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99 / 66 – Die App

99-66-App-Sonderzeichen

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„Ich habe mir dann mal eine App dafür gebaut …“

99 / 66 — Die smarte App zum Kopieren von Anführungszeichen, Satzzeichen, Sonderzeichen und Akzentbuchstaben.

Sie kennen es bestimmt selbst. Manchmal sucht man ein ganz konkretes Produkt, findet es nicht und erstellt es dann einfach selbst, bevor man lange weitersucht. So war es mit der 99/66-App.

Ich bin in den Social Media aktiv und poste bei Twitter, Facebook und Instagram. Meist tue ich das nicht vom Notebook oder Desktop-Computer, sondern mit einem Smartphone oder Tablet. So macht Social Media für mich erst richtig Spaß. Und nicht nur, weil ich ich dort unter dem Pseudonym GrafTypo schreibe, habe ich den Anspruch, zumindest die orthotypographisch richtigen Satzzeichen zu verwenden. Bekanntlich gibt es ja ein paar Zeichen mehr, als die, die auf der Tastatur vorhanden sind. Das fängt schon bei Anführungszeichen und Guillemets bzw. Chevrons an. Möchte man dann noch einen Eigennamen (z.B. aus dem slawischen Sprachraum) korrekt schreiben, der einen Buchstaben mit einem diakritischen Zeichen, also einen Akzentbuchstaben, enthält, dann ist bleibt oft nichts anderes, als im Internet zu suchen und den Buchstaben einfach zu kopieren.

Die Anführungszeichen brauche ich relativ oft, denn in Twitter- und Instagram-Posts oder in SMS sind keine Textauszeichnungen mit kursiver oder fetter Schrift möglich. Den Gedankenstrich (Halbgeviertstrich) und manchmal auch den Geviertstrich möchte ich ebenso wenig vermissen wie den Mittepunkt. Alle diese Zeichen gibt es, und man muss nur wissen, wie man sie schnell in den Text einfügen kann. Beim iPhone ist vieles unproblematisch. Berührt man die Taste mit den [] auf der Smartphonetastatur etwas länger, kann man zwischen einer ganzen Reihe Anführungszeichen auswählen. Genauso lässt sich der Halbgeviertstrich ansteuern und zahlreiche Buchstaben mit Akzenten. Braucht man jedoch ein ą oder ein ż für einen polnischen Eigennamen, steht man auf dem Schlauch. Diese Buchstaben lassen sich dafür mit meinem Samsung Galaxy Note prima ansteuern, Anführungszeichen und Guillemets sind dort aber erst einmal Fehlanzeige.

Die auf dem iPhone fehlenden polnischen Akzentbuchstaben kann ich verschmerzen. Ich brauche sie selten und habe dafür immer die App Unicode-Pad verwendet, mit der man alle möglichen Zeichen kopieren kann (sofern man sie denn dort gefunden hat). Die fehlenden Anführungszeichen auf dem Galaxy Note ärgerten mich jedoch immer. Vielleicht passen die sehr zahlreich vorhandenen Emojis eher zur Zielgruppe des Galaxy. Das Problem kann man schnell lösen: durch Installation einer anderen Tastatur. Nur, ich mag diese Geräteeingriffe mit Add-Ons nicht und habe auch keine Tastatur gefunden, die mich optisch gut überzeugt hätte. Also habe ich mich erst einmal beholfen, indem ich mir die Satz- und Sonderzeichen, die ich brauche, in ein Notiz-Dokument kopiert, aus dem ich sie dann bei Bedarf rauskopiert habe. So auch z.B. das Zeichen ™, schreibt man doch in Twitter manchmal früher™ oder damals™.

Da ich im Moment öfter mit dem Galaxy Note arbeite als mit dem iPhone wurde mir dieses Herauskopieren von Zeichen aus einer Notizen-App etwas unbequem – mindestens, wenn ich in der gleichen Notizen-App gerade etwas schreibe, ist es nervig. Also habe ich mir eine kleine App erstellt, die genau die Satz- und Sonderzeichen enthält, die ich gerade brauche. So entstand die 99/66-App, benannt nach der deutschen Konvention für die Anführungszeichen (99 unten, 66 oben). Auf dem Galaxy läuft die 99/66-App jetzt immer im Hintergrund, und ich kann die wichtigsten Sonderzeichen schnell kopieren und einfügen. Zusätzlich habe ich noch eine Übersicht der Tastaturkürzel für Windows und Mac für die wichtigsten Satz- und Sonderzeichen in die 99/66-App aufgenommen. Schreibt man am Mac, so kann man viele Zeichen schnell per Tastatur einzugeben, ohne sie erst in irgendeiner Zeichenübersicht zu suchen. Leider vergesse ich diese Tastaturkürzel immer wieder, auch weil ich nicht täglich damit zu tun habe. Jetzt kann ich sie schnell nachschauen, in der 99/66-App (das Smartphone liegt sowieso immer neben der Tastatur).

Technisch gesehen ist die 99/66-App eine mit jQuery mobile erstellte HTML-Seite, die ich mit Phonegap in eine native Android-App umgewandelt habe.

9966

★ Für Android

gibt es die 99/66-App jetzt gratis im Google-Play-Store. Testen Sie gerne:

qrcode01

https://play.google.com/store/apps/details?id=com.graftypo.satzundsonderzeichen

So geht’s: Die App aus den Google-Play-Store laden, Finger auf das Zeichen, das kopiert werden soll, kopieren, zurück zur App, in der das Zeichen gebraucht wird und einfügen. Fertig. Die App funktioniert (mit adaptivem Design) sowohl auf Android-Smartphones als auch auf Tablets.

