Gesellschaft

Zeitschleife

zeitschleife

Zeit ist ja so etwas Abstraktes wie elektrischer Strom und nicht sichtbar. Sehr wohl erkennbar sind dagegen die Auswirkungen. Freilich hofft man, dass diese eher wohlwollender Natur sind, dass eben die Zeit für einen arbeitet. Manchmal möchte man die Zeit auch anhalten. Nicht statisch anhalten, aber so, wie in einer Zeitschleife, die sich immer wiederholt und nach dem einem Ablauf zum Startzeitpunkt zurückspringt, um nun wieder und wieder abzulaufen. So ein ganz bißchen wie Zeitschleife war das letzte Wochenende. Wir heißen es uns gutgehen. Mit Blick auf das Riesengebirge, Champagner und im edlen Ambiente. Warum? Es gab etwas zu feiern, so wie jedes Jahr um diese Zeit.

Reisen

Nach Diktat verreist

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Der Januar war so etwas wie ein Stress-Monat. Das liegt auch daran, dass wir Weihnachten energiemäßig über unsere Verhältnisse gelebt haben – und ich im speziellen meine Korrektivfunktion als Bremser nicht genug wahrgenommen habe. Rund um Weihnachten zu viel gearbeitet, Wohnung und Weihnachtsbaum, Family, Essen. Alles super entspannt und alle super zufrieden. Nur die Entspannung kommt nicht bei einem selbst an. Miz Kitty nach den Weihnachtstagen erst mal eine Woche krank und ich auf dem Zahnfleisch kriechend. Dann ohne Pause weitergearbeitet und dann gab’s ja auch noch Tschingelingeling, der 31.

So hatten wir uns fest vorgenommen, nach diesem doch stressigen Jahreswechsel jetzt unbedingt ein paar Tage auszuspannen und Urlaub zu machen. Vier Stunden Flug nach Fuerteventura – hin und zurück sind das dann acht Stunden – waren uns zu lang. Dazu brauchen wir eine Unterkunft, wo wir uns dann tatsächlich erholen können, möglichst ohne Urlaubsschwarm oder Pauschaltouristen. Also fahren wir dort hin, wo wir schon öfter waren und →wo wir uns ganz gut erholen können. Vielleicht wieder für ein paar Tage in eine neue Zeitschleife eintauchen. Also Richtung Hirschberg, Niederschlesien, Polen.

Das erste blogfähige Urlaubserlebnis hatten wir gestern gleich auf der Hinfahrt. Einmal im Schlamm stecken bleiben mit dem 25 Jahre alten, aber sehr robusten Automobil aus Sindelfinger Produktion. Ok, wenn man Sonnabends um fünf nichts besseres zu tun hat, als über sumpfige, polnische Feldwege zum Urlaubsdomizil zu fahren… Miz Kitty ließ ihren Charme spielen und fand mit ihren Russisch-Kenntnissen in der Nachbarschaft schnell jemand, der uns mit einem Mitsubishi Pajero wieder aus dem Schlamm rauszog. Eine Stunde Verzögerung und Schuhe, wie zu Zeiten, als Bundeswehr und NVA noch Wehrübungen im Schlamm abhielten, denn wir hatten ja zuerst versucht, das Auto selbst los zu bekommen. Die Schuhe sind inzwischen wieder sauber und brauchen nur noch etwas Schuhcreme und eine kräftige Bürste.

Ansonsten in der Mini-Zeitschleife angekommen. Wechsel zwischen der Badewanne mitten im Zimmer, Pool, Bibliothek, Restaurant. Lassen Sie es sich auch gut gehen. Kaufen Sie weniger Autos und trinken Sie mehr Champagner.

Reisen

Grenzbauden

in alten Ansichten

In alten Zeiten war der Riesengebirgskamm die Grenze zwischen der k.u.k-Monarchie und dem Deutschen Reich, mit Schmuggel, Grenzhäusern und allem, was eine landschaftlich schöne, aber in Teilen schwer begehbare Grenze so mit sich brachte. Wer etwas mehr darüber wissen möchte, kann in der →Chronik des Grenzortes Klein Aupa (Mala Upa) lesen.

