Gesellschaft

Knipser

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Knips an

Hätten Sie sich einen Lichtschalter unter dem Begriff »Knipser« vorgestellt, ohne das Bild gesehen zu haben? Vermutlich nicht. Wie meine Google-Recherche ergab, und was mich schon etwas erstaunt. Tante H., eine entfernt Verwandte, hatte in ihrer Wohnung diese schwarzen Lichtschalter, Kippschalter aus →Bakelit. »Knipser« sagte sie immer dazu, ebenso wie »Licht anknipsen« und »Licht ausknipsen«. Dieses Anknipsen und Ausknipsen verwendeten in meiner Kindheit übrigens viele ältere Menschen. Nur bei Tante H. fiel es mir besonders auf, sagte sie es doch auch, wenn sie bei uns zu Besuch war. Wir hatten nämlich damals schon moderne Schalter, keine Kippschalter mehr, sondern →Wippschalter, bei denen gar nichts knipste.

Die Google-Recherche nach →Knipser oder →Knippser liefert hauptsächlich Bilder von Accessoires zum Nägelschneiden, vom gleichnamigen Weingut, von ein paar Zangen zum (Fahr-)Kartenknipsen und von Fotoartikeln. Ok, ein Fotograf ist ja auch ein Knipser. Von Lichtschaltern jedoch keine Spur. Dabei ist die Bezeichnung Knipser für den schwarzen Kippschalter doch sehr treffend. Schaltet man, macht es wirklich knips. Also ein Knipser.

Der abgebildete schwarze Bakelit-Knipser leistet in unserer Wohnung seit Jahrzehnten klaglos seinen Dienst. Knips an, knips aus. Als ich vor acht Jahren einzog, gab es hier nur wenig geschmackvolle Schalter und Steckdosen aus Ost-Produktion, dazu zumeist austauschbedürftig. Der Knipser war der älteste und einzige seiner Art und im übrigen der einzige schwarze Schalter. Die anderen tauschte ich schnell gegen unauffällige, moderne aus. Den Knipser ließ ich jedoch weiter knipsen, passt das schwarze Modell doch ganz gut in eine Altbauwohnung. Er ist genauso wie der →Sicherheitsschlüssel, über den ich vor ein paar Tagen schrieb, ein kleines Stück Denkmalpflege. Wobei ich von Denkmalschutz ja sonst nicht so viel halte, und diese Art, Dinge zu erhalten, unterstütze ich nur, wenn es gerade passt. Beim Schlüssel und beim Knipser passt es.

Wer ebenfalls eine Altbauwohnung oder ein Haus besitzt und sich in Knipser und allerlei anachronistischen Schnickschnack verguckt hat, kann neue alte Knipser bei →Manufaktum oder bei →Replicata bestellen und findet auch →hier weitere Informationen. Immerhin hat der schwarze Bakelit-Knipser auf die Titelseite des →Manufaktum-Schalterkataloges gebracht. Muss also was dran sein, am Knipser mit seinem Schaltgeräusch.

Knips aus.

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. Ich persönlich bin ja ein noch größerer Fan der Drehschalter (gibt’s aber auch in der gleichen Serie).

  2. Zum Drehen hatte ich Mitte der 80er Jahre in der Hannoverschen Wohnung noch braune Bakelit-Lichtschalter in Aufputzausführung. Dazu textilisolierte Kabel in Vorkriegsqualität mit bröselnder Isolierung im Bergmannrohr ( http://de.wikipedia.org/wiki/Bergmannrohr). Das über die Jahrzehnte immer wieder übergestrichene und übertapezierte Bergmannrohr hatte so übrigens fast die Konsistenz, als hätte man es eingeputzt. Was mir an den Schaltern nicht gefiel, war, dass man sie nicht mit dem Ellenbogen schalten konnte.

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