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Pałac Śródka: Palast-Hopping 2014, zweite Station

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Die zweite Station unseres Palast-Hoppings führte uns zum Pałac Śródka. Der Ort Śródka ist das ehemalige Schrodke oder Szrodke, Kreis Birnbaum, Provinz Posen. Wir sind also immer noch in der Umgebung von Posnan (Posen) unterwegs, jedoch vom Pałacyk Kosińskich, unserer ersten Etappe, gute 100 Kilometer entfernt.

Vor der Fahrt nach Śródka war noch ein kurzer Zwischenstop am Geldautomat angesagt, denn der Pałacyk Kosińskich ist zwar digital bei Facebook angekommen, jedoch ist dort keine Kreditkartenzahlung möglich. Kein Problem, wir fahren zum »Bancomat« in den nächsten Ort, nach Środa Wielkopolska und ich hole Zloty-Scheine. Bitte, Środa nicht mit Śródka verwechseln. Hier gibt es die Atmosphäre einer polnischen Kleinstadt am Samstagnachmittag, mit einem Markt, wo es zahlreiche Dinge für wenig Geld gibt, die wir allesamt nicht brauchen, z.B. Deo und Duschgel im Mehrfachpack und Kleidungsstücke zum Budget-Preis.

Miz Kitty gab den Impuls, im Pałac Śródka zu übernachten. Einmal wollte sie im Himmelbett schlafen. Das war eine gute Idee, denn dieses Bett ist nicht nur von seinen Abmessungen her gigantisch. Fürstlich liegt man dort. Der Pałac, das ehemalige Gut Szrodke – früher schrieb man oft Rittergut, auch wenn vielleicht keine Ritter zugegen waren – hat seinen Ursprung im Mittelalter und geriet 1763 in das Eigentum der Adels-Familie Seydlitz-Kurzbach, die es bis 1945 besaß. Im Internet findet man zum Ort »Schrodke« oder »Szrodke« den Rittergutsbesitzer Gustav von Seidlitz im »Handbuch für Posen«, Ausgabe 1908. Ebenso findet sich im Netz ein Karl Konstantin von Seydlitz-Kurzbach auf Schrodke. Nach Vernachlässigung in sozialistischer Phase ist der Palast seit 14 Jahren in privatem Eigentum und wurde restauriert. Das Gebäude an sich besteht aus ziemlich vielen historisierenden Elementen, zum Beispiel diesen für mich grob und unpassend anmutenden Zinnen. Gut, so etwas ist eine Frage des Geschmacks, das muss man mögen. Ich hätte es schon vor 200 Jahren nicht gemocht. Wäre der Palast weiß, würde es vielleicht ganz passabel aussehen. Im Innenbereich ist freilich alles Retorte. Man versucht, einen alten Stil zu imitieren, was nicht überall gelingt.

Wir sind hier mit wenigen anderen Gästen, die praktisch gar nicht in Erscheinung treten. Die Suite ist schön, das Himmelbett beflügelt und der Badewannen-Whirlpool ist angenehm, zumindest nachdem auf insistierende Nachfrage die Heizung im Keller repariert wurde. – Nun, vielleicht wurde sie auch nur erst richtig eingeschaltet. Mit nacktbusigen Szenen, vermutlich vom Zirkel der malenden Arbeiter oder ähnlich qualifizierter Maler gefertigt, mit einem auf eine indirekt beleuchtete Deckenwölbung gemalten blauen Himmel und mit jeder Menge Marmor, Glasbausteinen und der Whirlpool-Badewanne wirkt das Badezimmer etwas wie die Kombination von Gewollt-Toskana und Raumschiff-Enterprise. Nun, wenn er denn funktioniert, der Whirlpool. – Tut er eben nicht richtig, da beim zweiten Mal wieder nur lauwarm.

Der Hotel- und Restaurant-Betrieb ist hier nicht richtig in Fahrt. Es gibt einen netten jungen Mann, Typ Hipsterversion von Harry Potter. Er spricht britisches Englisch, ist sehr zuvorkommend und hier wohl der Junge für alles. Jedenfalls ist er nicht nur Rezeptionist, sondern servierte uns auch auf der Terrasse das Abendessen.

