Design & Typo

Meine Schrift im Typodarium:
F25 Minimalquadrat

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F25 Minimalquadrat

Wer etwas Design- und Typo-interessiert ist, kennt bestimmt das Typodarium. Es ist ein praktischer Abreißkalender. Jedes der 365 Kalenderblätter ist in einer anderen Schrift gesetzt. Ein Klassiker, den es nun schon ein paar Jahre gibt. Vom Stil her sehr unterschiedliche Schriften wechseln sich auf den Kalenderblättern ab, von professioneller Satzschrift über Fonts, die nur in einem Schriftschnitt als Freefont verfügbar sind bis hin zu recht experimentellen Schriften. Eine schöne Mischung, die mich immer wieder inspiriert.

Heute bin ich mit meiner Schrift auf den vielen Schreibtischen präsent, auf denen ein Typodarium steht. Das Kalenderblatt für den 27. November 2015 ist in meiner Schrift F25 Minimalquadrat gesetzt, die ich vor einiger Zeit unter meinem alten Label F25 Type Design veröffentlicht habe.

Experimenteller Font trifft sicher ganz gut auf die F25 Minimalquadrat zu. Jeder Buchstabe besteht aus einem Quadrat, Öffnungen (Punzen) sowie die Buchstabenform allgemein wird durch viel kleinere, heraus- oder abgetrennte Quadrate modelliert. Tatsächlich, damit kann man Buchstaben machen. Schauen Sie selbst.

Wer Grafik-Design studiert hat, kennt diese Experimente. Mit minimalen Mitteln, hier eben nur große und sehr viel kleinere Quadrate, wird ein komplettes Alphabet dargestellt. Diese Systematik habe ich bei der F25 Minimalquadrat relativ konsequent durchgezogen. Die Schrift entstand damals in einer Reihe mit dem Arbeitstitel „hidden fonts“ für ein Projekt „hidden messages“. Das sollte ein kleiner Fotoband werden. Mit einer Handvoll abstrakter Schriften sollten typografisch minimalistische und damit nur versteckt wahrzunehmende  Nachrichten dargestellt werden. Nach wie vor eine interessante Idee, nur dass mein Buch nie fertig wurde.

F25 Minimalquadrat ist jedoch ganz gut vorzeigbar als Teilergebnis aus diesem Projekt. Die abstrakte Schrift habe ich schon oft eingesetzt. Gewiss ist erst auf den zweiten Blick und in der Regel auch nur mit Vorwissen zu erkennen, dass es sich hier um eine Schrift handelt und nicht um ein abstraktes, bewusst zufälliges Muster. Genau das hatte ich auch damit intendiert.

Kein Font zum Ausdrucken

Natürlich kann man die Schrift ausdrucken und in Printmedien verwenden, zum Beispiel im Flyer oder als Wortmarke auf einer Visitenkarte. In kleinen Größen ist das jedoch schwer erfassbar und auch die Botschaft wird vermutlich nur jemand erfassen können, der entsprechend grafisch vorgebildet ist.

Viel interessanter finde ich den Einsatz der Schrift in der Raumgestaltung, an Fassaden, etc. Bildet man die F25 Minimalquadrat negativ (invers) ab, wird es spannender. Vielleicht gibt es ohnehin eine Gitterstruktur, Quadrate, Kacheln, oder ähnliches. Dann müssen doch nur die kleinen Quadrate in dieser kachelartigen Struktur aufgebracht werden. Kleine, leuchtende, aufgeklebte Miniquadrate machen das abstrakte Ensemble zu Buchstaben – und Buchstaben machen bekanntlich die Botschaft.

Kleben Sie kleine rote Quadrate auf eine Kachelwand (indem man Klebebandstücke zum Beispiel in der Breite des Bandes abschneidet), und schon haben Sie ein abstraktes Muster, gleichzeitig mit einer Botschaft darin. Oder eine weiße Leinenbettdecke, aus Quadraten zusammengenäht, wird mit kleinen roten Miniquadraten verziert, die die großen weißen Quadrate zu Buchstaben werden lassen.

Für Nichtkenner, nicht Eingeweihte, mutet das alles als nur als Muster mit zufälliger Ordnung an. – Kenner und Eingeweihte erkennen die Textbotschaft.

DIY

Seien Sie also gerne kreativ mit diesem Font und der Idee, die dahinter steckt. Das würde mich sehr freuen. Egal, ob T-Shirt, Beutel, Handtuch, Decke, Wand- oder Fassadengestaltung, Anwendungsbereiche gibt es genug.

Wer die Schrift ausdrucken möchte, muss etwas probieren und einen passenden Zeilenabstand finden, wenn der Text mehrzeilig sein soll. Verringern Sie so lange den Zeilenabstand, bis der Abstand der Buchstaben vertikal und horizontal gleich ist. Je nach Anwendungsprogramm ist das mit etwas Fummelarbeit verbunden, jedoch durchaus machbar. Ganz zu Beginn können Sie natürlich erst einmal den Abstand zwischen den Buchstaben verringern, so dass eine schöne Kachel-Optik mit Fugen entsteht.

Regel und Ausnahme

Jedes Regelsystem hat freilich seine Grenzen. So auch das Konzept einer Schrift, die minimalistisch nur aus einem großen und sehr wenigen sehr viel kleineren Quadraten besteht. Wie stellt man also ein i da? Ganz einfach, durch ein komplettes Quadrat, wird jeder zuerst einmal sagen. Das funktioniert, es kollidiert jedoch mit der Idee, für das Leerzeichen ebenso ein komplettes Quadrat zu verwenden. Das i bekommt also einen i-Punkt, hineingesetzt in das Quadrat. Weder logisch noch konsequent, aber eben zielführend. Eine Muss-man-wissen-Regel, die sich erst im Kontext mehrerer Zeichen erschließt. Die kleine, feine Unlogik dieser Schrift.

Privates

Ich habe die F25 Minimalquadrat selbst schon oft verwendet und sehe sie jeden Tag beim Duschen. Als ich Miz Kitty kennen gelernt hatte, stand ich eines Samstagabends, kurz bevor sie zu mir kam, in der Badewanne und dekorierte die weißen Kacheln mit kleinen Quadraten. Kacheln hatte ich zu Buchstaben gemacht, mit einer Nachricht für Miz Kitty – und für den Rest der Welt vermutlich nur ein mittelmäßig abstraktes Muster kreiert. Sie erkannte es, verblüfft, erfreut, gerührt. Vermutlich erkannte es sie es, weil ich ihr vorher mal beiläufig die F25 website gezeigt hatte. Eine gelungene Aktion. Und ich habe damals am Samstagabend eine Klebefolie erwischt, die sich als extrem haltbar erweist. Sie klebt auch nach Jahren noch, unbeeindruckt von ständigem Wasser und Putzmittel.

Hier, für Sie, zum Download

F25 Minimalquadrat. Experimentieren Sie !!!


Was man so machen könnte …

f25minimalquadrat

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Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Auch für ein Namentattoo perfekt. Spätere Korrekturen halten sich mit der gleichen Farbe und einer Laserbehandlung für die Neubeschriftung in Grenzen.
    Danke für den Font!

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