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Die grünen Bleistifte

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Dinge, mit denen wir aufwuchsen…

Jeder kennt sie, die grünen Bleistifte der 9000er Serie von Faber Castell. Diese Stifte gab es schon seit Anfang letzten Jahrhunderts und damit zu meiner Kinderzeit schon viele Jahrzehnte. Heute gibt es sie immer noch. Damals™ hatten sie eine etwas hellere Farbe: »jägergrün« oder »Napier green«. Seit den 80ern sind sie im edel anmutenden dunkelgrün zu haben, man könnte es »British Racing Green« oder nach der Schokoladen-Verpackung »After-Eight Grün« nennen.

So manches westdeutsche Schulkind hatte zumindest einige dieser jägergrünen Stifte in Schule und Kunstunterricht. Vertraute Dinge der Kindheit, die es heute noch immer gibt, wenn auch heute etwas anders und mit der Wortmarke Faber-Castell in Kapitälchen statt wie früher A.W. Faber in Versalien. Die alten Jägergrünen liegen freilich noch in mancher westdeutschen Schublade, denn ein normal harter Bleistift verbraucht sich oft über Jahrzehnte nicht, wenn man ihn nicht ständig benutzt oder ihn zu Tode spitzt.

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Als Kind besaß sich eine ganze Reihe dieser Bleistifte in mehreren Härtegraden. Ich war schon immer etwas »pen and paper addicted« und mein Vater brachte dieses und jenes aus dem Büro mit. Ein paar Mal bekam ich auch eine leere Blechschachtel, in der es damals™ diese besseren Bleistifte in Papier eingeschlagen zu kaufen gab. Die Schachteln lagen wohl schon gute 10 Jahre im Büro, bevor sie endlich leer waren und ich sie bekam. Hervorragend eigneten sich diese Blechschachteln als kleines Stiftetui. Einige davon habe ich später im Studium verschlissen. Man konnte darin sehr gut einen Bleistift, einen Kugelschreiber, Spitzer, Radiergummi und noch zwei Farbstifte aufbewahren. Mindestens eines dieser »Stiftetuis« gibt es noch in meinem Fundus. Das letzte habe ich wohl vor guten 25 Jahren verwendet und hatte es innen mit dem gelben Filzvlies eines Spültuches ausgeschlagen, da mir die Stifte in der Blechschachtel zu sehr klapperten. Das funktionierte prima und sah dazu ganz gut aus.

Nun, warum schreibe ich das alles und was hat es mit der abgebildeten, voll gefüllten Bleistiftschachtel zu tun? Herr Schneck, dessen Blog Miz Kitty letztens umgezogen hat, hat mir diese Schachtel geschickt. Sehr gefreut habe ich mich darüber, hängen doch an diesen jägergrünen Stiften Kindheitserinnerungen. Die gefüllte Schachtel stammt aus dem Stuttgarter Architekturbüro des Vaters und Großvaters von Herrn Schneck. Wissen Sie, was ich jetzt tue? Ich spitze sie nach und nach mit dem hammerschlaggrünen Kurbelanspitzer, ebenfalls von Faber-Castell, Baujahr 1970 und schreibe oder zeichne damit. Echte jägergrüne Analog-Apps. Herzerfreu. Danke, Herr Schneck. Eigentlich haben diese Bleistifte einen Spitzer aus Sterlingsilber mit Clip verdient. Den bestelle ich jetzt. Erklären Sie mich für verrückt ob des Preises. Es ist ein Liebhaberstück und man kann dort nicht nur die mitgelieferten holzfarbenen einstecken.

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…und viel mehr dahinter:

Nicht nur westdeutsche Kindheitserinnerungen bringt die Bleistiftschachtel von Herrn Schneck hervor. Es verbirgt sich jede Menge deutsche Wirtschaftsgeschichte darin.

Da ist zuerst einmal die Marke Faber-Castell. Faber, die Bleistift-Dynastie aus dem fränkischen Ort Stein bei Nürnberg. Seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sind Bleistiftmacher dort ansässig, allen voran die Fabers, aus deren Familie sich neben »A.W. Faber-Castell« die Unternehmen »Johann Faber« und, heute noch sehr bekannt, »Eberhard Faber« entwickelten. Nürnberg und Bleistifte, das scheint zusammen zu passen. Auch Staedler kommt aus Nürnberg, Sie wissen schon: die blauen Bleistifte mit dem schwarzen Kopf.

