Gesellschaft

»Febblett«

Phablet, das iPhone6 plus.

»Febblett« heißt also das Wort, unter dem wir uns vor zwei Jahren noch nichts vorstellen konnten. Ich habe im April diesen Jahres wahrgenommen, dass dieses Wort nicht eine Erfindung irgendeines Smartphone-Herstellers ist, sondern dass ich es als Gattungsbegriff in das Repertoire meines aktiven Wortschatzes übernehmen muss.

Wie alle seit gestern, seit der Vorstellung des iPhone6 plus, wissen, ist ein Phablet ein »Zwischending« zwischen einem PHone und einem tABLET. Also größer als ein Smartphone und kleiner als ein Tablet. Freilich, es hat sich gezeigt, das iPhone ist etwas zu klein, um es als vollwertigen Reader für eBooks, Social-Media- und textbasierte Apps zu nutzen, um länger damit zu surfen und erst recht, um damit Spiele zu spielen oder es als Mini-TV zu verwenden. Samsung hat’s vorgemacht und überall sieht man die großen Samsung Galaxy, deutlicher größer als das Apple-Schlauphone.

Nun, ich bin bekennender Apple-Nutzer und werde das auch bleiben. Trotzdem besitze ich schon ein Phablet, ein Samsung Galaxy Note 3. Im Frühjahr habe ich einen Ausflug in die Android-Welt gemacht und das Galaxy Note 3 gekauft, da ich einige App-Projekte in der Pipeline habe und ein Android-Gerät zum testen brauche. Mit den Android-Simulatoren geht das nur recht bescheiden, einen App-Test kann ich nicht mal eben so im befreundeten Smartphone-Store machen, das Gerät sollte zudem Telefon- und Ortungsfunktion haben (weil die geplanten Apps manchmal darauf zugreifen) und nicht nur als Testgerät nutzbar sein. Möglichst ein Samsung, um auszuschließen, dass die erstellte App oder Web-App zwar auf dem Huadingsbums Billig-Smartphone funktioniert, aber nicht auf einem Samsung Galaxy. Also habe ich im Frühjahr etwas mehr ausgegeben für ein Galaxy Note 3 und inzwischen ziemlich viel über die Android-Welt gelernt.

Abgesehen davon, dass beim Note 3 und auch beim normalen Galaxy vermutlich kein Produktgestalter beteiligt war, rockt diese Phablet-Größe schon. Das ist kein Lesen mehr »wie auf dem Telefon«, das ist Lesen wie im Notizbuch – sofern die Website oder Web-App das unterstützt; native Apps tun das ja in der Regel. Manchmal habe ich allerdings das Gefühl, dass die Darstellung einer responsiven Website auf dem Phablet eine zu gerige Informationsdichte hat. Eben, weil der Browser meist die Version für’s Smartphone zeigt, die Version für’s Tablet jedoch auch nicht passt und eigentlich eine Version für die Zwischengröße erforderlich ist. Die können die Frontend-Entwickler sicher erstellen, mit dem üblichen Aufwand allerdings.

Logisch, dass Apple mit dem iPhone6 plus auf den Zug der Phablets aufspringt. Wir hatten es als Kunden erwartet. Eigentlich eine sehr schöne Größe für ein Smartphone, macht es dieses doch wirklich smart. Ob ich sie Ihnen empfehle? Ich weiß ich nicht, es kommt darauf an. Die Einhand-Bedienung kriege ich mit meinen eher klein-feinen Händen mit dem Samsung Galaxy Note 3 nicht mehr richtig hin. Die Damen sollten also etwas länger testen, falls Einhandbedienung, d.h. mit einer Hand schnell Texte, Messages, Tweets, etc. zu schreiben, für sie wichtig ist. Schreibt oder surft man zweihändig, liegt das Phablet wohlmöglich nicht über einen längeren Zeitraum ermüdungsfrei in der Hand.

Andererseits kann man das iPhone 6 plus mit jeder Apple-Bluetooth-Tastatur verbinden und hat dann – im Gegensatz zu jedem anderen iPhone, mit dem das genauso funktioniert – ein akzeptabel großes Display, um schnell Texte, Emails und Nachrichten zu schreiben.

schammer ma, wie das Gerät »so in der Hand liegt« …

…und ob ich in einem Jahr ein »6er« oder ein »6plusser« bestelle. Denn in exakt einem Jahr läuft mein jetziger Mobilfunk-Vertrag aus.

Gesellschaft

Gratis, zum Mitnehmen

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Freiexemplare, damit die Auflage hochgehalten wird. Das letzte Aufgebot der Tageszeitungen.