Aus dieser Zeit der Schwarzweißfotografie habe ich einige Fotos bzw. Postkarten von Grenzbauden gefunden. Wie es dort heute aussieht, beschrieb ich vor einigen Wochen aus der Zeitschleife »Miz Kitty reist mit dem Grafen 2013«. Und, es sieht im Böhmischen noch genauso – schön – aus auf den alten Postkarten in schwarz-weiß-Optik.

Den Begriff →Baude habe ich erst im Erwachsenenalter kenngelernt, kannte jedoch vorher schon das gebräuchliche Wort »Bude«. Nun, »Baude« kommt aus dem Tschechischen und wird hauptsächlich im slawisch beeinflussten ostdeutschen Sprachraum für eine Berghütte, meist mit einer Restauration, verwendet.

Die →Curry-Baude im Eingangsbereich des Berliner U-Bahnhofs Gesundbrunnen hat mit all dem nichts zu tun. Wahrscheinlich heißt hier der Besitzer einfach Baude, ebenso wie bei →Baude Kabeltechnik im hannoverschen Sarstedt.

Reisen

Nachlese zum Schlösser-Hopping

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Miz Kitty reist mit dem Grafen 2013

Schlösser-Hopping. Von Schloss zu Schloss reisen und immer ein paar Nächte in einem anderen Palast schlafen. Diese Art, Urlaub zu machen, kannte ich vor drei Jahren noch nicht, hätte freilich jedoch schon eine Vorstellung davon gehabt, wie interessant das sein kann. Keiner meiner Bekannten reist in dieser Form, weswegen es mir manchmal so vorkommt, dass Miz Kitty und ich zu den Early Adoptern gehören, die so ihren Urlaub verbringen.

Die Idee des Schlösser-Hopping geht auf unseren ersten gemeinsamen Urlaub vor zwei Jahren zurück. Wir erkundeten Dänemark und logierten in sehr erholsamen Pensionen und Hotels. Durch Zufall stießen wir auf ein Schloss mit einem Hotelbetrieb. Im Vorbeifahren beschlossen wir, es einmal zu besichtigen, hielten an und stellten fest: Hier kann man auch gräflich logieren. Am Folgetag haben wir uns dann nicht in diesem Schloss einquartiert, sondern in einem →anderen mit einem dezent gräflichem Ambiente und einem lauschig-romantischen Picknick im Park bei in der Nacht sich näherndem Wild-Getier.

Letztes Jahr hatten wir Polen als Urlaubsziel ausgeguckt. Rhetorisch fragte ich Miz Kitty vorher, ob sie lieber an die Ostsee möchte oder mir mal die Orte ihrer Großmutter in der Oberlausitz zeigen möchte. Dann könnten wir nämlich im Gründerzeithaus der mir schon lange bekannten Pensionswirtin in Görlitz Station machen, dort zwei Tage verweilen und die Oberlausitz, Oppach und das Zittauer Gebirge erkunden – und dann weiter nach Polen, nach Stonsdorf (Staniszow) fahren, zu dem Schloss, von dem mir die Pensionswirtin vor Jahren so schwärmerisch erzählte, und in dem man auch übernachten kann.

In Stonsdorf begannen wir im letzten Jahr also mit unserem Schlösser-Hopping. Hier gibt es gleich zwei Schlösser, ein →großes und ein →kleines. Und dazu in unmittelbarer Nähe noch eine ganze Reihe anderer Schlösser und Paläste, die heute Schloss-Hotels sind. Nicht umsonst heißt diese Gegend auch →Schlesisches Elysium. So entdeckten wir schnell →Wernersdorf, wohin wir in diesem Sommer noch mal zurückgekehrt sind, in dieses Ambiente aus historischer Hülle und angenehmer Modernität, in dem wir ums ganz gut erholen können. Die Berichte aus der Zeitschleife von Miz Kitty und mir haben Sie bestimmt gelesen.

