Reisen

Palastbesichtigung: Arnsdorf, Lomnitz, Schildau

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Oben: Palac Lomnica, unten: Palac Wojanow

Miz Kitty reist mit dem Grafen – Tag 14

Wir verlassen Wernersdorf mittags und ziehen noch etwas über die Dörfer. Wernersdorf ist ja ein kleines nobles Refugium. Innen modern und hell, zurückhaltend und stilvoll, dazu gepaart mit sorgsam aufbereitetem historischen Ambiente. Weit entfernt vom sonst üblichen »Retorten-Barock« vieler polnischer Schlösser und Herrenhäuser. Eigentlich so richtig zum Entspannen, etwas arbeiten oder ein Buch zu schreiben auf der Terasse dort mit dem Blick auf das Riesengebirge. Aber eben nur eigentlich, leider nicht immer. Miz Kitty fokussiert die →Grundproblematik. Unter anderem aus diesem Grund wollten wir uns noch ein paar andere Schloss-Hotels anschauen, in denen wir bisher noch nicht gewesen sind.

SCHLOSS ARNSDORF

Unsere Palast-Erkundung beginnt im nahen Arnsdorf (Milkow). – Sie wissen schon, der merkwürdige und vergammelte Ort mit der Kirchenruine, der alle Klischees bestätigt. Dort gibt es auch ein Schloss. Eine letzte Chance geben wir dem Ort, vielleicht ist er ja doch ganz passabel. Schloss Arnsdorf heißt heute Palac Spiz, nach den neuen polnischen Eigentümern benannt. Es ist nicht nur ein Hotel, sondern hier ist auch eine kleine Brauerei situiert, wie ein großer Braukessel vor einem Nebengebäude verrät. Nun, das Bier hätte ich gern gekostet, aber in Polen gibt es die Null-Promille-Regel für Automobilisten. Während wir ankommen, proben gerade mehrere Jugendmusikorchester parallel an verteilten Orten. Der Bau an sich besteht innen aus nicht mehr so ganz neu und gepflegt erscheinender Barock-Retorte. Warum die Rezeptionistin uns, einem Paar, das sich ein Zimmer anschauen möchte, den Schlüssel für ein unaufgeräumtes Dreibettzimmer mit Einzelbetten gibt, in denen wohl gerade noch die Jungmusiker noch geschlafen haben, weiß ich freilich nicht. Irgendwie bestätigt Schloss Arnsdorf unser Vorurteil von diesem Ort. Wer weiß, vielleicht wohnen in diesen Mauern und im ganzen Ort noch die Geister der Allchimisten und Kräutersammler. Eine gewisse Gräfin Lodron hat hier mal nach Elixieren geforscht und dabei auch nach einem Potenzmittel für den Herrn Casanova gesucht. Very spooky. Nun, der Palac Spic wird nicht unser neues Domizil, wenn wir wieder im Riesengebirge sind. Einige Fotos habe ich gemacht, hier.

SCHLOSS LOMNITZ

Die nächste Station ist Schloss Lomnitz, deutlich näher an Hirschberg (Jelenia Gora) und wesentlich weiter vom Riesengebirge entfernt. Hier wollten wir eigentlich letztes Jahr Station machen, es war damals jedoch alles ausgebucht. Schloss Lomnitz wollte ich mir unbedingt einmal anschauen. Auch, weil es ähnlich wie Wernerdorf von seinen den deutschen Eigentümern zurückgekauft wurde, als Hotel betrieben wird und ich viel über dieses Schloss und die Eigentümerfamile von Küster gehört hatte. Angekommen in Lomnitz, besichtigen wir zunächst das schön hergerichtete Schloss. Natürlich nicht, ohne zu fotografieren. Einige Fotos sehen Sie hier.

Das Hotel befindet sich im sogenannten kleinen Schloss, dem ehemalige Witwenhaus, einem repräsentativen klassizistischen Nebengebäude. Innen recht stilvoll mit alten Möbeln eingerichtet – kein Retorten-Barock. Das Zimmer, das uns gezeigt wird, ist jedoch ziemlich klein, das Bad nur mit einer Dusche. Im Garten gibt es ein Eis und Kaffee für uns. Man sitzt dort entspannt und angenehm. Freilich, bei der Bekanntheit von Schloss und Familie trifft man hier die Schlesien-Reisende, Ex-Studienräte und dazu auch ostdeutsche Rentner aus dem Ausflugsbus. Lomnitz ist ja gerade mal 80 km von der deutschen Ostgrenze entfernt. Ehrlich gesagt, für den Preis (100€) finde ich die Zimmer etwas klein und das Fehlen der Badewanne unkommod.

Bevor wir zum nächsten Palast weiterziehen, steht noch der Besuch des Gutshofes neben dem Schloss an. Dort gibt es ein Restaurant, einen Leinen-Verkauf sowie einen Schnickschnack- und Bücherverkauf. Miz Kitty kaufte etwas Leinen. Kein Schnäppchen, jedoch in der Qualität in Berlin momentan nicht zu bekommen. Für den Kauf gibt es zwei Kaffeegutscheine im Restaurant, die wir dann auch prompt einlösen und uns in der Kassenschlange zwischen einer Busladung ostdeutscher Rentner wiederfinden – in einer unangenehmen, auf rustikal getrimmten Kantinenatmosphäre. Nicht meins. Nun, hier sind die Preise andere als im kleinen Schloss, zielgruppenorientiert eben.

SCHLOSS SCHILDAU

Einmal über eine Brücke fahren, und schon wartet das Renaissance-Schloss Schildau auf uns, der Palac Wojanow. Hotelzimmer gibt es hier sowohl in den Nebengebäuden als auch im Schloss selbst. Man zeigt uns ein Turmzimmer im Schloss. Verweilen lässt es sich hier gut, mit Sicherheit. Leider auch hier nur eine Einbaudusche, aber egal, in diesem repräsentativen Turmzimmer. Störend ist jedoch dieser Retorten-Barock. Warum trimmt man ein Schloss, das – 2002, nachdem es nach erster Restaurierung abbrannte – komplett neu aufgebaut wurde, so auf Teufel komm raus auf alt, mit dem Ergebnis dunkler, schwer anmutender Räume und Treppenhäuser, in denen man sich nicht entspannt und leicht bewegen kann? Nicht wirklich zum Wohlfühlen. Der vollständige Neuaufbau wirkt zudem auch außen sehr artifiziell, so ganz ohne auch nur den Hauch einer natürlichen Patina. Von weitem wirkt das Schloss wie eine Miniatur in einer Modelleisenbahnanlage. Zweifelsohne, der Landschaftspark ist sehr schön und würde sehr zu meiner Entspannung und Kreativität beitragen. Unser Refugium für die nächste Riesengebirgsreise wird Schloss Schildau wohl nicht. Zuviel Retorte. Vier Fotos habe ich für Sie.

19 Uhr durch ist es nach Erkundung dieser drei Schlösser und unserem Nachmittags-Eis in Lomnitz. Über die niederschlesischen Straßen geht es bei Sonnenuntergang Richtung Autobahn, um dann langsam nach Berlin zu gleiten.

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