Bei unserer Ankunft fragte er, ob wir im abends im Restaurant essen wollten. Ja, gerne, nur waren wir wohl die einzigen, für die der Koch warten musste. Das Essen brachte Harry Potter dann mit Verzögerung nacheinander, obwohl wir beide das gleiche bestellt hatten. Als Miz Kitty ihn nach einem Dessert fragte, ja, gibt es nicht mehr, der Koch sei gegangen. Es war gerade viertel nach neun.

Wir saßen also allein auf der Terrasse hinter dem Palast bei wunderschönem Licht und Mondschein. Küche und Restaurantbetrieb – sofern es den denn wirklich gibt und er nicht nur aus Harry Potter und einer weiteren, temporären Kraft besteht – hatten längst geschlossen. Gut, dann geh‘ ich eben hoch und hole aus der Minibar Getränke. Diese ist leer und nicht am Stromnetz. Schon merkwürdig, jedoch kein wirkliches Problem. Bier und Wasser hatten wir zufällig auf dem Hinweg im Supermarkt gekauft.

Da außer uns niemand in Sicht-, Hör- und Reichweite war, tanzten wir Wiener Walzer und Tango bei Mondlicht auf der Terrasse, wofür iPhone und Youtube die passenden Musikstücke lieferten. Walzer bis zum Schwindeligwerden.

Jetzt, am frühen Nachmittag: Terrasse (freilich, ohne dass jemand nervt, ob er etwas bringen soll. Nein, hier möchte keiner Umsatz machen. Vielleicht gibt es noch ’ne Tüte Chips in meinem Kofferraum).

Gleich: Zum See fahren, schwimmen.

Danach: Terrasse, Abendessen, Himmelbett.

Ach ja, auch dieser Palast hat eine eigene Facebook-Seite und dem Hipster-Harry-Potter kann man wirklich nicht böse sein für all die kleinen Unzulänglichkeiten des Hauses. Er ist ein sehr netter Mensch, ist sehr bemüht und hat durchaus Gastgeber-Qualitäten, wenn er auch wahrscheinlich nicht aus dieser Branche kommt. Student managt im Sommer ein Hotel mit historischem Ambiente – so wirkt es hier, und vermutlich ist es so.

Und sonst: Da steht ein Pferd auf dem Flur. Nein, kein Pferd, es sind zwei Esel, und sie stehen nicht auf dem Flur, sondern laufen auf dem Weg rund um dem Palast vergnüglich rum und sind ganz zutraulich. Gelegentlich trotten auch zwei Schafe umher. Es scheint so, als wäre dieser Mini-Zoo ein Hobby der Eigentümer.

Entspannen und das Leben genießen können wir hier gut, auch wenn manches unperfekt und ziemlich skurril ist. Freilich, in der Gewissheit, nach zwei Tagen weiter zu ziehen.

Miz Kitty hat auch über unseren Aufenthalt im Palac Srodka geschrieben. Hier, in ihrem Blog.

Fotos

Einige Fotos habe ich gemacht und eine kleine Fotostrecke zusammengestellt:

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Lithographie von Alexander Duncker (siehe hier)

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Auf der Terrasse im Mondschein Wiener Walzer tanzen. So muss das sein.

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Pałacyk Kosińskich: Palast-Hopping 2014, erste Station

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Den Pałacyk Kosińskich w Połażejewie fand ich im Internet und er erschien mir ein recht schönes Haus zu sein. Also starten Miz Kitty und ich das Palast-Hopping hier. Das Übernachten und Wohnen in alten Herrenhäusern und Schlössern ist ja immer so ein kleines Va-banque-Spiel. Freilich, richtig verlieren kann man dabei nicht, nur wenn es nicht so ist, wie man es gerne hätte, z.B. weil das WiFi nicht funktioniert oder weil gerade eine Hochzeit gefeiert wird und Remmidemmi im Palast ist, dann kann sich auch eine noble Herberge als Fehlgriff herausstellen.

