufs neue Medium. Mit HTML-Layout-Tabellen und Slices wurde alles pixelgenauestens an seinen Platz gebracht. Wir imitierten die Gestaltung von Printmedien. Alles immer schön an 1024 px Bildschirm-Breite orientiert, damit die Internetseiten auf den uralten 17″ bis 19″-Monitoren gut aussahen. Irgendwann gab es faktisch keine Monitore mit weniger als 1024 px mehr. Auf den breiteren wurde das Layout dann schön in die Mitte gestellt, natürlich wieder pixelgenau, versteht sich.

Mobiles Internet? Klar, das gibt es schon lange. WAP-Internetseiten auf dem Mobiltelefon waren für mich jedoch nie interessant, das Angebot war ja ziemlich schmal. Interessant wurde mobiles Internet für mich erst mit dem MDA 1, mit dem richtige HTML-Seiten aufgerufen werden konnten. Eben unsere schön gestalteten Internet-Seiten mit dem fixed Layout, hier jetzt mit vertikalem und horizontalem Scrollbalken. Die Ansicht manchmal etwas zerschossen, aber immerhin, Internet in your pocket. Etwas später bekam ich eine Nokia Klappstulle 9310 und perfektionierte mich im vertikal- und horizontal-Scrollen. Die Klappstulle war immerhin schon Businessman-Symbol, und da war’s doch hip, sich mit dem Sehschlitz-Display per Hin-und-her-Scroll im Internet zu bewegen.

IN JEDEM KONTEXT GUT – RESPONSIV

Das änderte sich alles relativ schnell mit dem iPhone. Spätestens seit der zweiten Generation sind mobile Websites ein Thema. Und mit Erscheinen des iPads und Etablierung anderer Smartphones und Tablets noch mal mehr. Da können wir jetzt keine fixed-Layout-Websites mehr für alle möglichen Bildschirmgrößen und Devices machen. Das wären zu viele Versionen. Nun, die Lösung ist bekannt und einfach. Responsive Webdesign. Sicher ein Modethema in 2011/2012 und inzwischen umgesetzt – nicht immer, aber immer öfter, fast kalter Kaffee. Wir konzipieren, gestalten, programmieren die Internetseiten einfach so, dass sich das Layout an verschiedenste Bildschirmgrößen anpasst – und immer gut aussieht. Diese fixe Idee vom fixed Layout, die war gestern.

RESPONSIVE COLORS

Ja, und was ist jetzt mit der Farbdarstellung? Die ist unterschiedlich, aber so was von unterschiedlich bei den vielen Smartphones und Tablets. Selbst wenn man nur die Geräte mit dem Apfel vergleicht. Was also tun? Am besten gleich so gestalten, dass Farbabweichungen keine Rolle spielen. Farben wählen, die in Kombination immer gut aussehen und wiedererkennbar sind, auch wenn das Blau vom Königsblau mal zum Preußischblau mutiert. Styleguides mit umfangreichen Farbfestlegungen verlieren ihre Bibelaura. Die Zukunft der Farbgestaltung kann nur Responsive Colours heißen. Farben und Farbauswahlsysteme, die für sich und in Kombination auch bei relativ starken Farbverschiebungen noch gut und passend anmuten – in unterschiedlichstem Kontext und auf unterschiedlichsten Geräten.

Blau, einprägsam blau. Königsblau oder Preußischblau ist doch egal …

Gesellschaft

»Ich erzähle euch mal, wie toll das da ist«

BLOGHYPE

Reiseblogger ist sicherlich eines der Wörter, die ich in der letzten Woche oft gebraucht habe. Dieser Art des Bloggens, den Hintergründen und Verflechtungen wollte ich auf die Spur kommen und besuchte dazu vorgestern die ITB. Klare Erkenntnis: Sie sind hype, die Reiseblogger. In 2012/2013 haben die Touristik-Unternehmen, Destinationen und Ausrüster die Blogger entdeckt.

HOLZMEDIEN

In den Redaktionen der Holzmedien gibt es Reisejournalisten, die den Reiseteil der Zeitung regelmäßig füllen. Ganz ehrlich sind sie oft richtig schlecht, besonders wenn sie für Lokal- und Regionalzeitungen schreiben. Ihre Artikel werden bei heutigem Informationsangebot kaum noch als Mehrwert empfunden. Der Reiseteil schrumpft langsam und sicher in Umfang und Qualität, wie manchmal auch die ganze Zeitung.

