Berlin, Gesellschaft

Die Packstation-Verschwörung

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Von der Idee her eine gute Sache, die DHL-Packstation. Sie bietet vor allem Berufstätigen die Möglichkeit, Pakete unkompliziert zu jeder Tages- und Nachtzeit in Empfang zu nehmen, ohne irgendwelche sozialen Nebenwirkungen bedenken zu müssen, wie z.B. bei den Nachbarn ständig Danke sagen zu müssen oder deren Neugier und Unmut wegen der Paketgröße ertragen zu müssen. Mit Einführung des Systems Packstation wurde ich auch angeworben, habe es einmal getestet und mich schnell dagegen entschieden. Hier gibt es nette Nachbarn und einige Gewerbetreibende, die unsere Pakete gut und gern annehmen. Seit meinem Test ist die DHL-Packstation für mich eher ein Synonym für ein seelenloses Fächersystem, in Odeur und Form ähnlich den Bahnhofsschließfächern, und die nächste Packstation ist zudem in der dunkelsten Ecke außen am Kaisers-Supermarkt platziert. Ok, wir sind begnadet, was Paketannahme angeht. Hat man nun keine akzeptable nachbarschaftliche Paketannahme-Situation, weil die ebenso wenig anwesend sind wie man selbst, hilft die DHL-Packstation. Wie ich seit gestern weiß, kann man sich an die sogar direkt Pakete adressieren lassen.

Nicht erst seit gestern weiß ich jedoch, dass dieses System der DHL-Packstationen wohl recht fragil ist, wenn es denn überhaupt funktioniert. Bereits in der Anfangsphase machten Packstationen die Runde, die sich schlicht und einfach nicht mehr öffnen ließen. Paket eingeschlossen, selbst DHL kam nicht mehr ran. Das scheint wohl behoben, jedoch haben viele inzwischen ihre eigenen Erfahrungen mit der DHL Packstation gemacht. Oft keine guten.

Also zur »Packstation-Verschwörung Berlin-Rhein/Main«. Miz Kitty bloggt ja schon sehr lange und kennt – zumindest vom Bloggen – die Frau Novemberregen. Deren Blog und Tweets lese ich übrigens auch regelmäßig quer. Frau Novemberregen wohnt im Rhein/Main-Gebiet und ist DHL-Packstation-Kundin. Das System dort funktioniert offensichtlich mit der üblichen Packstation-Unpräzision. So musste sie sich ernsthaft damit befassen, ein nicht an sie adressiertes Paket, das die Packstation ausgespuckt hatte, wieder loszuwerden bzw. zurückzugeben. Jetzt bekam Frau Novemberregen zweimal eine Email, dass eine Berliner Packstation mit einem Paket für sie bestückt wurde, das sie dort bitte abholen solle. Einmal war es eine Packstation am Potsdamer Platz, das zweite Mal an der Neuköllner Sonnenallee. Haha, die Packstation mal eben knappe 600 km entfernt. Ernst nehmen kann man diese Dinge – andere sprechen von einer matrixartigen Parallelwelt der DHL-Pakete – ja nicht. Irgendwas ist dort ziemlich fehlgeleitet, entweder die Emails oder die Pakete.

Nach dem Email-Avis des Paketes, das jetzt angeblich in der Packstation Sonnenallee sein sollte, entstand nach kurzer Absprache zwischen Miz Kitty und Frau Novemberregen die Idee, diesem insgesamt wohl korrupten Packstation-System auf die Spur zu kommen. Frau Novemberrregen schickt also ihre DHL-Goldkarte per Briefpost an Miz Kitty nach Berlin. Diese Goldkarte ist der Schlüssel für die Packstation. Die Briefpost funktioniert glücklicherweise. die Goldkarte ist einen Tag später bei uns in Berlin.

Samstag morgen machen wir – also Miz Kitty und ich – uns auf nach Neukölln, zur Packstation Sonnenallee, die auf dem Gelände einer Aral-Tankstelle sein soll. Ich möchte das ganze mit der Kamera etwas begleiten und bin natürlich auch neugierig, ob es diese Station und das Paket überhaupt gibt, wie groß das Paket ist, ob ich beim Tragen helfen muss, etc. Was ist da los mit dieser Packstation-Verschwörung?

