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Neue Rubrik:
Der Tag im Bild

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Der Tag im Bild. So heißt die neue Rubrik der Netznotizen. Die Idee dazu habe ich schon länger, umgesetzt habe ich sie erst in der letzten Woche. Es geht um folgendes: Seit ich aktiv Smartphones nutze, fotografiere ich recht viel damit. Tonnen von Fotos sammeln sich inzwischen auf meiner Festplatte, und es werden täglich mehr. Oft sind es Motive, die ich aus irgendwelchen Gründen – meist, weil ich dem Motiv im Moment des Fotografierens eine Bedeutung beimaß oder einfach nur die Situation, den Ort und in der Rückschau auch den Zeitablauf bildlich festhalten wollte.

Was mache ich nun mit all den Bildern? Diese Frage stellte ich mir schon öfter. Natürlich, ich könnte sie bei Twitter, Facebook oder Instagram einstellen, vielleicht auch bei Ello. Das tue ich auch, manchmal öfter, machmal in Maßen. Instagram ist eher für schöne Fotos gedacht, während bei Twitter und Facebook zu viele Bilder die Timeline zumüllen. Außerdem hoste ich meine Fotos am liebsten selbst im Netz.

Der Tag im Bild zeigt Fotos, die an einem Tag entstanden sind. Es ist weder an jedem Tag die gleiche Anzahl, noch veröffentliche ich jeden Tag Bilder. Nach und nach entsteht jedoch eine kleine Chronik. Grob betrachtet, steckt in Der Tag im Bild die Idee von #12von12. Nur nicht am 12., nicht 12 Bilder und nicht bei Instagram.

Einige Fotos werde ich wie bisher auf Twitter, Facebook und Instagram posten, zudem auch die Links zu den Der-Tag-im-Bild-Beiträgen hier. Seien Sie gespannt.

Der Tag im Bild. Hier. Oder über das Hauptmenü.

 

Reisen

Fernbus-Erfahrungen

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Nachdem im Jahr 2013 das Fernverkehrsmonopol der Deutschen Bahn abgeschafft wurde, scheint die Fernbus-Branche zu boomen. Mehrere Anbieter tummeln sich hier inzwischen. Der bekannteste ist sicher Meinfernbus-Flixbus mit den auffälligen, grünen Bussen. Ursprünglich waren es zwei Unternehmen, die sich vor einiger Zeit zusammenschlossen. Die Firma selbst besitzt keine Fahrzeuge, sondern arbeitet mit regionalen Busunternehmen zusammen. Im Moment sind es 155 Buspartner, die Bus und Fahrer mit allem Drum und Dran stellen und die Fahrten durchführen.

Buchen kann man im Internet bzw. über eine eigene App. Im Moment sind die Fahrten konkurrenzlos preiswert, so dass selbst eine Bahnfahrt mit der Bahncard 50 deutlich teurer ist. Zwanzig Euro für eine 500-km-Strecke von Berlin nach Westdeutschland, das ist schon ein Preis, den ich überschlagsmäßig kaum noch nachvollziehen kann, wenn ich die Kosten für Benzinverbrauch, Fahrerlohn, Busanschaffung und die Zahl der mitfahrenden Fahrgäste berücksichtige. Es scheint sich trotzdem für Meinfernbus-Flixbus zu rechnen.

Für so einen Budgetpreis kann man im allgemeinen nicht wirklich viel erwarten. So dachte ich zumindest, als ich das erste Mal von Berlin eine kürzere Fernbusstrecke buchte. Umso angenehmer war ich überrascht, dass der Fernbus ganz kommod war, inklusive WLAN, das die trotz meiner Bahncard deutlich teurere Bahn nicht bietet. Am letzten Wochenende habe ich dann eine richtig lange Strecke mit dem Fernbus zurückgelegt. Zeitlich passte es genau so gut wie mit der Bahn, für die Rückfahrt sogar besser. Für den günstigen Preis nahm ich gerne die im Vergleich zur Bahn zwei Stunden längere Fahrt in Kauf. Auf beiden Fahrten hatte ich Glück. Der Bus war nicht voll besetzt und ich hatte eine Sitzbank für mich allein, was sehr bequem war. Davon sollte man jedoch nie rausgehen, denn es kann nicht das Ziel des Fernbusgeschäfts sein, dass ein Bus gerade mal halb voll ist – für mich als Kunden war es natürlich sehr bequem.