HINTERGRÜNDE

Grob gesagt funktioniert es so: Touristik-Unternehmen oder Destinationen laden über ihre PR-Agenturen zu sogenannten Presse-Reisen ein. Ziel ist, dass die mitfahrenden Journalisten darüber schreiben. Ein paar Unwägbarkeiten sind natürlich dabei, der Journalist muss am Leiter des Reiseressorts vorbei, und vielleicht wird sein Text einfach nicht gedruckt. Deswegen nimmt man am liebsten Redaktionsleiter mit, da die gute Platzierung der Destination im Reiseteil dann gesichert ist. Einem geschenkten Gaul – sprich einer Presse-Reise mit diversen Annehmlichkeiten – schaut eben keiner ins Maul und schreibt dann auch nicht über die faulen Zähne.

Dieses System von Presse-Reisen funktioniert in Zeiten von Internet, Facebook und sterbenden Holzmedien immer noch, bröckelt aber ziemlich. Journalisten muss man etwas bieten, denn auch die Konkurrenz bietet Presse-Reisen an. Und der gedruckte Text ist zwei Tage später im Altpapier.

Gleichzeitig bricht das System Reisebüro zusammen. Man muss nur abzählen, wo früher in der Großstadt überall ein Reisebüro war und wo heute noch eines ist. Wer bucht noch eine Reise im Reisebüro? Die, die es noch gibt, sind inzwischen weit davon entfernt, dass Mitarbeiter dort schon einmal in den wichtigsten Destinationen waren und ernsthaft beraten könnten.

Die klassischen Kontaktkanäle der Touristiker und Destinationen zu ihren Zielgruppen versanden also zunehmend. Internet und Apps sind hinzugekommen, können jedoch die persönliche Ansprache kaum ersetzen. Was also tun?

VIRALES MARKETING & CROWDSOURCING

Entdeckung der Blogger. Immer wieder gibt es meist junge Globetrotter, die über ihre subjektiven Reiseerlebnisse bloggen. Oft nur aus dem Grund, die Daheimgebliebenen auf dem Laufenden zu halten. Oder aus Spaß am Schreiben und Fotografieren. Engagierte Laien eben, jedoch oft nicht unbegabt. Denn wer mit Anfang 20 Weltreisen macht, gehört nicht zur Minderintelligenz. Manchmal können sie besser schreiben als der Reisejournalist der Lokalzeitung. Man entdeckt ihr Potential, lädt sie ein, finanziert ihnen die Reisekosten, bietet ihnen Presse- oder Blogger-Reisen an, rüstet sie gratis mit Fotomaterial aus, und schnell ist das Spiel mit dem geschenkten Gaul und dem Artikel über die schönsten weißen Zähne desselben verstanden. Blogbeitrag folgt garantiert. Den lesen zwar nicht sofort so viele, er verschwindet jedoch im Gegensatz zum Reiseteil der Zeitung nicht nach zwei Tagen im Altpapier, sondern steht allzeit bereit im internet, wird durch Google gefunden, etc. Von diesem Sponsoring kann sicher keiner leben, sich aber wohl von Destination zu Destination hangeln, Kost und Logis oft frei. Gegen Blog-Artikel, wohlmeinende Blog-Artikel natürlich.

REISEBLOGGER

Es gibt durchaus eine ganze Reihe Reiseblogger, die dieses Spiel letztlich gekaufter Beiträge – ich nenne sie mal informelle Auftragsarbeiten – nur sehr moderat mitspielen. Vielleicht, weil sie kompetenzmäßig etwas vorzuweisen haben, weil sie Storytellung und Content-Arrangement ganz gut beherrschen, weil die Story von den Zähnen des Gauls tatsächlich rockt, wenn sie die erzählen. Weil sie es nicht nötig haben, sich kaufen zu lassen zudem offen angeben, dass sie zur Reise eingeladen wurden, über die sie schreiben.