Neukölln ist ja immer wieder eine interessante Erfahrung, es ist etwas in anderer Hinsicht multikulturell als Berlin-Mitte. Türkische Cafés, Handy-An-und-Verkauf-Läden, multinationale Friseure, Brautmodengeschäfte, Klamottenläden, ein Geschäft für islamische Bestattungen. Dazu eine gewisse Quirligkeit auf den Straßen. Wäre ich 17 und aus der westdeutschen Kleinstadt-Provinz auf Klassenfahrt in Berlin, ich wäre begeistert von Neukölln.

Die Packstation ist dann auch sehr schnell gefunden. Es gibt sie wirklich, in der hintersten Ecke auf dem recht großen Areal einer Tankstelle. Dort, wo jeder bestimmt gerne bei Dunkelkheit sein Paket rauskramt. Miz Kitty holt mit der Goldkarte und der passenden mTAN schnell das Paket heraus. Vorher vermeldete der packstationseigene Monitor noch, dass eine Annahmeverweigerung nicht möglich sei. Ok, man muss das Paket dann also mitnehmen. Wie es dann abläuft, es wieder loszuwerden, schrieb Frau Novemberregen ja schon.

Nun, das Paket ist schuhkartongroß. Genauer gesagt, es ist ein Schuhkarton. Mit Paketband verklebt, Absender privat. Nix mit Riesenpaket à la Samsung-TV, das wir womöglich nicht zu zweit wegbewegt hätten. Nein, ein handlicher Schuhkarton. Leider nicht an Frau Novemberregen adressiert. An eine andere Frau, Adresse: Packstation sowieso, Berlin. Aha, das Paket ist wohl nicht fehlgeleitet, aber die Benachrichtigungs-Email umso mehr. Packstation-Verschwörung.

Wir nehmen es mit. Vielleicht lässt sich die richtige Empängerin ja schnell ausfindig machen, wohnt um die Ecke, und wir können heute noch die feierliche Übergabe zelebrieren. Das, was DHL nicht schafft. Miz Kitty lädt mich auf eine Stärkung zu leckerem Baklava in ein türkisches Café ein. Derweil bemühe ich via iPhone den weltgrößten Internetsuchdienst und gebe den Namen der Paketempfängerin ein. Sie hat einen ziemlich seltenen Namen und ist schnell gefunden. Zudem arbeitet sie in ähnlicher Branche wie Miz Kitty und ich. Theoretisch könnten wir uns kennen, aber Berlin ist groß. Es gibt eine Handy-Nummer, eine Email-Adresse, jedoch keine Postadresse. Ich spreche ihr auf’s Handy, wir hätten ein Paket für sie, und sie möchte sich melden.

Jetzt wird es illegal. Die Miz nimmt das aber, wie sie sagt, auf ihre Kappe. Sie möchte wissen: Was ist in diesem Paket? Und Frau Novemberregen möchte das als vermeintliche Empfängerin wohl auch wissen? Sind die Schuhe, die auf dem Etikett abgebildet sind, außen am Karton, drin? Oder vielleicht etwas ganz anderes, was man sich im Schuhkarton von privat zu privat so verschickt? Reinschauen kann man ja mal, wir nehmen ja nichts raus, meint die Miz. Ruckzuck ist der Karton geöffnet, und es sind tatsächlich Schuhe drin, ein Paar hübsche Damenschuhe.

Und nun, wohin mit dem Paket? Miz Kitty trägt es nach Hause und schreibt der Empfängerin eine Email, nochmal mit der Bitte, sich zu melden, zwecks Paketübergabe. Wir warten also jetzt ein paar Tage, ob sie sich meldet. Danach: Ggf. zum Postamt damit, hinlegen, wegrennen. Diskussionen dort über ein fehlgeleitetes Paket sind ja nicht so fruchtbar.