Im Internet gibt es eine eigene Website mit Fernbus-Bewertungen, übrigens eine geschickte Strategie der beteiligten Fernbus-Anbieter, denn so haben sie die meisten Beschwerden gleich gebündelt in einen Forum bzw. Bewertungsportal und nicht bei Facebook oder in einem anderen Social-Media-Kanal, wo die Bewertungen schnell geteilt werden und die Betreiber nicht so schnell darauf eingehen können. Einiges auf dieser Bewertungs-Website kann ich nachvollziehen, viele Beschwerden jedoch nicht. Alle Fahrer und Mitarbeiter von Meinfernbus-Flixbus waren zu mir freundlich und zuvorkommend – was vielleicht auch an mir liegt.

Sehr angenehm finde ich es als Digital Resident, dass die Buchung komplett via Smartphone und papierlos erfolgen kann. Man bucht via App oder via Browser, und beim Einsteigen in den Bus wird der QR-Code des Fahrscheins vom Fahrer oder einem anderen Mitarbeiter eingescannt. Für diejenigen, die nicht so digital aufgestellt sind und Fahrkarten lieber im Reisezentrum oder an einem Fahrkartenautomat kaufen, ist das vielleicht eine kleine Herausforderung, für mich genau das Richtige.

Dass Fahrten zu diesen Budgetpreisen an einen konkreten Bus und damit an eine konkrete Abfahrt gebunden sind und man nicht einfach einen Bus später nehmen kann, wenn man nicht pünktlich am Ausfahrtsort war, das sollte eigentlich jedem klar sein. Bei der Bahn ist das auch nur mit den teureren Normalpreis-Fahrscheinen möglich.

Fernbus-Reisen – Empfehlungen

✪ Um mit einer Fernbusreise glücklich zu werden (oder es zumindest nachher noch zu sein), sollte man Busreisen generell wenigstens ein klein wenig mögen.

✪ Einerseits ist es sehr angenehm, einfach einzusteigen und sich von A nach B kutschieren zu lassen, ohne sich um irgendetwas selbst kümmern zu müssen. Andererseits ist ein voll besetzter Reisebus nicht sonderlich bequem. Die voll besetzte Bahn am Freitagnachmittag sicher genauso wenig, das eigene Kfz vielleicht schon.

✪ Ein weiterer Aspekt, mit dem man entweder gut leben kann oder eben nicht, über den man jedoch vor einer Fahrt mit dem Fernbus einmal nachdenken sollte, ist, dass man sich im Fernbus dem Busfahrer und seinen fahrerischen Können voll und ganz anvertraut und man in der Regel keine Möglichkeit hat, die Fahrt schnell abzubrechen, wenn das Bauchgefühl meldet, dass irgendetwas so gar nicht stimmt. Ein Lokführer hat sicher viel weniger Einfluss auf eine Bahnfahrt als der Busfahrer auf die Fahrt in einem Fernbus. Die Fahrer auf meinen Fernbusfahrten machten jedoch alle einen kompetenten Eindruck und lenkten ihre Fahrzeuge nach meiner Einschätzung durchaus sicher. In den Internet-Bewertungen wird dieser Punkt immer mal wieder angesprochen und man liest über die schwarzen Schafe.

✪ Grundsätzlich muss man im Fernbus mit der Vorstellung des Gefahrenwerdens und des mit-fremden- Menschen-nah-nebeneinander-Hockens klar kommen. Wer das alles wenig angenehm findet, nimmt besser das eigene Kfz oder die Bahn.

