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Kreditkarten-Upcycling

Kreditkarten-Upcycling

Diesen Beitrag lesen Sie am besten nur weiter, wenn Sie das sogenannte »Kreativ-, Bastel, und DIY-Gen« haben, Papier also nicht nur mit Computer und Laserdrucker beschreiben und Ihnen Bleistift und Buntstift nicht fremd sind.

Vor einem Monat lief meine alte Kreditkarte ab. Selbstverständlich bekam ich rechtzeitig eine neue zugeschickt. Eigentlich soll man die alte Karte sofort zerschneiden, damit sie nicht noch irgendwie missbräuchlich verwendet wird. Oft hebe ich diese Plastikkarten jedoch auf, eignen sich sie doch hervorragend als flexible Flachspachtel, egal ob man damit Leim auf einer Oberfläche verteilt oder kleine Fugen und Risse mit Spachtelmasse verschließt.

Vorhin hatte ich jedoch eine andere Idee, da auf der Kreditkarte neben der Nummer auch mein Name richtig eingeprägt ist. Hochprägung nennt man das im Kreditkarten-Jargon. Früher™, als es noch keine elektronischen Lesegeräte gab, war diese Hochprägung unbedingt erforderlich. Mit einem Imprinter, vulgo Ritsch-Ratsch-Gerät, wurde die geprägte Kartennummer in ein Durchschreibepapier übertragen. Heute gibt es diese Imprinter nur noch selten. Trotzdem – oder eben für den seltenen Fall – haben nach wie vor alle Kreditkarten die Hochprägung. Bevor ich die Karte entsorge, so dachte ich, müsste sich damit doch mein Name in ein Blatt Papier einprägen lassen, z.B. für ein Exlibris in einem Buch. Freilich möchte ich jedoch nur meinen Namen damit einprägen und nicht meine Kreditkarten-Nummer. Deswegen muss zuerst die Kartennummer und das Ablaufdatum verschwinden. Schnell ist beides mit dem Cuttermesser entfernt. Etwas Fingerfertigkeit ist dafür schon erforderlich, schneiden Sie sich also nicht in die Finger, der Kunststoff der Kreditkarte ist ziemlich hart. Wer mit dem Cutter umgehen kann, hat es jedoch in fünf Minuten erledigt. Damit keine erhabenen Rückstände übrig bleiben, kann man ggf. noch etwas mit feinem Schleifpapier nacharbeiten. So drücken sich garantiert keine Reste mehr ins Papier. Aufpassen muss man, dass man den Namen nicht gleich mit abschneidet. Und wenn, ist es auch egal, die Karte hätten Sie ohne diesen Blogpost sowieso weggeworfen?

Ist nur noch der Name vorhanden, stellt sich die Frage, wie man diesen in ein Blatt Papier gedrückt bzw. geprägt bekommt. Den weichen Handballen, eine Gummisohle oder ein größeres Radiergummi dafür zu verwenden, ist naheliegend, jedoch keine gute Idee. Bekanntlich ist Druck ja Kraft pro Fläche. Ist die Fläche klein, braucht man nicht viel Kraft, um großen Druck ausüben zu können. Das kennen Sie alle von der Stecknadel, die an der Spitze eine so kleine Fläche hat, dass man mit recht wenig Kraft in festes Material eindringen und es durchstechen kann. Legt man die Karte also unter ein Blatt Papier und drückt mit einem Radiergummi oder einer Gummisohle von oben auf das Papier, so ist das Ergebnis der Prägung nur mäßig. Die Fläche, mit der der Druck ausgeübt wird, ist zu groß. Man bräuchte die Kraft einer richtigen Presse. Besser geht es wie abgebildet mit einem Bleistift-Radiergummi. Es hat eine viel kleinere Fläche. Natürlich muss man damit mehrmals pressen. So gelingt es jedoch, nacheinander jeweils ein bis zwei Buchstaben schön ins Papier zu übertragen. Etwas Probieren ist freilich immer dabei, bis man einen schönen Bleistift gefunden hat, dessen Radiergummi sich gut für diesen Zweck eignet. Wer DIY mag, der probiert ja sowieso oft gern. Das Papier ein wenig anzufeuchten, ist eine Variante, die Erfolg verspricht, wobei man aufpassen muss, dass es sich nicht wellt, wenn es wieder getrocknet ist oder die Oberfläche beschädigt ist. Bei meinem Test habe ich es nicht feucht gemacht und ein gutes Ergebnis erzielt (siehe Fotos).

Die feinen Strukturen, die man mit einer Prägezange oder einem Prägegerät erreicht, bekommt man mit diesem Kreditkarten-Upycling nicht hin. Falls Sie also Ihren Namen makellos in der Schrift Ihrer Wahl prägen möchten oder ohnehin eine Bastelphobie haben, dann führt Ihr Weg zum örtlichen Stempel- und Gravuren-Hersteller oder vielleicht zu Manufactum. Was jedoch mit der upgecycleten Kreditkarte im Gegensatz zum Prägegerät möglich ist, ist das Sichtbarmachen der Buchstaben, indem man das Papier vorsichtig mit dem unlackierten Holzbleistiftende (wie bei Ikea-Bleistiften), mit Wachsmalkreide oder behelfsweise auch mit einem lackierten Bleistiftende frottageartig abreibt. Das Ergebnis wird immer etwas rough sein, aber das ist gerade der Reiz dieses Kreditkarten-Upcycling. Makellos-clean können Sie Ihren Namen mit dem Laserdrucker oder mit dem Gummistempel für ein paar Euro stempeln.

Kommentare (2)

  1. Hallo Volker!

    Ich bin eigentlich grad eher zufällig auf deine Seite gestoßen. Ich muss sagen: Perfekt!

    Deine Beiträge sind unheimlich abwechslungsreich. Euer Beitrag über die Polen-Reise war so toll geschrieben, dass ich den Trip ebenfalls in Angriff nehmen will. Polen war bisher eigentlich nicht mein bevorzugtes Reiseland.

    Dieser DIY Beitrag ist übrigens ebenfalls super. Solche Ideen liebe ich! Macht weiter so!

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