Schauen Sie sich hier noch die Fotostory zum Berliner Teil der Packstation-Verschwörung an:
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Kommentare (12) Schreibe einen Kommentar

  1. Eine regelrechte Foto-Love-Story, die Sie da erzählt haben. Bin von der Miz zu Ihnen rübergekommen. Mysterium Packstation.

    Ein Glück, dass ich in Berlin auch nette Nachbarn habe und in FFO viel näher an der Post als an so was Neuzeitlichem wohnte.

  2. Hach, wunderschön die Schuhe. Achso, nein, der Bericht natürlich. Vielen Dank für den Einsatz als Bodyguard und Chronist. Die Fotos machen es so, als wäre ich dabei gewesen :-)

    Ob wirklich DHL Schuld ist, können Sie rasch überprüfen – ist denn die Postnummer auf dem Paket mit meiner identisch? Ich glaube, das wird rein nach Postnummern einsortiert, der Name ist uninteressant. Vielleicht liegt hier (ausnahmsweise) der Fehler nicht bei DHL, so sehr es mich schmerzen würde.

    Wobei ich insgesamt gar nicht so unzufrieden bin – ich bin eine Packstationkundin der ersten Stunde (sehen Sie die kurze Nummer auf meiner Goldkarte?!), die Station stand immer dort, wo auch mein Auto (Carsharing) steht. Das war praktisch. Dann wurde sie aber abgebaut, die Packstation (die Carsharingstation auch, aber das ist eine ganz andere Geschichte), und seitdem bestelle ich nur noch an einen Kasten, wenn Mademoiselle die Lieferung nicht sehen soll. Geburtstag, Weihnachten und so. Ganz früher war es auch noch so, dass man an den Briefkasten die eigene Postnummer kleben konnte. DHL kam also erst nach Hause, und wenn dort keiner war, ging das Paket in die Station. Das gibt es leider schon lange nicht mehr, heute ist es ja eher so, dass man an die Packstation bestellt und dann zur Post laufen soll.

    Aber am allerschlimmsten finde ich, dass DHL einfach nie antwortet. Gut, per kostenpflichtiger Hotline ja, aber allein die Vorstellung ist ja schon absurd. Ich meine per Mail, Kontaktformular. Ich habe da schon vor fast 2 Wochen hingemailt, aber: nichts. Ist denen egal.

  3. Ich bin mir ziemlich sicher, dass uns das gelingt, was DHL nicht schafft und wir das Paket in der nächsten Woche zustellen können. Fortsetzung der Story folgt auf jeden Fall.

  4. Ok, eine neue Erkenntnis: Pakete sind eine Nummer.
    Die Nummer, die unter dem Barcode auf dem Paket-Label steht, ist identisch mit der Nummer, die in dem Bildschirmdialog (mittleres Bild, 3. Zeile) vor dem Öffnen angezeigt wurde. Also irgendwie schon das »richtige« Paket.
    Auf dem Paket-Label steht übrigens »56564 Neuwied«. Dort wurde das Paket vermutlich aufgegeben. Haben Sie vielleicht auch ein Paket aus Neuwied erwartet oder bekommen? Dann könnten die Label beim Aufkleben vertauscht sein.
    Wobei, ich denke mit logischer Ursachenforschung kommt man im System Packstation nicht viel weiter.
    PS: Die Idee mit der Packstation zwecks unauffälliger Geschenkanlieferung ist gut. Muss ich mir merken. Mal sehen ob ich’s wage oder konventionell im Geschäft nebenan anliefern lasse.

  5. Nee, ich habe gar kein Paket erwartet, weder aus Neuwied noch von sonstwo. Es hätte also allerhöchstens ein Überraschungsgeschenk sein können – welche Größe haben die Schuhe denn? ;-)

    Ist auf dem Paket denn keine Postnummer drauf? Eine Packstationadresse ist ja normalerweise so aufgebaut:

    Name, Postnummer
    Packstation Nr.
    PLZ Ort

    Wenn eine drauf ist, könnte man es theoretisch einfach (unfrankiert, mit Notiz dazu) wieder in die Packstation einlegen und hoffen, dass DHL es beim zweiten Mal schafft. Bei meinem Irrläufer von vor ein paar Jahren war allerdings keine Postnummer drauf, dann ist es doppelt mysteriös.