Das Gepäckproblem

Eines muss – im Gegensatz zu anderen Fernbus-Ausbietern – von Meinfernbus-Flixbus unbedingt noch gelöst werden. Bei den Budget-Preisen bleibt natürlich einiges auf der Strecke, manchmal auch das Reisegepäck. Wie im Flugzeug darf man ein Handgepäckstück mit in den Bus nehmen, während weitere oder größere Gepäckstücke ins Gepäckfach gelegt werden müssen. Das ist eine sinnvolle Regelung, damit es im Bus nicht zu eng wird oder Gepäckstücke unnötig hin- und herfliegen. Nur ist es eben so, dass es weder Gepäckmarken, Gepäckbänder oder ähnliches gibt, so dass sich beim Aussteigen nicht nachvollziehen lässt, welches Gepäckstück zu welchem Fahrgast gehört.

Bei der Abfahrt wird die Gepäckklappe geöffnet (manchmal auch beidseitig) und jeder setzt sein Gepäckstück in das Fach. Meist hilft der Fahrer dabei und holt beim Aussteigen die Gepäckstücke auch wieder heraus. Auf Zuruf. „Die grüne Tasche dort hinten“, und schon bekommt man die grüne Tasche gereicht. Ob man sie auch mitgebracht hat oder ob sie jemand anderem gehört, dafür gibt es weder Nachweis noch Kontrolle.

So kann es sein, dass ein anderer Fahrgast die grüne Tasche einfach mitnimmt oder sich am Ziel oder Zwischenhalt jemand fremdes in den Pulk der Fahrgäste mischt und sich ein Gepäckstück geben lässt, also stiehlt. Ein Zwischenstop, bei dem nur ein paar Fahrgäste aussteigen, während die anderen im Bus sitzen bleiben und die Gepäckklappe offen steht, bietet sich für einen Gepäckdieb auch gut an. Das Ergebnis ist immer das gleiche: Gepäck weg – und es gibt keinen Ersatz. Keine Einzelfälle, sondern ein Thema für Meinfernbus-Flixbus, über das schon im TV berichtet wurde. An bestimmten Orten soll es inzwischen organisierte Diebe geben, die sich auf diese Art des Gepäckdiebstahls spezialisiert haben. Nachvollziehbar, denn eine so einfache Art, Reisegepäck zu stehlen, gibt es selten.

Während meiner Fahrt am letzten Wochenende hielt der Bus an einem Großstadtbahnhof. Hier stiegen einige aus und weitere Fahrgäste zu. Zwar waren zwei Busfahrer und zwei Mitarbeiter zum Einchecken der Reisenden zugegen, allerdings auch viele dieser zwielichtigen, am Bahnhof rumhängenden Gestalten. Dazu der Bus mit offener Gepäckklappe. Wer es drauf anlegt, holt dort trotz der vier anwesenden Mitarbeiter schnell ein Gepäckstück raus, ohne dass es sofort bemerkt wird. Ich war jedenfalls sehr froh, nur meine alte Reisetasche im Gepäckfach zu haben und nicht meinen teuren Rollkoffer.

Für die Fahrt mit Meinfernbus-Flixbus also am besten nur altes Reisegepäck mitnehmen und keine Wertsachen darin unterbringen – seien es nun materielle oder ideelle, wie der Lieblingspullover.

Fazit – Für wen und für wen nicht?

✪ Für alle, die preiswert reisen möchten.

✪ Für alle, die auch bei einer Fahrt im voll besetzten Reisebus – jeder mit Tasche auf dem Schoß – noch halbwegs entspannt sind und die es nicht wirklich stört, wenn der Fernbus verkehrslagebedingt einmal 30 Minuten später abfährt oder 60 Minuten später ankommt.

✪ Für kürzere Strecken (bis ca. 3 Std.) und Städteverbindungen.

✪ Nicht, um zum Flughafen zu fahren, wenn man einen Flug gebucht hat oder wenn man zu einer ganz bestimmten Zeit am Zielort ankommen muss. Der Fernbus steht nämlich genau wie Autos im Stau, weswegen es schnell mal zu größeren Verspätungen kommen kann. Vielleicht fährt er auch schon erheblich verspätet los, weil er vorher im Stau stand. Die Anreise mit der Bahn zum Flughafen ist verlässlicher und manchmal pünktlicher. Vor dem Hintergrund der Gepäckproblematik manchmal auch stressfreier.