Nun, der Pałacyk Kosińskich war eine sehr gute Wahl und hat uns nicht enttäuscht. Neben einer Familie aus Franken, die auf der Durchreise Richtung Masuren hier Station machte, waren Miz Kitty und ich allein im Haus. Da wir das Deluxe-Zimmer gebucht hatten, logierten wir mit Zugang zum großen Balkon über dem Eingangsportal. Hier ließen wir es uns einen Tag gut gehen. Der Pałacyk hat kein eigenes Restaurant, weswegen wir direkt gefragt wurden, ob wir speisen möchten. Am ersten Abend wurde uns schön zubereiteter Fisch serviert und gestern Abend wurde im Garten gegrillt. Fein. Über einer Feuerstelle konnten die Bratwüste auf lange Stöcke aufgesteckt gegrillt werden oder auf den daneben stehenden Gartengrill gelegt werden. Insgesamt waren die Gastgeber recht bemüht und alles perfekt, zu einem guten Preis. Auf dem großen Balkon Texte schreiben, lesen, dösen, dazu zwischenzeitlich in die Badewanne, dann wieder Sonnenliege, das war für uns Entspannung pur. Eigentlich wollten wir zum See fahren, um zu schwimmen. Verschoben. Das können wir jeden Tag noch machen. Irgendwo, wo es nicht so kommod ist. So wurden dann unsere Texte über das Elbschwimmen für das neue Gemeinschafts-Schwimmblog Freistilstaffel schnell fertig.

Zur Geschichte des Hauses konnten wir bisher relativ wenig herausfinden. Im Netz findet man einiges, auch bei Wikipedia, jedoch nur in polnischer Sprache. Klar ist wohl, dass das Haus 1864 von einem Witold Kosiński erbaut wurde und später einem Kazimierz Boening gehörte. Letzterer wurde im Widerstand gegen die Deutschen 1939 von der Gestapo erschossen. Wie so viele – fast alle – Herrenhäuser im Polnischen brannte der Pałacyk Kosińskich wohl 1945 aus. Er sollte in den 80er Jahren wieder rekonstruiert werden, was dann jedoch erst in 2007 durch die neuen Eigentümer erfolgte. Einige Bilder von 2007 haben wir im Gästebuch gesehen. Der Pałacyk sah regelrecht ruinös aus, mit fehlenden Decken, etc. Hergerichtet wurde er von einem Unternehmer-Ehepaar aus Danzig und ist heute ganz geschmackvoll im alten Stil eingerichtet. Zwar Retorte und auf alt getrimmt, aber eben nicht störend, sondern angenehm.

Vor dem Pałacyk stand während unseres Aufenthaltes ein Oldtimer. Ich nehme an, er steht immer dort, da er auf Bildern oft zu sehen ist, so auch auf der Facebook-Seite der Eigentümerin. Ach ja, der Pałacyk Kosińskich hat eine eigene Facebook-Seite. Sie können dort liken.

Falls Sie Richtung Warschau, Baltikum oder Weißrussland unterwegs sind und in der Nähe von Posnan (Posen) einen Tag Pause machen möchten, dann ist der Pałacyk Kosińskich vielleicht ein guter Tipp. Nehmen Sie das etwas teurere Zimmer mit dem Balkon über dem Eingang, trinken sie Champagner und genießen das Leben.

Mehr und anderes über unseren Aufenthalt im Pałacyk Kosińskich lesen Sie im Blog von Miz Kitty.

Fotos

Eine kleine Fotostrecke habe ich Ihnen zusammengestellt:

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Reisen

Nachlese zum Schlösser-Hopping

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Miz Kitty reist mit dem Grafen 2013

Schlösser-Hopping. Von Schloss zu Schloss reisen und immer ein paar Nächte in einem anderen Palast schlafen. Diese Art, Urlaub zu machen, kannte ich vor drei Jahren noch nicht, hätte freilich jedoch schon eine Vorstellung davon gehabt, wie interessant das sein kann. Keiner meiner Bekannten reist in dieser Form, weswegen es mir manchmal so vorkommt, dass Miz Kitty und ich zu den Early Adoptern gehören, die so ihren Urlaub verbringen.