Reisen

Palastbesichtigung: Arnsdorf, Lomnitz, Schildau

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Oben: Palac Lomnica, unten: Palac Wojanow

Miz Kitty reist mit dem Grafen – Tag 14

Wir verlassen Wernersdorf mittags und ziehen noch etwas über die Dörfer. Wernersdorf ist ja ein kleines nobles Refugium. Innen modern und hell, zurückhaltend und stilvoll, dazu gepaart mit sorgsam aufbereitetem historischen Ambiente. Weit entfernt vom sonst üblichen »Retorten-Barock« vieler polnischer Schlösser und Herrenhäuser. Eigentlich so richtig zum Entspannen, etwas arbeiten oder ein Buch zu schreiben auf der Terasse dort mit dem Blick auf das Riesengebirge. Aber eben nur eigentlich, leider nicht immer. Miz Kitty fokussiert die →Grundproblematik. Unter anderem aus diesem Grund wollten wir uns noch ein paar andere Schloss-Hotels anschauen, in denen wir bisher noch nicht gewesen sind.

SCHLOSS ARNSDORF

Unsere Palast-Erkundung beginnt im nahen Arnsdorf (Milkow). – Sie wissen schon, der merkwürdige und vergammelte Ort mit der Kirchenruine, der alle Klischees bestätigt. Dort gibt es auch ein Schloss. Eine letzte Chance geben wir dem Ort, vielleicht ist er ja doch ganz passabel. Schloss Arnsdorf heißt heute Palac Spiz, nach den neuen polnischen Eigentümern benannt. Es ist nicht nur ein Hotel, sondern hier ist auch eine kleine Brauerei situiert, wie ein großer Braukessel vor einem Nebengebäude verrät. Nun, das Bier hätte ich gern gekostet, aber in Polen gibt es die Null-Promille-Regel für Automobilisten. Während wir ankommen, proben gerade mehrere Jugendmusikorchester parallel an verteilten Orten. Der Bau an sich besteht innen aus nicht mehr so ganz neu und gepflegt erscheinender Barock-Retorte. Warum die Rezeptionistin uns, einem Paar, das sich ein Zimmer anschauen möchte, den Schlüssel für ein unaufgeräumtes Dreibettzimmer mit Einzelbetten gibt, in denen wohl gerade noch die Jungmusiker noch geschlafen haben, weiß ich freilich nicht. Irgendwie bestätigt Schloss Arnsdorf unser Vorurteil von diesem Ort. Wer weiß, vielleicht wohnen in diesen Mauern und im ganzen Ort noch die Geister der Allchimisten und Kräutersammler. Eine gewisse Gräfin Lodron hat hier mal nach Elixieren geforscht und dabei auch nach einem Potenzmittel für den Herrn Casanova gesucht. Very spooky. Nun, der Palac Spic wird nicht unser neues Domizil, wenn wir wieder im Riesengebirge sind. Einige Fotos habe ich gemacht, hier.

SCHLOSS LOMNITZ

Die nächste Station ist Schloss Lomnitz, deutlich näher an Hirschberg (Jelenia Gora) und wesentlich weiter vom Riesengebirge entfernt. Hier wollten wir eigentlich letztes Jahr Station machen, es war damals jedoch alles ausgebucht. Schloss Lomnitz wollte ich mir unbedingt einmal anschauen. Auch, weil es ähnlich wie Wernerdorf von seinen den deutschen Eigentümern zurückgekauft wurde, als Hotel betrieben wird und ich viel über dieses Schloss und die Eigentümerfamile von Küster gehört hatte. Angekommen in Lomnitz, besichtigen wir zunächst das schön hergerichtete Schloss. Natürlich nicht, ohne zu fotografieren. Einige Fotos sehen Sie hier.

Das Hotel befindet sich im sogenannten kleinen Schloss, dem ehemalige Witwenhaus, einem repräsentativen klassizistischen Nebengebäude. Innen recht stilvoll mit alten Möbeln eingerichtet – kein Retorten-Barock. Das Zimmer, das uns gezeigt wird, ist jedoch ziemlich klein, das Bad nur mit einer Dusche. Im Garten gibt es ein Eis und Kaffee für uns. Man sitzt dort entspannt und angenehm. Freilich, bei der Bekanntheit von Schloss und Familie trifft man hier die Schlesien-Reisende, Ex-Studienräte und dazu auch ostdeutsche Rentner aus dem Ausflugsbus. Lomnitz ist ja gerade mal 80 km von der deutschen Ostgrenze entfernt. Ehrlich gesagt, für den Preis (100€) finde ich die Zimmer etwas klein und das Fehlen der Badewanne unkommod.