✪ Nicht für diejenigen, die bei Busfahrten und der Abhängigkeit von einem fremden Fahrer immer latent Bauchschmerzen haben.

✪ Nicht für diejenigen, die großes, unwiederbringliches Reisegepäck haben.

Dos und Don’ts im Fernbus

☞ Alles Wichtige gehört ins Handgepäck.

☞ Wertsachen werden immer am Mann (oder an der Frau) transportiert, auch wenn man nur kurz aufsteht, um z.B. nach vorn zu gehen und den Fahrer etwas zu fragen oder um z.B. bei einem Stop kurz vor dem Bus eine Zigarette zu rauchen.

☞ Wie überall, wo es freie Platzwahl gibt, gilt auch im Fernbus: Frühes Kommen sichert gute Plätze.

☞ Verglichen mit dem Bahnfahren erfordert das Reisen mit dem Fernbus eine etwas erhöhte Aufmerksamkeit am Abfahrtsort. Kurz zusammengefasst, was ich auf meinen wenigen Fernbusfahrten schon erlebt habe: Busbahnhöfe und Abfahrtsstellen sind manchmal unübersichtlich. Frühes Kommen entspannt etwas, den richtigen Bus zu finden. Manchmal ist eine Haltestelle auch um 100 oder 200 m verlegt, und man muss erst einmal schauen, wie man dort hinkommt, vor allem, wenn man ortsfremd ist, noch nie an diesem Ort war und mit dem Handy (zur Navigation) in der einen Hand und dem Rollkoffer in der anderen Hand im Laufschritt erkunden muss, wo die Ersatzhaltestelle ist, weil die Zeit drängt. Wehe dem, wer da knapp dran ist. Frühes Kommen entspannt dann ungemein. Man sollte sich auch nicht naiv darauf verlassen, dass dort, wo man nach der Hinfahrt ausgestiegen ist, auch der Abfahrtsort für die Rückfahrt ist. Genausowenig, dass ein Meinfernbus-Flixbus grün ist, etc. Das ist jedoch alles kein Problem, wenn man um diese Dinge weiß. Mit etwas Glück bekommt man Infos über Änderungen per SMS, mit etwas Pech kommt die SMS nicht zuverlässig an.

☞ Je nach Mobilfunkversorgung an der Autobahn funktioniert des WLAN mal gut, mal weniger gut und manchmal gar nicht. Zudem ist es ein öffentliches, ungesichertes WLAN. Man solte also nicht damit rechnen, dass man wichtige Internet-Arbeiten während der Busfahrt erledigen kann.

☞ Die Toilette ist wie in jedem Reisebus nur ein Not-WC. Sofern es geht, vermeidet man, sie zu benutzen.

☞ Wer grölende Menschen mit Bierdosen oder zappelnde, pampige Pubertierende nicht mag, setzt sich am besten ziemlich nach vorne in die Nähe des Fahrers. Diese Personen zieht es nämlich ganz gerne in den hinten Busteil oder im Doppeldecker nach oben. Hier gilt natürlich wieder: Frühes Kommen …

Viel Spaß beim Reisen, ob mit Fernbus oder sonstwie in der Welt.

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Altenbeken, Oebisfelde, Bebra, Ohligs

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Orte, die Sie vermutlich schon gelesen haben und in denen Sie noch nie waren – es sei denn, Sie wohnen dort. Eisenbahnorte, genauer gesagt: Eisenbahnknoten. Sie bilden mit dem Schienennetz das Rückgrat der Eisenbahn. Es gibt sie bereits seit frühen Reichsbahnzeiten. Die Liste der Eisenbahnknoten ist lang. Einige liegen inzwischen im Ausland, andere gibt es längst nicht mehr und wieder andere sind zwar noch Knoten, allerdings in der überregionalen Wahrnehmung verschwunden, da sie nur noch ohne Halt durchfahren werden.