Wohl kaum ein Produkt wird mit zunehmender Verbreitung von Tablet-PCs, eReadern und mobile computing so entbehrlich wie die Tageszeitung aus Papier. Aktualität und Printmedium, das passte noch nie zusammen. Nur gab es früher keine andere Möglichkeit, Nachrichten zu publizieren, auf die jederzeit und überall wahlfrei zugegriffen werden konnte. Das funktioniert mit dem schon immer aktuelleren Radio und TV nicht. Dort können Informationen nicht jederzeit, überall und mit individueller Konsumgeschwindigkeit konsumiert werden, sondern man ist vom Programmplan abhängig und muss eine Sendung in vorgegebener Geschwindigkeit konsumieren. Einen Text kann man dagegen schneller oder langsamer oder auch nur in Teilen lesen.

Das Internet bot die Möglichkeit, einfach und vor allem rasendschnell Nachrichten zu verbreiten und zeitlich wahlfrei zu konsumieren, schon von Anfang an. Jedoch waren weder stationäre PCs noch Notebooks mit ihren zum Teil heute noch grob aufgelösten Bildschirmen und vergleichsweise geringen Akku-Laufzeiten echte Alternativen zum Lesen längerer Texte. Trotz höchster Aktualität konnten Internetangebote nicht an das Printmedium Tageszeitung heranreichen. Dazu wurde das Internet durch die Zeitungsverlage anfangs arrogant vernachlässigt, bot sich hier kein richtiges Business-Modell zum Verkauf readaktionell aufbereiteter Informationspakete.

In sehr kurzer Zeit wurden sie dann vom Technologiesprung überrollt, die Verlage mit ihren Tageszeitungen. Das iPhone, kurze Zeit später das iPad, Google mit Android und Amazon mit dem Kindle machten mobile computing salonfähig und massentauglich. Eine lesefreundliche Technologie mit Retina-Display oder hochauflösender LCD-Technik, für längere Texte geeignet. Einfach, schnell und kostengünstig, mit den Business-Modellen der Apple-, Google-, Amazon-Stores, mit einstellbarer Schriftgröße, Suchfunktion, Hintergrundbeleuchtung und knackigen Fotostrecken.

Es ist also nicht verwunderlich, dass viele traditionelle Papier-Zeitungen krebsen, mit ihrem sperrig-großen Papierformat, matten Fotos und der Aktualität von gestern. Dass ein Technologiewechsel hin zum digitalen Medium sinnvoll und notwendig ist, steht außer Frage. Nur, wann und wie, und wer, d.h. welche Zeitung bzw. welcher Verlag schafft ihn? Im Sommer trennte sich Springer von einigen Print-Zeitungen, um andernorts auf neue Technologien zu setzen. Folgerichtig. Amazon-Gründer Bezos kauft eine Print-Tageszeitung. Vermutlich, um deren redaktionelles und journalistisches Knowhow in digitale Informationsangebote zu überführen, für deren Vertrieb er mit der amazon-Infrastruktur bestens gerüstet ist. Ebenso folgerichtig.

Bis es sie denn wirklich gibt, die redaktionell zusammengestellten tages- oder stundenaktuellen digitalen Informationspakete – in welchem Format auch immer, mit Sicherheit jedoch per Reader oder Tablet lesbar – werden noch einige Zeitungen und Verlage kämpfen müssen, manche technologisch und konzeptionell vorwärtsgerichtet, andere rückwärtsgerichtet.

Rückwärtsgerichtet scheint im Moment der Trend zu sein, durch großzügiges Verteilen von Freiexemplaren die Auflage schön hoch zu halten. Freilich nicht die Verkaufsauflage, aber immerhin die verbreitete Auflage. So gibt es ab und zu die Berliner Morgenpost gratis im Briefkasten und zum Beispiel werden in Schulen auch gut und gerne Freiexemplare verteilt. Auf vielen Berliner Messen ebenso und in Lounge und Flugzeug sowieso. Nie sind mir so oft und so viele Gratisexemplare von Zeitungen zugeflogen wie im letzen Jahr. Tageszeitungen allen voran. Heute habe ich gleich zwei verschiedene Freiexemplare bekommen.

Gut, man kann sich Relevanz und Akzeptanz selbstreferentiell schönreden, indem man Produkte großflächig verschenkt. Geschenkt findet auch ein anachronistisches Produkt noch gute Resonanz. Das klappt mit einer Tageszeitung ganz gut, wie es die Financial Times (FTD) vorgemacht hat und wie es viele Tageszeitungen nachmachen. Nun, was aus der FTD geworden ist, ist bekannt. Freiexemplare: falscher Ansatz.

Ach ja: eines funktioniert nicht mit Tablet-PCs und mobile computing. Man kann keinen Fisch darin einwickeln. Aber mal ehrlich, möchten Sie wirklich Fisch in Druckerschwärze eingewickelt? Ich nicht.