Reisen

Fernbus-Erfahrungen

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Nachdem im Jahr 2013 das Fernverkehrsmonopol der Deutschen Bahn abgeschafft wurde, scheint die Fernbus-Branche zu boomen. Mehrere Anbieter tummeln sich hier inzwischen. Der bekannteste ist sicher Meinfernbus-Flixbus mit den auffälligen, grünen Bussen. Ursprünglich waren es zwei Unternehmen, die sich vor einiger Zeit zusammenschlossen. Die Firma selbst besitzt keine Fahrzeuge, sondern arbeitet mit regionalen Busunternehmen zusammen. Im Moment sind es 155 Buspartner, die Bus und Fahrer mit allem Drum und Dran stellen und die Fahrten durchführen.

Buchen kann man im Internet bzw. über eine eigene App. Im Moment sind die Fahrten konkurrenzlos preiswert, so dass selbst eine Bahnfahrt mit der Bahncard 50 deutlich teurer ist. Zwanzig Euro für eine 500-km-Strecke von Berlin nach Westdeutschland, das ist schon ein Preis, den ich überschlagsmäßig kaum noch nachvollziehen kann, wenn ich die Kosten für Benzinverbrauch, Fahrerlohn, Busanschaffung und die Zahl der mitfahrenden Fahrgäste berücksichtige. Es scheint sich trotzdem für Meinfernbus-Flixbus zu rechnen.

Für so einen Budgetpreis kann man im allgemeinen nicht wirklich viel erwarten. So dachte ich zumindest, als ich das erste Mal von Berlin eine kürzere Fernbusstrecke buchte. Umso angenehmer war ich überrascht, dass der Fernbus ganz kommod war, inklusive WLAN, das die trotz meiner Bahncard deutlich teurere Bahn nicht bietet. Am letzten Wochenende habe ich dann eine richtig lange Strecke mit dem Fernbus zurückgelegt. Zeitlich passte es genau so gut wie mit der Bahn, für die Rückfahrt sogar besser. Für den günstigen Preis nahm ich gerne die im Vergleich zur Bahn zwei Stunden längere Fahrt in Kauf. Auf beiden Fahrten hatte ich Glück. Der Bus war nicht voll besetzt und ich hatte eine Sitzbank für mich allein, was sehr bequem war. Davon sollte man jedoch nie rausgehen, denn es kann nicht das Ziel des Fernbusgeschäfts sein, dass ein Bus gerade mal halb voll ist – für mich als Kunden war es natürlich sehr bequem.

Im Internet gibt es eine eigene Website mit Fernbus-Bewertungen, übrigens eine geschickte Strategie der beteiligten Fernbus-Anbieter, denn so haben sie die meisten Beschwerden gleich gebündelt in einen Forum bzw. Bewertungsportal und nicht bei Facebook oder in einem anderen Social-Media-Kanal, wo die Bewertungen schnell geteilt werden und die Betreiber nicht so schnell darauf eingehen können. Einiges auf dieser Bewertungs-Website kann ich nachvollziehen, viele Beschwerden jedoch nicht. Alle Fahrer und Mitarbeiter von Meinfernbus-Flixbus waren zu mir freundlich und zuvorkommend – was vielleicht auch an mir liegt.

Sehr angenehm finde ich es als Digital Resident, dass die Buchung komplett via Smartphone und papierlos erfolgen kann. Man bucht via App oder via Browser, und beim Einsteigen in den Bus wird der QR-Code des Fahrscheins vom Fahrer oder einem anderen Mitarbeiter eingescannt. Für diejenigen, die nicht so digital aufgestellt sind und Fahrkarten lieber im Reisezentrum oder an einem Fahrkartenautomat kaufen, ist das vielleicht eine kleine Herausforderung, für mich genau das Richtige.

Dass Fahrten zu diesen Budgetpreisen an einen konkreten Bus und damit an eine konkrete Abfahrt gebunden sind und man nicht einfach einen Bus später nehmen kann, wenn man nicht pünktlich am Ausfahrtsort war, das sollte eigentlich jedem klar sein. Bei der Bahn ist das auch nur mit den teureren Normalpreis-Fahrscheinen möglich.

Fernbus-Reisen – Empfehlungen

✪ Um mit einer Fernbusreise glücklich zu werden (oder es zumindest nachher noch zu sein), sollte man Busreisen generell wenigstens ein klein wenig mögen.