Was ist so besonders an den Orten mit Eisenbahnknoten? Die größeren fallen praktisch nicht auf. Warum sollen sich in einer Großstadt, in der sich sowieso alles tummelt und kreuzt, nicht auch Eisenbahnen treffen und kreuzen? Das ist nur logisch. Anders ist es mit den Eisenbahnknoten, die Kleinstädte sind und meist irgendwo in der Provinz liegen. Ihre Namen werden oft im gleichen Atemzug mit größeren Orten genannt. Meist ist man nur durchgefahren, höchstens aber umgestiegen.

Altenbeken fällt mir spontan dazu ein, in der Region, in der ich aufwuchs. Oder Oebisfelde, Bebra und Solingen-Ohligs. Gestern sprachen wir über den Ort Oebisfelde und deswegen gibt es jetzt diesen Blogbeitrag. Eisenbahnort, war meine erste Assoziation, Grenzort sodann meine zweite.

Seit Kindertagen schwirren mir diese Ortsnamen im Kopf herum. Niemals war ich dort. Gelesen habe ich sie auf Zuglaufschildern, in Kursbüchern und Fahrplänen. Schon damals faszinierten sie mich, weil sie in einer Reihe mit oft viel bedeutenderen Städten zu lesen waren.

In unserer Familie wurde nicht mit der Bahn gereist. Das machte die westdeutsche Mittelschicht in den 70ern nicht mehr und bei uns erst recht keiner. Alle waren ziemlich Auto-affin und Bahnreisen galt als Synonym für zugige Bahnsteige, unverständliche Lautsprecherdurchsagen, ewiges Warten oder schnelles Rennen nach dem Anschlusszug und sich ein Zugabteil mit fremden Leuten teilen zu müssen. Wie kommod war da das Auto doch. Zum Reisen mit der Bahn bin ich daher erst kurz vor Ende meines Studiums gekommen.

Allerdings war ich als Kind öfter auf dem Bahnhof, denn mein Großvater war Bundesbahnbediensteter gewesen, dort allerdings eher mit Autos befasst, als mit Zügen. Und mein Großonkel war noch im Dienst, als Zugführer. Da wurde dann vorher geschaut, wann der Onkel im Bahnhof war, ihn abgepasst, und immer gab es dort auch noch Bekannte von den Großeltern zu treffen. Die Arbeitsdichte war damals noch nicht so hoch.

Das war also mein kindliches Bahnerlebnis. Statt selbst mit der Bahn mitzufahren, den Onkel im Bahnhof zu treffen und dabei Lokomotiven und große, lange Personenzüge zu bewundern. Dieser Bahnhof ist ein großer und liegt an einer wichtigen Ost-West-Fernbahnstrecke, die schon vor dem ersten Weltkrieg vierspurig ausgebaut wurde. Auf dem Bahnhof gab es immer einiges anzuschauen, und freilich wollten alle Bekannten und vom Sehen her Gekannten von Großeltern und Onkel mir als Kind die großen Lokomotiven, Führerstände von Rangierloks, Bremsen an Güterwagen und so weiter zeigen. Bis bis hin zum Dienstmütze aufsetzen, Trillerpfeife und Kelle inklusive. Hätte es damals Smartphones mit Kameras gegeben, es gäbe mit Sicherheit Bilder davon. Was ich bei diesen Besuchen jedoch nicht erlebt habe, waren Dampfloks. Die gab es zwar damals in Deutschland noch, hier jedoch nur noch selten.

Später, als Schulkind, als ich schon ganz gut lesen konnte und die wichtigsten deutschen Städte vom Hören und Lesen sowie aus dem TV kannte, habe ich mich immer gefragt, wo die Orte sind, die manchmal auf den Zuglaufschildern zwischen richtig großen und bedeutenden Städten zu lesen waren. Auf dem Bahnhof hieß es dann manchmal: Das ist ein D-Zug, der kommt von weit her und fährt schnell. Manchmal auch: Der fährt durch die Ostzone bis nach Berlin.

