Schreibgeräte & Kontor

Bindung mit lösbaren Blättern 

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Wie man Blätter flexibel in eine Drahtkammbindung einfügen und wieder herauslösen kann.

Die Drahtkammbindung ist eine sehr praktische Art, Blätter zu einem Buch zusammen zu binden und wird gerne genommen, weil man sie in jedem Copyshop schnell anfertigen lassen kann oder sogar im eigenen Büro über ein Bindegerät dafür verfügt. Zudem gibt es für alle möglichen Dicken des zu bindenden Papierstapels unterschiedliche Ringdurchmesser.

Verglichen mit einem Hardcover-Buch ist diese Bindung zwar längst nicht so stabil, hat jedoch den großen Vorteil, dass die Blätter plan liegen und dass man die Blätter komplett umschlagen kann, was manchmal sehr platzsparend ist. Die Drahtkammbindung wird auch gern für Skizzenbücher aller Art verwendet, dann oft mit richtigen Pappdeckeln. Möchte man die so zusammen gebundenen Blätter umordnen oder einzelne Seiten einfügen, so ist das grundsätzlich einfach möglich. Man biegt die Drahtringe auf und lässt in Copyshop oder Buchbinderei einen neuen Drahtkamm einsetzen und zusammenbiegen. Relativ unbekannt ist es dagegen, wie man ohne die Bindung zu öffnen mit einfachen Mitteln eine Seite einfügen kann, zum Beispiel in ein Skizzenbuch, damit die Dinge in der passenden Reihenfolge schön geordnet sind.

Wie das geht, das möchte ich einmal hier erklären: Natürlich muss das Blatt, das eingefügt werden soll, zuerst gelocht werden – und zwar mit dem gleichen Lochabstand wie die Blätter des Buches, in die das Blatt eingefügt werden soll. Achtung, es gibt zwei Systeme mit unterschiedlichem Lochabstand und das hier beschriebene Einfügen von Blättern in eine bestehende Bindung eignet sich eher für das System mit dem größeren Lochabstand, das meist bei Ringen mit größerem Durchmesser verwendet wird. Zum Lochen der einzusetzenden Blätter muss man also doch einmal in den Copyshop gehen oder eben im eigenen Büro schauen.

So setzt man das gelochte Blatt nun in die bestehende Bindung hinein: Zuerst werden die Stege zwischen Blattrand und Löchern mit dem Cutter alle eingeschnitten. Das kann auch mit einer kleinen Schere erledigt werden. Mit dem Cutter können jedoch gleich ein ganzes Dutzend übereinander gelegte Blätter gleichzeitig geschnitten werden. Anschließend wird das Blatt vorsichtig in die Drahtbindung hinein gedrückt. Man kann dazu einen schmalen Stift, eine Stricknadel o.ä. zur Hilfe nehmen.

Tatsächlich, das Blatt hält relativ gut in der Bindung. Freilich können so eingesetzte Blätter auch einfach wieder herausgelöst werden, um sie danach an einer anderen Stelle wieder einzusetzen. Sehr flexibel, dieses System. Ein ganzes Buch könnte man sich herstellen aus Blättern mit diesen geschlitzten Lochrändern, zum flexiblen Umordnen oder Einfügen in ein anderes Buch.

Gesehen habe ich diese „Erweiterung“ der Drahtkammbindung noch nie, außer eben bei mir selbst. Vielleicht gibt es diese geschlitzten Lochränder längst, vielleicht schlummern sie als Patent oder Gebrauchsmuster in irgendeiner Schublade (wobei die Schöpfungshöhe ja nicht wirklich hoch ist). Auf die Idee kam ich durch die inzwischen schon legendäre Bindung der belgischen Firma Atoma die ähnlich funktioniert, nur eben nicht mit Drahtringen, sondern mit kleinen Aluminiumscheiben.

Die Drahtkammbindung heißt übrigens so, weil das Drahtgebilde, aus dem die Ringe entstehen, wie ein Kamm aussieht, wenn es flach auseinander gebogen wird. Manchmal wird diese Bindung auch als „Wire-O“ bezeichnet, was jedoch nur ein Firmenname ist und so ähnlich ist, als wenn man einen Filzschreiber allgemein nur Edding nennt. Eine Spiralbindung ist dagegen etwas komplett anderes, die gibt es bei einfachen Collegeblöcken und dort ist der Draht tatsächlich eine Spirale.