✪ Einerseits ist es sehr angenehm, einfach einzusteigen und sich von A nach B kutschieren zu lassen, ohne sich um irgendetwas selbst kümmern zu müssen. Andererseits ist ein voll besetzter Reisebus nicht sonderlich bequem. Die voll besetzte Bahn am Freitagnachmittag sicher genauso wenig, das eigene Kfz vielleicht schon.

✪ Ein weiterer Aspekt, mit dem man entweder gut leben kann oder eben nicht, über den man jedoch vor einer Fahrt mit dem Fernbus einmal nachdenken sollte, ist, dass man sich im Fernbus dem Busfahrer und seinen fahrerischen Können voll und ganz anvertraut und man in der Regel keine Möglichkeit hat, die Fahrt schnell abzubrechen, wenn das Bauchgefühl meldet, dass irgendetwas so gar nicht stimmt. Ein Lokführer hat sicher viel weniger Einfluss auf eine Bahnfahrt als der Busfahrer auf die Fahrt in einem Fernbus. Die Fahrer auf meinen Fernbusfahrten machten jedoch alle einen kompetenten Eindruck und lenkten ihre Fahrzeuge nach meiner Einschätzung durchaus sicher. In den Internet-Bewertungen wird dieser Punkt immer mal wieder angesprochen und man liest über die schwarzen Schafe.

✪ Grundsätzlich muss man im Fernbus mit der Vorstellung des Gefahrenwerdens und des mit-fremden- Menschen-nah-nebeneinander-Hockens klar kommen. Wer das alles wenig angenehm findet, nimmt besser das eigene Kfz oder die Bahn.

Das Gepäckproblem

Eines muss – im Gegensatz zu anderen Fernbus-Ausbietern – von Meinfernbus-Flixbus unbedingt noch gelöst werden. Bei den Budget-Preisen bleibt natürlich einiges auf der Strecke, manchmal auch das Reisegepäck. Wie im Flugzeug darf man ein Handgepäckstück mit in den Bus nehmen, während weitere oder größere Gepäckstücke ins Gepäckfach gelegt werden müssen. Das ist eine sinnvolle Regelung, damit es im Bus nicht zu eng wird oder Gepäckstücke unnötig hin- und herfliegen. Nur ist es eben so, dass es weder Gepäckmarken, Gepäckbänder oder ähnliches gibt, so dass sich beim Aussteigen nicht nachvollziehen lässt, welches Gepäckstück zu welchem Fahrgast gehört.

Bei der Abfahrt wird die Gepäckklappe geöffnet (manchmal auch beidseitig) und jeder setzt sein Gepäckstück in das Fach. Meist hilft der Fahrer dabei und holt beim Aussteigen die Gepäckstücke auch wieder heraus. Auf Zuruf. „Die grüne Tasche dort hinten“, und schon bekommt man die grüne Tasche gereicht. Ob man sie auch mitgebracht hat oder ob sie jemand anderem gehört, dafür gibt es weder Nachweis noch Kontrolle.

So kann es sein, dass ein anderer Fahrgast die grüne Tasche einfach mitnimmt oder sich am Ziel oder Zwischenhalt jemand fremdes in den Pulk der Fahrgäste mischt und sich ein Gepäckstück geben lässt, also stiehlt. Ein Zwischenstop, bei dem nur ein paar Fahrgäste aussteigen, während die anderen im Bus sitzen bleiben und die Gepäckklappe offen steht, bietet sich für einen Gepäckdieb auch gut an. Das Ergebnis ist immer das gleiche: Gepäck weg – und es gibt keinen Ersatz. Keine Einzelfälle, sondern ein Thema für Meinfernbus-Flixbus, über das schon im TV berichtet wurde. An bestimmten Orten soll es inzwischen organisierte Diebe geben, die sich auf diese Art des Gepäckdiebstahls spezialisiert haben. Nachvollziehbar, denn eine so einfache Art, Reisegepäck zu stehlen, gibt es selten.

Während meiner Fahrt am letzten Wochenende hielt der Bus an einem Großstadtbahnhof. Hier stiegen einige aus und weitere Fahrgäste zu. Zwar waren zwei Busfahrer und zwei Mitarbeiter zum Einchecken der Reisenden zugegen, allerdings auch viele dieser zwielichtigen, am Bahnhof rumhängenden Gestalten. Dazu der Bus mit offener Gepäckklappe. Wer es drauf anlegt, holt dort trotz der vier anwesenden Mitarbeiter schnell ein Gepäckstück raus, ohne dass es sofort bemerkt wird. Ich war jedenfalls sehr froh, nur meine alte Reisetasche im Gepäckfach zu haben und nicht meinen teuren Rollkoffer.