FAULE ÄPFEL IM SACK

gibt es überall und schaden dem ganzen Sack. Auch bei den Reisebloggern. Die beschädigen die Reiseblogosphäre, wenn nicht sogar die ganze Blogosphäre. Erkennungsmerkmal: In Ich-Form nachgebetete Pressetexte mit Pressefotos und gesponsorten Links dazwischen, null Storytelling-Charakter. Keine Angabe, wo in informeller Auftragsarbeit über gesponorte Reisen geschrieben wird. Dafür jede Menge Links und im Impressum vielleicht noch Mediadaten mit Klickraten. Bitte, wer möchte so ein Blog lesen?

KEINE SELBSTREGULIERUNG

An eine Selbstregulierung hinsichtlich – literarischer und fotografischer – Qualität glaube ich nicht. Dafür steht die Auftraggeberseite im Weg. Großunternehmen, oft mit Marketingmanagern, deren Qualitätskriterien nicht Storytelling und individuelle Reiseerlebnisse sind, sondern Klickraten, SEO und der ständige Focus auf die Destinationen und Angebote des Unternehmens. Wie sagte Mario Köpers, Executive Director Unternehmenskommunikation der TUI, in einer Diskussionsrunde zu Reisebloggern vorgestern auf der ITB: Der Blogpost über den Töpfer aus Timbuktu ist uninteressant, der Blogpost über das Pura Vida Ressort auf Mallorca dagegen sehr. Da wissen wir, worüber bald mehrere schreiben, und auch, warum gerade darüber.

GETÄUSCHT

Bei bestimmten publizistischen Angeboten merken wir ganz schnell, wenn Sponsoring im Spiel ist. Beim Automagazin oder beim Computermagazin zum Beispiel. Dort ist von vornherein klar, dass die Geräte kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Und wenn viele Hersteller ihre Produkte für Tests und Reportagen zur Verfügung stellen, relativiert es sich natürlich, stromlinienförmig den Sponsoren nach dem Munde zu schreiben.

Bei Blogs ist die Wahrnehmung eine andere. Blogs sind publizistische Do-it-yourself-Angebote mit meist recht individuellen und subjektiven Inhalten. Mit einer One-Man-Show dahinter. Wir lesen Blogs, um an Erlebnissen der Menschen dahinter teilzuhaben. Weil wir spannend finden, was dieser Blogger schreibt, was er erlebt, was ihn bewegt. Und wenn wir dann plötzlich – vielleicht zufällig – feststellen, dass dieser Blogger positiv über etwas schreibt, ohne offen zu legen, dass er es geschenkt bekommen hat, wenn er lobend über eine Destination schreibt, ohne offen zu legen, dass ihm Reise und Aufenthalt bezahlt worden sind, dann fühlen wir uns zurecht ziemlich getäuscht. Ha, habe ich immer mal wieder mitgelesen, was der für Erlebnisse in der großen weiten Welt hat. Und jetzt stellt sich raus, dass war ein informeller Auftragstext, und die Nikon Dxy, mit der er die Bilder gemacht hat und von der er so positiv schreibt, die ich schon in meiner engeren Wahl hatte, die hat er geschenkt bekommen. Aha, auch ein informell positives Platzieren der Kamera, gesponsort von Nikon. Bitte, wer lässt sich denn gern so täuschen?

ANTI–FAKE–KODEX

Dass diese Täuschung ganz schnell nach hinten kippt, wissen Reiseblogger selbst sehr gut. Nicht umsonst haben sie sich den Reiseblogger-Kodex verordnet. Ob den nun alle einhalten und ob man das wirklich prüfen kann, sei mal dahingestellt. Außerdem, nehmen wir mal an, da schreibt jemand kodex-vorbildlich zu Beginn seines Artikels, er sei durch die Destination eingeladen worden. Möchte ich das dann noch lesen? Möchte ich einen Text lesen, der unbewusst schnell in eine Richtung abgleitet, ähnlich wie man manchmal zähneknirschend eine Referenz für jemand schreibt, der einen im Gegenzug großzügig bedenkt? Das muss dann schon ganz große Story-Qualität sein. Gibt es zweifellos, aber wie oft?

PFERDE SIND SCHNELL TOT

Dieses virale »Ich erzähle euch mal, wie toll das da ist«-Undercover-Promoten einer Destination oder eines Touristik-Angebotes kann ganz schnell der Hype von gestern sein. Vor allem auch, weil Blogs erst ab den mittleren Bildungsgraden aufwärts gelesen werden, die solche Täuschungen schnell erkennen. Das Pferd ist dann schnell tot. Genauso wie heute keiner mehr Scripted Reality TV mehr sehen will.

