Gesellschaft

Bücher aussetzen und mitnehmen

 Das Quartier hier um den Berliner Zionskirchplatz vereint durchaus Hipsterness, Gesetztheit und Besserverdienendentum gleichermaßen. Diese Mischung eben, die für die Gentrifizierung typisch ist. Vieles finde ich hier jedoch immer wieder ganz angenehm. Die Atmosphäre ist freundlich und entspannt, das Viertel bietet zahlreiche Impulse und der Gammel hält sich in Grenzen. Zwar gibt es auch hier ab und zu Müll auf den Straßen, aber zum Beispiel mit Kreuzberg oder Friedrichshain verglichen ist es hier deutlich weniger. 

Dafür gibt es hier eine andere, schöne Tradition, die eigentlich keine ist, die ich jedoch als solche empfinde, habe ich sie doch erst mit dem Einzug in dieses Haus kennengelernt: Dinge, die man selbst nicht mehr braucht, die jedoch noch gut sind und noch funktionieren, werden oft vor die Tür gestellt und finden so schnell wieder einen neuen Liebhaber oder Besitzer. Wohl bemerkt, kein Trash, keine verkeimten Textilien, alten Matratzen oder abgewohnte Möbel, kein Zeugs, das andernorts auf diese Art als Müll schnell entsorgt wird. Aber eben Dinge, die man selbst nicht mehr braucht, die andere jedoch vielleicht noch brauchen oder sogar sammeln. So finde ich ab und zu Bücher in den Eingängen und auf den Fenstersimsen der Kellerfenster und habe selbst schon das eine oder andere überflüssige Stück oder doppelt vorhandene Exemplar rausgestellt. Gute Stücke finden dann binnen kurzer Zeit einen neuen Besitzer. 

Eben fand ich in der Zionskirchstraße diese drei ausgesetzten Bücher. Neben einem quadratischen Foto-Bildband im roten Leineneinband lagen dort zwei Brüder aus dem Galileo-Verlag:  „Grundkurs Typografie und Layout“ und „Illustrator CS2“. Beide Bücher kenne ich. Außer dem Fotoband nahm ich das erstere mit. Seit langem habe ich es bereits im Regal stehen, nicht für mich selbst, sondern als Ansichtsexemplar für die Teilnehmer meiner Kurse, die dieses Buch ganz gut gebrauchen können. So werde ich das aufgesammelte Buch wohl verschenken oder verlosen, damit es wieder in gute Hände kommt, zu jemandem der es gut gebrauchen kann. Ein Buch zu Illustrator CS2 braucht dagegen heute kein Mensch mehr, ist das Programm doch heute in einer um 5 größeren Versionsnummer aktuell – womit einmal mehr deutlich wird, wie kurzlebig Computerbücher sind.  
 

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Schöne Beschreibung, über Dinge die „ausgesetzt“ werden und schön, dass die Bücher wieder gelesen werden können. Es sollten viel öfters Bücher, die nur einmal gelesen werden und dann im Regal aufbewahrt werden in den „Umlauf“ kommen.

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