Weiter steckt Wirtschaftsgeschichte vergangener Zeiten in den jägergrünen Bleistiften: Von den Anfängen der Faber’schen Bleistiftproduktion im langsam beginnenden industriellen Zeitalter über den erfolgreichen Lothar Faber, einen Macher, der die Marke »A.W. Faber«, mit den Initialen seines Großvaters, prägte und bekannt machte, eine sibirische Graphitmine kaufte und vom bayrischen König Maximilian II geadelt wurde, bis hin zu seiner Enkelin Ottilie. Diese heiratete 1898 den Grafen Alexander zu Castell Rüdenhausen. Er führte die grüne Farbe für die Bleistifte ein, die Farbe seines Regiments. Markenbildung Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Verbindung zwischen neuem Adel und altem Adelsgeschlecht führte zum Namen Faber-Castell, war persönlich jedoch nicht erfolgreich. Ottilie trennte sich nach 20 Ehejahren von ihrem Mann und ließ sich scheiden – äußerst unüblich für diese Zeit. Ausführliches über die Zeit, die Gesellschaft und die Personen können Sie in der Romanbiografie von Asta Scheib über Ottilie von Faber lesen.

Und nicht zuletzt gibt es da den Graf Anton Wolfgang von Faber-Castell, Jahrgang 1941, der dem Unternehmen seit den achtziger Jahren vorsteht und mit Geschick mit der Marke »Graf von Faber-Castell« ein Marktsegment besetzt hat, dass Liebhaber schöner Dinge anspricht, die auch etwas teurer sein dürfen.

Wer Bleistifte nicht wie Türklinken benutzt (sie also täglich gebraucht, aber selten den Unterschied wahrnimmt) und sich für Geschichte und Gesellschaft interessiert, für den lohnt es sich, einmal im Netz über die Faber’sche Bleistiftdynastie zu lesen.

 

 

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. ach, das freut mich jetzt aber sehr! es gibt ja nicht viele menschen, die diese kleinen dinge wirklich zu schätzen vermögen. dann lag ich ja genau richtig. und meinen großvater würde das sicher auch freuen. speziell mit der härte „F“ kann man ja fast ein leben lang notieren, so hart wie die sind. und diese nebenbei auch als werkzeugersatz benutzen, in haus, hof und garten. mal sehen also, was sich noch so findet hier in kisten, ich werde mitteilen. /aber ganz besonders schön ist ja nebenbei auch Ihr original-drehspitzer! es gibt sie eben noch, die guten dinge.

  2. Passt der Silberclip mit Spitzer auf die sechseckigen 9000er? Mir ist, ehrlich gesagt, noch nie der Gedanke gekommen, das das gehen könnte. Ich verwende deshalb immer noch die ehedem empfohlene grüne Plastikalternative, die allerdings nach einiger Benutzungszeit immer etwas in der Passform nachlässt. In silbernen Faber-Castell-Schachteln, wie von dir gezeigt, befinden sich in meiner Werkbank beispielsweise noch das Glasschneide-Werkzeug und auch einige gemischte Stifte. Beides habe ich aber schon so einsortiert von meinem Vater geerbt.

  3. An Schneckinternational:
    Ja, einen Bleistift der Härte F kann man über Jahrzehnte verwenden, ohne dass er sich wirklich verbraucht. So richtig als Werkzeug nutzen kann man Bleistifte der Härte 2H, 3H oder noch härter. Einem Fallminenstift (TK-Stift) mit so einer Mine, die mit einem Minenspitzer schön langkonisch gespitzt ist, kann man locker Flügel anheften und ihn als Dartpfeil verwenden. Oder eben ohne Flügel als Reißnadel für weiche Materialien verwenden. Letzteres habe ich früher gemacht.
    Danke für die Anmerkung und natürlich für die Bleistifte.

    An Jens-Arne:
    Darüber habe ich vorhin auch nachgedacht, dass die 9000er zu dünn für den Metallaufsatz sind. Ich werde es die Tage einmal testen. Das wäre blöd und schade, kann ich mir aber nicht so richtig vorstellen. Die grüne Kunststoffausführung und auch eine preiswerte aus Aulminium habe/hatte ich hier schon mehrfach, mit dem gleichen Ergebnis wie bei Dir, dass die Dinge sich schnell abnutzen. Vielleicht achte ich aber bei so recht billigen Dingen nicht besonders darauf. Im Haushalt meiner Eltern und Großeltern gab es für allerlei Werkzeuge eher Pfeifentabacks- oder Zigaretten-Blechdosen (z.B. Türkenkost, https://www.google.de/search?q=t%C3%BCrkenkost&client=safari&hl=de&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ei=dB9EVPXWOeL8ygPUj4KoDw&ved=0CAkQ_AUoAg&biw=1024&bih=671 oder Laurens Gelb, https://www.google.de/search?q=laurens+gelb&client=safari&hl=de&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ei=aSBEVOGEK4b8ywPugoDYCg&ved=0CAgQ_AUoAQ&biw=1024&bih=671#hl=de&tbm=isch&q=%2Blaurens+%2Bgelb+%2Bzigaretten). Einige davon gibt es noch in meinem Fundus, mit dem gleichen Inhalt, wie schon bei Vater und Großvater, z.B. Glaschneider, etc.

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