Und noch eine letzte Bemerkung: Wenn Sie sich selbst daran machen, eine Drahtkammbindung zu herzustellen, achten Sie darauf, die Blätter so auf das Drahtgebilde aufzufädeln, dass die zwei Drahtenden später zwischen der letzten Seite des Buchblocks und dem hinteren Deckel liegen. Außerdem sollten die Ringe nicht schief zusammengedrückt werden, was etwas Übung erfordert, aber so wird die Drahtkammbindung professionell.

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Berlin

Da läuft ein Schwein…

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… aus dem Kochbuchladen.

Wie Sie am Straßenbelag erkennen, handelt es sich um eine Straße im ehemaligen Berliner Ostteil. Inzwischen gentrifiziert kommt die Straßensanierung wohl nicht richtig mit, oder wer weiß, vielleicht gibt es für diese Mischung aus uneben verlegten Uralt-Gehwegplatten und Kopfsteinpflaster inzwischen Denkmalschutz? Es ist die Zehdenicker Straße in der Nähe vom Rosenthaler Platz. Schon von weitem blitzte mir vor ein paar Tagen dieses Schwein entgegen. Wüsste ich nicht, dass in diesem Haus das einzige Kochbuch-Antiquariat ist, das ich in Berlin kenne (und vermutlich ist es wirklich das einzige in der Hauptstadt), dann hätte ich mich ob des aus der Ferne ziemlich echt anmutenden Schweinchens in der Berliner Wohnstraße ziemlich gewundert. So war es jedoch klar, das Schwein gehört zu dem Buchladen.

Hier gibt es nicht nur antiquarische Kochbücher, sondern auch allerlei alten Schnickschnack rund ums Kochen und die Ernährung, eben auch dieses gefälschte Getier, das in seiner ersten Verwendung vielleicht einmal die Geschäftsräume eines Fleischers zierte.
Ein gutes Fotomotiv ist es allemal, vor allem ion Kombination mit dem alten Straßenpflaster.

Und ganz am Rande sorgt dieser Schweinchendummy gerade dafür, das ich Ihnen den Tipp gebe, einmal die Bibliotheca Culinaria in der Zehdenicker Straße zu besuchen, wenn alte Kochbücher Ihr Thema sind oder Sie ganz konkret ein lange vergriffenes Kochbuch suchen. Mein Thema ist dieses nicht, weswegen ich noch nie in diesem Souteraingeschäft war. Allerdings schaue ich mir immer die Auslage auf den Tischen vor demhaus an, da Buchgestaltung im Wandel der Zeit ja eines meiner Themen ist. Dazu entdeckt man so manche historisch interessante Einzelheit, zum Beispiel die Ernährungstipps vergangener Tage.

Design & Typo · Schreibgeräte & Kontor

Handgeschriebene Schriften – Schriftvorlagen als Reprint

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Gut passend zu meinem Beitrag über die Rundschrift möchte ich Ihnen heute den Reprint eines Hefts mit Vorlagen zur Beschriftung von Plänen und technischen Zeichnungen vorstellen; erstmals erschienen im Jahre 1905. Das von einem Franz Endreß verfasste und im Hamburger Hafried-Verlag publizierte Heft enthält mehr als 30 Schriftmuster, die man gut mit der Hand schreiben kann – eine gewisse Affinität und Geschicklichkeit vorausgesetzt. Späte Gründerzeit-Typo-Ästhetik galore.

Seit gestern ergänzt das im Verlag Hermann Schmidt erschienene DIN A6 große Reprint-Heft den Fundus meines Kontors. Ein schönes Sammelstück. Freilich weniger, um konkrete Vorlagen zum Schreiben haben, sondern eher für den Überblick über die Schriften und Art der Beschriftung, die uns in den Plänen und Zeichnungen des beginnenden 20. Jahrhunders begegnen.

Sehr angetan bin ich zudem von Vorwort und Klappentext der Veleger Karin und Bertram Schmidt-Friderichs. Das Wiederentdecken des Hefts muss bei ihnen so ähnlich abgelaufen sein, wie bei mir das Stöbern im Kontor. Déjà-vu.

Anschauen können Sie das Booklet im der Kunst und Design-Buchhandlung Ihres Vertrauens, oder Sie kaufen es ganz einfach, online-antiquarisch oder als →Reprint.

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