Ehrlich gesagt finde ich das für die oben beschriebenen Reiseblogger und die Destinationen, die diese informellen Auftragsarbeiten fördern, nicht schlimm. Es gibt doch keinen Grund, dass wir uns diese Pseudo-Erlebnisse unterjubeln lassen. Eigentlich gut, wenn sich so etwas schnell totläuft.

Und um Euch guten Reiseblogger, die Ihr gut Schreiben könnt und das Storytelling beherrscht, mache ich mir keine Sorgen. Eure Texte werden gebraucht, auch im Tourismusbereich. Unerheblich, in welchen Medien die dann publiziert werden. Gesponsorter Reiseblogger ist ohnehin kein Job für Menschen über 35. Ok, ab 55 kann man das dann wieder machen, aber ohne irgendwelche Informellen Gegenleistungen für Einladungen, versteht sich.

INDIKATOREN

Auffällig finde ich in vielen Reiseblog-Beiträgen – verglichen mit Urlaubsberichten in anderen Blogs –, dass dort Erlebnisse auf der Hinfahrt und Rückfahrt kaum Thema sind, ebenso nicht größere Pannen (Zug verpasst, Krankheit, verspätet zum Flughafen, etc.). Das sind doch gerade prägende Urlaubserlebnisse. In vielen Reiseblogs Fehlanzeige. Genauso fehlen oft Bilder von Partnern und Mitreisenden. Ok, wenn jemand eingeladen ist und Hinreise sowie Abreise stramm durchgebucht sind, kann er nichts schreiben über Erlebnisse während dieser Zeit? Und zur Blogger-Reise wird man nicht als Pärchen eingeladen. Da bildet die Story vom demolierten Mietwagen auf Island, Ausreiseverbot, etc. schon eine wirkliche Ausnahme.

LESEN SIE SELBST

Das waren einige Ansichten zum System Reiseblogger. Unabhängig und subjektiv, so wie sich das für einen Blogger gehört. Machen Sie sich selbst ein Bild, googlen Sie nach Reiseblogs oder Reiseblogger und lesen Sie dort.

Berlin

Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen

Diese Stadt, in der ich seit 15 Jahren lebe, und die sich erst in den letzten 20 Jahren von der Frontstadt des kalten Krieges zur Metropole entwickelt hat. Diese Stadt, die für mich als westdeutsches Provinzkind so weit entfernt lag, und in der zu wohnen ich mir früher nie vorstellen konnte. Heute mag ich sie sehr. Ich glaube, es gibt nicht viel Orte, an denen ich ähnlich glücklich wäre. Es ist ein ganz bestimmtes Lebensgefühl, das ich in Berlin genießen kann, und das ich niemals so in Bielefeld oder Braunschweig empfinden könnte.

BERLINER ZEITREISEN

Manchmal mache ich Zeiteisen in frühere Epochen. Wie war es früher, das Lebensgefühl in Berlin? Z.B. im Jahr 1874, als das Haus, in dem ich wohne, gebaut wurde, drei Jahre nach dem deutsch-französischen Krieg? Wie war es in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, als diese Hauptstadt aus allen Nähten platzte? Wie in den Zwanzigern? Und in den anschließenden 1000 Jahren, die 12 schlimmste waren? Wie war dieses Lebensgefühl im mauerumschlossenen Westteil, mit Berlin-Förderung galore? In den 60ern, vor und nach der Studentenrevolte? In den 70ern und 80ern, alternativ, punkig, kriegsdienstverweigernd, dazu bauskandalgespickt? Die Zeit danach, nach der Vereinigung, habe ich ganz gut noch selbst mitbekommen.

Gerade ziehen Rieke Busch, Franz Bieberkopf und der olle, fast 70jährige Kürass mit seiner Gepäckkarre an mir vorbei. Dazu noch die Brüder Sass. Und natürlich Kommissar Kappe.

Heute möchte ich eine Zeitreise in die frühen 60er machen. Ich möchte Sie in das West-Berlin der frühen 60er mitnehmen mit einem Lied von Hildegard Knef aus dem Jahr 1966

BERLIN DEIN GESICHT HAT SOMMERSPROSSEN

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