Für iPhone und iPad

gibt es die 99/66-App als Web-App. Mit HTML5 funktioniert sie offline und wenn man sie auf dem Home-Bildschirm ablegt, steht sie einer nativen App in nichts nach.

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http://9966.graftypo.de/

Wie es geht? Im mobilen Safari den Link aufrufen und wenn die 99/66-Webapp geladen ist, via [↑] und zum Homebildschirm auf dem Homebildschirm des iPhone oder iPad ablegen. Das schwarze 99/66-Icon erscheint auf dem Homebildschirm und die App verhält sich wie eine native App – und funktioniert auf offline. Das kann man testen, indem man WiFi und die Mobilfunk-Verbindung abschaltet. Die 99/66-App funktioniert trotzdem. HTML5 und das Ablegen im Application Cache machen es möglich.

Freilich, jeder der sich mit App-Development etwas auskennt, weiß dass mit PhoneGap ebenso wie für Android auch eine iOS-App erzeugt werden kann. Nur, einen Apple-Developer-Account habe ich im Moment nicht und einer der 126 Ablehnungsgründe von Apple hätte bestimmt verhindert, dass diese simple App im App-Store platziert wird, z.B., weil sie eben auch als Web-App angeboten werden könnte. Also habe ich eine Veröffentlichung im iOS-Store gleich ausgeklammert. Im Google-Play-Store hingegen kann man ohne Hürden schnell eine Android-App einstellen.

★ Für Notebook und Desktop-Computer

http://9966.graftypo.de/

Einfach den Link in einem separaten Tab im Browser aufrufen und schon stehen alle Satz- und Sonderzeichen oder Akzentbuchstaben zum schnellen Herauskopieren bereit ;)

 

 

Design & Typo · Gesellschaft

Interrobang & Co.

Bildschirmfoto 2014-08-05 um 15.12.18

Zufällig kam ich vor kurzem mit dem einem Interrobang in Berührung. Bestimmt habe ich es schon einmal als Symbol gesehen, jedoch nicht aktiv wahrgenommen. Wie, Sie wissen nicht, was ein →Interrobang ist?! Ha, da war es gerade schon in meiner Frage. Es ist die Kombination von Fragezeichen und Ausrufezeichen. Damit wird einer Frage Ausdruckskraft verliehen. Freilich, diese seltene Kombination gibt es schon lange, u.a. in Comics. Etwas ungewohnter ist dagegen, das Ausrufezeichen und das Fragezeichen übereinander zu platzieren, so dass ein neues Satzzeichen entsteht, das Interrobang.

Dieses Zeichen erinnerte mich spontan an mein Hyphomma. Ich unterrichtete vor knapp 10 Jahren einen Kurs mit Azubis zum Mediengestalter. Im Rahmen der Prüfungsvorbereitung wiederholten wir Mikrotypografie und Makrotypografie rauf und runter, und ich hatte den Eindruck, dass in diesem Kurs richtig gute, intelligente Azubis waren, die in Schriftsatz und Typografie schon sehr fortgeschritten waren und sich zudem kein X für ein U vormachen ließen.

Noch einmal ging es um Satzzeichen, Divis, Viertelgeviertstrich, An- und Abführungszeichen, etc. Freilich, sie wussten gut damit umzugehen. Spontan kam mir die Idee, sie noch einmal zu testen. Ach ja, das Hyphomma sollten Sie auch richtig einsetzen können. Das muss der Setzer natürlich verwenden, auch wenn es nicht im Manuskript steht. Hyphomma? Wie, kennen Sie nicht? Schnell skizzierte ich das Zeichen an die Tafel und erklärte, dass es sich um die Kombination des normalen Bindestriches und eines Komma handelte. Quasi ein Semikolon, nur mit einem Bindestrich statt des Punktes über dem Komma. Daher auch der Name, zusammengesetzt aus →Hyphen und →Comma. Man würde es benutzen, wo das Komma eine zu kurze Pause symbolisiere, der Halbgeviertstrich jedoch eine zu lange. Alles hatte ich mir blitzschnell ausgedacht. Wie jetzt? Hyphomma? Hatten die Azubis nie gehört. Damit sie nun schnell erkennen sollten, dass das Hyphomma reine Fiktion und meine Erfindung war, schob ich schnell nach, das Hyphomma läge in einem höheren Unicode-Bereich, gleich hinter Klingonisch. Ok, Kurve gekriegt. Einige grinsten, gaben genauso unwirkliche Statements, wo man das Hyphomma denn noch benutzen müsse, die ich wiederum ergänzte. Fein, die haben verstanden, dass Hyphomma reine Fiktion ist, die lassen sich kein X für ein U vormachen. Gut so. Am nächsten Kurstermin bekam ich dann jedoch mit, dass einige sich Notizen über das Hyphomma und seine Verwendung im Schriftsatz gemacht hatten. Oh, ich musste also eine offizielle Ansage machen:

Hyphomma gibt es nicht.

Wirklich nicht? Vieleicht kennen Sie dieses Zeichen? Ich kann mir gut vorstellen, dass auch dieses Zeichen eines der 60.000 Unicode-Zeichen ist, wofür es auch immer stehen mag. Aber ich kann nicht alle Unicode-zeichen kennen, auch wenn es keine Klingonen-zeichen sind. Wenn es das Hyphomma gibt, lassen Sie es mich wissen und teilen mir mit, wie es richtig heißt und welche Unicode-Position es hat.