Für die Fahrt mit Meinfernbus-Flixbus also am besten nur altes Reisegepäck mitnehmen und keine Wertsachen darin unterbringen – seien es nun materielle oder ideelle, wie der Lieblingspullover.

Fazit – Für wen und für wen nicht?

✪ Für alle, die preiswert reisen möchten.

✪ Für alle, die auch bei einer Fahrt im voll besetzten Reisebus – jeder mit Tasche auf dem Schoß – noch halbwegs entspannt sind und die es nicht wirklich stört, wenn der Fernbus verkehrslagebedingt einmal 30 Minuten später abfährt oder 60 Minuten später ankommt.

✪ Für kürzere Strecken (bis ca. 3 Std.) und Städteverbindungen.

✪ Nicht, um zum Flughafen zu fahren, wenn man einen Flug gebucht hat oder wenn man zu einer ganz bestimmten Zeit am Zielort ankommen muss. Der Fernbus steht nämlich genau wie Autos im Stau, weswegen es schnell mal zu größeren Verspätungen kommen kann. Vielleicht fährt er auch schon erheblich verspätet los, weil er vorher im Stau stand. Die Anreise mit der Bahn zum Flughafen ist verlässlicher und manchmal pünktlicher. Vor dem Hintergrund der Gepäckproblematik manchmal auch stressfreier.

✪ Nicht für diejenigen, die bei Busfahrten und der Abhängigkeit von einem fremden Fahrer immer latent Bauchschmerzen haben.

✪ Nicht für diejenigen, die großes, unwiederbringliches Reisegepäck haben.

Dos und Don’ts im Fernbus

☞ Alles Wichtige gehört ins Handgepäck.

☞ Wertsachen werden immer am Mann (oder an der Frau) transportiert, auch wenn man nur kurz aufsteht, um z.B. nach vorn zu gehen und den Fahrer etwas zu fragen oder um z.B. bei einem Stop kurz vor dem Bus eine Zigarette zu rauchen.

☞ Wie überall, wo es freie Platzwahl gibt, gilt auch im Fernbus: Frühes Kommen sichert gute Plätze.

☞ Verglichen mit dem Bahnfahren erfordert das Reisen mit dem Fernbus eine etwas erhöhte Aufmerksamkeit am Abfahrtsort. Kurz zusammengefasst, was ich auf meinen wenigen Fernbusfahrten schon erlebt habe: Busbahnhöfe und Abfahrtsstellen sind manchmal unübersichtlich. Frühes Kommen entspannt etwas, den richtigen Bus zu finden. Manchmal ist eine Haltestelle auch um 100 oder 200 m verlegt, und man muss erst einmal schauen, wie man dort hinkommt, vor allem, wenn man ortsfremd ist, noch nie an diesem Ort war und mit dem Handy (zur Navigation) in der einen Hand und dem Rollkoffer in der anderen Hand im Laufschritt erkunden muss, wo die Ersatzhaltestelle ist, weil die Zeit drängt. Wehe dem, wer da knapp dran ist. Frühes Kommen entspannt dann ungemein. Man sollte sich auch nicht naiv darauf verlassen, dass dort, wo man nach der Hinfahrt ausgestiegen ist, auch der Abfahrtsort für die Rückfahrt ist. Genausowenig, dass ein Meinfernbus-Flixbus grün ist, etc. Das ist jedoch alles kein Problem, wenn man um diese Dinge weiß. Mit etwas Glück bekommt man Infos über Änderungen per SMS, mit etwas Pech kommt die SMS nicht zuverlässig an.

☞ Je nach Mobilfunkversorgung an der Autobahn funktioniert des WLAN mal gut, mal weniger gut und manchmal gar nicht. Zudem ist es ein öffentliches, ungesichertes WLAN. Man solte also nicht damit rechnen, dass man wichtige Internet-Arbeiten während der Busfahrt erledigen kann.

☞ Die Toilette ist wie in jedem Reisebus nur ein Not-WC. Sofern es geht, vermeidet man, sie zu benutzen.

☞ Wer grölende Menschen mit Bierdosen oder zappelnde, pampige Pubertierende nicht mag, setzt sich am besten ziemlich nach vorne in die Nähe des Fahrers. Diese Personen zieht es nämlich ganz gerne in den hinten Busteil oder im Doppeldecker nach oben. Hier gilt natürlich wieder: Frühes Kommen …

Viel Spaß beim Reisen, ob mit Fernbus oder sonstwie in der Welt.

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