Die Idee des Schlösser-Hopping geht auf unseren ersten gemeinsamen Urlaub vor zwei Jahren zurück. Wir erkundeten Dänemark und logierten in sehr erholsamen Pensionen und Hotels. Durch Zufall stießen wir auf ein Schloss mit einem Hotelbetrieb. Im Vorbeifahren beschlossen wir, es einmal zu besichtigen, hielten an und stellten fest: Hier kann man auch gräflich logieren. Am Folgetag haben wir uns dann nicht in diesem Schloss einquartiert, sondern in einem →anderen mit einem dezent gräflichem Ambiente und einem lauschig-romantischen Picknick im Park bei in der Nacht sich näherndem Wild-Getier.

Letztes Jahr hatten wir Polen als Urlaubsziel ausgeguckt. Rhetorisch fragte ich Miz Kitty vorher, ob sie lieber an die Ostsee möchte oder mir mal die Orte ihrer Großmutter in der Oberlausitz zeigen möchte. Dann könnten wir nämlich im Gründerzeithaus der mir schon lange bekannten Pensionswirtin in Görlitz Station machen, dort zwei Tage verweilen und die Oberlausitz, Oppach und das Zittauer Gebirge erkunden – und dann weiter nach Polen, nach Stonsdorf (Staniszow) fahren, zu dem Schloss, von dem mir die Pensionswirtin vor Jahren so schwärmerisch erzählte, und in dem man auch übernachten kann.

In Stonsdorf begannen wir im letzten Jahr also mit unserem Schlösser-Hopping. Hier gibt es gleich zwei Schlösser, ein →großes und ein →kleines. Und dazu in unmittelbarer Nähe noch eine ganze Reihe anderer Schlösser und Paläste, die heute Schloss-Hotels sind. Nicht umsonst heißt diese Gegend auch →Schlesisches Elysium. So entdeckten wir schnell →Wernersdorf, wohin wir in diesem Sommer noch mal zurückgekehrt sind, in dieses Ambiente aus historischer Hülle und angenehmer Modernität, in dem wir ums ganz gut erholen können. Die Berichte aus der Zeitschleife von Miz Kitty und mir haben Sie bestimmt gelesen.

Reisen

Palastbesichtigung: Arnsdorf, Lomnitz, Schildau

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Oben: Palac Lomnica, unten: Palac Wojanow

Miz Kitty reist mit dem Grafen – Tag 14

Wir verlassen Wernersdorf mittags und ziehen noch etwas über die Dörfer. Wernersdorf ist ja ein kleines nobles Refugium. Innen modern und hell, zurückhaltend und stilvoll, dazu gepaart mit sorgsam aufbereitetem historischen Ambiente. Weit entfernt vom sonst üblichen »Retorten-Barock« vieler polnischer Schlösser und Herrenhäuser. Eigentlich so richtig zum Entspannen, etwas arbeiten oder ein Buch zu schreiben auf der Terasse dort mit dem Blick auf das Riesengebirge. Aber eben nur eigentlich, leider nicht immer. Miz Kitty fokussiert die →Grundproblematik. Unter anderem aus diesem Grund wollten wir uns noch ein paar andere Schloss-Hotels anschauen, in denen wir bisher noch nicht gewesen sind.