Bevor wir zum nächsten Palast weiterziehen, steht noch der Besuch des Gutshofes neben dem Schloss an. Dort gibt es ein Restaurant, einen Leinen-Verkauf sowie einen Schnickschnack- und Bücherverkauf. Miz Kitty kaufte etwas Leinen. Kein Schnäppchen, jedoch in der Qualität in Berlin momentan nicht zu bekommen. Für den Kauf gibt es zwei Kaffeegutscheine im Restaurant, die wir dann auch prompt einlösen und uns in der Kassenschlange zwischen einer Busladung ostdeutscher Rentner wiederfinden – in einer unangenehmen, auf rustikal getrimmten Kantinenatmosphäre. Nicht meins. Nun, hier sind die Preise andere als im kleinen Schloss, zielgruppenorientiert eben.

SCHLOSS SCHILDAU

Einmal über eine Brücke fahren, und schon wartet das Renaissance-Schloss Schildau auf uns, der Palac Wojanow. Hotelzimmer gibt es hier sowohl in den Nebengebäuden als auch im Schloss selbst. Man zeigt uns ein Turmzimmer im Schloss. Verweilen lässt es sich hier gut, mit Sicherheit. Leider auch hier nur eine Einbaudusche, aber egal, in diesem repräsentativen Turmzimmer. Störend ist jedoch dieser Retorten-Barock. Warum trimmt man ein Schloss, das – 2002, nachdem es nach erster Restaurierung abbrannte – komplett neu aufgebaut wurde, so auf Teufel komm raus auf alt, mit dem Ergebnis dunkler, schwer anmutender Räume und Treppenhäuser, in denen man sich nicht entspannt und leicht bewegen kann? Nicht wirklich zum Wohlfühlen. Der vollständige Neuaufbau wirkt zudem auch außen sehr artifiziell, so ganz ohne auch nur den Hauch einer natürlichen Patina. Von weitem wirkt das Schloss wie eine Miniatur in einer Modelleisenbahnanlage. Zweifelsohne, der Landschaftspark ist sehr schön und würde sehr zu meiner Entspannung und Kreativität beitragen. Unser Refugium für die nächste Riesengebirgsreise wird Schloss Schildau wohl nicht. Zuviel Retorte. Vier Fotos habe ich für Sie.

19 Uhr durch ist es nach Erkundung dieser drei Schlösser und unserem Nachmittags-Eis in Lomnitz. Über die niederschlesischen Straßen geht es bei Sonnenuntergang Richtung Autobahn, um dann langsam nach Berlin zu gleiten.

Reisen

Agnetendorfscher Flachköpperdamm

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Miz Kitty reist mit dem Grafen – Tag 13 #2

Geplant hatten wir ja noch eine Wanderung zur Elbquelle. Leider war es dazu zu heiß und Miz Kitty hatte die Idee, bei Agnetendorf Blümchen und Bächlein zu zählen und dazu noch einmal das Gerhart-Hauptmann-Haus zu besichtigen. Dieses Mal wäre es ja offen, denn im letzten Jahr waren wir Montag da – und montags sind bekanntermaßen international alle Museen geschlossen. Also nach Agnetendorf (Jagniątków), die etwas längere Strecke über Michalowice (Kiesewald). Das Gerhard-Hauptmann-Haus war wieder geschlossen. Natürlich, gestern war Sonntag, und heute ist Montag. In der Zeitschleife braucht man die Tage nicht zu zählen…

Zum Wandern kamen wir dann nicht mehr richtig, waren wir durch ein kleines romantisches Bächlein abgelenkt und die Sonne war einfach zu kräftig für eine längere Wanderung. Der Wasserlauf schlängelte sich um einen großen Stein herum, perfekt zum Draufsetzen und die Füße im Wasser abzukühlen. Abwechselnd saßen wir also auf diesem großen Stein, kühlten uns ab und tranken von diesem herrlich klaren kalten Gebirgsquellwasser. Miz Kitty konnte es dann nicht lassen, mit zusammengesuchten Steinen eine kleine Staustufe in das Gebirgsbächlein einzubauen. Typ Agnetendorfscher Miz-Kitty-Flachköpperdamm. Ein paar Bilder von unserem Ausflug sehen sie ►hier.