Gesellschaft

Von Damenschuhen verfolgt

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So wird das nichts mit Online-Marketing und eCommerce.

Die Idee ist ja verlockend, jemandem immer wieder individualisiert Dinge auf den Bildschirm zu bringen, die genau seinem Interesse entsprechen. Die er dann anklickt, und im besten Fall auch kauft. Eigentlich doch einfach, dieses Modell genauso wie die uralte AIDA-Formel.

Auf diesem Tracking von Kunden und deren Interessen mittels Targeting-Mechanismen sitzen viele Agenturen drauf, hypen es nach wie vor und verlangen ziemlich viel Geld dafür (ok, würde ich an deren Stelle auch tun). Nicht selten zahlen große Online-Shops auch ganz gut, in der Hilflosigkeit, dass es auch ganz gut funktioniert und die richtigen Kunden bringt.

Praktisch funktioniert dieses System für die Anbieter leider oft nur rudimentär und wenig zielführend – oft mit Peinlichkeitsgrad. So verfolgen mich die abgebildeten Damenschuhe seit ein paar Tagen und werden mir immer mal wieder in den Werbe-Bereichen diverser Internetportale, die ich aus ganz anderen Gründen aufsuche, präsentiert. Damenschuhe? Mir, als mittelaltem Mann. Gut, ich könnte einen Fetisch haben. Dafür ist das konkrete Modell jedoch zu solide. Oder ich könnte sie meiner Frau schenken. Nein kann ich nicht, sie hat genau diese Schuhe schon. Trotzdem tauchen sie in der letzten Woche in meinem Browser immer wieder auf.

Freilich kann ich sehr gut rekonstruieren, warum ich gerade jetzt mit diesen Damenschuhen beworben werde. Meine Frau hat sie sich nämlich in der vorletzten Woche gekauft und schrieb darüber in ihrem →Blog. Natürlich habe ich diesen Blogartikel und auch dort den Link zum Online-Schuhkaufhaus aufgerufen. Dabei muss es passiert sein. Die Schuh-Seite oder irgendeine Id davon hängen jetzt vermutlich in meinem Browsercache. Seitdem kommen sie immer wieder, diese Damenschuhe. Lustig, derart fehlplatzierte Werbung. Peinlich für Anbieter und natürlich auch für die Agenturen, die so etwas verzapfen. Bitte, warum präsentiert man so platt einfach das Produkt, das sich jemand ein oder zweimal im Online-Shop angesehen hat? Vielleicht hat er es schon, vielleicht will er auch nur Informationen sammeln. Allemal besser wäre es doch, zumindest Produkte zu präsentieren, die ähnlich sind, und außerdem nicht penetrant mehrfach dasselbe. Das sind also die Grenzen von Online-Marketing und Targeting im Jahr 2013. Enge Grenzen.

Mit den Damenschuhen kann ich jedoch gut leben. Immerhin sind sie visuell unauffällig und dazu unspektaklär – falls mir mal jemand über die Schulter auf den Bildschirm schaut, während ich gerade den Browser offen habe. Gut, dass ich vor ein paar Tagen nicht eine Gasmaske oder Gummimaske aufgerufen habe.

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