SCHLOSS ARNSDORF

Unsere Palast-Erkundung beginnt im nahen Arnsdorf (Milkow). – Sie wissen schon, der merkwürdige und vergammelte Ort mit der Kirchenruine, der alle Klischees bestätigt. Dort gibt es auch ein Schloss. Eine letzte Chance geben wir dem Ort, vielleicht ist er ja doch ganz passabel. Schloss Arnsdorf heißt heute Palac Spiz, nach den neuen polnischen Eigentümern benannt. Es ist nicht nur ein Hotel, sondern hier ist auch eine kleine Brauerei situiert, wie ein großer Braukessel vor einem Nebengebäude verrät. Nun, das Bier hätte ich gern gekostet, aber in Polen gibt es die Null-Promille-Regel für Automobilisten. Während wir ankommen, proben gerade mehrere Jugendmusikorchester parallel an verteilten Orten. Der Bau an sich besteht innen aus nicht mehr so ganz neu und gepflegt erscheinender Barock-Retorte. Warum die Rezeptionistin uns, einem Paar, das sich ein Zimmer anschauen möchte, den Schlüssel für ein unaufgeräumtes Dreibettzimmer mit Einzelbetten gibt, in denen wohl gerade noch die Jungmusiker noch geschlafen haben, weiß ich freilich nicht. Irgendwie bestätigt Schloss Arnsdorf unser Vorurteil von diesem Ort. Wer weiß, vielleicht wohnen in diesen Mauern und im ganzen Ort noch die Geister der Allchimisten und Kräutersammler. Eine gewisse Gräfin Lodron hat hier mal nach Elixieren geforscht und dabei auch nach einem Potenzmittel für den Herrn Casanova gesucht. Very spooky. Nun, der Palac Spic wird nicht unser neues Domizil, wenn wir wieder im Riesengebirge sind. Einige Fotos habe ich gemacht, hier.

SCHLOSS LOMNITZ

Die nächste Station ist Schloss Lomnitz, deutlich näher an Hirschberg (Jelenia Gora) und wesentlich weiter vom Riesengebirge entfernt. Hier wollten wir eigentlich letztes Jahr Station machen, es war damals jedoch alles ausgebucht. Schloss Lomnitz wollte ich mir unbedingt einmal anschauen. Auch, weil es ähnlich wie Wernerdorf von seinen den deutschen Eigentümern zurückgekauft wurde, als Hotel betrieben wird und ich viel über dieses Schloss und die Eigentümerfamile von Küster gehört hatte. Angekommen in Lomnitz, besichtigen wir zunächst das schön hergerichtete Schloss. Natürlich nicht, ohne zu fotografieren. Einige Fotos sehen Sie hier.

Das Hotel befindet sich im sogenannten kleinen Schloss, dem ehemalige Witwenhaus, einem repräsentativen klassizistischen Nebengebäude. Innen recht stilvoll mit alten Möbeln eingerichtet – kein Retorten-Barock. Das Zimmer, das uns gezeigt wird, ist jedoch ziemlich klein, das Bad nur mit einer Dusche. Im Garten gibt es ein Eis und Kaffee für uns. Man sitzt dort entspannt und angenehm. Freilich, bei der Bekanntheit von Schloss und Familie trifft man hier die Schlesien-Reisende, Ex-Studienräte und dazu auch ostdeutsche Rentner aus dem Ausflugsbus. Lomnitz ist ja gerade mal 80 km von der deutschen Ostgrenze entfernt. Ehrlich gesagt, für den Preis (100€) finde ich die Zimmer etwas klein und das Fehlen der Badewanne unkommod.

Bevor wir zum nächsten Palast weiterziehen, steht noch der Besuch des Gutshofes neben dem Schloss an. Dort gibt es ein Restaurant, einen Leinen-Verkauf sowie einen Schnickschnack- und Bücherverkauf. Miz Kitty kaufte etwas Leinen. Kein Schnäppchen, jedoch in der Qualität in Berlin momentan nicht zu bekommen. Für den Kauf gibt es zwei Kaffeegutscheine im Restaurant, die wir dann auch prompt einlösen und uns in der Kassenschlange zwischen einer Busladung ostdeutscher Rentner wiederfinden – in einer unangenehmen, auf rustikal getrimmten Kantinenatmosphäre. Nicht meins. Nun, hier sind die Preise andere als im kleinen Schloss, zielgruppenorientiert eben.