  6. Das steht alles auf dem Paket drauf. Unfrankiert in die Paket Packstation einlegen bedingt die Hürde, dass der Barcode vorher gelesen wird und die Station das Paket nicht will. Da ist es dann doch einfacher, das Paket beim nächsten Postgang dort zu ‚vergessen‘. Einer von den Mitarbeitern muss sich dann drum kümmern ;) Erst mal warten wir noch ein Paar Tage. Vielleicht meldet sich die Dame ja noch.

  7. Ich meine, man kann auch ein (vermeintlich) fertig frankiertes Paket in die Packstation einlegen, dann ist nur der Packstation Barcode drauf. Aber da kann ich mich täuschen.

    Aber – entschuldigen Sie die Hartnäckigkeit – nochmal zurück zu meiner Fragen: steht meine Postnummer drauf, oder eine andere? Nur, damit ich die Schuldzuweisung korrekt in meinem Geschichtengedächtnis ablegen kann ;-)

  8. Das Paket ist adressiert an eine sechsstellige Nummer, die ich hier natürlich nicht öffenlich nennen mag. Sie beginnt mit 41 und endet mit 6.
    Adressiert also an: 41…6 Packstation 103, 12045 Berlin.
    Vielleicht ist die 41…6 ja Ihre Nummer? Die Nummer auf Ihrer DHL-Karte (sofern das denn Ihre Postnummer ist) haben wir uns nicht gemerkt. Die Karte ist schon seit Samstag nachmittag wieder auf dem Weg zu Ihnen.

  9. Achso, so schnell sind Sie, damit hatte ich nicht gerechnet, aber heute war der Brief dann auch schon da. Das ist meine Nummer. Vermutlich hat die richtige Empfängerin da einen Zahlendreher oder sowas gemacht…

  10. Ok, die Postnummer war es also. Irgendwie fehlt da trotzdem der Abgleich zwischen Name, Postnummer, Packstations-Nummer, PLZ, und Ort. Stelle mir gerade vor, ich bin Packstation-Kunde und ein nachlässig-schlampiger Sender verdreht die Zahlen in meiner Postnummer: Mein Paket landet irgendwo und wird zurückgeschickt. Schön:(

    Nun, das besagte Paket wäre wohl sowieso zurückgeschickt worden. Die Empfängerin hat sich gemeldet und ist gerade außerhalb Europas. Lesen Sie im Kitty-Blog: http://kittykoma.de/2013/01/22/die-packstation-verschworung-ii/

    Schade natürlich, das die Sache jetzt gelöst ist. Hatte mich schon drauf gefreut, hier in der Post an der Torstraße den zerstreuten Professor zu mimen, der zwischen ’ner Handvoll Päckchen und Postsendungen das Paket auf einem der Tische vergisst. Weitere Szenarien wie Bombenalarm, Post-Evakuiierung, Anrücken vom Kampfmittelräumdienst, Paket-Sprengung, etc. nicht ausgeschlossen.

  11. Die Packstation IST DER GRÖßTE QUATSCH ÜBERHAUPT
    in der letzten Woche sollten 3 Pakete an die Station bei mir um die Ecke zugestellt werden und weil sie anscheinend voll war, wurde ein Paket an die zentrale Postfiliale geleitet, das zweite Paket heute an eine andere Packstation und am gleichen Tag noch das dritte Paket an eine ganz andere Postfiliale.. echt toll ich muss jetzt 3 Pakete von 3 unterschiedlichen Orten einsammeln..
    telefonische Kundenbetreuung sagt dazu: „Ist ja alles noch im erlaubten 3 Km Umkreis. Der Fahrer entscheidet dann beliebig wo er das Paket ablegt. Das steht in den AGBs“

    Wenn das ein VORTEIL der Packstation sein sollte dann ist für mich DHL gestorben.

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