Die Ortsnamen, die mich so faszinierten, las ich auch in den Zugläufen in den den alten Kursbüchern und Fahrplänen, die ich von Nachbarn bekam, die ebenfalls bei der Bundesbahn arbeiteten. Zum Beispiel Solingen-Ohligs, auf der Strecke nach Köln. Solingen, das war ein Begriff, das stand früher in Westdeutschland auf jeder ordentlichen Schere, aber Ohligs? Das wäre ein Ortsteil, erklärte man mir.

Später, in Studienzeiten in Hannover, war es Bebra, dass ich auf den Zuglaufschildern zwischen den größeren Orten wahrnahm. Oder Oebisfelde, beides Grenzbahnhöfe „in die Ostzone“. Längst wusste ich, es sind eigentlich bedeutungslose Provinzorte. Orte, die eben nur Eisenbahnknoten sind, mit Umsteigebahnhof, mehr nicht. Orte, denen der Eisenbahnknoten dazu verhilft, dass man sie in einem Atemzug mit viel größeren, bekannten Orten nennt oder in eine Reihe schreibt.

Oebisfelde. Zack, da war sie wieder, gestern, die Erinnerung an alte Kursbücher und Fahrpläne. Ich begann, etwas zu Eisenbahnknoten zu recherchieren. Dieses und jenes findet man im Netz dazu. Jeder dieser kleinen Eisenbahnknoten-Orte hat eine Eisenbahngeschichte und heute mindestens einen Verein, der sich darum kümmert und machmal auch ein Buch darüber herausgegeben hat, für Eisenbahn-Romantiker und Schienenjunkies. Schön.
Nur eine Klammer, die das Merkmal des kleinen, unbedeutenden Ortes mit großem, bedeutendem Eisenbahnknoten aufgreift, so etwas gibt es nicht. Kein Coffeetable-Bildband und keine Internetseiten über diese Knotenpunkt-Städte und ihre unterschiedlichen Entwicklungen, wo es doch Regal-Kilometer an Eisenbahnliteratur gibt. Schade.
Lesen wir sie also weiter auf den Zuglaufschildern und Zuganzeigern. – Und das inzwischen auch nur noch bei den nicht so schnell den Zügen, denn ICEs sind Flugzeugkonkurrenz, sie halten nicht in Eisenbahnknoten, die zu einer Stadt gehören, in der nur ein paar 1000 oder ein paar 10.000 Menschen leben.

Ach, vielleicht interessieren Sie ja vielmehr die Orte, nach denen Autobahnkreuze oder Autobahnraststätten benannt sind. Die sind oft genauso unbedeutend. Jeder kennt ihren Namen, nur keiner war schon einmal richtig dort.

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Miz Kitty reist mit dem Grafen – Sommer-Zeitschleife 2015

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Schon fast eine ganze Woche ist seit unserem Aufenthalt in der Zeitschleife schon wieder vergangen. Für die Erstleser: der Ort für die Zeitschleife befindet sich im Riesengebirge, hier. Dieses Mal waren wir mehr als eine ganze Woche an diesem Ort und haben nicht die Dinge getan, die Urlauber im Riesengebirge üblicherweise tun. Kein Aufstieg zur Schneekoppe, keine Wanderung über den Kammweg, stattdessen rumhängen aus Erschöpfung und Erholungsgründen. Den Weg zur Elbquelle haben wir die meiste Strecke im Sessellift verbracht und freilich vor dem Ziel abgebrochen. »Faul« war dieser Zeitschleifen-Aufenthalt also, aber sehr erholsam. Warum nicht, wenn es so passt? Sollen die anderen doch ihren Spaß beim Wandern von Baude zu Baude haben; wir wechseln lieber zwischen Pool und Schlossgarten mit Blick auf die Burg Kynast.

Warum der Austritt aus diesen Zeitschleifen immer so einfach ist und vor allem das Zurück-Beamen immer gelingt, verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Dieses Mal gab es ein Update der Zeitschleifenprozedur um zwei Unterprogramme: nach dem Einritt die Analog-App installieren und vor dem Zurückbeamen die Analog-App wieder deinstallieren. Was um Himmels willen hat es mit dieser Analog-App auf sich, werden Sie sich jetzt fragen. Nun, die Analog-App ist dafür da, damit selbst teure Zeitschleifen-Hotel-Dppelbetten mit ihren inakzeptablen, das heißt nicht zuverlässig funktionierenden Klickverschlüssen nicht unbeabsichtigt auseinandergeleiten und die Zeitschleifen-Bewohner womöglich hart auf dem Parkett landen.