SCHLOSS SCHILDAU

Einmal über eine Brücke fahren, und schon wartet das Renaissance-Schloss Schildau auf uns, der Palac Wojanow. Hotelzimmer gibt es hier sowohl in den Nebengebäuden als auch im Schloss selbst. Man zeigt uns ein Turmzimmer im Schloss. Verweilen lässt es sich hier gut, mit Sicherheit. Leider auch hier nur eine Einbaudusche, aber egal, in diesem repräsentativen Turmzimmer. Störend ist jedoch dieser Retorten-Barock. Warum trimmt man ein Schloss, das – 2002, nachdem es nach erster Restaurierung abbrannte – komplett neu aufgebaut wurde, so auf Teufel komm raus auf alt, mit dem Ergebnis dunkler, schwer anmutender Räume und Treppenhäuser, in denen man sich nicht entspannt und leicht bewegen kann? Nicht wirklich zum Wohlfühlen. Der vollständige Neuaufbau wirkt zudem auch außen sehr artifiziell, so ganz ohne auch nur den Hauch einer natürlichen Patina. Von weitem wirkt das Schloss wie eine Miniatur in einer Modelleisenbahnanlage. Zweifelsohne, der Landschaftspark ist sehr schön und würde sehr zu meiner Entspannung und Kreativität beitragen. Unser Refugium für die nächste Riesengebirgsreise wird Schloss Schildau wohl nicht. Zuviel Retorte. Vier Fotos habe ich für Sie.

19 Uhr durch ist es nach Erkundung dieser drei Schlösser und unserem Nachmittags-Eis in Lomnitz. Über die niederschlesischen Straßen geht es bei Sonnenuntergang Richtung Autobahn, um dann langsam nach Berlin zu gleiten.

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Agnetendorfscher Flachköpperdamm

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Miz Kitty reist mit dem Grafen – Tag 13 #2

Geplant hatten wir ja noch eine Wanderung zur Elbquelle. Leider war es dazu zu heiß und Miz Kitty hatte die Idee, bei Agnetendorf Blümchen und Bächlein zu zählen und dazu noch einmal das Gerhart-Hauptmann-Haus zu besichtigen. Dieses Mal wäre es ja offen, denn im letzten Jahr waren wir Montag da – und montags sind bekanntermaßen international alle Museen geschlossen. Also nach Agnetendorf (Jagniątków), die etwas längere Strecke über Michalowice (Kiesewald). Das Gerhard-Hauptmann-Haus war wieder geschlossen. Natürlich, gestern war Sonntag, und heute ist Montag. In der Zeitschleife braucht man die Tage nicht zu zählen…

Zum Wandern kamen wir dann nicht mehr richtig, waren wir durch ein kleines romantisches Bächlein abgelenkt und die Sonne war einfach zu kräftig für eine längere Wanderung. Der Wasserlauf schlängelte sich um einen großen Stein herum, perfekt zum Draufsetzen und die Füße im Wasser abzukühlen. Abwechselnd saßen wir also auf diesem großen Stein, kühlten uns ab und tranken von diesem herrlich klaren kalten Gebirgsquellwasser. Miz Kitty konnte es dann nicht lassen, mit zusammengesuchten Steinen eine kleine Staustufe in das Gebirgsbächlein einzubauen. Typ Agnetendorfscher Miz-Kitty-Flachköpperdamm. Ein paar Bilder von unserem Ausflug sehen sie ►hier.

Reisen

Letzter Urlaubstag, Hamburg

Dänemark Soap – Tag 11

Ausgeschlafen in der Wohnung der Hamburger Freunde beginnen wir entspannt den Tag. Der Stadtbummel fällt dann recht kurz aus. Eine Erkenntnis der Nerdesse: Die Leute sind in Hamburg besser gekleidet. Nicht unbedingt teurer, aber besser aussehend, nicht so gammlig. Ja, die Erkenntnis hatte der Nerd auch schon vor 15 Jahren, als der in die Kapitale zog.

