Reisen

Miz Kitty reist mit dem Grafen – Sommer-Zeitschleife 2015

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Schon fast eine ganze Woche ist seit unserem Aufenthalt in der Zeitschleife schon wieder vergangen. Für die Erstleser: der Ort für die Zeitschleife befindet sich im Riesengebirge, hier. Dieses Mal waren wir mehr als eine ganze Woche an diesem Ort und haben nicht die Dinge getan, die Urlauber im Riesengebirge üblicherweise tun. Kein Aufstieg zur Schneekoppe, keine Wanderung über den Kammweg, stattdessen rumhängen aus Erschöpfung und Erholungsgründen. Den Weg zur Elbquelle haben wir die meiste Strecke im Sessellift verbracht und freilich vor dem Ziel abgebrochen. »Faul« war dieser Zeitschleifen-Aufenthalt also, aber sehr erholsam. Warum nicht, wenn es so passt? Sollen die anderen doch ihren Spaß beim Wandern von Baude zu Baude haben; wir wechseln lieber zwischen Pool und Schlossgarten mit Blick auf die Burg Kynast.

Warum der Austritt aus diesen Zeitschleifen immer so einfach ist und vor allem das Zurück-Beamen immer gelingt, verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Dieses Mal gab es ein Update der Zeitschleifenprozedur um zwei Unterprogramme: nach dem Einritt die Analog-App installieren und vor dem Zurückbeamen die Analog-App wieder deinstallieren. Was um Himmels willen hat es mit dieser Analog-App auf sich, werden Sie sich jetzt fragen. Nun, die Analog-App ist dafür da, damit selbst teure Zeitschleifen-Hotel-Dppelbetten mit ihren inakzeptablen, das heißt nicht zuverlässig funktionierenden Klickverschlüssen nicht unbeabsichtigt auseinandergeleiten und die Zeitschleifen-Bewohner womöglich hart auf dem Parkett landen.

Schnell haben wir einen Werkzeugladen in Sobieszow gefunden, um die Analog-App zu besorgen. Für den sprichwörtlichen Apfel und das Ei gibt es dort ein paar Kabelbinder, die die Aufgabe sehr gut erfüllen. Vielleicht war die ganze Sache mit der Analog-App auch nur ein Aufhänger, einmal diesen interessanten Werkzeugladen zu besuchen, nachdem ich letztens ein paar Schnürsenkel geopfert hatte.

So Sie im Riesengebirge und in der Nähe von Agnetendorf unterwegs sind und in Ihnen auch ein Handwerkerherz schlägt, sollten Sie diesen Werkzeugladen unbedingt einmal besuchen. Ein Geschäft alter Schule ohne Baumarktqualitäten, dafür voll gepackt mit Werkzeugen aller Art. Egal, Ob sie einen Hammerstiel benötigen, Elektroden für’s Lichtbogenschweißen, einen Wasserhahn oder eben nur die Dichtung dafür, ein paar Meter buntes Seil oder eine Handvoll Kabelbinder, hier werden Sie zu gutem Preis fündig. Etwas polnisch zu sprechen oder mindestens zu verstehen, ist natürlich von Vorteil. Der Laden hat freilich keine Website, sie finden ihn hier:

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Nach dem Auskoppeln aus der Zeitschleife haben wir auf der Rückfahrt noch den Ort besucht, an dem Miz Kitty Ende der siebziger Jahre im Ferienlager war. Damals, als die wirtschaftliche Lage in Polen desaströs und die Situation noch um Lichtjahre schlechter als in der DDR war. Ziemlich geschockt hat sie das Ferienlager in Bad Flinsberg (Swieradow-Zrdoj), sodass sich Polen für sie erst einmal lange erledigt hatte, so lange bis wir uns kennen lernten. In diesem Jahr wollten wir einmal schauen, was aus der Ferienlagerstätte geworden ist, einem Ort mit – wie Miss Kitty sagt »absolut schlechtem Karma«. Vielleicht ist dort ein längst ausgebautes Ferienhotel. Oder doch die Ruinen einer Gammelherberge, überwuchert, halb zerstört, mit einem verwitterten Zu- verkaufen-Schild? Solche Objekte gibt es hier tatsächlich zuweilen. Wir haben den Ort ziemlich schnell gefunden. Miz Kitty schreibt ausführlich in ihrem Blog darüber. Nichts und gar nichts mehr gibt es hier. Ein leerer Platz. Die vor 40 Jahren schon schrecklich vergammelte Ferienlager-Unterkunft ist längst abgerissen. Vor 1945 hieß das Haus Brandhöhbaude. Heute ist dort ein leerer Platz mit zwei oder drei Autos darauf, deren Besitzer vielleicht mit ihren Mountain-Bikes unterwegs sind. Bad Flinsberg gehört nämlich schon zum Isergebirge, das etwas flacher und lieblicher ist. Deswegen setzt man hier vermutlich auf Mountainbiker. Interessant, dass dieser Schlechtes-Karma-Ort der die jugendliche Miz Kitty so nachhaltig negativ beeindruckt hat, jetzt leer ist, eine leere Freifläche. Fast so etwas wie Fügung. Sie spuckt jedenfalls einmal auf diesen Platz, um mit der 40 Jahre alten Sache abzuschließen.

Der Rückweg Richtung Berlin geht schnell, und in Zgozelec stoppen wir noch einmal in einem Einkaufszentrum zu einem im letzten Jahr eingeführten Polen-Sommerurlaubs-Abschlussritual: Zloty ausgeben und 14 kg Persil-Color kaufen, den Waschpulvervorrat für das ganze nächste Jahr. Miz Kitty sagt, das sei dort wesentlich günstiger. Also fünf 2,8-kg-Packungen gekauft (die dort sogar gerade im Sonderangebot waren) und freilich noch einen großen Einkaufswagen mit allerlei darin, denn ohne einen Vorrat an Zywiec-Bier und Cabanossi-Würsten verlasse ich ja in der Regel kein polnisches Einkaufszentrum.

 

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