Schnell haben wir einen Werkzeugladen in Sobieszow gefunden, um die Analog-App zu besorgen. Für den sprichwörtlichen Apfel und das Ei gibt es dort ein paar Kabelbinder, die die Aufgabe sehr gut erfüllen. Vielleicht war die ganze Sache mit der Analog-App auch nur ein Aufhänger, einmal diesen interessanten Werkzeugladen zu besuchen, nachdem ich letztens ein paar Schnürsenkel geopfert hatte.

So Sie im Riesengebirge und in der Nähe von Agnetendorf unterwegs sind und in Ihnen auch ein Handwerkerherz schlägt, sollten Sie diesen Werkzeugladen unbedingt einmal besuchen. Ein Geschäft alter Schule ohne Baumarktqualitäten, dafür voll gepackt mit Werkzeugen aller Art. Egal, Ob sie einen Hammerstiel benötigen, Elektroden für’s Lichtbogenschweißen, einen Wasserhahn oder eben nur die Dichtung dafür, ein paar Meter buntes Seil oder eine Handvoll Kabelbinder, hier werden Sie zu gutem Preis fündig. Etwas polnisch zu sprechen oder mindestens zu verstehen, ist natürlich von Vorteil. Der Laden hat freilich keine Website, sie finden ihn hier:

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Nach dem Auskoppeln aus der Zeitschleife haben wir auf der Rückfahrt noch den Ort besucht, an dem Miz Kitty Ende der siebziger Jahre im Ferienlager war. Damals, als die wirtschaftliche Lage in Polen desaströs und die Situation noch um Lichtjahre schlechter als in der DDR war. Ziemlich geschockt hat sie das Ferienlager in Bad Flinsberg (Swieradow-Zrdoj), sodass sich Polen für sie erst einmal lange erledigt hatte, so lange bis wir uns kennen lernten. In diesem Jahr wollten wir einmal schauen, was aus der Ferienlagerstätte geworden ist, einem Ort mit – wie Miss Kitty sagt »absolut schlechtem Karma«. Vielleicht ist dort ein längst ausgebautes Ferienhotel. Oder doch die Ruinen einer Gammelherberge, überwuchert, halb zerstört, mit einem verwitterten Zu- verkaufen-Schild? Solche Objekte gibt es hier tatsächlich zuweilen. Wir haben den Ort ziemlich schnell gefunden. Miz Kitty schreibt ausführlich in ihrem Blog darüber. Nichts und gar nichts mehr gibt es hier. Ein leerer Platz. Die vor 40 Jahren schon schrecklich vergammelte Ferienlager-Unterkunft ist längst abgerissen. Vor 1945 hieß das Haus Brandhöhbaude. Heute ist dort ein leerer Platz mit zwei oder drei Autos darauf, deren Besitzer vielleicht mit ihren Mountain-Bikes unterwegs sind. Bad Flinsberg gehört nämlich schon zum Isergebirge, das etwas flacher und lieblicher ist. Deswegen setzt man hier vermutlich auf Mountainbiker. Interessant, dass dieser Schlechtes-Karma-Ort der die jugendliche Miz Kitty so nachhaltig negativ beeindruckt hat, jetzt leer ist, eine leere Freifläche. Fast so etwas wie Fügung. Sie spuckt jedenfalls einmal auf diesen Platz, um mit der 40 Jahre alten Sache abzuschließen.

Der Rückweg Richtung Berlin geht schnell, und in Zgozelec stoppen wir noch einmal in einem Einkaufszentrum zu einem im letzten Jahr eingeführten Polen-Sommerurlaubs-Abschlussritual: Zloty ausgeben und 14 kg Persil-Color kaufen, den Waschpulvervorrat für das ganze nächste Jahr. Miz Kitty sagt, das sei dort wesentlich günstiger. Also fünf 2,8-kg-Packungen gekauft (die dort sogar gerade im Sonderangebot waren) und freilich noch einen großen Einkaufswagen mit allerlei darin, denn ohne einen Vorrat an Zywiec-Bier und Cabanossi-Würsten verlasse ich ja in der Regel kein polnisches Einkaufszentrum.