Mir den Freunden wird dann am frühen Abend an der Alster gepicknickt. Ein sehr schöner Abend und für den Nerd natürlich viele, alte Heimatgefühle – aber wie bereits in Tag 1 festgestellt: Die Hamburger Schanze möchte ich heute nicht mehr mit Berlin-Zionskirchplatz tauschen.

Reisen

Zurück nach Deutschland

Dänemark Soap – Tag 10

Für den Abend hatten wir uns mit den Hamburger Freunden verabredet, in deren Wohnung wir schon auf der Hinfahrt eine Nacht verbracht hatten. Nach ausgedehntem Frühstück starten Nerd und Nerdesse sehr entspannt in den Tag, genießen noch einmal das gräfliche Zimmer und brechen kurz vor Mittag im Schloss auf. Der Odense-Besuch fällt sehr kurz aus. Diese schöne Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten, die der Nerd aus früheren Zeiten kennt, kommt zu kurz. Is’ denn so, Hamburg wartet. Per Autobahn über den kleinen Belt nach Süden. Kurz vor der Grenze die letzten Kronen in Benzin und Süßigkeiten anlegen und noch zwei Päckchen Streichhölzer für einen Freund in Berlin besorgen. Er ist Pfeifenraucher und die dänischen Streichhölzer brennen wohl besser; jedenfalls fragte er explizit danach, ob wir welche mitbringen könnten.

Vor der Grenze nach Deutschland nochmal von der Autobahn abgefahren. Letzte Fahrt an die Ostsee in Dänemark. Den Ort an der Flensburger Förde, an dem man so gut am Wasser spazieren kann kennt der Nerd noch aus alten Zeiten, als er mit der südschleswiger Bekanntschaft öfter ‘mal grad nach Dänemark’ an die Ostsee gefahren ist. Es geht via Broager nach Kragesand und dort direkt ans Wasser. Was als kurzer Stop am Wasser geplant war, wird dann zum ausgedehnten Picknick mit Schwimmen in der Ostsee. Wir genießen den frühen Abend. Jetzt ‘ne Apanage bekommen und jeden Tag so weiterleben, das wär’s.

Reisen

Gräflich im Herrenhaus

Dänemark Soap – Tag 9

Nach dem Hotel-Desaster in Svendborg wurde gleich am morgen die Unterkunft für den nächsten Tag gesucht. Naja, das Hotel war schon irgendwie ok, der Nerd übertreibt gerne etwas und hasst es, ein Zimmer mit Internet zu mieten, was dann nicht funktioniert, und überhaupt Kabelnetz mit knapp über die Tischkante reichenden festgenagelten Kabeln geht ja nun gar nicht.
Jetzt also am liebsten Übernachtung im Herrenhaus, gräflich und ohne geschmacklose Büro-Plaste-Türdrücker. Das vor zwei Tagen bereits besichtigte Schloss Broholm stand zur Diskussion. Aufgrund der etwas finanziell eingeschränkten Lage waren dem Nerd dann 1795 Dänenkronen, was in etwa 240 Euro entspricht, dann doch zu viel für eine Nacht. Also, kurz ins dänische Bed- and Breakfast Heft geschaut, Juelsberg Herregaard gefunden, Doppelzimmer 850 Kronen, klingt günstig. Angerufen, nett mit der Hausherrin geschnackt. Wir können kommen. Ab nach Julsberg Herregaard.
Was uns erwartete, war mehr und schöner als das, was wir erwartet hatten. Ein Schloss im klassizistischen Stil, angenehm gestalteten Zimmern. Das ganze mit etwas, manchmal etwas mehr Patina, aber sehr schön und liebevoll gemacht. Frühstück in der ehemaligen Schlossküche. Schlosspark zum Spazieren und Flanieren, z.T. auch als Golf-Areal zu nutzen. Ausgedehnter Nachmittagsschlaf und abends Picknick im Schlosspark. Gräfliche Übernachtung im Bett ohne die nervige Zwei-Matratzen-Rille. Funktionierendes WiFi, das zudem noch schnell ist. Herrlich. Bei Gott in Frankreich kann’s nicht besser gewesen sein.

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