 

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Miz Kitty reist mit dem Grafen – Ausgabe 2015

imageIm Riesengebirge.

In diesem Jahr gibt es bei uns im Sommerurlaub zwar einen Schloss-Aufenthalt, jedoch nicht das übliche Schlösser-Hopping. Wir sind beide ziemlich erholungsbedürftig und machen dort Urlaub, wo wir uns immer ganz gut erholt haben. Sie wissen es, dort, wo wir gerade mal vor zweieinhalb Monaten ein Wochenende verbracht haben. Mit dem Blick auf die Burgruine Kynast, den ich sehnsuchtsvoll zwischenzeitlich schon mit dem Label »Bald™« getwittert hatte. Hier lässt es sich erholen, wie einst bei Louise Ende oder in Haus Köhler. Näheres lesen Sie einfach in den Beiträgen von vor zwei Jahren. Nach wie vor ist es eine angenehme Location und am Sonnabend gibt es hier wieder ein Konzert. Außerdem haben wir uns beide irgendwie in das Riesengebirge verliebt.

Die pappheißen Sommertage scheinen in diesem Jahr vorüber zu sein, wobei es schon noch gut temperiert ist, aber eben glücklicherweise nicht pappheiß. Etwas Gedanken mache ich mir gerade über Menschen, die immer wieder an die gleichen Urlaubsorte fahren, also über uns. Locker könnte ich Ihnen nämlich Archivbilder als Urlaubsfotos präsentieren, passend zu jeder Stimmung und Witterung. Egal, wir können uns hier erholen und müssen uns in diesem Jahr nicht einmal über die Berliner Wohnung Gedanken machen, denn dort erholen sich im Moment andere Menschen und genießen die Abwechslung der Hauptstadt.

Geheimtipp Riesengebirge? – Nein, fahren Sie besser in den Schwarzwald statt nach Schlesien. Dort zahlt man in Euro hat, hat lustige Kuckucksuhren, deutsche Gewohnheiten und versteht die Sprache. Und wir werden uns hier nicht treffen. – Falls Sie jetzt schon das Riesengebirge kennen und mögen: Na gut, dann treffen wir uns gerne hier in Schlesien und sind unter uns.

 

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Elbeschwimmen 2015

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Schön, wenn sich schöne Dinge wiederholen. So war es heute mit dem Elbeschwimmen in Dresden, über das ich heute wort- und bildreich schreiben könnte. Das habe ich jedoch schon letztes Jahr ausführlich getan, im Freistilstaffel-Blog, dem ersten deutschen Gemeinschafts-Schwimmblog. Lesen Sie hier, und am besten dort den Bericht von Miz Kitty gleich mit.

Heute lief es genauso wie im letzten Jahr ab und war ebenso schön und entspannend, sich über die 3,5 Kilometer vom Blauen Wunder bis zum Fährgarten Johannstadt treiben zu lassen. Anschließend gab es noch ein kleines Bloggertreffen im Fährgarten. Alles in allem ein schöner Sonntag.

Falls Sie dann in der Freistilstaffel gelesen haben, auf den Geschmack gekommen sind und sich im nächsten Jahr auch im Strom treiben lassen möchten: Das Elbeschwimmen 2016 kommt im nächsten Sommer so sicher wie Ostern und Weihnachten. Der Termin steht immer schon Anfang des Jahres fest. Ein »Oh, hätte ich das gewusst, da wäre ich auch gerne mitgeschwommen!« gilt im nächsten Jahr nicht mehr. Und wenn Sie im Internet weiter suchen möchten, geben Sie sowohl »Elbeschwimmen« als auch »Elbschwimmen« ein. Manchmal wird es mit e geschrieben, manchmal eben nicht. Seit diesem Jahr verwende ich daher immer beide Hashtags.

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